Allerheiligenvorschauer 2020

Wir sind fast bei NFL-Saisonhalbzeit angekommen!

In der letzten Nacht wurden auch in den USA die Uhren nachgestellt, und so haben wir heute wieder gewohnte Kickoff-Zeiten: 19h, 22h05 bzw. 22h25 und 02h20.

Es ist der letzte Spieltag vor der US-Präsidentschaftswahl und der letzte vor der Trade-Deadline (beides am Dienstag). Wer heute im Gamepass Einzelspiel schaut, dürfte also noch den einen oder anderen Werbe-Einspieler der beiden Kandidaten serviert bekommen. Am Trade-Markt gibt es derweil einige Gerüchte, aber bis jetzt wurden lediglich Ergänzungsspieler verkauft.

Der Baltimore-Einkauf von EDGE Yannick Ngakoue aus Minnesota war noch der größte Moves. Ansonsten? Cincinnati-EDGE Carlos Dunlap nach Seattle und Cowboys-EDGE Everson Griffen nach Detroit.

Möglicherweise werden Teams wie die Cowboys oder Jets bis übermorgen noch das eine oder andere Mal den Hörer abnehmen. Beide gelten schon im „Fire-Sale“ Modus.

Zum Spieltag

Sechs der wichtigsten Spiele habe ich wie immer mit Fabian Sommer beim Lead-Blogger schon gemacht:

Psaier & Sommer – Sunday Watch Week 8

Zu den heutigen Spielen.

Frühschicht ab 19h

  • Buffalo Bills – New England Patriots
  • Cincinnati Bengals – Tennessee Titans
  • Cleveland Browns – Las Vegas Raiders
  • Detroit Lions – Indianapolis Colts
  • Green Bay Packers – Minnesota Vikings
  • Kansas City Chiefs – New York Jets
  • Miami Dolphins – Los Angeles Rams
  • Baltimore Ravens – Pittsburgh Steelers

Es ist eine pickepackevolle Frühschicht – auch mit guten Storylines. Tua Tagovailoas Debüt allein ist Einzelspiel-würdig. Viele sind der Meinung, dass Miami damit seine Playoff-Ambitionen aufgibt – aber ich sehe das alles ein wenig anders: Ryan Fitzpatrick hätte seinen Level eh kaum halten können, und Tua ist der QB-Prospect der Zukunft.

Ich weiß nicht ob ich so weit gehen würde wie „Tuaist“ der ersten Stunde Rodger Sherman und Tua als den QB deklariere, der Miami schon 2020 in die Playoffs bringt, aber Punkt ist: Tagovailoa hat bis jetzt immer schnell geliefert. Wirkte niemand überfordert. Und auch wenn heute vieles für einen harzigen Einstand spricht, so gibt es in Miami doch einen Trainerstab, der Tua mit den richtigen Mitteln für Erfolg ausstattet.

Es gibt natürlich noch zwei Mannschaften, die etwas gegen ein Aufkommen der Dolphins haben – und die spielen heute gegeneinander: Bills (5-2) vs. Patriots (2-4). Bei den Patriots gab Bill Belichick gestern zu, dass sein Kader-Management aus Cap-Gründen für 2020 nicht wirklich optimal sein konnte; es wirkte fast so als hätte Belichick 2020 schon aufgegeben. Die Wachablöse in der AFC East steht sooooo kurz bevor!

Bei den Bills ist QB Josh Allen nach seinem heißen Saisonstart ziemlich abgekühlt. Der extrem selbstbewusste QB der ersten Wochen, der in sämtlichen instabilen Metriken wie Pressure-Grade, Play-Action Erfolg und 3rd Downs so überirdisch gespielt hat, ist nicht mehr.

In New England macht sich dagegen Endzeitstimmung breit. Die Offense um Cam Newton hat zwei horrende Wochen hinter sich. Die Defense ließ sich von San Francisco letzten Sonntag an die Wand spielen. Heute trifft man auf eine völlig andere Typologie Offense, bei der man weiß wen man aus dem Spiel nehmen muss (Allen, WR Stefon Diggs), aber dafür fehlt CB Stephon Gilmore.

Die Patriots könnten eventuell nun in einen subtilen „Tanking-Modus“ umschalten, wenn sie sehen, dass sie ihre Offense wirklich nicht mehr in Gang kriegen.

Packers vs. Vikings ist die Partie, in der die Green-Bay-Offense-Line total dominieren sollte und damit auch ohne RB Aaron Jones viele Rushing-Yards gemacht werden. Ich sehe nicht, wie die Vikings hier genug Gegenwehr entwickeln können, dass das ein knappes Spiel wird.

Chiefs vs. Jets ist in den Wettbüchern mit einem 21-Punkte-Favoritenstatus für Kansas City gestartet. Mittlerweile wird es mit 19.5 Punkten gelistet. Solche krassen Spreads waren in der Vergangenheit immer gefährlich fürs Wetten, da immer die Gefahr von Schlendrian und „Backdoor-Cover“ besteht.

Die Chiefs in dieser Saison sind auch so ein Team, denn Andy Reid scheint die gegnerischen Einladungen zu hohen Run-Quoten nur allzu gern anzunehmen. Außerdem: Leveon-Bell-Revenge-Game.

Lions (3-3) vs. Colts (4-2) ist ein schwierig einzuschätzendes Spiel. Es sind zwei mittelmäßige Mannschaften, bei denen noch nicht sicher ist in welche Richtung sie sich entwickeln werden.

Detroit ist horrend in die Saison gestartet, hat sich aber in Offense und Defense etwas konsolidiert. Trotzdem sind weiter viele Spiele auf der Kippe. Man schauen sich nur an wie das Chicago-Spiel (Swift-Drop in letzter Sekunde) und das Falcons-Spiel (Gurley-Touchdown, dann Comeback-Drive) ausgegangen sind.

Offensiv tappt man weiter in die Run-First-Falle, und auch schematisch sieht das alles bissi bruchstückhaft aus. Wenn nicht QB Stafford, WR Golladay oder TE Hockenson in Eigenregie kreieren, kommt nicht viel bei rum. Die O-Line ist eher durchschnittlich – wenn die Colts mit vier Mann kommen und so aufgeigen wie ganz am Anfang der Saison, dann kann es bitter werden.

Andererseits ist auch die Colts-Offense nicht ganz verlässlich. Die O-Line ist top, aber ich habe jetzt schon mehrere Beobachter sagen hören, dass sie nicht mehr so dominant wie 2018 und 2019 ist. Waffen sind da, aber auch nicht zum Verschenken. Lions-Defense ist in den letzten Wochen besser geworden und könnte mit der Rückkehr von Slot-CB Coleman und CB Trufant auch bessere Coverage haben.

Bleibt der eigentliche Kracher der Frühschicht, Ravens (5-1) vs. Steelers (6-0), genannt das „Blitz-Festival“, weil beide Defenses extrem über Blitzing (jeweils 40-50%) kommen. Pittsburgh ist das letzte ungeschlagene Team der NFL und für viele auch die #1 in allen Power-Rankings, aber ich bin mir nicht ganz sicher ob ich da mitgehen würde.

Was auf jeden Fall bei den Steelers stimmt:

  • Ihr Wide-Receiver-Corps ist fantastisch auf breiter Basis. Jede Woche legt ein anderer der vielen Irrwische atemberaubende Zahlen auf – je nachdem, wen die Defense schematisch nicht aus dem Spiel zu nehmen vermag. Chase Claypool ist bis jetzt der Star, aber wenn er mal
  • Die Defensive-Front ist sehr stark, und wenn die Individualisten wie TJ Watt oder Bud Dupree oder Cam Heyward oder Stephon Tuitt nicht genug Dampf veranstalten, dann kommt dieser sicher durch das permanente Blitzing

Aber auf der anderen Seite: Die Secondary wirkt ein wenig überschätzt, und Ben Roethlisberger ist nicht mehr der Alte. Er ist ein effizienter Ballverteiler, der wenige grobe Fehler begeht, solange er das Spiel nur verwalten muss. Doch Kreiren im Sinne des Roethlisbergers von 2012-2017 kann er nicht mehr. Hier mal ein paar Effizienz-Stats und Facts:

  • #16 EPA/Play
  • #20 CPOE
  • #23 QBR
  • #19 PFF Passing Grade

Roethlisberger wirft vergleichen mit seinem Karriereschnitt extrem kurze Pässe: 6.6 Air-Yards/Passversuch, #29 der NFL. Roethlisberger wirft im Schnitt sehr schnell.

Damit kaschiert er vielleicht auch ein Pass-Blocking-Problem, denn die O-Line ist etwas umstritten: PFF rankt sie an #7 der Pass-Blocker, aber nach PBWR sind die Steelers nur an #28. Und es gibt noch ein Problem mit der Steelers-Offense…

…wir haben es in dieser Saison schon mehrfach angesprochen: Steelers-Offense lebt von ihrer 3rd-Down Effizienz. In den tendenziell stabilen Early-Downs ist die Offense eine der schwächsten in der NFL:

Diese Beobachtung deckt sich auch mit der Drive Success Rate: Die Steelers verwerten nur 44% ihrer 1st und 2nd Downs zu neuen 1st Downs. Sogar die Jets sind besser! Und nur die Giants sind noch einen Tacken schwächer:

Baltimore auf der anderen Seite hat seine ganz eigenen Offense-Probleme und rangiert nur mehr im Liga-Mittelfeld. Es fällt eine viel höhere Passing-Quote als noch 2019 auf, aber es kann auch sein, dass die Ravens in diesen ersten Wochen ihren angeschlagenen QB Lamar Jackson unter Verschluss gehalten haben um ihn in den Momenten, in denen er wirklich gebraucht wird, loszulassen.

Eine andere Theorie besagt, dass die Ravens heuer in der Regular Season vor allem „Establish the Pass“ austesten wollen um nicht wieder ins offene Messer zu laufen, wenn sie in den Playoffs Rückstände aufholen müssen.

Baltimores großer Vorteil: Die fantastische Defense hat die Mannschaft bis jetzt mit Ausnahme des Mahomes-Spiels immer getragen und schon dafür gesorgt, dass die Offense nie in die Bredouille geraten ist. Aber heute kann sein, dass Jackson wirklich mal mehr zeigen muss als das Nötigste, denn es geht gegen den direkten Rivalen um den Divisionssieg.

Spätschicht ab 22h

  • Denver Broncos – Los Angeles Chargers (22h05)
  • Chicago Bears – New Orleans Saints (22h25)
  • Seattle Seahawks – San Francisco 49ers (22h25)

Das Topspiel ist natürlich der NFC-West-Kracher Seattle vs. San Francisco. Diese beiden intensiven Rivalen haben sich in den letzten Jahren so oft gematcht, dass es kaum Geheimnisse voreinander geben sollte – allerdings ist Kyle Shanahan ein Meister darin, kleine Vorteile beim Gegner zu finden.

San Francisco ist nicht mehr so waidwund wie noch vor ein paar Wochen, aber richtig „fit“ ist der Kader noch nicht (heute fällt z.B. wieder Deebo Samuel aus). Letzte Woche legte man trotzdem 33 Punkte in einer fast fehlerlosen Offense-Vorstellung über New England, und heute treffen die Niners auf eine Defense, die verglichen mit New England als deutlich schwächer gilt. Tendenziell könnte es ein Fest für WR Brandon Aiyuk werden.

Bei den Seahawks interessiert mich vor allem ein Ding: Werden die Coaches weiter auf dem Gaspedal bleiben, jetzt wo Russell Wilson mal ein Spiel mit Fehlern weggeworfen hat? Oder werden sie sich daran erinnern, dass die Wilson-Offense immer noch 34 Punkte erzielt hat und der Grund war, dass Seattle so lange so dominant ausgesehen hat – auch in dem einen verschenkten Spiel?

Sonst noch witzig: Wer wird gegen DK Metcalf gestellt? San Franciscos bester fitter Cornerback ist Jason Verrett, der zwei Kopf kleiner und 40 Pfund leichtgewichtiger ist.

Denver vs. Chargers ist schematisch durchaus interessant, weil Denvers Defense darin gut ist worin Chargers-QB Justin Herbert stark ist: Deep-Passing.

Bears vs. Saints habe ich beim Lead-Blogger gecovert. Das Spiel wird eine windige Angelegenheit, aber Drew Brees wirft eh nur kurz. Dafür hat Brees aber eine Anspielstation weniger als gedacht, denn nicht nur Emmanuel Sanders wird weiter ausfallen, sondern auch WR Michael Thomas.

Nachtschicht ab 2h20

  • Philadelphia Eagles – Dallas Cowboys

NFC-East-“Kracher”? 2-4-1 Eagles gegen 2-5 Cowboys. Philly ist haushoher Favorit, weil Dallas wohl mit 3rd-String-QB Ben DiNucci auflaufen muss. Der ist Rookie und war im Scouting-Prozess noch nichtmal bei den Freaks auf dem Draft-Board.

DiNucci hat schon eine interessante Karriere hinter sich. Erst wollte er beim Ivy-League College Penn inskribieren, aber dann kam die Offerte von den Pittsburgh Panthers aus der ACC. Dort konnte er sich erst nicht gegen Nathan Peterman (ja, den Nathan Peterman) durchsetzen, ehe er zwei Jahre später erneut den Job verlor – diesmal gegen einen QB namens Kenny Pickett, der Pitt seither recht unauffällig „quarterbackt“.

DiNucci ging runter in die FCS zum kleinen College James Madison, wo er offenichtlich genug überzeugte um in der siebten Runde an #231 gedraftet zu werden. Ich habe das FCS National Championship Game gesehen, wo DiNuccis Team gegen North Dakota State spielte – und dort war er ziemlich übel, nahm zahlreiche unnötige Sacks und warf unpräzise Pässe. Ein einziges schwaches Spiel natürlich macht noch keine Karriere. Daher bin ich heute gespannt.

Normalerweise sollten die Eagles hier aber auch im Krisenmodus gewinnen können.

3 Kommentare zu “Allerheiligenvorschauer 2020

  1. Viel mögliches Bad weather heute, vielleicht sollten die Pats einfach Triple Option auspacken und loslegen:

    Zu Lamar, da war doch vor ein paar Wochen dieser Artikel, dass er überall gleich spielt wie letzte Saison außer bei Empty, wo er von #1 auf den letzten Platz abgefallen ist. Blitzes sind das Ding, das ihn aus dem Konzept bringt.

    Vielleicht einfach dran arbeiten oder noch einen guten Slot WR wie Tate oder Crowder in der Trading Deadline holen, dann ist das Problem entschärft?

  2. Ich bin bei den Steelers auch noch nicht überzeugt von der Offense. Nur mit 5 Yards Pässen kommt man nicht weit, da muss noch mehr kommen irgendwann.
    So gedacht ein richtig guter Test heute, und weil PIT gegen die Ravens eh nur splitten muss und heute auswärts ist, wäre eine Niederlage noch kein Beinbruch.

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