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NFL Power Ranking 2020 – Woche 9

NFL Power Ranking 2020 nach Woche 9: Der Aufstieg der Saints, und warum mich die Seahawks-Defense noch nicht zu stark beunruhigt.

Wir hatten in Woche 3 einige sehr dominante Performances. Zum einen natürlich die New Orleans Saints bei ihrem Einbahnstraßen-Football gegen die Tampa Bay Buccaneers. Der 38-3 Sieg war in der Höhe natürlich ziemlich freakig. Für NFL-Verhältnisse ist so etwas nicht normal, und weil gerade in der Anfangsphase wirklich alles in Richtung Saints kippte, lag Tampa schnell 0-28 zurück und die Partie war gelaufen.

Auch stark: Die Offenses der Packers und Vikings (jeweils an die 0.25 EPA/Play) sowie jene der Jets (!!! 0.30 EPA/Play) und natürlich Panthers, Chiefs und Bills in jeweils offensiv bockstarken Spielen.

Defensiv glänzten neben den Saints (-0.48 EPA/Play) vor allem die Ravens, die Philip Rivers und die Colts abseits der ersten zwei Drives komplett abwürgten.

Team Tiers

Schauen wir wie immer zuerst auf die Team-Tiers von rbsdm.com nach Woche 9:

Wir sehen: Die Chiefs bleiben trotz der etwas nicht ganz 100%ig konzentrierten Vorstellung gegen Carolina vorn.

Die Saints sind jetzt aber schon in Tier 2 angekommen. PFF_Moo hat auf Twitter auf Basis dieser Grundlage eine Schedule-Anpassung vorgenommen und sieht die Saints gar schon auf #3 der NFL. Bei DVOA ist New Orleans sogar schon die #1 der NFL!

Soweit geht mein Power-Ranking noch nicht.

Power Ranking – Woche 9

Power Ranking jetzt völlig ohne Priors. Es gibt nur mehr Play-by-Play aus dem Jahr 2020:

Saints

Die Saints machen zwar einen gewaltigen Sprung von #17 auf #8, aber es reicht noch nicht um an Tampa Bay vorbeizuspringen. Doch der Trend in New Orleans geht ganz klar aufwärts: Die Offense ist jetzt schon in den Top-10 gerankt, und die Defense hat such auch schon ins Liga-Mittelfeld gemausert.

Ich hatte schon in den letzten Wochen darüber geschrieben, dass diese Mannschaft unterschätzt wird, weil sie in den ersten Wochen einiges gegen sich laufen hatte:

  • Drew Brees auf Selbstfindung
  • Die besten Receiver wie WR Michael Thomas und WR Emmanuel Sanders kaum auf dem Feld – mal verletzt, mal suspendiert, mal Corona-Quarantäne
  • Teilweise einen Runningback und UDFA-Receiver als beste Offense-Waffen

Die Passing-Defense bleibt natürlich zu beobachten, gerade die bei PFF.com nur an #22 gerankte Coverage-Unit. Doch die Saints sind nun mit 6-2 ein halbes Spiel plus Tie-Breaker, also de facto eineinhalb Spiele vor Tampa Bay in der NFC South – und das, obwohl ihr vergangener Spielplan der 5t-schwerste war! Es wird in der zweiten Saisonhalbzeit mit den Chiefs zwar noch einen Kracher geben (20.12.), aber der Schedule lässt ein bisschen nach.

New Orleans hat jetzt 70% Chance, die NFC South zu gewinnen.

Tampa? Die Warnsignale waren alle da. Tampa ist natürlich nicht plötzlich so desaströs schlecht, dass Bruce Arians jede Woche weiße Fahne hissen und ein Garbage-Time Fieldgoal zum Verhindern eines Shutouts schießen muss, aber Topteams lassen sich für gewöhnlich nicht so abschießen. Die Buccs fallen im Power-Ranking von #2 auf #5.

NFC West

Die Rams sitzen in einer interessanten Position: Sie sind in meinem Ranking noch die #7, aber sie haben nur noch eine 5-3 Bilanz, und ihr bislang extrem leichter Schedule (der einfachste der NFL) wird in Zukunft schon um einiges schwieriger.

L.A. hat zwar nach EPA/Play die beste Defense der NFL, aber wir wissen, dass Defense nicht stabil ist, und die Offense ist in den letzten Wochen deutlich eingeknickt. Keine Ahnung, wie DVOA bei den Rams auf die #5 Offense kommt. Die anderen Rankings:

  • EPA/Play: #18
  • PFF Grades: #11
  • FPI: #15

Die Rams-Offense hat gegen die miesen Defenses der NFC East und der Bills geglänzt, aber seither ist ziemliche Stagnation eingetreten. In Woche 9 war L.A. spielfrei, aber schon in den drei Partien zuvor gab es ein 16-24 gegen die Niners, ein banales 24-10 gegen die Bears und die horrende 17-28 Schlappe bei Miami.

Die NFC West sieht jetzt ziemlich muddy aus:

  • Seahawks 6-2, +31 Punktverhältnis
  • Cardinals 5-3, +54 Punktverhältnis
  • Rams 5-3, +41 Punktverhältnis
  • 49ers 4-5, +18 Punktverhältnis

San Francisco hat natürlich extremes Verletzungspech gegen sich laufen, aber das Team ist immer noch am Rande von „Contention“. Arizona hat zuhause gegen die Dolphins verloren, was not good ist, aber QB Kyler Murray stabilisiert sich langsam. Ich glaube im Gegensatz zu einem Adrian Franke nicht, dass Murray eine Top-5 Saison spielt, dafür ist er im Passspiel zu wechselhaft. Aber in den letzten Wochen hat die Cards-Offense ein bisschen besser zu sich gefunden.

Seattle kriegt nach der desaströsen Defense-Vorstellung bei den Bills in den letzten Tagen gerade wieder extrem auf den Deckel – typo: „Mit so einer Defense kannst du keinen Superbowl gewinnen, warum haben sie eigentlich Jamal Adams geholt?“

Seattles Defense ist nach allen Yards/Game Metriken auf dem Weg, alle Negativrekorde der NFL-Geschichte zu pulverisieren, aber das sind letztlich wertlose Metriken. Nach Pass-EPA/Play ist diese Defense als #26 der NFL gar nicht so katastrophal, wie es manchmal den Eindruck erweckt.

Seattles hervorragende Run-Defense (Top-10) ist natürlich relativ wertlos, doch die Pass-Defense ist „gut genug“ um möglicherweise über einige Wochen zumindest durchschnittlich zu spielen. Passiert das zufällig genau in den Playoffs, sind die Hawks ein heißer Kandidat.

Steelers

Oder um es mal anders zu sagen: Ich wäre momentan lieber die Seahawks als die Steelers, denn Seattle hat den Top-Quarterback und genug Hoffnung auf einigermaßen passable Defense, während in Pittsburgh Woche für Woche stärker das Gefühl aufkommt, dass das Potenzial der Offense einfach gedeckelt ist. Roethlisberger ist nur mehr Game-Manager. Es ist eine Frage der Zeit, bis das ein Gegner ausschlachtet.

Die Steelers-Defense ist bei aller Klasse eben auch eine, die weiter stark an Turnovers hängt. Gerade ein Minkah Fitzpatrick ist geradezu ein Ball-Magnet (3 Turnover in den letzten zwei Wochen), aber bei genauem Hinsehen waren diese Big-Plays auch zu hohem Grade mieser Offense geschuldet.

AFC East

Die Bills sind die Seahawks der AFC: 7-2 Bilanz, aber nur +9 in Punktverhältnis. Die Dolphins sind da deutlich besser! Miami ist nach den Metriken dieses Power-Rankings nur minimal hinter Buffalo anzusiedeln (ca. 1 Punkt Unterschied). Der Grund zwischen dieser Diskrepanz:

  • Miamis Saisonbilanz hängt bislang stärker als jene der Bills an Defense und Special-Teams. Die Fins haben in den letzten beiden Wochen jeweils Defense-Touchdowns erzielt. Das ist nice to have, aber darauf willst du langfristig nicht bauen.
  • Buffalo hat die bessere Offense. Sie ist Top-5, und die Bills haben gegen Seattle die Traute gezeigt, einfach mal eine 33:2 Pass/Run Ratio in der ersten Halbzeit aufzulegen. Das ist crazy Shit.

Die Bills laufen in diesem Ranking als #23 nach Defense raus, aber anders als die Seahawks stellt Buffalo eine wesentlich höher gerankte Pass-Defense:

  • #16 gegen den Pass nach EPA/Play
  • #28 gegen den Lauf

Im Zweifel habe ich diese Art von Defense lieber. Miami ist da übrigens noch krasser:

  • #2 Pass-Defense
  • #29 Run-Defense

Konzeptionell ist die Dolphins-Defense genau richtig aufgestellt. Wenn Tua in etwa auf dem Level des Cardinals-Spiels weitermacht, ist mit Miami zu rechnen. Aber zu rechnen ist auch mit Buffalo. QB Josh Allen ist der Wackelkandidat, aber die Bills-Defense gibt bei allen Problemen Grund für Hoffnung.

Sonst so?

Siehe hier noch die Performance nach EPA/Play in den wesentlichen Aspekten des Footballspiels:

  • Die 3-5 Vikings sind die #10 in diesem Power-Ranking.
  • Die 3-6 Panthers sind von #18 auf #13 geklettert.
  • Die Colts sind von #9 auf #18 gefallen. Da ist besonders die miserable Offense-Performance gegen die Ravens dran schuld.
  • Washington ist hinter den Broncos, obwohl das Football Team bessere Offense und Defense hat. Grund für das Ranking ist der Schedule: Denver hat die wesentlich härteren Gegner gespielt.

11 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2020 – Woche 9

  1. mal eine Verständnisfrage zur Offense-Tabelle: GB(#1, 0.36) ist nach EPA/Pass knapp vor KC(#2, 0.35), nach EPA/Run sogar deutlich davor (GB #11, -0.02 zu KC #17, -0.08), im EPA/Play allerdings hinter KC (#2 zu #1 bei je 0.21 … Unterschied wohl noch weiter hinterm Komma)… kommt das davon, daß KC wohl noch mal deutlich mehr wirft als GB? oder gibt es da andere Faktoren, die diese Zahl beeinflussen?

  2. Eine sehr gute Frage – und du hast dir die Antwort schon selbst gegeben: Die Chiefs haben die um ca. 6% höhere Passquote als die Packers.

    Ca. 65% zu 59%.

    Die Passing/Rushing-Stats weise ich eigentlich nur mehr informativ aus. Wichtiger ist die Gesamt-Effizienz, weil diese misst wie stark das Passspiel, Laufspiel und auch das Playcalling ist.

  3. Ja, bei EPA gilt: „Sample Size is King“. Je mehr Daten, desto besser, selbst wenn sie in Garbage-Time kommen.

    (Garbage Time ist im Jahr 2020 sowieso ein schwammiges Konzept geworden)

    Ich habe in den letzten Wochen ein bisschen rumprobiert wie man mit höherer Gewichtung für Early-Downs Verbesserungen erzielen kann, bislang noch zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen.

  4. Ja das denke ich mir.
    Ich hab mir immer wieder die WP-Charts auf rbsdm.com angeschaut und teilweise würde man bei einer Garbage Time Definition von 20-80% ja 3/4 aller Snaps ausschließen. Das kommt mir rein intuitiv nicht wirklich richtig vor.

  5. Die 80/20 Aufteilung wird ja auch nur verwendet um das Play-Calling der Coaches anzuschauen, und um dort die extremen Situationen, in denen selbst Mike Vrabel jedesmal einen Pass oder Andy Reid jedesmal einen Run bringt auszuschließen.

  6. Ja stimmt schon, ich finde es jedoch auch für die Auswertung vom Playcalling grenzwertig. Wie gesagt, teilweise werden dann fast alle Plays ab dem 2ten Viertel nicht mehr berücksichtigt. Ich bin mir nicht sicher, ob man diese dann schon als extreme Situationen bezeichnen sollte.
    Mich hat halt in den WP-Charts überrascht, wie schnell man doch eine WP von 80% haben kann, selbst bei (rein intuitiv) nicht absolut klaren Punkteverhältnissen.

  7. Ich (Steelers-Fan) finde, dass ebenjene Steelers das umgekehrte Beispiel zu den Seahawks der letzten Jahre sind. Während die Seahawks bspw. letzte Saison viel zu viele Spiele knapp gehalten haben, weil man vom Gas gegangen ist (und dann vielleicht wegen eigenen Fehlern verloren haben), sind die Steelers in diesem Jahr gut genug, um gegen jeden Gegner bis spät im Spiel „an der Ecke rumzulungern“ und dann aufgrund von ein, zwei Big Plays (@BAL) oder einem verschossenen FG (vs. TEN) zu gewinnen. Wenn es gegen Mahomes geht und KC dann richtig durchzieht, wird man kein Land sehen. Oder vielleicht gehts schon Sonntag schief und man macht sich gegen die Bengals zur Lachnummer.

  8. Ich halte die WP-Graphen für zumindest diese Saison für so tauglich wie das Lesen eines Kaffeesatzes. Dafür sind alleine schon viel zu viele Spiele mit 99%+ in die andere Richtung gegangen.
    Die Frage ist dann nur wie sieht es außerhalb dieses Randbereiches aus? Wenn es da genauso weit daneben liegt, dann müsste man aller auf der WP berechneten Werte hinterfragen.
    Sherman hat das alles beim Ringer besser beschreiben als ich es gerade kann https://www.theringer.com/nfl/2020/11/13/21563989/nfl-win-probability-atlanta-falcons-comeback
    Den Gedanken hatte ich aber schon vorm Lesen des Artikels.

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