Nachklapp – NFL Woche 9

Guten Morgen.

Ich bin gestern Abend noch kurzfristig bei den Sofa-Quarterbacks eingesprungen, und habe gemeinsam mit Christian Schimmel unter Anleitung von Nicolas Martin über den neunten Spieltag und alle möglichen Auswirkungen für den Rest der Saison gesprochen: Podcast Sofa-QB Week 9.

Ich war eigentlich ganz froh mal nix zu schreiben, weil mir vom Wochenende noch die Griffel weh tun: Der Mailbag muss entweder der längste Blogeintrag hier ever gewesen sein – oder nahe dran. Ich kann aber nicht verhehlen, dass es Spaß gemacht hat. Ich freue mich auch über die vielen positiven Rückmeldung. Danke euch.

Es gibt in dem Zug noch zwei Artikel abseits dieses Blog, auf die ich verweisen kann: Meine Autorenvorstellung beim Lead-Blogger und den Artikel drüben bei Der-Draft von Christian Schimmel, mit dem mich in der deutschen Community die mutmaßlich älteste Zusammenarbeit von allen verbindet. Ich hab mal den Artikel rausgesucht, für den ich ihn damals rekrutiert hatte: Rose Bowl 2011 Preview. Iss lange her…

Was ist ein NFL-Catch?

Dann habe ich noch die kritische Interception-Szene bei Baltimore @ Indianapolis im Kopf. Ich kann es eigentlich immer noch nicht fassen, dass der Catch von Marcus Peters ein regulärer NFL-Catch ist – aber die Regelauslegung ist wohl eindeutig:

Unser Regelexperte Jonas Stärk hat mich daraus hingewiesen, dass dieser Auslegung der gleiche Grundgedanke wie beim Catch/Non-Catch von Jarvis Landry letzte Woche zugrundeliegt. Diese Szene ist hier perfekt aufbereitet.

Für mich ist das Juristendeutsch. Eine Regel kann nicht immer alle Fälle abdecken und die langen Jahre des Versuchs, NFL-Catches mit Hausverstand zu bewerten, ist krachend gescheitert. Peters‘ Interception war nur im Regelbuch ein Catch. Aber Regelbuch zählt nunmal.

Die Quarterback-Jungspunde

Will ich heute noch was über die jungen Quarterbacks wie Kyler, Herbert und Tua schreiben?

Kyler Murray: Coole Socke. Kyler hat gegen die Man-Coverage der Dolphins das gemacht was ich vor ein paar Wochen eigentlich gegen die Man-Coverage der Lions prophezeit hatte: Er hat über 100 Yards erlaufen. Murray ist gegen die Dolphins immer wieder einfach losgelaufen – und diesmal sogar häufiger downfield abgebogen. Meine Kritik an Murray war häufiger, dass er nicht rational genug scrambelt. In dem Spiel traf das absolut nicht zu.

Murray hatte tiefe Bomben, aber auch wunderschönen „Touch“ beim 24-24. Es war eine seiner besten NFL-Performances, aber letztlich hat er halt auch den Fumble-6 (neudeutsch: „scoop & score“) verschuldet, der das Spiel am Ende gekostet hat.

Auf jeden Fall aber war es Fortschritt bei Murray, den ich diese Saison ja schon hie und da als Sekundengenie kritisiert habe. Die ganze Arizona-Offense sieht die letzten 2-3 Wochen deutlich runder aus, und das kann nur gut sein.

Tua Tagovailoa: Kyler ist einer meiner ewigen Favoriten. Tua ist ein anderer. Tua hat gegen die Cardinals schon deutlich besser ausgesehen als bei seinem Starter-Debüt gegen die Rams. Tua bekam einen richtig schönen Gameplan, mit vielen schnellen Entscheidungen. Tua hat auch seine oft unterschätzte Mobilität gezeigt – nicht unbedingt nur bei Scrambles, sondern auch in seinem Pocket-Movement.

Sein Arm sah bei 2-3 richtig „legit“ aus: Scharfe, flache Flugkurve. Hier ein paar Plays mit fantastischer Präzision:

Hier nochmal schön:

Tua bei Rollouts ist richtig cool. Einmal Aber da waren auch einige Bullshit-Momente mit drin – meistens, wenn er den Ball zu lange hielt. Und nicht vergessen, dass die Cards-Defense maximal eine für gute Momente, aber nicht für ein ganzes gutes Spiel ist. Sie hat auch ohne die meisten Cornerbacks gespielt.

Justin Herbert. Big-Play Maschine. Ich bin wirklich gespannt wie sich Herbert langfristig macht. In jedem Spiel packt er 2-3 tiefe Bomben aus, die orgiastisches „WOOOWWWW“ hervorrufen. Die Pässe kommen an – auch wieder gegen die Raiders.

Aber Herbert lebt auch v.a. von diesen tiefen Pässen. Rechnen wir sie raus, bleibt gar nicht mehr so viel von ihm übrig – und darin liegt die Gefahr: Für gewöhnlich sind Quarterbacks stabiler, die in der Range von 10-20 Yards wie eine Maschine arbeiten. Dort hat Herbert Schwächen. Ist Herberts Stil auch über diese Saison hinaus zu halten oder droht dann die Keule – wenn die tiefen Bomben mal nicht mehr einschlagen und so…

Auf jeden Fall eine gute Zeit für junge QBs. Der diese Woche spielfreie Joe Burrow ist mit der imposanten Workload und seiner Qualität auf eben jenen 10-20 Yards downfield vielleicht die bessere Wette für langfristigen Erfolg. Aber Burrow hatte weniger Highlights und geht daher in der öffentlichen Wahrnehmung mittlerweile fast unter. Spettacolo.

5 Kommentare zu “Nachklapp – NFL Woche 9

  1. Content, Content, Content. Freut mich, dass du Stammgast bei den Sofa-QBs wirst 😉

    Kurze Info: Der eingebettete Link auf DerDraft.de verweist auch auf den Lead-Blogger.

  2. Da du, vermutlich mangels Zeitmangel, nicht auf DAS Spiel (Saints 38: Bucs 3) des Wochenendes eigegangen bist verlier ich hier ein paar Beobachtungen…

    Dies war das wichtigste Spiel der Regular Season für die Saints wenn man die Division gewinnen will. Also zeigte Payton den von mir oft vermissten Mut beim Playcalling und setzte alle seine Waffen ein. Er wurde dafür belohnt, dass er viel PreSnap Movement eingebaut hat, sowie designte Hotroutes für Nonames parat hatte und endlich wieder Taysom Hill nicht nur in erwartbaren Laufspielsituationen einsetzte. Ohne Kamara geht es natürlich nicht, aber Michael Thomas war nahezu ein nonfactor in diesem Spiel.

    Darüber hinaus konnte man sehen wie talentiert der Saints Kader eigentlich ist wenn alle Ihr A-Game bringen. Sie dominierten das Spiel in allen drei Phasen.
    Ausgehend war das alles von den beiden Lines die sowohl offensiv (insbesondere McCoy und Ramczyk), defensiv eigentlich die komplette Line. Insbesondere der wieder fitte Davenport in Kombination mit dem Speedrusher Hendrickson geben Ihnen eine weitere Dimension neben Cam Jordan. Hinzu kam das schon zu erwartend, Demario Davis ein fantastisches Game hatte und Lattimore zur Ausnahme mall wieder konzentriert agierte, was er leider nur bei Spielen auf großer Bühne tut. Die ganze Saison betrachtet ist Janoris Jenkins der deutlich bessere Cornerback.

    Trotzdem glaube ich noch nicht daran, dass die Saints ein SuperBowl Contender sind. Payton packt sein mutiges Playcalling leider nur noch aus wenn er es unbedingt muss. In den Playoffs war er meist sehr Konservativ, ausgenommen sein einziger SuperBowl als Headcoach. In der Regularseason war er mit weniger talentierteren Kadern oft mutiger als jetzt.
    Die Defense hat eigentlich auch alle Zutaten um ähnlich Dominant zu sein wie die Offense aber dies war das erste Spiel in dem Sie es wirklich auch gezeigt hat. Das ist mir also noch ein zu kleines Sampel um auf den Hypetrain aufzusteigen. Aber ein Saints-Bills SuperBowl hätte schon was…

  3. Ich habe das Spiel und die Saints im Podcast besprochen 😉

    Es war eine hervorragende Partie von den Saints, aber auch ziemlich freakig, weil es 28-0 stand bevor die Buccs überhaupt einen Fuß auf das Feld gesetzt haben. Das gelingt dir in einem von hundert Fällen.

    Die Saints waren immer unterschätzt, ich hab mehrmals darüber geschrieben. Die Buccs waren immer überschätzt. Ich hab da auch schon drüber geschrieben.

    Dass es so ein Debakel wird, hätte ich nicht gedacht, aber dass die Saints in der NFC weiter die knappe #1 sind, daran hab ich immer geglaubt, und deswegen war in meiner Weltsicht einfach nur ein bisschen Überkorrektur um die Kräfteverhältnisse wiederherzustellen.

  4. Ich höre die Sofa QB seit er auf Spotify ist eh regelmäßig und freu mich auch immer wenn du dort bist. Hatte aber das Gefühl du hast eher die Zusammenfassung gesehen…

    Zu deinem Q&A :
    Bin echt überrascht, dass dich deutschsprachige Medien nicht ab und an für Artikel anfragen. Dein Schreibstil ist ja auch stilistisch recht fein, da du komplexe Sachverhalte klar und unterhaltsam darlegen kannst. Naja bleiben eben nur die selten Jürgen Kalwa Artikel sowie Lead-Blogger. Spox ist für mich aufgrund des Seitenlayouts und der penetranten Werbung leider ein no-go.

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