Nachwehen vom Thursday Night Game – NFL Woche 11

Spannendes, aber spielerisch eher maues Thursday Night Game zwischen Seattle und Arizona.

Beide Offenses ließen über weite Strecken richtigen Rhythmus in ihrem Spiel vermissen, was nicht zuletzt an einer Orgie an Penaltys lag (zusammen fast 200 Yards für beide Teams).

Seattle führte wie schon im „Hinspiel“ von Beginn weg…

7-0
13-7
16-7
16-14
23-14
23-21
25-21
28-21

…diesmal aber ohne das Spiel am Ende zu verlieren. Pete Carroll und Brian Schottenheimer packten diesmal wieder einen eher lauflastigen Game-Plan aus (28:22 Early-Down Runs). Das war nicht völlig verheerend, weil gerade RB Carlos Hyde immer wieder Räume über die ersatzgeschwächte Cardinals-D-Line fand und aus 14 Carries fast 80 Yards machte. Aber es nahm den Ball oft genug aus Russell Wilsons Händen und wäre bei Hydes Fumble im vorletzten Drive fast in der Katastrophe geendet.

Seattle

Wilson spielte eine insgesamt starke Partie, sah aber viel Druck und war häufiger als gewohnt zum Scrambeln gezwungen. Wilson brachte einige schöne Pässe unter Druck raus – wie im ersten Spiel häufig zu WR Tyler Lockett (9 Catches, 68 Yards), der auch einen Goal-Line-Fade ähnlichen Touchdown fing.

DK Metcalf sieht auf dem Stats-Sheet mit nur 3/46, war aber für die Big Plays verantwortlich: Der eine wurde wegen eines merkwürdigen Holding-Strafe gegen die Offense zurückgenommen, beim anderen profitierte Metcalf von einer Defensive Pass-Interference seines Gegenspielers CB Patrick Peterson, die nicht zwingend „notwendig“ aussah. Diese Strafe führte zu einem Fieldgoal zum 16-7 wenige Sekunden vor der Pause.

Metcalf hätte dann kurz vor Schluss noch ein Big-Play auflegen können, wenn Wilson ihn und nicht Lockett (für die kurze 3rd-Down Conversion) angespielt hätte (WIDE OPEN).

Seahawks-Playcalling in einigen Drives gefährlich nahe an den 2018/2019-Modellen: Run/Run/Pass, Wilson steht in der Pocket herum und improvisiert, aber kaum Rhythmus im Spiel.

Seattles Defense ziemlich basic. Sie ist auch für unbedarfte Zuschauer recht einfach zu lesen („rate mal, von wo gleich der Blitz kommen wird“). In dem Spiel reichte es, weil Arizona viel zu selten tief ging – und dann ganz am Ende nur noch tief warf. Es war der Defense-Klassiker: Du hängst einfach oft sehr stark von dem ab was die Offense macht.

Arizona

In Arizonas Offense war ordentlich Sand im Getriebe. Gegen die oft verspottete Seahawks-Defense gab es in der ersten Halbzeit in 5 Drives nur einen TD und 4 Punts, davon gleich dreimal 3&out (obwohl man dabei nur einen Early-Down-Lauf hatte).

Kyler Murray hatte nur 5 QB-Runs für 15 Yards. Es lag vermutlich an einer Schulterverletzung, dass Murray nicht häufiger loslief – aber es zeigt auch eines der Themen, die Arizonas Offense schon die ganze Saison über begleitet: Murray als Passer ist noch längst nicht soweit wie es der MVP-Talk über die letzten Tage weismachen wollte.

Murray bekam fast das ganze Spiel über keinen schnellen Druck, doch seine Pocket-Präsenz ist nach wie vor zu aufgescheucht. Murray fokussierte sich in diesem Spiel vor allem auf WR Larry Fitzgerald, der kein schlechtes Spiel machte, aber blendete WR Nuk Hopkins fast vollständig aus. Hopkins schien gegen CB Flowers deutlich die Oberhand zu haben, war aber nur Alibi-Anspielstation.

Murray kassierte 3 Sacks – viel für ein Spiel, in dem er praktisch freie Hand hatte, weil Seattles Pass-Rush nur in einigen wenigen selektierten Momenten durchkam. Murrays Intentional-Grounding vor dem Safety war ein Anfängerfehler. Den Ball nicht über die Line of Scrimmage zu werfen, ist nahezu unverzeihlich.

Arizona war auch sonst nicht frei von Makeln. CB Patrick Peterson, einst einer der dominantesten Corner in der NFL, ist zu einem Heiß/Kalt Spieler verkommen, mit genug Coverage-Busts und Strafen.

Das passlastige Play-Calling in der ersten Halbzeit ist zwar erstmal kein „Problem“, aber dass es mal wieder nur selten tiefere Optionen gab, das tat schon weh. Vertikalität gegen die Hawks-Defense einfach mal so vermissen zu lassen, ist ein Fehler.

Auch Kliff Kingsbury war als In-Game-Stratege wackelig. Das 4th&3 vor dem letzten Drive hätte man ausspielen sollen: 84 Sekunden to go, Ball an der Mittellinie. Das ist genug Zeit für eine Russell-Wilson-Offense mit einem Timeout um Punkte zu machen. Und das passierte dann auch (Fieldgoal nach der Peterson-DPI).

Ließ sich Kingsbury von diesem starken Play der Hawks-Defense einschüchtern?

Im allerletzten Drive, als Arizona trotz des fehlerbehafteten Spielverlaufs nur 28-21 zurücklag, vertrödelte man zuerst zu viel Zeit um dann mit noch 2 Timeouts mit 45 Sekunden plötzlich panisch zu werden. Eine Endzone-Bombe nach der nächsten mit einer dreiviertel Minute auf der Uhr geht von der gegnerischen 10 Yards Line gut – aber nicht von der 27.

Kingsbury hat im Allgemeinen bei allen guten Momenten ausbaufähiges Game-Management. Arizona überlebte damit in dieser Saison, weil er Murrays läuferische Qualitäten so sehr in den Fokus gestellt hat – aber in Spielen wie diesem, wo Murray als Runner ein Non-Faktor ist, stockt Arizona gewaltig.

In Summe: Seattle war das bessere Team, obwohl es seine Stärken nicht völlig ausspielte und in einigen Drives gefährlich lauflastig war. Russell Wilson war der deutlich bessere Quarterback in einem Spiel, in dem Arizona obendrauf zu viele individuelle Fehler beging. Trotzdem hätte es zumindest für die Overtime reichen können. Seattle hat ganz einfach eine Phobie gegen eindeutige Spiele.

NFC West

Seattle ist damit 7-3 und hat den Tie-Breaker mit Arizona erstmal ausgeglichen. Die Cards sind 6-4, aber jetzt nicht nur ein Spiel zurück, sondern im Rennen um den Divisionssieg extrem unter Zugzwang, denn Seattles nächste vier Spiele sind wie angekündigt:

  • @Eagles
  • Giants
  • Jets
  • @Washington

Ein Weihnachtsfest mit 11-3 ist jetzt durchaus nicht mehr reines Wunschdenken in Seattle, ehe man am 27.12. zuhause die Rams (6-3) serviert bekommt. Arizona hat noch einen ungemütlicheren Spielplan vor sich:

  • @Patriots
  • Rams
  • @Giants
  • Eagles

Ehe es an Weihnachten gegen San Francisco und dann am letzten Spieltag nach Los Angeles zu den Rams geht. Für die Cards könnte es auch im Wildcard-Rennen der NFC wieder eng werden, wenn man Platz 2 in der Division an die Rams abgeben muss. Bears (5-5), Vikings (4-5) und Lions (4-5) haben alle ihre Flauseln – aber Minnesota ist im Aufwind und gegen Detroit hat Arizona den Tie-Breaker schon verloren.

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