Sonntagsvorschauer – NFL Woche 10

Zehnter NFL-Spieltag!

Unter der Woche gab es in NFL-Kreisen mal wieder Aufregung als bekannt wurde, dass die Houston Texans ihre PR-Verantwortliche Amy Palcic wegen „kultureller Differenzen“ rauswarfen. Palcic ist eine der meistdekorierten jungen Frauen in NFL-Kreisen und hat in den letzten Jahren u.a. einen der Marketing-Awards der NFL gewonnen.

Der Aufschrei, der nach dem Rauswurf durch die sozialen Medien ging, war beachtlich. Nicht zuletzt der in Houston heiß geliebte J.J. Watt würdigte Palcic in einem ausführlichen Tweet:

Worin genau die „kulturellen Differenzen“ liegen, ist nicht genau bekannt. Es wird vermutet, dass Palcic sich auf privaten Accounts bei Twitter pro Biden und spöttisch über das Krisenmanagement der republikanischen Partei geäußert hat. Zu liberal für die NFL? Wäre ja mal ganz was Neues…

AFC South

Die Texans zucken derweil trotz ihres 2-6 Starts noch immer ganz leicht und haben mit einem relativ einfachen Restprogramm dank des ungefährdeten Colts-Siegs in Tennessee noch leichte Außenseiterchancen auf einen „sneaky“ Playoffeinzug in der AFC South. Restprogramm: @Browns, Pats, @Lions, @Bears, Bengals, 2x Colts, Titans zuhause.

Die Titans werden gerade von der berüchtigten Regression zur Mitte eingeholt und sind mit einem 6-3 Record, davon 4-1 in engen Spielen, längst kein stabiler Kandidat going forward. Die Colts sind ihrerseits keine ganz verlässliche Mannschaft, aber wenn es der Gegner wie am Donnerstag Tennessee nicht schafft, QB Philip Rivers schnell unter Druck zu setzen, dann zerlegt „Kugelstoßer“ Rivers weiterhin gegnerische Defenses nach Belieben.

Programm von heute

Nach zahlreichen Spieltagen mit einer vollgepackten 19h-Schicht und einer Spätschicht mit nur wenigen Spielen gibt es heute wegen der Golf-Masters in Augusta endlich mal einen balancierten NFL-Sonntag. Leider ist dabei die Frühschicht nicht gerade gespickt mit Topspielen. Dafür ist die Spätschicht m-a-s-s-i-v!

Sechs Spiele habe ich wie immer schon mit Fabian Sommer beim Lead-Blogger „gevorschaut“:

Psaier und Sommer – Sunday Watch NFL Week 10

Rest hier.

Die bekanntesten Spielerausfälle sind mal hier:

Frühschicht um 19h

  • Cleveland Browns – Houston Texans
  • Detroit Lions – Washington
  • Green Bay Packers – Jacksonville Jaguars
  • New York Giants – Philadelphia Eagles
  • Carolina Panthers – Tampa Bay Buccaneers

Browns – Texans verspricht stürmisches Wetter, was Passspiel nicht unbedingt begünstigt. Möglicherweise packt Browns-Playcaller Kevin Stefanski hier eine ganze Latte an Run-Plays aus um die softe Front-Seven der Texans einfach zu überrennen. Dass u.a. OG Wyatt Teller zurückkehrt, könnte dieses Unterfangen geradezu befeuern.

Giants – Eagles und Panthers – Buccs habe ich bereits beim Lead-Blogger ausführlicher analysiert. Tampa hatte offensichtlich Probleme bei der Anreise – checkte erst nach Mitternacht völlig übermüdet in Charlotte ein.

Lions vs. Washington könnte der Abgesang von Matt Patricia als Lions-Coach werden. Detroits Saison liegt ziemlich in Trümmern, und heute fällt mal wieder WR Kenny Golladay aus. TE Hockenson ist questionable. Haben die Lions überhaupt genug Waffen um gegen die wuchtige Washington-Front gegenzuhalten? Wenn ein, war’s das wohl für „den Zimmerer“.

Packers – Jaguars: Bei den Jags sah letzte Woche der einst von Greg Cosell gehypte QB Jake Luton recht brauchbar aus, aber insgesamt dürfte Jacksonville hier nicht die Defense haben um die Packers oft genug aufzuhalten, und nicht die Offense, um einen Shootout mitzugehen.

Spätschicht ab 22h

  • Las Vegas Raiders – Denver Broncos (22h05)
  • Miami Dolphins – Los Angeles Chargers (22h05)
  • Arizona Cardinals – Buffalo Bills (22h05)
  • Los Angeles Rams – Seattle Seahawks (22h25)
  • New Orleans Saints – San Francisco 49ers (22h25)
  • Pittsburgh Steelers – Cincinnati Bengals (22h25)

Dolphins – Chargers. Da sind ein paar geile Partien dabei. Dolphins – Chargers ist das Aufeinandertreffen der beiden 1st-Round Quarterbacks Tua Tagovailoa (Miami) und Justin Herbert (LA), die im Draft im April hintereinander an #5 und #6 gezogen wurden.

Herbert gilt seit einigen Wochen als Sensation, weil er so viele Big-Plays aus dem Arm schnackelt; Tua ist erst seit zwei Wochen Starter. Herberts überraschend guter Einstand befeuerte bereits Rufe, dass Miami vielleicht den „falschen“ QB gedraftet habe, aber dafür ist es meines Ermessens nach noch sehr viel zu früh. Herbert ist famos, aber sein Spiel vertraut stark darauf, dass die tiefen Pässe ankommen. Das ist für gewöhnlich langfristig nicht das stabilste Rezept.

Tua war gegen die Rams ultra-wackelig, hat aber letzte Woche eine sehr starke Performance in Arizona abgeliefert.

Antizipation, Präzision aus dem Lauf heraus, Pocket-Beweglichkeit, Steve-Young-a-like-Playmaking – da war schon vieles da. Tua sieht durch seinen Hüftbruch von fast genau vor einem Jahr nicht behindert aus. Er war beweglich, ließ sogar Leute bei Scrambles aussteigen! Der Arm ist gut genug, wenn auch die Würfe manchmal etwas „angestrengt“ aussehen.

Ich war live schon beeindruckt von Tua – aber wenn man sich das Analysevideo von J.T. O’Sullivan anschaut, dann wird Tuas Performance noch eindrucksvoller! Die Präzision sticht heraus – auch in den Momenten, in denen lehrbuchmäßiges „Footwork“ nicht möglich ist (auf die Brust gelegt downfiels in der Rückwärtsbewegung). Da hat Tua in nur einem Spiel zahlreiche Vorbehalte widerlegt.

Jetzt kommt aber eine ganz andere Art von Defense daher. Letzte Woche die Cardinals haben immer wieder geblitzt. Die Chargers sitzen dagegen eher passiv in Cover-3.


Cardinals – Bills. Tuas Gegner von letzter Woche, Kyler „K1“ Murray, trifft heute auf die Buffalo Bills. Auch das verspricht eine spektakuläre Partie zu werden. Ich weiß nicht genau, was man erwarten soll – außer massive Offense!

Bei den Cards haben letzte Woche sowohl Kyler als auch Kliff Kingsbury ihr Meisterstück – oder zumindest das Gesellenstück – abgelegt, als sie die Dolphins-Defense schnell mit Kylers Mobilität gekontert haben, aber es war auch die beste Offense-Performance von Murray in dieser ganzen Saison.

Aber auch Kyler sieht heute eine ganz andere Defense: Letzte Woche viel Man-Coverage, heute viel Zone-Coverage. Mutmaßlich wird er heute nicht wie wild durch die Defense scrambeln, sondern muss stärker auf den Pass setzen.

Ich bin gespannt ob CB Tredevious White mit WR Nuk Hopkins traveln wird; normalerweise steht Hopkins draußen irgendwo isoliert an der Seitenlinie – genau das Terrain, in dem die Bills ihren besten Corner in solchen Situationen auch hinstellen. Letztes Jahr in den Playoffs hat Hopkins (damals noch im Triko der Texans) White ziemlich vernascht.

Kyler ist trotz der Verbesserungen der letzten Wochen noch nicht 100%ig beständig als Passer. Dasselbe könnte man auch über Buffalos QB Josh Allen sagen. Der hat einen ähnlich starken Wurfarm wie Kyler, ist auch mobil (wenn auch nicht so geschwindig), hat aber mehr Bullshit-Momente in der Art wie er Defenses liest.

Aber Allen hat in WR Stefon Diggs einen ultra-zuverlässigen #1 WR. Diggs ist eine echte Verstärkung der Bills-Offense gewesen – und er ist immer offen. Heute wird er wohl 1-vs-1 gegen CB Patrick Peterson gematcht. Der kriegt eher schlechte Noten für seine bisherige Saison.


Rams – Seahawks ist ein NFC-West-Klassiker, der sogar schon zu Zeiten, als noch Jeff Fisher coachte, häufig in spektakulär knappen Spielen geendet ist. Beide Teams kennen sich in- und auswendig. Die Rams haben in CB Jalen Ramsey einen Corner, der theoretisch WR DK Metcalf in den Griff bekommt, und nach EPA/Play haben sie die beste Defense der bisherigen Saison. Aber die Hawks haben Russell Wilson.

Auf der anderen Seite gibt es mittlerweile genug Tape und Blaupausen um genau zu wissen wie man gegen die Rams-Offense mit ihrem stagnierenden QB Jared Goff spielen muss. Aber haben die Seahawks das Personal?

Worauf ich besonders achte in der Partie kann ich auch schon sagen:

  • Wird Pete Carroll nach zwei Turnover-reichen Spielen von Wilson gegen Arizona und Buffalo bei seinem „Let Russ Cook“ Credo bleiben, oder droht uns ein Rückfall in die Steinzeit? (Die Runningbacks Carson und Hyde fallen „zum Glück“ aus)
  • Was versuchen die Seahawks heute defensiv? Es ist offensichtlich, dass es vorne keine Passrusher gibt, also probieren die Hawks mit zunehmender Verzweiflung neue Dinge wie massives Blitzing erst über LB Wagner, dann über S Adams. Bislang hat nix gefruchtet. Was kommt heute?

Steelers – Bengals. Joe Burrows Bewährungsprobe: Wie sieht er heute hinter seiner Wackel-O Line gegen das gewaltige Blitzing der Steelers aus? Gegen ein anderes Blitz-Team, die Ravens, wurde er vor einem Monat komplett kaltgestellt. Aber die Steelers blitzen schematisch ganz anders als die Ravens, die noch viel mehr mit „disguises“ arbeiten. Ich kann die Upset-Alerts in der Partie jedenfalls nachvollziehen.


Und dann haben wir noch Saints – 49ers, letztes Jahr eines der spektakulärsten Spiele der Regular Season. Der Mann mit den biggsten der Big-Plays von damals, TE George Kittle, fehlt heute. Wie übrigens weiterhin das halbe Starting-Lineup der Niners. Die Saints dagegen sind gerade am Gesunden und sitzen, wer hätte das gedacht, schon jetzt auf dem #1 Seed. Das kann noch heiter werden für die NFC.

Nachtschicht ab 02h20

  • New England Patriots – Baltimore Ravens

Belichick ein Jahr nach der Demütigung erneut gegen die Ravens. Über das Duell habe ich schon ausführlicher beim Lead-Blogger geschrieben.

Ein Kommentar zu “Sonntagsvorschauer – NFL Woche 10

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.