Sonntagsvorschauer – NFL Woche 11

11. NFL-Spieltag – und heute geht es rund!


Wir sind in dem Stadium der Saison angekommen, in dem sich in so ziemlich jeder Mannschaft die eine oder andere Schwachstelle herausarbeiten lässt – außer vielleicht bei den Kansas City Chiefs, die 8-1 stehen, obwohl Pat Mahomes erst in den letzten Wochen heißläuft.

Weil wir nun aber jede Mannschaft in dem Kontext bewerten (müssen) wie sie gegen die Chiefs aussehen würden, liest sich vielleicht manche Analyse hie und da negativer als sie gemeint ist – auch bei mir. Aber nicht vergessen: Teams wie die Saints, Steelers oder mein LieblingsThema Ravens sind alles sehr gute Mannschaften im Vergleich zum Rest der Liga. Nur leider halt nicht so ganz im Vergleich zu den Chiefs.

Sunday Watch

Damit zum Spieltag. Den allwöchentlichen Sunday Watch gibt es hier.

Die wichtigsten Ausfälle von heute hat Adam Schefter:

Nachfolgend kurze Kommentierung zu den weiteren Spielen.

Frühschicht um 19h

  • Cleveland Browns – Philadelphia Eagles
  • New Orleans Saints – Atlanta Falcons
  • Washington – Cincinnati Bengals
  • Carolina Panthers – Detroit Lions
  • Jacksonville Jaguars – Pittsburgh Steelers
  • Baltimore Ravens – Tennessee Titans
  • Houston Texans – New England Patriots

Die Nachricht ist am Freitag reingeschneit wie eine Bombe:

Es gilt bei Saints vs. Falcons wohl nun tatsächlich: Taysom-Hill-Watch! Wenn Headcoach Sean Payton da am Freitag nicht einen der größten Smokescreens der Saison gelegt hat und sowohl Schefter als auch Dianna Russini als auch Rapoport verarscht hat, dann wird er heute tatsächlich seine langjährige Drohung wahrmachen und Hill als Starter auf die NFL loslassen.

Keine Frage: Das hatte ich nicht kommen sehen.

Wie das auf dem Feld aussehen soll, ist nicht ganz klar, denn der 30-jährige Hill ist zwar ein ganz netter Athlet für die Trick-Plays zwischendurch, aber er hat kaum Erfahrung als regulärer QB und in den wenigen Snaps nicht den Eindruck gemacht als könne er auch nur Standard-Defense richtig lesen. Hill ist als 30-jähriger weder ein zu entwickelnder Jungspund noch ein erfahrener Recke. Welchen Narren Payton an Hill gefressen hat, weiß niemand – aber wir werden es hoffentlich heute und in den nächsten Spielen erfahren!

Es ist natürlich auch gut möglich, dass die Saints die „2 QB Offense“ versuchen: Hill für Early-Downs, und bei den unvermeidlichen 3rd&long Downs kommt dann Hochrisiko-QB Jameis Winston.

Warum genau das alles eine sinnvolle Strategie für ein 7-2 Team ist? Keine Ahnung. Winston ist kein unumstrittener QB, aber er hat 5 Jahre Erfahrung als NFL-Starter und dabei stets um die 15t-beste Effizienz in einer nicht einfach zu spielenden Offense aufgelegt. Vor allem aber ist Winston auch ein spektakulärer QB, der fast immer „über die Sticks“, also über die gelbe 1st-Down-Linie, wirft.

Die Folgefragen liegen natürlich auch schon auf: Ist das ganze nur ein Ablenkungsmanöver und Payton wirft Hill vor die Hunde? Warum hat er Hill dann einen 10 Mio/Jahr Vertrag gegeben? Es kann natürlich auch sein, dass wir alle etwas übersehen und die Saints lassen heute die großartigste Offense aller Zeiten von der Leine. Auf jeden Fall ist es „must watch TV“ – ob Sensation oder Unfall ist erstmal zweitrangig.


Bei Browns vs. Eagles ist schwierig zu sagen, was man erwarten soll, denn gerade in Cleveland geht das Coronavirus um – u.a. Myles Garrett wird die heutige Partie verpassen. Inwiefern das für die Eagles-Offense ein Gewinn ist, muss man abwarten, denn QB Carson Wentz hat auch aus sauberer Pocket diese Saison unterirdisch gespielt und über 10 Turnover-worthy-Plays gemacht. So warten wir immer noch auf den Durchbruch der Eagles-Offense: Wird er diese Saison noch einmal kommen?

Die Browns-Offense auf der anderen Seite hat gegen die Eagles-Defense theoretisch alle Schlüssel in der Hand: Mächtige Offense Line schlägt mächtige Defense Line. Und viel mehr als ihre Front-Four haben die Eagles auch in der Abwehr nicht zu bieten. Wenn das Browns-Laufspiel erst einmal auf das „second level“ kommt, wo sind dann die Eagles-Linebacker zum Abwenden der Misere?

On the other Hand: Browns-Passing-Offense konkurriert mit der Eagles-Offense um den Titel der enttäuschendsten Unit des Jahres.


Baltimore – Tennessee ist die Neuauflage des letztjährigen Playoffspiels, das überraschend in der Implosion der damaligen 14-2 Ravens endete. In jenem Spiel haben wir einige Vorboten für die heurigen Probleme der Titans-Offense gesehen:

  • Lamar Jackson, der als Passer sichtlich presst und sogar seine Stärke in der Antizipation vergisst
  • Verzögerte Passrusher gegen Jackson und abwartende Edge-Defender im Running Game
  • Eine Ravens-Offense mit Schwierigkeiten einem Rückstand nachzujagen

Eine genaue Analyse hatte J.T. O’Sullivan damals gemacht. Punkt ist: Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Ravens-Offense 2020 schwer zu retten sein wird. Die plausibelste Option ist eine Umstellung auf radikales 11-Personnel in Spread-Aufstellung um damit zu Defense in der Mitte zu entzerren und Raum zu gewinnen. Tennessee hat prinzipiell eine Defense, die Baltimore liegen sollte: Seichte Defense-Front, wackelige Manndecker dahinter.

Auf der anderen Seite traue ich der Titans-Offense nicht. QB Ryan Tannehill bestätigt gerade die Zweifel an seinen Fähigkeiten, eine Passing-Offense durch eine schwierige Phase zu schleifen. Zündet das Play-Action Passing nicht mit mindestens 2-3 größeren Raumgewinnen, so war das in den letzten Wochen meistens holprig.

Dass das Skript noch einmal so perfekt für die Titans laufen wird wie im Jänner, ist nahezu ausgeschlossen. Und nicht vergessen: Baltimore machte damals bei allen Problemen an die 500 Yards, scheiterte halt häufig an 4th Downs und Turnovers, während die Titans gleich ihre ersten beiden Chancen zur schnellen 14-0 Führung verwerteten und Baltimores Game-Plan damit schon im ersten Viertel torpediert hatten.

Vielleicht laden ja die wahrscheinlichen Ausfälle von DT Brandon Williams und DL Calais Campbell die Titans zu mehr Laufspiel über Derrick Henry ein.


Bei Panthers – Lions ist neben Patricia-Watch vor allem QB-Watch angesagt: Matt Stafford darf wohl spielen, und auch Teddy Bridgewater kämpft noch verbissen um seinen Einsatz. Fällt Teddy aus, wird XFL-Star P.J. Walker spielen.

Spätschicht ab 22h

  • Denver Broncos – Miami Dolphins (22h05)
  • Los Angeles Chargers – New York Jets (22h05)
  • Indianapolis Colts – Green Bay Packers (22h25)
  • Minnesota Vikings – Dallas Cowboys (22h25)

Über Colts – Packers und Vikings – Cowboys habe ich schon beim Lead-Blogger geschrieben. Die anderen beiden Spiele sind schnell abgefrühstückt.

Bolts und Jets trennen auf dem Score-Sheet nur zwei Siege, aber satte 16 Plätze im Effizienz-Ranking. Gesprächsthemen in den letzten Tagen konzentrierten sich eher auf Justin Herberts neuen Bubi-Haarschnitt oder die offenbar geplante Entlassung von Chargers-GM Tom Telesco.

Die ist insofern interessant, weil Telesco bei allen Flauseln (Draft 2020 war im ganzen Prozess misslungen) ein konkurrenzfähiges Team zusammengestellt hat, das halt jedes knappe Spiel verliert. Aber sowas fällt üblicherweise eher in die Kategorie Coaching oder einfach nur Pech. Schwierig zu spekulieren, aber Telesco fühlt sich – wenn er denn gefeuert wird – eher wie ein Bauernopfer an.

Broncos – Dolphins ist v.a. wegen Tua-Watch spannend. Und natürlich wegen der Frage, ob die Miami-Defense nach den Rams und Chargers jetzt die dritte Wackel-Offense hintereinander abwürgen kann. Die logische Antwort wäre „ja“, aber nicht vergessen: Miami lebte zuletzt auch stark von Turnovers. Damit kann man nicht immer rechnen.

Sunday Night Game

  • Las Vegas Raiders – Kansas City Chiefs (22h25)

Patrick Mahomes Revenge-Game incoming. Ich habe übers Spiel beim Lead-Blogger geschrieben.

2 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer – NFL Woche 11

  1. In der Preseason letztes Jahr wurden einige Drives währen den Saints Practices gestreamt und da war der ein oder andere elektrisierende Drive von Taysom Hill dabei. Ebenso in Preseason Spielen. Deswegen freue ich mich drauf die nächsten Spiele zu sehen ob sein Skillset in die NFL als QB transformierbar ist. Hoffentlich gibt Payton ihm mehr als nur ein Spiel um es zu zeigen.

    Im besten Fall strafft Payton all die zahlreichen Kritiker lügen und hat einen völlig eigenen Quarterback Prototyp gefunden. Man muss aber ehrlicherweise sagen, dass Payton mit seinen Einschätzungen (insbesondere in der Draft) oft heftig daneben lag. Es steht zu befürchten, dass Payton einfach beim Playdesign so begeistert von all den theoretischen Möglichkeiten die ein Spieler wie Hill bietet ist, dass er Ihn massiv überschätzt. Das gute daran ist, er wird es rausfinden bevor Brees seine Karriere beendet und kann dann entsprechend reagieren.

    Gerade gegen die Falcons Secondary wäre Winston ja eigentlich das perfekte Gegenstück mit den schnellen Harris und Callaway. Im Runblocking wird heute übrigens mit TE Josh Hill ihr wichtigster Blocker neben der O-Line (als Passempfänger ist er eher zu vernachlässigen) fehlen. Eigentlich ein weiteres Argument gegen Hill und für Winston.

    Ich kann es kaum erwarten und hoffe natürlich, dass das Hill Experiment nicht das Desaster wird das alle „Experten“ erwarten…

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