Drew Brees ist verletzt

Die Saints müssen nach übereinstimmenden Berichten mehrere Pundits ein paar Wochen (die Rede ist von mindestens 2-3 Spielen) auf QB Drew Brees verzichten. Brees soll sich mehrere Rippenfrakturen zugezogen haben.

Der interessante Nebeneffekt ist, dass die Saints nun tatsächlich ein paar Wochen Einblick in eine ganz neue Welt bekommen – und es ist wohl nicht QB Taysom Hill, der seit Jahren von Saints-Headcoach Sean Payton in einer Art Troll-Job zum künftigen Starting-QB hochgejubelt wird obwohl er keine NFL-Defense lesen kann, sondern Jameis Winston.

Der streitbare Winston hat sich in den letzten Jahren zu einer Art Kult-Hero in der Analytics-Szene hochgearbeitet, weil er trotz exorbitanter Turnover-Zahlen und vieler hirnloser Würfe immer noch guten Durchschnitt an Effizienz aufbietet:

  • 2015: #13 EPA/Play, #18 CPOE
  • 2016: #16 EPA/Play, #16 CPOE
  • 2017: #13 EPA/Play, #4 CPOE
  • 2018: #11 EPA/Play, #15 CPOE
  • 2019: #14 EPA/Play, #17 CPOE

Winston ist ein Quarterback, der von tieferem Passspiel und einer aggressiven Spielweise lebt. Ich habe darüber schon vor zwei Jahren mal genauer geschrieben: Winston hat in der schwierig zu spielenden Offense der Tampa Bay Buccaneers über die Jahre gar nicht so schlechte Zahlen aufgelegt wie der Public glaubt – und war damit ständiger Breakout-Kandidat. Der richtige Durchbruch ist nie gekommen – auch, weil er letztes Jahr beim Debüt von Bruce Arians die berüchtigten 30 Interceptions geworfen hat. Dass die Arians-Offense gerade zu Beginn für einen Quarterback gefährlich sein kann, hat nicht zuletzt Tom Brady heuer mit mehreren Pick-Sixes schon erfahren müssen.

Doch nicht nur, weil Winston jetzt in New Orleans in ein ganz anderes Offense-Ambiente kommt, ist sein Einsatz jetzt spannend. Es ist auch der Stil-Wechsel der Saints: Die waren mit der hypereffizienten Ballverteiler-Maschine Brees über Jahre eine der kurzpasslastigsten Offenses der NFL: Niedrigster oder zweitniedrigster aDOT, mit die niedrigste Rate an tiefen Pässen.

Winston hat in Vergangenheit ganz anders operiert – und dabei zwar von starken Receivern in Tampa profitiert, aber eben auch hinter stets wackeligen Offense Lines und oft undefiniertem Play-Calling gelitten.

Wird es jetzt eine Offense-Explosion in New Orleans geben, weil tieferes Passspiel die Offense wegbringt vom ständigen Fokus auf Yards nach dem Catch? Oder floppt Winston, weil die ganze Saints-DNA auf das Prinzip der schnellen Ballverteilung basiert?

Ich glaube zu sehr an Payton als Play-Caller, als dass ich dran glaube, dass er das Play-Calling in den nächsten Wochen an Winstons Talenten vorbei bestreitet. Aber sehr viele von mir respektierte Leute halten Winston bei allem überlegenen physischen Potenzial dann doch für ein deutliches Downgrade gegenüber dem 41-jährigen Brees – selbst mit tieferem Passspiel.

Winstons Debüt mit zwei Handvoll Pässen am Sonntag war durchwachsen: Viele Completions zu Beginn, aber Hirnfurz vor der Goal-Line. Das war aber nur die Premiere. Spannend wird es erst ab sofort.

12 Kommentare zu “Drew Brees ist verletzt

  1. Ein ganz kleines bisschen erinnert die Saints Saison an Denvers Superbowl mit Manning:
    Der QB ist gut genug um die Offense fehlerfrei zu spielen, der Backup macht wenn er gebraucht wird nichts kaputt und der Rest des Teams ist der passende Support Cast.
    Allerdings kann man nur mit Defense dieses Jahr keinen Superbowl gewinnen, keine Positionsgruppe der Saints ist einzeln so stark wie es Denvers Defense damals war (okay, Receiver vllt…) und eigentlich hätte man den Gedanken auch schon letztes Jahr mit Teddy haben können.
    Insofern glaube ich eher, dass Denvers Blaupause hier zu wishfull thinking führt: Da Manning so seinen ersehnten zweiten SB gewonnen hat will man die Parallelen sehen wenn man es mit Brees und den Saints hält 😉

  2. Situation hört sich eigentlich nicht schlecht an 😉 :
    – Laut Hausherrn neigen alternde QB dazu, gegen Ende der Saison abzubauen. Brees kann jetzt Erholungsphase einschieben. Aufrechterhaltung Fitness dürfte mit Rippenbrüchen kein Problem sein, im Gegensatz z.B. zu Bänderverletzungen am Bein.
    – Die Gegner haben jetzt weniger „Tape“ vom aktuellen Brees-Playbook. NO könnte mit Winston ganz anderes Playbook spielen, so dass Brees in den Playoffs noch mehr überraschende Plays im Ärmel hat als wenn er durchgespielt hätte. Annahme natürlich: Umstellung auf Winston klappt so schnell :-/ .
    – So lange NO nicht die Geduld verliert, sind Rippenbrüche eigentlich eine „sichere“ Verletzung. Wenig Gefahr von schlechtem Heilungsverlauf. Gegenteil von Schambeinentzündung 😉 .

  3. Selbst ich als jahrzehntelanger Saintsfan der dem Kurzpassgewixxe etwas überdrüssig ist musste bei Brees Pressekonferenz nach dem Spiel etwas schlucken. So niedergeschlagen habe ich Ihn noch nie wahrgenommen.
    Bleibt zu hoffen, dass Korsakoff mit seinem Glauben in Winstons Fähigkeiten recht behält und Brees dann erholt für die Playoffs zurückkommt. Mir war Winston mit seinem Kleinkind Möchtegern Bully Gehabe nie sympathisch, da war mir Teddy Bridgewater um Welten lieber.

    Nach all den Ansagen und der Vertragsverlängerung müsste Payton ja eigentlich mit Hill als Starting QB gehen… Aber das Risiko wird er wohl doch nicht eingehen.

    BTW: Die Saints Defense hat zu Beginn der Saison nicht gezeigt was sie eigentlich kann. In den letzten 2 Spielen schon eher. Wenn die Defense so weitermacht kann sie in der Absenz von Brees der wichtigste Faktor für den Gewinn weiterer Spiele werden.

  4. Puh, der Vergleich mit Denver ist gewagt.
    Zum einen war die Brees-Passing Offense noch immer #11 in der NFL (Manning damals bis zum Benching #31 nur vor den Jeff-Fisher-Rams). Zum anderen hat sie es weitgehend ohne die beiden Top-WR gemacht, die ständig verletzt waren.

    Kurzum: Zwischen 2020 Brees und 2015 Manning liegen Welten.

  5. @Ahmser
    > Aufrechterhaltung Fitness dürfte mit Rippenbrüchen kein Problem sein
    Naja, wer schonmal Rippe hatte, weiß, daß man damit gar nix machen kann: Liegen tut weh, stehen tut weh, atmen tut weh und wenn Du niesen mußt, wähnst Du Dich in der Hölle…
    Okay, ich bin ’ne Pussy und hab‘ kein Vicodin, bin auch kein Mediziner, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß jegliches Training trotz 3er gebrochener Rippen inklusive kollabierter Lunge dem Heilungsprozess föderlich ist…

  6. „when they’re convinced he can take a hit without risk of serious re-injury“
    Das weckt Erinnerungen an die Saints-Defense gegen Brett Favre. „X marks the spot“, wie Darren Sharper vor dem Spiel gegen Bretts kaputten Knöchel sagte.
    Ich hoffe, die Saints sind vernünftig genug, Brees die Zeit zu geben, die seine Rippen brauchen. Sonst gehen die Blitzer auf Trophäenjagd.

    PS: PFT sagt, Brees hätte sich bereits drei Rippen im Baltimore-spiel gebrochen und nach dem letzten Spiel seien es insgesamt fünf. Mindestens. Auf beiden Seiten des Brustkorbs.

  7. @dizzy: mit drei gebrochenen Rippen zu spielen, ist irre.
    @termi: ich hatte schon mehrmals Rippe. Ok, jeweils nur eine 😉 . Solange ich den Oberkörper stabil hielt, war alles ok. Liegen natürlich nur flach auf dem Rücken ohne Drehen. Aber Training Beinmuskulatur fände ich mEn eher unproblematisch.

  8. Pingback: NFL Power Ranking 2020 – Woche 10 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  9. Ja, Schefter hat das auch bestätigt:

    Wenn das nicht der krasseste Smokescreen dieser Saison ist, dann kann das am Sonntag heiter werden.

  10. Pingback: Sonntagsvorschauer – NFL Woche 11 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  11. Traut man dem Braten nun bei Fantasy Football oder nicht?
    Ich wette, ich ärgere mich, egal wie ich mich entscheide.. 😀

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