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NFL Power Ranking 2020 – Woche 10

NFL Power Ranking nach Woche 10.

Bevor wir loslegen, lass mich ganz kurz auf den kurzweiligen Artikel von Max Länge beim Lead-Blogger hinweisen, der einige Kuriositäten vom 10ten Spieltag quasi „power-rankt“: Die besten Hail-Marys, die besten Ref-Interferences und natürlich die verrückte Serie „Schuldig, nicht schuldig, schuldig, nicht schuldig“ mit Quinton Dunbar und Deandre Baker: Three & out, Week 10. Wirklich sehr cool.

Offensive Ranking

Ben Baldwin hat auf rbsdm.com eingelenkt und endlich (!!) seinen Effizienz-Graph für die Offense umgestellt und die x- und y-Achsen vertauscht. Wir sehen nun Passing-Offense auf der horizontalen (x) Achse und Rushing-Game auf der vertikalen (y).

Das ist aus zwei Gründen wesentlich fürs Verständnis:

  • Zum einen triggert in der NFL entgegen der landläufigen Meinung der Passspiel den Lauf – und es heißt ja y = F(x).
  • Zum anderen sind die Diskrepanzen zwischen den guten und schlechten Passing-Offenses viel stärker als jene zwischen den besten und schwächsten Rushing-Offenses. Pass auf der horizontalen Achse bringt die richtig starken Offenses auch visuell viel besser zum Ausdruck.

Jetzt kann ich den Graphen auch hier wieder posten, denn jetzt macht er Sinn! Schauen wir also mal kurz auf die besten Offenses nach EPA/Play:

Chiefs und Packers enteilen in Passing-Offense langsam der Konkurrenz, während es mit Falcons und Raiders einige under the radar gute Passing-Offenses gibt, die sich klammheimlich nach oben mausern.

Die Cardinals sind vor allem eine starke Laufspiel-Offense, natürlich dank Kyler Murray, aber trotz Murray und WR Nuk Hopkins sind sie nur etwas besser als Liga-Durchschnitt im Passspiel.

Die Patriots haben keine gute Offense. Jedem ist das klar. Aber im Laufspiel sind sie mit 0.09 EPA/Run mit großem Abstand die #1. Bloß: Der Benefit ist nicht so da, weil Cam Newton zu instabil als Werfer ist und es keinen Receiver von Format gibt, der sich beständig freilaufen kann.

Bottom-Five Passing: Eagles, Bears, Cowboys, Broncos und natürlich Jets. Die Jets sind einfach nur tragisch, man kann es nicht oft genug wiederholen.

NFL Power-Ranking nach Woche 10

Damit straight zum Power-Ranking nach zehn Spieltagen. Kommentare gibt es diesmal drunter:

NFL Power Ranking 2020 – Woche 10

Die Buccs überholen nach ihrem deutlichen Sieg in Carolina die Steelers knapp. Die Offenses der beiden Teams fahren bis auf die dritte Nachkommastelle den exakt gleichen Output an EPA/Play an, aber bei den Defenses liegen die Steelers knapp über Tampa.

Im Power-Ranking ist Pittsburgh trotzdem leicht unterhalb von Tampa gerankt, weil sie den bis jetzt doch deutlich schwierigeren Schedule gespielt haben (#17 vs. #32). Pittsburgh hat den einfachsten Spielplan der Liga hinter sich – und auch die Zukunft wird gar nicht mehr so heftig:

  • @Jacksonville
  • vs Ravens
  • vs Washington
  • @Bills
  • @Bengals
  • vs Colts
  • @Browns

Einige Modelle schätzen bereits eine ca. 10%ige Chance auf eine perfect season. Das kommt mir etwas hoch vor, aber mit nun 3 Spielen Vorsprung auf Baltimore und zumindest der Hälfte des Tie-Breakers im Sack haben die Steelers eine starke Position in der AFC North.

Los Angeles Rams

Die Los Angeles Rams sind eine der interessantesten Mannschaften in diesen Tagen. Sie sind 6-3 und Nate Tice meinte am Montag im Podcast mit Robert Mays in der Frage nach seinem NFC-Favoriten ohne zu zögern: „The Rams“. What??

Die Rams haben die #1 Defense in der NFL, und obwohl diese Defense brillant geschemt ist und in CB Jalen Ramsey einen echten CB1 zum Neutralisieren (obwohl…) der gegnerischen #1 auf Receiver hat, so wissen wir auch: Defense ist nicht so stabil wie Offense, weil Defensive-Performance zum beträchtlichen Teil von der gegnerischen Offense abhängt.

Die Rams haben in den ersten neun Spielen ehrlicherweise nur zwei richtig gute Offenses gesehen (Ranking nach EPA/Play in Klammern):

  • Dallas (#29 Offense)
  • @Eagles (#27 Offense)
  • @Bills (#5 Offense)
  • Giants (#28 Offense)
  • Washington (#26 Offense)
  • @San Francisco (#17 Offense)
  • Chicago (#30 Offense)
  • @Miami (#20 Offense)
  • Seattle (#4 Offense)

Bei Dallas in Woche 1 könnte man noch eine dritte nennen, weil die Cowboys damals noch mit Dak Prescott gespielt haben. Aber die meiste Zeit hat diese Offense gegen Cast-Off Quarterbacks, Rookies oder Krisen-QBs gespielt.

Die Rams-Offense ist nur an #16 im Liga-Mittelfeld klassiert. Gerade gegen schwierigere Defenses, die wissen wie man die Box zustellt (Miami, San Francisco), hat das System um QB Jared Goff herum gar nicht gut ausgesehen.

Aber auf der anderen Seite sprechen wir bei den Rams von einer Offense, die zumindest „stabil“ ist. Es gibt kaum Gefahr, dass sie in irgendeiner Kategorie besonders auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden wird – im Gegenteil: Von 9 fabrizierten Fumbles haben die Rams nur 3 erobert. 1/3 Fumble Recovery Rate ist ziemliches Pech.

On the other side: LT Andrew Whitworth ist out for season. Wie viel Sollbruchstelle der Ausfall sein kann, haben wir letztes Jahr abschätzen können, als die Rams-Line kollabierte.

Lange Zeit war die große Kritik an den Rams, dass sie 4-0 gegen die NFC East gegangen sind, aber gegen den Rest der NFL nicht gut ausgesehen haben. Diese Kritik ist nach den Siegen über Chicago und vor allem Seattle erstmal widerlegt. Auch ohne zu begeistern kann dieses Team einen starken Gegner wie die Seahawks schlagen. Gegen Miami in Woche 8 hatte man auch einfach viel Pech, als der Gegner eine Defense- und Special-Teams-Touchdown erzielte.

Die Rams sind in der hautengen NFC West aber voll mit dabei:

  • Cardinals 6-3, Punktverhältnis +56
  • Rams 6-3, Punktverhältnis +48
  • Seahawks 6-3, Punktverhältnis +24
  • 49ers 4-6, Punktverhältnis +4

New Orleans Saints mit ohne ohne Brees

Bei den New Orleans Saints gibt es jetzt einen QB-Wechsel: Statt Drew Brees wird nun wohl für mehrere Wochen lang Jameis Winston übernehmen. Das spaltet die Football-Community: Die einen meinen, dass der Saints-Aufschwung damit jäh gebremst wird. Die anderen behaupten, dass die Saints damit sogar ein Upgrade kriegen.

Wo Winston unbestritten ein spektakulärer Spieler ist, lass es uns mal kurz in Zahlen ausdrücken:

  • Mit Brees brachten die Saints in den letzten Wochen 0.18 EPA/Pass zustande.
  • Setzen wir Winstons Karriere-Durchschnitt von 0.14 EPA/Pass stattdessen ein, so rutschen die Saints von #8 auf #12 im Power-Ranking ab, mehr oder weniger punktgleich mit den Ravens, Cardinals, Vikings und Bills.

Demzufolge kostet ein durchschnittlicher Winston die Saints in etwa 3% Siegchance auf neutralem Feld gegen einen durchschnittlichen Gegner. Das ist in etwa einen Punkt pro Spiel wert.

Coole Statistik zu den Saints ist mir übrigens auf Twitter übern Weg gelaufen: Saints-Defense begeht in den letzten Wochen viel weniger Strafen. Das hängt natürlich an mehr als nur Undiszipliniertheit, aber ist trotzdem bemerkenswert:

Bitte drauf achten!

Raiders-Offense ist an #6. Die Raiders sind ein echter Sleeper, über den ich zu selten schreibe. Aber diese Jungs haben sich in den letzten Wochen gemausert – und seit ihre Defense gegen Mitte trendet, sind sie echt gefährlich geworden. Las Vegas hat den schwierigen Teil des Schedules hinter sich; vor ihnen liegt der eher einfache Teil.

Minnesota ist 4-5 und an #11 gerankt. Die Vikes haben damit sogar einen Platz verloren. Keine Sau redet über Minnesota, aber a) haben die Vikes nach wie vor eine Top-5 Offense in 1st Downs und b) wartet jetzt der „leichte“ Teil im Schedule:

  • Dallas
  • Carolina
  • Jacksonville
  • @Tampa
  • Chicago
  • @Saints
  • Detroit

Ich wittere hier trotz zwei Spielen Rückstand auf den #7 Seed noch eine Außenseiterchance auf die Playoffs. Die beiden total vermeidbaren 1-Punkt-Niederlagen gegen Tennessee und Seattle tun jetzt, wo die Kurve gekratzt scheint, richtig weh!

Doch die Vikes haben auch immer wieder bizarres Coaching, so z.B. am Montag gegen Chicago, als Mike Zimmer bei 45sek auf der Uhr und mit 2 Timeouts abknien ließ. So etwas sieht man in der heutigen NFL fast nie mehr.

Philadelphia führt nach Siegen in der NFC East, die Giants sind der neue Geheimtipp, aber Washington ist die Mannschaft, die diese Woche im Power-Ranking an allen Divisionskonkurrenten vorbeigezogen ist und als #26 overall das offiziell beste Team der NFC East ist.

Die Broncos sind einfach nur *bleeep*. #29 overall, #31 Offense, und den zweitschwersten Schedule der NFL vor der Brust.

In grafischer Form…

…sehen die Team-Tiers ohne Schedule-Adjustment so aus:

Quelle: rbsdm.com

MVP-Talk

Warum Kyler Murray für mich auch nach dem „Hail Murray“ recht deutlich von MVP-Contention entfernt ist, habe ich schon gestern erklärt. MVP, das ist was für die effizientesten QBs, und Kyler krebst da momentan noch am unteren Ende der Top-10 herum. Es braucht schon eine fassungslos gute zweite Saisonhälfte, damit er an Granden wie Mahomes und Rodgers vorbeiziehen kann.

Welche QBs die besten MVP-Chancen haben und warum sogar ein Ben Roethlisberger noch eine kleine Außenseiterchance hat, habe ich gestern in den Kommentaren ausgeführt.

Bei Mahomes kann man derweil nicht genug betonen, wie weit er über allen anderen thront: Andy Reid hin, Top-Receiver her – der schlechteste Mahomes, den es je gab, ist der fünf-effizienteste Quarterback in der NFL:

Overall Stats

Hier noch ein paar Statistiken: EPA/Play in Offense und Defense sowie Lauf und Pass, und dann habe ich auch die alten KPI noch einmal ausgepackt: Close Games, Pythagorean, Simple Ranking System (SRS), Punktverhältnis usw. Dazu hab ich noch den Graphen für Defensive EPA/Play und 3rd-Down-Offense (Mahomes!!) aufgeladen – Quellen meistens rbsdm.com/stats:

2 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2020 – Woche 10

  1. Pingback: Date am Donnerstag – Woche 10: Seattle Seahawks – Arizona Cardinals Vorschau | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  2. Pingback: Sonntagsvorschauer – NFL Woche 11 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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