Unser weekly Ravens

Ich habe schon letzte Woche über das Conundrum der Ravens-Offense 2020 geschrieben. Diese Woche liefert Mike Renner von PFF einen weiteren Erklärungsansatz: Defenses stellen sich einfach anders gegen Baltimore auf, spielen mehr Manndeckung in 3rd Downs und kontern damit den Speed der Ravens-Offense und Lamar Jacksons shaky Accuracy.

Renners Grund-These: Das Heavy-Personnel der Ravens ist vor allem Fassade, weil es toughes Laufspiel über die Mitte verspricht. Aber in Wirklichkeit ist es eine Spread-Aufstellung, weil das Laufspiel der Ravens in vielen Momenten dank des extremen Speeds der Spieler über die Flanken geht.

Defenses haben nun gelernt, dass man gegen diese Offense nicht wie gewohnt die Box zustellen muss, sondern vor allem die Flanken, also lateral, verteidigen muss. Base-Defenses haben unter dieser Prämisse immer einen Nachteil: Sie sind langsamer, und sie sind schwächer in Pass-Deckung.

Gegnerische Defenses spielen heuer viel mehr „leichtes Personal“: Nickel und insbesondere Dime (6 DB und mehr). Es ist der „Chargers-2018/19-Playoffansatz“. Mehr Speed für besseres Containment ist ein besserer Konter gegen 22-/13-Aufstellungen nebst Lamar Jackson als schiere Power.

Der andere erfolgreiche Move gegen Jackson scheint zu sein, viel mehr Manndeckung zu spielen. Damit nimmt man Jackson seinen größten Vorteil als Passer (Antizipation) und zwingt den QB zu besserer Präzision – mit Accuracy hat Jackson seit jeher seine Probleme.

3 der 9 Defenses in der bisherigen Saison haben diesen Approach versucht (Chiefs, Bengals, Pats). Das Risiko des gegen Manndeckung besonders gefährlichen Quarterback-Scramblings minimierten diese Defenses z.B. mit „Doppel-Spy“ oder vorgezogenem Middle-of-Field-Safety gegen Jackson.

Conclusio?

Auch Renner ist skeptisch, dass die Ravens ihr Offense-Schicksal 2020 noch wenden können. Es gibt keine Möglichkeit mehr auf Receiver zu upgraden, und LT Ronnie Stanley fällt den Rest der Saison aus. Die Offense wird zwar nicht komplett kollabieren, weil Jackson als Individualist für zu viele „lichte Momente“ sorgen wird als dass das mit dieser Defense im Verbund zur Sollbruchstelle wird. Aber für eine Rückkehr zu annähernd 2019-Form gibt es zu wenige Wege als dass es eine realistische Option wäre.

Eine mögliche Idee wäre „Full Track Mode“: Die Speedster Speedstern Hollywood Brown, Devin Duvernay, Miles Boykin und J.K. Dobbins von der Leine lassen und volle Pulle Sprint-Modus einschalten und damit aus 11-Personnel ganz einfach was neues versuchen um endlich wieder explosive Plays zu generieren. Denn das aktuelle Gewürge ist zu instabil um Drives ohne Big-Plays am Leben zu halten.

Diese Herangehensweise wird jetzt auch befeuert durch die season ending injury vom zweiten TE Nick Boyle. Den Ravens gehen ohne Boyle, letztes Jahr TE3, aber heuer schon als TE2 überfordert, sowieso die Tight Ends aus.

Also Zusammenfassung Ravens-Offense

  • In vielen Bereichen konzeptionell ähnlich wie 2019, aber weniger ausgeprägt (Motion, Play-Action, Heavy-Personnel)
  • In einem Aspekt (Empty-Formation) richtig übel, aber das liegt auch daran, dass Defenses ihre Herangehensweise geändert haben
  • Defenses kontern heuer verstärkt mit Speed anstatt Power und mehr Manndeckung
  • Mögliche Jackson-Scrambles gegen Man Coverage werden u.a. mit zweitem Spy unterbunden
  • Die Ravens haben nicht das Receiver-Personal um solche Probleme zu lösen, und nun eine Sollbruchstelle in der Offensive Line an der Backe

Baltimores Offense hat momentan extrem viele Flauseln. Es gibt einen Superstar-QB und sonst nicht viel zum Arbeiten. Aber die Organisation ist smart und wird Lösungen finden. Ich bin sportlich gesehen weiter optimistisch, auch was diese Saison angeht: Man ist 6-3, und außer den Chiefs sehe ich keine klar bessere Mannschaft.

Aber nachdem man Lamar letzte Offseason anstatt eines Receiver Patrick Queen und J.K. Dobbins gegeben hat, bin ich schon jetzt fast mehr gespannt darauf, was *nach* dieser Saison passieren wird, als was noch *in* dieser Saison in Baltimore abgeht.

Denn egal wie diese Saison noch verlaufen wird: Die Ravens-Offseason wird spektakulär. Wird Baltimore eine Rückkehr zu mehr Tight-End-lastiger Offense machen? Wird man mit Nachdruck den einen so dringend notwendigen Receiver holen – via Draft, via Free Agency, via Trade?

Blaupause gibt es mit einem der einzigartigsten Quarterbacks ever nicht. Nur eins ist klar: Das Passspiel ist der kritische Punkt, an dem es anzusetzen gilt.

7 Kommentare zu “Unser weekly Ravens

  1. Meinst du Greg Roman bleibt OC in Baltimore nach dieser Saison?
    Ich sehe zwei Möglichkeiten:
    Entweder er kriegt die Kurve und entwickelt seine Offense weiter. Dann bekommt er möglicherweise HC Angebote.
    Oder er stagniert und findet keine Antworten. Dann könnte ein Wechsel auf OC vielleicht der Weg sein.

  2. Bzgl. Greg Roman: der macht im Prinzip exakt das gleiche, wie zuvor bei den 49ers und den Bills:
    Erste Saison – Ekstase wegen der super Offense
    Zweite Saison – Stagnation
    Dritte Saison – Offense Katastrophe

    Damit scheint er ein one trick pony zu sein und hoffentlich lässt sich John von Jim einmal kurz beraten und wird einen neuen OC einstellen. Hier muss sich doch eigentlich jemand finden lassen, der sich die Finger danach leckt, mit Jackson zu arbeiten oder?

    Bzgl. Offseason:
    Einen neuen WR im Draft sehe ich nicht. Entweder floppen die alle oder spielen maximal Mittelmaß (Perriman als bust nach 2-3 Jahren zu den Jets, jetzt Hollywood Brown. Alles 1st-Rounder!). Also WR-Entwicklung ist nicht so das Ravens-Ding. Hier also vielleicht eher einen Trade um einen gestandenen WR der nächstes Jahr günstig zu haben ist (Michael Thomas?)

    LB-Entwicklung ist allerdings genau das Ding der Ravens und Patrick Queen spielt bisher eine super Saison. Den Pick finde ich persönlich gerechtfertigt.

  3. „Patrick Queen spielt bisher eine super Saison.“ Dem widerspreche ich entschieden. Er hat eine PFF Gradevon 28.9. Das setzt ihn auf eine 80er Position unter Off Ball LB. Ja, er hat recht gute Total States wie Sacks und FF(Total Tackles lass ich weg), aber diese sind scheme-abhängig. laut PFF ist er furchtbar in Coverage und meh in Run Defense. Man kann von PFF Grades halten, was man will, aber beim Ravens-Pats Spiel habe ich mal auf ihn geachtet und da passt das zusammen. Ncht gut in Coverage und oft zu „schnell“ im Running Game, d.h. er attackiert zu schnell ein Gap und wird dann aus dem Spiel genommen.

  4. Michael Thomas hat Vertrag bis 2025 und dead cap von 23 Mio in 2021. Klar sind die Saints in cap hell, aber da dürfte es bessere und günstigere Optionen geben als den WR1 abzugeben. Das wäre schon ein relativ krasser Rebuild. Außerdem funktioniert es ja vielleicht ganz gut mit Winston.

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