Samstagsvorschauer: Spitzenspiel ohne Superstar

Update: Jetzt ist auch der Roundtable online.


Guten Morgen. Noch immer kein Sender, der den seit drei Tagen unvermeidlichen Biden-Kantersieg „callen“ will? Gut, dann zur Überleitung zum heutigen Thema des Tages.

Herschel Walker war einst bei den Georgia Bulldogs ein Superstar im College Football. Seit ein paar Jahren fällt er als fanatischer Anhänger des Trump-Lagers auf. Walkers Lösung für die Wahlschlappe ist von ganz erstaunlicher Kreativität und steht bestimmt nicht mit dem einen oder anderen zu viel kassierten Hit in Relation:

Der neueste Wunder-Quarterback

Zu zwei weiteren knallroten Staaten: College-Football-Vorschau heute sollte sich um BYU – Boise State drehen, und den famosen BYU-Quarterback Zach Wilson, der den BYU-Schedule bis dato in Grund und Boden gespielt hat. Aber dann komme ich drauf, dass das Spiel schon vor ein paar Stunden in der Nacht auf heute gespielt wurde. Voll peinlich.

Ich verlinke für die Draft-Nerds trotzdem schonmal Wilsons Youtube-Analyse von J.T. O’Sullivan. Wir sprechen bei diesem QB-Prospect von einem kleinen Mahomes-Klon: Ein paar f-a-n-t-a-s-t-i-s-c-h-e Würfe, viele super Anlagen, gute Mobilität und Improvisationstalent, aber halt auch noch ein paar brutale In-Game Entscheidungen. O’Sullivan zeigt einige von ihnen auf.

Ich bin gespannt wie es mit Wilson weitergeht. In PFFs Preseason-Draftguide war Wilson noch nichtmal im Blickfeld gerankt, und bei Dane Brugler gab es nur einen Wilson unter den Toptalenten, und das war Marvin Wilson von FSU. Mittlerweile handeln die meisten Draft-Boards Zach Wilson aber schon als sicheren 1st Rounder. Bei solchen Würfen verständlich:

Aber dann halt auch wieder die Vorsicht vor dem schwachen Schedule und sehr vielen einfachen Entscheidungen. Boise State ist der beste Regular-Season-Gegner von BYU und hat u.a. letzte Woche atemberaubend gute Offense gegen Air Force gespielt. Also gleichmal die Highlights von BYU-Boise reinziehen bevor es weitergeht…

Fertig damit?

Dann kommen wir zur Pac-12 Conference, die heute als letzte Power-5 Conference ihren Spielbetrieb aufnimmt und eine Art „Turbo-Schedule“ im Schnelldurchlauf spielt: 6x Regular Season vor einem Conference-Finalwochenende am 19. Dezember. Ob man damit einen ernsthaften Playoff-Contender fabrizieren kann, steht in den Sternen – aber wahrscheinlich ist eh keine Mannschaft komplett genug für einen Durchmarsch.

Die South-Division gilt heuer als kompletter, während im Norden eigentlich nur Oregon und Washington wirklich höheren Ansprüchen gerecht werden dürften. Aber Oregon hat einen neuen QB (Justin Herbert ist ja schon in der NFL) und Washington einen neuen Head Coach (Chris Peterson ist in Rente gegangen).

Max Länge hat beim Lead-Blogger eine Vorschau zu den Oregon Ducks geschrieben. Dazu kommt auch gleich noch ein Round-Table mit den essenziellsten Fragen zu den Mannschaften.

Covid Football

Natürlich muss man aber nach wie vor die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Saison stellen. Ein Beispiel? Cal und Washington hätten heute gegeneinander spielen sollen. Doch schon dieses Auftaktspiel wurde wegen Coronafällen bei Cal abgesagt ehe gestern Abend mit Utah-Arizona noch ein zweites Pac-12 Spiel gecancelt wurde:

Die anderen abgesagten Partien mit Power-Conference-Beteiligung betreffen Wisconsin-Purdue und Louisville-Virginia. Insgesamt wurden 10 Partien abgesagt oder verschoben, wenn der ESPN-Schedule nicht trügt.

Sonstiger Schedule

Ich beschränke mich mal auf ein paar ausgewählte Highlights.

18h: #13 Indiana – #23 Michigan. Indiana ist 2-0, Michigan 1-1. Indiana hat seit fast 35 Jahren nicht mehr gegen Michigan gewonnen, aber trotz des besseren Saisonauftakts ist Michigan bei den Buchmachern noch leicht favorisiert. Doch ein Hoosiers-Sieg ist dann nicht ausgeschlossen, wenn QB Michael Penix die Vorstellung der letzten eineinhalb Spiele wiederholen kann – und natürlich, wenn Michigan wieder so verteidigt wie letzte Woche im Lokalderby gegen Michigan State. Es war schon brutal, wie ein tiefer Pass nach dem anderen die einst so dominante Michigan-Defense komplett verbrannte.

18h: #20 USC – Arizona State. Ungewöhnlich frühe Anstoßzeit für ein Westküstenspiel – wie gemacht um die dem Vernehmen nach sensationell talentierte USC-Offense anzuschauen: QB Kedon Slovis gilt als angehender hoher NFL-Pick und hat 2019 fantastisch gespielt. Und die Receiver um den Deutschamerikaner Amon-Ra St. Brown und Tyler Vaughns gehören zum besten im Lande.

Auch ASU hat einen spektakulären QB: Jayden Daniels. Der ist ein unglaublicher Runner, hat aber als Passer zumindest letztes Jahr noch nix gerissen.

18h: #22 Texas – West Virginia. Spannende Ansetzung. Texas wirkte die ersten Wochen gerade in der Defense desaströs, erfing sich aber und gewann letzte Woche überraschend gegen Oklahoma State. Was mich verblüfft, ist die Unsicherheit, die Texas-QB Sam Ehlinger ausstrahlt. Ehlinger hatte letzte Woche mehrere Bullshit-Momente und ist Lichtjahre von dem von mir erhofften Heisman-Status entfernt. Heute kann es noch übler kommen: WVU mag den Ruf einer Offense-Macht haben, aber diese Saison ist gerade die Passing-Defense äußerst knackig. Die Cornerbacks Tykee Smith und Dreshun Miller kriegen einigen Hype.

By the way: Ich bin erst gestern dahintergekommen, warum West Virginia auch abseits des einstigen Passfeuerwerke ganz wunderbar in die Big 12 passt:

21h30: #5 Georgia – #8 Florida. Das „World’s largest Outdoor Cocktail Party”-Derby aus dem US-Südosten, das dieses Jahr recht nüchtern über die Bühne gehen wird, verglichen mit den studentischen Saufgelagen der letzten Jahre. Corona ist schuld. Sportlich geht es um die Qualifikation für das SEC-Finale. Beide haben schon einmal verloren; der Sieger dieses Spiels hat das Endspielticket fast in der Tasche.

Floridas Spread-Offense lebt davon, dass QB Kyle Trask wenige Fehler begeht, dass TE Kyle Pitts als Sicherheits-Option für so gut wie jede Spielsituation fungiert und WR Kadarius Toney gelegentlich Big-Plays aus dem Nichts kreiert. Aber wirklich begeisterungsfähig ist diese Offense trotzdem nicht. Dass sie eine der besten US-weit nach EPA/Play ist, hätte ich nicht gedacht.

Vor allem: Sie hat noch keine annähernd vergleichbare Defense wie jene von Georgia gesehen. Die spielt vorne druckvoll und hinten bombensicher in Coverage. Sogar Alabama hatte in Bestbesetzung über eine Halbzeit lang seine Probleme.

Frage ist ob Georgias Offense lange genug mitgehen kann. Die Quarterback-Probleme der Bulldogs hatte ich schon ein paar Wochen lang thematisiert. Zuletzt ist ziemlich klar geworden, dass der Walk-On Stetson Bennett dann wohl doch nicht gut genug ist, wenn man Playoff-Ambitionen hegen will. Aber wird sich Kirby Smart durchringen, den nominell eigentlich hochkarätigeren JT Daniels (kam von USC) einzuwechseln?

21h30: #6 Cincinnati – Houston. Mid-Major-Duell. Das ungeschlagene Cincinnati feiert Kantersieg um Kantersieg und gilt mit seiner furchterregenden Defense mittlerweile als Playoff-Außenseitertipp. Ich bin schon kurz davor, mir ein Bearcats-Bandwagon-Ticket für die Playoffs zu bestellen!

1h: #4 Notre Dame – #1 Clemson. Das Spiel der Woche. Clemson und Notre Dame sind dieses Jahr ACC-Rivalen, und beide gelten als exzellente Playoff-Kandidaten. Dumm nur, dass bei Clemson heute QB Trevor Lawrence erneut wegen Covid-Erkrankung fehlt. Ausgerechnet Lawrence – das Aushängeschild des College Football!

Lawrence wird heute wie schon letzte Woche ersetzt vom bulligen Backup-QB D.J. Uiagalelei. Der wirkte letzte Woche beim knappen 34-28 Comeback-Sieg der Tigers gegen Boston College durchaus passabel. Der Mann hat einen fetten Wurfarm, ist mobil und kann Gegner notfalls überlaufen. So ganz zu vertrauen schien ihm Dabo Swinney allerdings noch nicht – verständlich, wenn man einen Superstar-QB runternimmt und mit einem Grünschnabel ersetzt.

Uiagalelei muss heute gegen eine der besseren Defenses im Lande ran: Notre Dame ist bei SP+ die #8 Defense, und das mag die Qualität dieser Unit unterschätzen. Spektakulär ist diese Defense nicht, aber solide auf allen Ebenen: Run-Clogger gegen Inside-Runs, Speed gegen Outside-Runs und Swing-Pässe, gute Pass-Rusher, mehr als solide Cornerbacks und ein LB Jeremiah Owusu-Koramoah als Ankermann in Run-Defense und Coverage (Grades jeweils über 80). Die Erwartung ist, dass Clemson nicht nach Gutdünken scoren kann.

Auf der anderen Seite geht bei Notre Dame die Angst um, ob es überhaupt reicht, wenn die Defense auch nur 20 Punkte zulässt, denn der QB Ian Book spielt eine maximal mittelmäßige Saison. Book galt vor ein paar Jahren mal als Hoffnungsträger, aber so richtig entwickelt hat er sich nicht. Er sieht Geister in der Pocket und hat nicht den Arm um engere Fenster zu treffen – gegen eine Clemson-Defense, die mit vielen „disguises“ arbeitet und bekannt für ihre schnellen, aggressiven Verteidiger ist, klingt das wie Rezept für Desaster.

Mit Lawrence wäre das Matchup womöglich eine klare Sache. Aber auch so glauben eigentlich fast alle Experten, auf die ich was gebe, an einen Clemson-Sieg. Großes Spektakel erwartet man zwar nicht – eher einen Grinder-Sieg. Aber selbst wenn Clemson das knapp verliert, dürfte es kein Todesstoß für die Playoff-Hoffnungen sein, denn so wie das Playoff-Komitee operiert, schreiben sie einem 9-1 Clemson mit einziger Niederlage gegen Notre Dame am Ende diese eine Pleite als Freak-Unfall ab.

Bei Notre Dame? Not so much. Lose, and you are FIRED.

1h30: #3 Ohio State – Rutgers. Ohio State cruiste sicher durch die ersten beiden Wochen. In Woche 1 noch deutete sich eine mögliche Regression von O-Line und D-Line an, aber letzte Woche war davon nicht mehr viel zu sehen. QB Justin Fields spielt traumwandlerisch sicher, wenn auch nicht so spektakulär wie obiger Kollege Zach Wilson. Noch großartiger finde ich persönlich den Receiver-Irrwisch Chris Olave, der ganz einfach jedes einzelne Mal meterweit offen steht, egal welche Route er läuft.

1h30: #12 Oregon – Stanford. Erster Blick auf die neue Oregon-Offense. Fünf neue O-Liner (u.a. setzt der massiv für den nächsten Draft gehypte LT Penei Sewell aus) und neuer QB. Tyler Shough ist der Neue, und er kriegt schon guten Hype.

2h: #15 Coastal Carolina – South Alabama. So stark BYU und Cincinnati aufspielen, es gibt in diesen Wochen noch einen dritten Mid-Major, der Rankings aufmischt. Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich Coastal Carolina auf diesem Blog größer erwähne. Das Programm nennt sich „Chanticleers“ (zu dt. Gockelhähne) und spielt erst seit 2017 in der Sunbelt Conference mit. Bis jetzt waren sie nicht weiter aufgefallen und hatten noch keine Winning-Seasons.

Jetzt steht Coastal Carolina bei 6-0. Ich habe vor ein paar Wochen bei diesen Jungs reingezappt und nicht nur ist das Spielfeld dort in entzückender türkisblauer Lagunenfarbe bemalt als wollten sie uns das Urlaubsfeeling nachliefern, das uns 2020 vorenthalten hat, sondern auch die Offense sieht durchaus kompetent aus.

Der Freshman-QB Grayson McCall hat zwar nicht den mächtigsten Wurfarm unter der Sonne und muss häufig mit dem hinteren Fuß nachhelfen um genug Punch in die Würfe zu bekommen, aber nach einer wilden Startphase machte er quasi keine Fehler mehr. Von Spread-Passing über Option-Plays war in dieser Offense alles dabei was Laune macht – ein willkommenes Kontrastprogramm zwischendurch, wenn die aufgepumpten Jungs aus SEC oder ACC langweilig werden.

4 Kommentare zu “Samstagsvorschauer: Spitzenspiel ohne Superstar

  1. Du handelst das Georgia Florida Game hier so klein ab, dabei ist es das WICHTIGSTE IN GEORGIA IN DIESER GANZEN WOCHE!!! :DDD

  2. West Virginia war 2016 der Staat, in dem Trump die höchste Prozentzahl aller Staaten bekam. Viele weiße Kohlenarbeiter ohne College-Abschluss eben, also genau die Demographie, in der Trump am besten ankommt. Gerade die Kohlejobs waren ja sehr zentral in seinem Wahlkampf 2016 und sind es bis heute und kaum ein (bzw kein) Staat ist so geprägt vom Bergbau und der Kohleindustrie wie West Virginia. Deshalb sind solche Wahlergebnisse mit Trump als Option auf dem Stimmzettel nicht überraschend. Der Staat an sich ist aber eigentlich nicht so rot wie bspw Oklahoma, obwohl der Staat in den letzten Jahren sicher nochmal roter wurde.

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