Joe Burrows Verletzung

Gestern ist die volle Diagnose und damit das Ausmaß der Verletzung bei Bengals-Rookie-QB Joe Burrow rausgekommen. Es ist noch schlimmer als angenommen – Kreuzbandriss, Innenbandriss und strukturelle Schäden am Knie.

Die Schwere der Verletzung ist nicht vergleichbar z.B. mit jener von Carson Wentz vor drei Jahren. Bei Burrow werden schon jetzt mindestens neun, vielleicht 12 Monate Rekonvaleszenz veranschlagt. Das bedeutet: Nicht nur der Rest dieser Saison ist vorbei, sondern auch die komplette Offseason – und wenn es dumm läuft, auch die nächste Saison 2021.

Für die Bengals ist das natürlich umso bitterer, weil es nicht zum ersten Mal einen jungen Quarterback-Hoffnungsträger dieser vom Pech verfolgten Franchise trifft. 2005/06 führte Carson Palmer damals in seinem dritten Jahr die Bengals erstmals seit vielen Jahren in die Playoffs – ehe er im ersten Passversuch abgeschossen und auf Monate in den Krankenstand befördert wurde. So richtig der gleiche war Palmer danach nie mehr.

Wie gut war Joe Burrow als Rookie?

Burrow hatte eine gute Rookiesaison gespielt – aber keine überragende. Wir haben von ihm in der NFL gesehen:

  • Er ist ein „Baller“, dem das Spiel auf keinen Fall zu schnell ist und der keine schwierigen Situationen scheut
  • Er ist präzise und effizient auf Kurz- und Mitteldistanz – also dort, wo Quarterback-Vorstellungen am stabilsten sind.
  • Aber insgesamt mit 73.5% Adjusted Completion-Rate war Burrow nur die #30 auf der Präzisionsliste, obwohl er nur die 19t-meisten Deep-Pässe warf.
  • Als Passer war er mit 5.6 NY/A aber nahe den NFL-Bodensatz
  • Aber Burrow ist gut in den „stabilen Situationen“: Top-10 in Clean Pocket, obere Tabellenhälfte in 1st und 2nd Down, Top-10 im Vermeiden von Fehlern, Top-5 bei Pässen bis 20 Yards downfield

Pass-Protection war in seiner Rookiesaison ein so großes Problem (#28 nach PBWR), dass man Burrow vor allem im tieferen Passspiel, dort wo er 2019 den College Football in helle Flammen aufgehen ließ, nie wirklich bewerten konnte. Seinem Arm geht der letzte Zunder ab. Burrow war diese Saison nach Advanced-Stats:

  • #22 nach EPA/Play
  • #16 nach CPOE
  • #23 nach QBR
  • #17 nach PFF Passing Grade

So geht das, wenn die individuelle Leistung trotz fehlender Highlight-Plays gut genug, aber der Support Cast noch nicht soweit ist.

Was heißt das für die Bengals?

Die Bengals sind momentan 2-7-1 und damit die #3 in der Draft-Reihenfolge. Von „unten“ droht mit Jets (0-10) und Jaguars (1-9) erstmal wenig Gefahr – und ohne Burrow ist auch schwierig denkbar, dass Cincinnati noch das Feld nach oben aufrollen wird. Ein Top-5 Pick ist so gut wie eingetütet, ein Top-3 Pick recht wahrscheinlich.

Wie wertvoll so ein Pick mit Blick auf den Draft, wo es wohl zwei exzellente (Trevor Lawrence, Justin Fields) und zwei weitere aufregende (Zachary Wilson, Trey Lance) Quarterback-Prospects gibt, sein wird, muss man noch abwarten. Aber möglicherweise bietet er Trade-Down-Potenzial, vielleicht mit „king’s ransom“ Einkunft.

Mit der Information eines so schwer verletzten Burrow muss die Franchise im kommenden Frühjahr aber dringend ihre Hausaufgaben erledigen und dabei möglicherweise auch über einen weiteren Quarterback-Pick nachdenken.

Zumindest muss Cincinnati aber die O-Line aufbolstern und den Receiver-Corps weiter mit Tiefe versorgen. Ein möglicher Move in Richtung Carolina-OffCoord Joe Brady als neuem Headcoach klingt logisch – aber wie attraktiv wären die Bengals für die Top-Kandidaten noch, wenn der Quarterback ein massives Verletzungsfragezeichen ist?

7 Kommentare zu “Joe Burrows Verletzung

  1. Ein weiterer Beleg dafür, wie risikobehaftet (unsinnig?) Tanking ist. Nicht nur, dass der No. 1 overall noch lange keine Garantie auf einen auch in der NFL guten bis sehr guten QB ist. Selbst wenn man einen solchen QB pickt, kann es durch solche Verletzungen schnell wieder vorbei sein mit der herrlichkeit. Und zurück bleibt erstmal ein Team, welches aus frustrierten Spielern besteht, die gerade eine ganze Saison lang nur abgeschossen wurden und sich so, ich schlimmsten Falle, selbst auch unattraktiv für andere Teams gemacht haben und einer unsicheren Zukunft des Spielers, für den man das alles gemacht hat. Auch ganz interessant: keiner der absoluten Spitzenquartebacks der letzten Jahre, war Nummer 1 Pick. Eigentlich seit Peyton Manning keiner mehr, der wirklich langfristig zur absoluten Elite gehörte. Gut, es gab Eli mit seinen 2 SB und Cam Newton mit einer MVP Saison. Vick hatte sicherlich auch spektakuläre Jahre und Andrew Luck ist ein weiteres Beispiel, wie selbst der, vom spielerischen Potential her sicherlich richtige Pick am Ende durch Verletzungen bedingt, keine rechte Langlebigkeit geboten hat. Rodgers, Mahomes, Brady, Brees, Wilson, Roethlisberger, Außer Mahomes wurde von diesen keiner in den Top Ten gepickt. Die hälfte davon nicht mal in der ersten Runde… (Rivers wusste ich nicht recht einzuordnen, der gehörte sicherlich zur absoluten Elite über längere Jahre, aber er war halt nicht Nummer 1 overall, aber als Nummer 2 auch nicht wirklich weit dahinter…)

  2. war Fitzmagic eigentlich schon mal bei den Bengals?
    bzw. wäre ein erfahrener QB ne mögliche Alternative für die Übergangszeit?

  3. Noch einen QB in den Top 5 picken klingt nach Selbstmord. Dafür war Burrow viel zu gut im Vergleich zu Rosen bspw. bei den Cardinals. Der wird schon wieder. Dauert halt. Cam, Winston, Fitz. Es gibt einige Optionen.

  4. Das wäre mal ein spannendes Forschungsfelder:
    Scheitern die top gedrafteten QBs weil es der nfl zu schwer fällt richtig zu evaluieren oder, weil sie schlichtweg meist in katastrophalen Umständen landen?

  5. Hast du den SI Artikel zur Bengals-Culture gelesen?
    Das scheint eine maximal kaputte Franchise zu sein.

  6. Du meinst den hier?
    https://www.si.com/nfl/bengals/news/zac-taylor-bengals-culture-problem

    Ich bin da gespalten. Es gab natürlich die negativen Stimmen schon davor (Dunlap, Ross), aber dass das jetzt gerade mit dem Burrow-Aus rauskommt, kann kein Zufall sein.

    Kommunikation scheint nicht die beste zu sein, aber wenn die Bengals 3 der knappen Spiele gewinnen und 5-5 stehen, dann hört man davon wahrscheinlich nix.

    Ich denke eher, dass da bei aller Loyalität der Bengals-Owner zu ihren Coaches vielleicht schon ein schneller Trainerwechsel vorbereitet wird.

  7. Pingback: All-32: Cincinnati Bengals 2021 Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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