NFL Sonntagsvorschauer – Woche 12

Guten Morgen zu einem weiteren vollbepackten Spieltag.

Noch einmal die Warnung voraus: Das bereits am Donnerstag verschobene Pittsburgh – Baltimore ist aus Corona-Gründen vorerst auf Dienstag geschoben worden. Tuesday Night Football dürfte der letzte Ausweg der NFL sein, doch noch eine verlängerte Regular Season und damit NFL Woche 18 zu verhindern.

Zu den Spielen von heute habe ich mit Fabian Sommer wie immer ein paar Takes beim Lead-Blogger geschrieben: Sunday Watch – NFL Week 12.

Rest im Schnelldurchlauf hier. Beschwerden bei etwaigen überholten Facts bitte an Frau korsakoff; der Text stammt von gestern Samstag, 11h30.

Frühschicht um 19h

  • Atlanta Falcons (3-7) – Las Vegas Raiders (6-4)
  • Buffalo Bills (7-3) – Los Angeles Chargers (3-7)
  • Cincinnati Bengals (2-7-1) – New York Giants (3-7)
  • Indianapolis Colts (7-3) – Tennessee Titans (7-3)
  • Minnesota Vikings (4-6) – Carolina Panthers (4-7)
  • New England Patriots (4-6) – Arizona Cardinals (6-4)
  • New York Jets (0-10) – Miami Dolphins (6-4)
  • Jacksonville Jaguars (1-9) – Cleveland Browns (7-3)

Bei Falcons – Raiders erwarte ich gute Upset-Chancen für Atlanta. Auch bei Colts – Titans und Patriots – Cardinals gehe ich von Heimsiegen aus. Das alles im Detail beim Lead-Blogger.


Bills – Chargers ist ein Duell, das sich auf dem Papier knapper liest als die Records der beiden Mannschaften vermuten ließen. Beide Teams haben mobile, extrem wurfstarke Quarterbacks, die aber zu hirnrissigen Entscheidungen tendieren. Beide Teams haben exzellente Receiver, suspektes Laufspiel und Zone-lastige, nicht immer ihr Potenzial ausschöpfende Defense.

Aber die Bills haben Heimvorteil und die Chargers haben keine Offensive Line. Letzte Woche überlebte L.A. damit, weil die Jets keinen Passrush generieren konnten, aber Buffalo hat bei allen Problemen in der Defense eine tief besetzte Front-Seven, die mit zahlreichen Rotationen und Packages gegen diese ultra-wackelige O-Line (#28 nach PBWR) Druck kreieren kann. Meine Metriken sehen Buffalo auch dank Heimvorteil mit 5 Punkten vorn.


Bei Bengals – Giants sind die Giants favorisiert! Das liegt aber vor allem daran, dass in Cincinnati nach dem Saison-Aus von QB Joe Burrow die Angst vor einem Kollaps umgeht, und die Bengals heute mit third stringer Brandon Allen auflaufen. Allen ist unteres NFL-Niveau, aber im Gegensatz zur Alternative Ryan Finley hat er in Vergangenheit zumindest funktionabel bei den Profis ausgesehen. Es ist aber schon gegen den eher lauen Passrush der Giants zu befürchten, dass die O-Line-Probleme der Bengals nun vollends blank gelegt werden.


Vikes-Panthers ist ein Duell der „underachiever“. Beide haben gemessen an ihren Efficiency-Stats einen zu schlechten Win-Loss Record (CAR 3-7, MIN 4-6).

Minnesota hat mit der knappen Heimniederlage letzte Woche gegen Dallas wohl endgültig alle Resthoffnung auf die Playoffs aufgegeben – aber man kann aus dieser Saison trotzdem einige Hoffnung schöpfen. Das Passing-Game um QB Cousins, WR Thielen und WR Jefferson zündet immer öfter auch in non-Play-Action-Situationen und ist so variabel wie lange nicht.

Die Panthers sind nach meinen EPA/Play Metriken ein besseres Team als z.B. Miami oder Cleveland. Sie können heute wieder auf Teddy Bridgewater als Quarterback zählen. Für den Teddy ist es die Rückkehr als Starting-QB an alte Wirkungsstätte: 2014 hatten die Vikings ihn am Ende der ersten Runde gedraftet.

Obwohl sportlich auch schon vor seiner Horrorverletzung nicht der angekündigte Franchise-QB, hat Bridgewater mit Minnesota als Starter immerhin einmal die Playoffs erreicht – 2015/16, als die Vikings durch den berüchtigten Fehlkick von Blair Walsh aus kürzester Distanz in der Wildcard-Runde ausschieden.

Jenes Spiel mutet heute nicht nur deshalb so bizarr an, weil die Vikings in der Bauphase ihres neuen Stadions für kurze Zeit im bitterkalten Outdoor-College-Stadion der Golden Gophers spielen mussten, sondern auch, weil die Vikings damals die Hosen voll hatten und ein kurzes Fieldgoal nach dem anderen gegen den Favoriten Seattle schossen. Heutzutage gehen Coaches in diesen Situationen viel häufiger auf den Touchdown als damals.


Jets – Dolphins ist „Tua-Watch”. Tua wurde letzte Woche nach schwacher Vorstellung in Denver gebencht und kehrt heute auf die Stamm-Position zurück. Unter der Woche wurde heftigst diskutiert ob Brian Flores damit nicht die Büchse der Pandora geöffnet und Tua schon halb abgesägt habe.

Jetzt mal unabhängig davon, dass Tua das schwächste seiner erst vier NFL-Spiele abgeliefert hat, verstehe ich die Aufregung darüber nicht so ganz. Es war ein schwaches Spiel des Rookie-QBs, aber die Dolphins hatten am Ende des Spiels noch die Chance, trotzdem zu gewinnen. Tua war offensichtlich von der Rolle – also brachte der Coach den etablierten Oldie. Flores hat sich mit seinem „No Bullshit“-Führungsstil schnell die absolute Autorität in Miami erkauft. Wir reden bei diesem Coach nicht von einem Hue Jackson, der einfach bei jedem kleinen Problem die Scheiße seinen jungen QBs in die Schuhe schob. Ich glaube nicht, dass Tua damit schon beschädigt ist.

That said, muss Tua natürlich heute „bounceback” gegen das einzige sieglose Team in der NFL zeigen. Die Jets haben weder den Passrush um die D-Line zu knacken noch die Coverage um so verlässlich wie Denver gegnerische Receiver abzuwürgen. Ich bin aber auch auf den Offense-Approach der Dolphins-Coaches gespannt. Denn es ist zu erwarten, dass Miamis Defense gegen Joe Flacco/Sam Darnold die Oberhand gewinnen wird und Miami nicht viel riskieren muss. Wird man „Vanilla-Offense“ spielen – oder Vollgas-Offense um Tua zu testen?

Spätschicht ab 22h

  • 22h05: Denver Broncos (4-6) – New Orleans Saints (8-2)
  • 22h05: Los Angeles Rams (7-3) – San Francisco 49ers (4-6)
  • 22h25: Tampa Bay Buccaneers (6-4) – Kansas City Chiefs (9-1)

Taysom-Hill-Watch! Hill hat bei seinem Starter-Debüt letzte Woche besser ausgesehen als allgemein befürchtet, aber das Spiel ist mit dem Kaliber heute nur entfernt vergleichbar:

  • Auswärtsspiel im Freien
  • Gegnerische Defense anstatt Atlanta (#20 Defense nach EPA/Play) jetzt Denver (#10 nach EPA/Play)
  • Eine Woche Tape von Hill als nennenswerter Quarterback auf dem Schirm

Wird das Game-Skript wieder eineinhalb Viertel mit klarer Führung in der zweiten Halbzeit produzieren? Denver hat eine unterirdische Offense – aber auch eine Defense, gegen die sich nicht so leicht scoren lässt wie Atlanta. I’m intruigued. Denver hat die Cornerbacks um Michael Thomas und Emmanuel Sanders deutlich zu limitieren. Aber muss New Orleans überhaupt sein ganzes Playbook öffnen, wenn Denver mit QB Brett Rypien stümpert?


Bei Rams – Niners ist das Heimteam deutlich favorisiert. Doch L.A. hat das Verletzungsfragezeichen auf Left Tackle, wo Whitworth für den Rest des Jahres ausfällt. Kann San Francisco dort attackieren? Andererseits: Können die Niners mit ihrem geschundenen Offense-Personal zweiter Klasse überhaupt etwas gegen die sehr moderne Rams-Defense ausrichten?


Schließlich der Mega-Kracher Tampa Bay – Kansas City. Tom Brady gegen Pat Mahomes. Beim Ringer hat Rany Jazayerli unter der Woche schon den „Case“ aufgemacht, Mahomes könnte bald der GOAT der US-Sportgeschichte werden. Natürlich sind solche Takes nach nur zweieinhalb Jahren als Starting-QB sehr, sehr früh, aber so senkrecht wie sich Mahomes‘ Karriere entwickelt hat, ist das Statement durchaus plausibel. Hier lesenswert: Patrick Mahomes ist no longer just a Phenomen. He’s the GOAT in the making.

Der Autor argumentiert auch, dass Bradys sechs Superbowl-Ringe dem GOAT-Case für Mahomes wohl am längsten im Wege stehen werden. Sie sind Fluch & Motivation für Mahomes zugleich.

Bei Brady auf der anderen Seite ist wirklich faszinierend, wie er immer wieder leuchtende Augen bekommt, wenn er auf Mahomes angesprochen wird. Auch interessant in dem Zusammenhang: Brady verkündet offen, mit seinen 43 Lenzen viel Tape von den jungen QBs in der NFL anzuschauen um sich vielleicht auch noch etwas abzuschauen.

Das Duell ist auch sportlich für beide wichtig. Kansas City braucht jeden Sieg um bei einem Steelers-Ausrutscher doch noch auf AFC #1 zu springen und die Bye-Week (so es eine gibt) zu sichern. Tampa hat im Playoff-Rennen der NFC in den letzten Wochen ordentlich an Boden verloren. Nicht bloß ist New Orleans mit 8-2 und gewonnenem Tie-Breaker in der NFC South schon enteilt. Vor allem riskiert Tampa Bay auch im Wildcard-Rennen an Boden zu verlieren.

Offensiv wird immer offensichtlicher, was wir schon die letzten Wochen immer wieder angeprangert haben:

  • Der lauflastige 1st-Down/2nd-Down-Approach blockiert die Offense total – vor allem mit einem „free tackler“-Magneten wie Leonard Fournette als Back.
  • Die statische Offense der Buccs ist zu ausrechenbar. Selbst das beste WR-Trio ever reicht gegen gute Defenses nicht mehr aus um die Räume am Feld ideal zu nutzen.

Auch Brady ist nicht ganz frei von Schuld. Seine tiefen Pässe haben zuletzt gefährlich gestreut. Gerade das muss aber heute klappen, denn Kansas City böte tief durchaus die Möglichkeit für lange Completions.

Ebenso spannend: Was wird die Buccs-Defense tun um gegen Mahomes zu bestehen? Tampa hat die zweit-blitz-lastigste Defense in der NFL (42%). Doch Mahomes ist spätestens seit seiner Show gegen die Ravens in Woche 3 berühmt dafür, keinerlei Furcht gegen den Blitz zu zeigen – im Gegenteil: Weil Mahomes trotz Super-Arm und Super-Waffen vor allem wegen seinem unvergleichlichen Spielverständnis brilliert, findet er fast immer die durch den Blitz frei gewordene Zone am Feld.

Siehe hier mal den Offense-Split zwischen Blitz und normalem Pass-Rush bei Mahomes:

Stark ist er überall – aber weil Blitzing gegen den pfeilschnell reagierenden Mahomes meistens zu spät einschlägt, ist es keine ideale Taktik. Wird DefCoord Todd Bowles also den Gameplan umweibern? Wird er konservativer in Coverage sitzen und darauf warten, dass TE Travis Kelce die Linebacker David & White verbrennt? Das Problem gegen Kansas City ist, dass diese Offense einfach keine Schwächen hat: Sie kann mit Big-Plays gewinnen, sie hat mit viel Klein/Klein und hoher Success-Rate gewinnen, sie nimmt sogar 60% Lauf-Rate, wenn der Gegner die Box entblößt und putzt damit einen Contender wie Buffalo in deren Stadion weg.

Obwohl die Buccs Heimrecht haben, ist Kansas City bei den Buchmachern mit 3 Punkten favorisiert. Ich würde da sogar einen deutlicheren Favoritenstatus bei den Chiefs sehen.

Nachtschicht ab 2h20

  • Green Bay Packers (7-3) – Chicago Bears (5-5)

Nachtschicht mit Rodgers gegen whoever plays at QB for the Bears. Heute soll wieder Mitchell Trubisky ran – was Beobachter als Gewinn für die Bears-Offense sehen, weil Trubisky im Gegensatz zur Statue Foles immerhin ein paar Plays durch designte QB-Runs machen kann. Trubisky als Quarterback-Upgrade: Wenn es so weit ist, dann kannst du eigentlich schon zusammenpacken.

Aber: Die Bears haben eine unangenehme Defense um Aaron Rodgers zumindest ein paar Probleme zu machen. Vorne guter Dampf durch die D-Line, hinten solide Coverage. Chicago hat in dieser Saison mehr als eine namhafte Offense abgewürgt – u.a. Tampa oder Minnesota komplett.

Die nun schon vier Spiele währende Niederlagenserie ist v.a. auf die unterirdische Offense zurückzuführen. Aber da haben wir dann eben auch das Schlamassel: Jetzt soll ausgerechnet Trubisky den Abwärtstrend aufhalten. Jeeeeeez.

10 Kommentare zu “NFL Sonntagsvorschauer – Woche 12

  1. Interessant das du noch einen Heimvorteil hast. Laut Fabian Sommer ist der diese Saison nicht vorhanden und Vegas nutzt auch keinen. Soll auch schon letzte Saison praktisch negierbar gewesen sein.

  2. Was schaut ihr als Einzelspiel um 19h?
    Kann mich nicht entscheiden zwischen Bills-Charger, Colts-Titans und Patriots-Cardinals..

  3. @Broncos: sie haben wohl noch im Practice Squad einen WR gefunden, der im College 4 Jahre QB gespielt hat (bis 2017). SPiel wird dadurch natürlich absurd. Da wäre ein Bayern-Sturm Davies-Alaba-Kimmich-Süle erfolgversprechender 😉

  4. aufgrund des Corona-Protokolls wäre es gar nicht möglich, so kurzfristig CK (oder einen anderen vertraglichen QB) zu verpflichten … also ja: WR vom Practice Squad >> CK

  5. Pingback: NFL 2020 – Woche 12 im Liveblog: Die Frühschicht | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  6. Danke, n74er, das stimmt für die Broncos.
    Bleiben die Bengals und einige andere Teams, die lieber third-string QB-play haben als CK unverbindlich zu einem Tryout einzuladen.

    Ist für mich ein Grund auf den Gamepass zu verzichten: Ich muss für schlechtes QB-play bezahlen, weil irgendwelchen Ownern BLM gegen den Strich geht. Dann lieber Pro7maxx mit Watte in den Ohren. 😉

  7. Dafür unterstützt man mit ran halt miesesten Journalismus:

    @Hausherr da würde mich mal deine Meinung dazu interessieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.