Date am Donnerstag – Woche 11: Seattle Seahawks – Arizona Cardinals Vorschau

Die NFC West ist auch ohne Spitzenteam die insgesamt auf höchstem Niveau ausgeglichene Division in der NFL 2020. Keine Mannschaft hat negatives Punktverhältnis, nur eine einen knapp negativen Record – und dabei handelt es sich um den regierenden NFC-Champion.

Drei Teams führen mit 6-3 die Division an. Zwei davon treffen heute zum zweiten Mal in dieser Saison aufeinander, und das „Hinspiel“ war eines der spektakulärsten der bisherigen Saison: Seattle Seahawks – Arizona Cardinals.

Playoffrennen in der NFC West

Für beide geht es heute Nacht um extrem viel: Arizona kann den Two-Way Tie-Breaker durch Sweep eintüten und sich in exzellente Position bei einem eventuellen Three-Way-Tie mit den Rams bringen. Seattle dagegen braucht jeden Sieg in der Division um nicht durch Record *und* Tie-Breaker schon schwer ins Hintertreffen zu geraten.

Der momentane Division-Record der NFC-West-Teams:

  • Arizona 2-0
  • Rams 1-1
  • Seattle 1-2
  • San Francisco 1-2

Jede weitere Niederlage würde Seattle arg in die Bredouille bringen. Doch gerade mit einem Sieg heute Nacht hielten die Seahawks dann einige wesentliche Trümpfe in der Hinterhand: 7-3 Bilanz und damit ein Spiel Führung gegen Arizona mit noch drei Spielen gegen die horrenden NFC East (Philly, Giants, Washington) sowie einem Spiel gegen die Jets vor der Brust. Gegen die Rams hat man noch ein Heimspiel, plus das Woche-17-Auswärtsspiel in San Francisco.

Arizona hat es da schon schwieriger: Die Cards kriegen nur mehr zwei Teams aus der NFC East, müssen statt der Jets noch gegen die Patriots ran und haben noch zwei Spiele gegen die Rams. Ach ja: Und heute Nacht muss man auswärts ran.

Das Duell heute Nacht

Vor drei Wochen gewann Arizona zwar ein fantastisches Sunday Night Game gegen die Seahawks, aber der Sieg fühlte sich äußerst glücklich an. Seattle führte fast die gesamte Partie über, aber Arizona konnte sich mit Interceptions und Clutch-Plays am Leben halten. In der Overtime schmiss Russell Wilson mit einem Sack und dann einer völlig unnötigen Interception die Partie fast im Alleingang weg.

Es war für Wilson auch sowas wie der Auftakt zu „schwarzen Wochen“. Wilson hat in den letzten Spielen ungewöhnlich viele Turnovers fabriziert. Eine Pechsträhne, Produkt der notwendigerweise aggressiveren Spielweise durch die miese Hawks-Defense oder Anzeichen für größere strukturelle Probleme im Seahawks-Spiel?

Ich tendiere zu ersterem mit Option darauf, dass Wilson vielleicht schön langsam das Gefühl bekommt, zu viel machen zu müssen, weil die Seahawks-Defense niemanden mehr aufhält. Prinzipiell erwarte ich heute Nacht von Seattle, dass die Passing-Offense wieder zündet.

Im ersten Spiel war der athletisch atemberaubende WR D.K. Metcalf bei CB Patrick Peterson fast völlig abgemeldet und glänzte nur als „Interceptor-Jäger“. WR Tyler Lockett war der große Star mit 200 Yards Receiving. Doch jener Lockett ist heute einer von zahlreichen möglichen Verletzungsausfällen im waidwunden Hawks-Team.

Aber ich hege weiterhin großes Misstrauen gegenüber der Cardinals-Defense. Sie hat in den letzten Wochen absolut nicht stabil gewirkt. Gegen Seattle kassierte sie trotz 3 INTs und langen Returns 34 Punkte, dann folgten nochmal 34 gegen Miami mit Rookie Tua Tagovailoa, und letzte Woche kassierte die Defense trotz absurder Interceptions der Bills noch immer 30 Punkte.

Pass-Rush ist individuell nur zweitklassig, das Cornerback-Trio Peterson / Kirkpatrick / Murphy ist zu unbeständig und auch wenn man die ärgste Safety-Not wohl hinter sich hat, so tut sich auf Linebacker mit dem absurden DeVondre Campbell langsam eine Sollbruchstelle auf. DefCoord Vance Joseph hat die letzten Wochen immer wieder Isaiah Simmons ins Spiel gebracht. Der Super-Rookie hat eine schwache erste Saisonhälfte gefeiert, obwohl er im ersten Spiel die entscheidende Interception gegen Wilson gefangen hat. Simmons hat in den letzten Wochen mehr und mehr Snaps gesehen.

Bei Seattle fällt wohl Center Ethan Pocic aus. Arizona ist eine der Top-3 blitzfreudigsten Units geworden (42% Blitz-Rate), aber diese Blitzes schlagen meistens über die Flanken ein, eher weniger durch die Mitte.

Wie schon oben angedeutet und in diesem Tweet bestätigt, gibt es gerade in der Seahawks-Defense Besorgnis erregend viele mögliche Ausfälle. Unter anderem könnten wieder die beiden Starting-Cornerbacks Dunbar und Griffin ausfallen.

Das tut der eh schon wackeligen Passing-Defense nicht gut. Die ist #26 gegen den Pass. Für meinen Geschmack wird momentan zu viel hyperventiliert, was Seattles Defense angeht. Aber es gibt einen interessanten Punkt: Gemessen an der dünnen Personaldecke wird momentan etwas viel Manndeckung versucht.

Der teuer aus New York geholte Safety Jamal Adams hat in den letzten Wochen viel geblitzt, aber dann steht hinten die Deckung blank. Gerade gegen die Rams gab es ein wundervolles Beispiel davon, wie es nicht laufen sollte: Adams Blitz, und dahinter macht sich ein riesiges Loch auf und TE Everett ist 15m allein auf weiter Flur zum einfachsten Pass der Welt.

Was man den Coaches nicht nachsagen kann, ist dass sie nix versuchen würden. In den letzten Wochen wurde so ziemlich alles probiert – aber es hat noch nix richtig gegriffen. Heute ist viel Manndeckung bestimmt keine gute Idee, denn Arizona bringt mit Kyler Murray den mutmaßlich momentan laufstärksten Quarterback.

Die Cards-Offense hat in den letzten Wochen langsam Form angenommen und performt in lichten Momenten so wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich mag mit die höchsten Erwartungen an Arizonas Offense gesetzt haben, seit Kliff Kingsbury als Headcoach eingestellt und Kyler Murray als #1 im Draft einberufen wurde. Daher war ich lange auch enttäuscht, dass Arizonas Offense prinzipiell wochenlang nur als Passspiel für WR Deandre Hopkins und Murrays Scrambles bestand.

Die letzten Wochen gab es Besserung. Splits sind immer gefährlich, aber seit Woche 6 sind die Cards in der Offense:

  • #5 nach EPA/Pass
  • #2 nach EPA/Run
  • #2 nach Overall EPA/Play

Klar waren auch die Defenses in dem Zeitraum (NYJ, DAL, SEA, MIA, BUF) mit die schwächsten in der NFL, aber die Offense Line hat zu sich gefunden, Murray scrambelt jetzt organischer, und im Passspiel scheint sich in WR Christian Kirk wirklich eine #2 als Alternative zu Hopkins gefunden zu haben.

In Short

Ich rieche da wieder Shootout-Potenzial. Beiden Defenses ist nicht zu trauen, und beide Quarterbacks sind Bedrohung in Pass und Lauf. Seattles Defense hat zwar mit den Linebackers Wagner und Wright sowie Adams theoretisch ganz gutes Personal für die Kontrolle der Spielfeldmitte, aber Arizona hat mit Murray das Spiel stärker als gedacht an die Seitenlinien verlagert.

Seattle ist in den Wettbüros nur mit 3 Punkten vorn. Ich würde die Seahawks für durchaus höher favorisiert halten, aber Seattle hat eine unbeugsame Tendenz dazu, Spiele knapper zu halten als es sein muss. Von daher erwarte ich eine spannende Partie mit Heimsieg.

Ein Kommentar zu “Date am Donnerstag – Woche 11: Seattle Seahawks – Arizona Cardinals Vorschau

  1. Danke, mit deinem Optimismus bezüglich der Seahawks Defense hast du mir mein Tippspiel gerettet, Hawks war mein Lock der Woche 🙂

    Aber auch eine schwache Vorstellung von Arizona. Penaltys, Penaltys, Penaltys, Murray immer wieder mit unnötig hinausgezögerten Plays, kaum Targets für Hopkins obwohl der gegen Flowers spielte und dann das schlechte Clock Management beim letzten Drive. Habe mich da direkt drüber geärgert obwohl ich auf die Hawks gesetzt habe 😀

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