Samstagsvorschauer – 05.12.2020

Grüße aus dem Winterwunderland. Heute hätte die Skisaison losgehen sollen, aber Covid-bedingt wurde die Öffnung der Lifte um einen Monat auf den 7. Jänner geschoben. Ich schwanke ob ich die freigewordene Zeit mit Football, Fortbildung oder Freeletics vertreiben soll.

Zum College Football: „Nur“ acht Covid-Absagen oder -Verschiebungen am heutigen College-Football-Samstag. Bis jetzt.

College Football Rankings

Keine Änderungen in den Top-7 der College Football Rankings letzte Woche. Die ersten Änderungen gibt es nach der Pleite von #8 Northwestern, das aus den Top-10 fällt und Platz für Georgia macht. Die Bulldogs sind das höchstgerankte 2-Loss Team. Ihr Spiel von heute gegen Vandy wurde abgesagt, was ihren Athletic Director ziemlich erbost hat. Das Ranking liest sich nach 14 Spieltagen so:

#1 Alabama (8-0)
#2 Notre Dame (9-0)
#3 Clemson (8-1)
#4 Ohio State (4-0)
#5 Texas A&M (6-1)
#6 Florida (7-1)
#7 Cincinnati (8-0)
#8 Georgia (6-2)
#9 Iowa State (7-2)
#10 Miami/FL (7-1)
#11 Oklahoma (6-2)
#12 Indiana (5-1)
#13 BYU (9-0)
#14 Northwestern (5-1)
#15 Oklahoma State (6-2)

Ohio State sitzt an #4 in einer mittlerweile spannenden Position, weil die Buckeyes nach Big-Ten-Regularien 6 Spiele für eine Conference-Finalqualifikation brauchen. Ohio States Spiel heute bei Michigan State (18h) scheint nicht gefährdet, aber der Gegner im „Big Game“ nächste Woche, Michigan, laboriert an zahlreichen Corona-Fällen und musste sein Spiel heute absagen. Gehen wir mit den aktuellen Prognosen, so ist die Partie schon jetzt gefährdet.

Für das sportlich unangetastete Ohio State könnte die Qualifikation fürs Conference-Finale davon abhängen ob Michigan nächste Woche genug Spieler zusammenbekommt um sich abschlachten zu lassen – oder ob man eventuell ein rasches Ausweichspiel z.B. gegen Maryland gebacken kriegt.

Fürs College Football Playoff bliebe Ohio State auch mit nur einer Handvoll Spielen „eligible“. Das Big Ten Finale würde bei zu wenigen Spielen wohl zwar „Indiana without Penix gegen Northwestern“ lauten, schlicht weil diese beiden Mannschaften die einzigen sind, die genug Siege und genug Spiele angesammelt haben. Doch wenn ein 5-0 Ohio State am „Championship Weekend“ ein um #16 geranktes Wisconsin wegputzt, hätten die Buckeyes nicht nur die „gefühlte Conference-Meisterschaft“ geholt, sondern locker genug Argumente für eine Einberufung ins Playoff gesammelt.

#1 Alabama sieht durchgewunken aus – Bama müsste schon das SEC Finale gegen Florida deutlich verlieren um rauszufliegen. #3 Clemson muss die ACC gewinnen – in dem Fall wäre wohl auch Notre Dame schon durch. Mit Corona haben wir noch einen unberechenbaren Chaos-Agenten für die letzten 3 Spieltage, aber das Playoff-Feld sieht Stand heute ziemlich gegessen aus.

Spiele von heute

Wir werden heute ein paar Kantersiege von hoch gerankten gegen ungerankte Teams sehen, aber es gibt auch Stolperpotenzial z.B. für Texas A&M und zumindst etwas Thrill z.B. im Nachholspiel LSU – #1 Alabama, wo der personell arg dezimierte Titelverteidiger LSU die Monster-Offense von Nick Saban verteidigen muss.

Es gibt nur ein Spiel zwischen zwei gerankten Teams – und das findet zwischen zwei Mid-Majors statt und wurde erst kurzfristig improvisiert unter der Woche anberaumt: #18 Coastal Carolina aus der Sunbelt Conference gegen den Independent #13 BYU.

Doch kurz der Reihe nach.


18h: Michigan State – #4 Ohio State. Ohio State musste letzte Woche seinen Trip nach Illinois wenige Stunden vor Abflug absagen, muss heute aber um jeden Preis spielen, will man die Chance auf das Big-Ten-Finale erhalten. Dafür braucht es wie oben geschrieben sechs Saisonspielen, und das 4-0 Ohio State hat nur mehr zwei Spiele im Schedule.

Michigan State ist bestenfalls ein Aufbaugegner für Ohio State. Sagen wir, die Buckeyes bringen weniger als 22 spielfähige Mann nach East Lansing: Dann glaube ich an ein Upset. Aber auch nur dann.


18h: Auburn – #5 Texas A&M. Zwei starke Defenses gegen zwei stagnierende Quarterbacks. Niemand nimmt Texas A&M trotz des #5 Overall Rankings ernst, und wenn man das Gestümpere von QB Kellen Mond letzte Woche gegen die kaputte LSU-Defense angesehen hat, dann weiß man, warum. Monds Pässe streuten so brutal, dass sie noch nichtmal für die Defense abfangbar waren. Eine vernünftige Offense kann man damit nicht spielen.

Für heute sehe ich hier am ehesten bei allen hoch gerankten Mannschaften Upset-Potenzial. Auburn-QB Bo Nix hat in eineinhalb Jahren als Starting-QB so gut wie nix gezeigt was den extremen Hype des 5-star Recruits gerechtfertigt hätte. Von Nix wird abhängen, ob Auburn die knüppelharte A&M-Defense um mögliche NFL-Prospects wie EDGE DeMarvin Neal oder CB Myles Jones knacken kann. Diese Defense lebt im Prinzip davon, dass sie keine richtige Schwäche hat (außer Pass-Defense gegen Alabama).


20h30: #2 Notre Dame – Syracuse. Mehr als 30 Punkte Favoritenstatus für Notre Dame – mehr muss man zu der Partie eigentlich nicht sagen. Die Frage ist, wie lange Brian Kelly hier die Starter drinnen lässt, denn in zwei Wochen geht es für Notre Dame gegen Clemson um den ACC-Titel, und da will man keine Verletzungen riskieren.


21h30: Tennessee – #6 Florida. Florida-QB Kyle Trask kriegt die letzten Wochen ordentlich Heisman-Hype, aber die wahren Stars dieser explosiven Offense sind in meiner Wahrnehmung TE Kyle Pitts und WR Kadarius Toney. Über Pitts schreibt z.B. der 538 Blog, er sei schon jetzt absolut NFL-würdig.


21h30: #9 Iowa State – West Virginia. Das 7-2 Iowa State ist seit dieser Woche in den Top-10 gerankt, aber niemand nimmt die Cyclones so richtig ernst. Das Problem in Ames: QB Brock Purdy, einst als NFL-Pick gehandelt, entwickelt sich beständig zurück. Purdy spielt eine schwache Saison. Dass Iowa State trotzdem so weit oben gerankt ist, zeugt von der Klasse des Headcoaches Matt Campbell – und von einer Prise Glück: Die Mannschaft ist 4-0 in engen Spielen und hat eine Pleite gegen den kleinen Mid-Major Louisiana kassiert.

Heute trifft man auf die mutmaßlich beste Defense der Big 12. West Virginia spielt keinen schönen Brand Football, aber diese in der Secondary hervorragend besetzte Unit legt sich wie Mehltau über die Gegner und schläfert ihn damit ein. Es gibt mehr als eine Handvoll passabler Defensive Backs, die auch physisch gegen den Lauf verteidigen können – so z.B. CB Tykee Smith, S Sean Mahone oder S Alonzo Addae.


#16 Wisconsin – #12 Indiana. Indiana war bis letzte Woche eine der coolen Storys der Saison – und die Hoosiers könnten sich durch die Hintertür noch fürs Big-Ten-Finale qualifizieren, wenn Ohio State nicht auf die notwendigen 6 Saisonspiele kommt. Aber weil sich der famose Indiana-QB Michael Penix letzten Samstag für den Rest des Jahres auf die „injuried reserve“ verabschiedet hat, ist Wisconsin hier haushoer Favorit.

Die Badgers haben ihrerseits so gut wie keine Gelegenheit mehr sich für das Championship-Game zu bewerben: Sie haben erst vier Spielen bestritten (3-1 Record) und liegen im Head-to-Head mit Northwestern hinten.


1h30: #18 Coastal Carolina – #13 BYU. Cooles Mid-Major-Duell, wenn ich auch BYU viel lieber gegen Cincinnati gesehen hätte. Aber mit den Coastal Carolina Chanticleers kriegt man immerhin den zweitbesten möglichen Mid-Major Gegner. Die Partie dürfte „Shootout-des-Jahres“-verdächtig werden, denn beide Offenses werden schwierig zu stoppen sein.

Coastal Carolinas Offense habe ich vor ein paar Wochen schon einmal kurz diskutiert. Die Jungs um QB Grayson McCall scoren gegen die mittelmäßigen Defenses ohne Pause – und BYU hat keine starke Defense um diesen Gegner aufzuhalten.

BYU-QB Zach Wilson wird also gefordert sein und darf nicht viele Gelegenheiten auslassen. Wilson ist noch immer ein Außenseiter auf den Heisman, und hat Top-10 Draft-Potenzial. Will BYU noch einmal eine ernsthafte Debatte um die Playoffs einläuten, braucht es hier einen deutlichen Sieg – dafür muss aber neben vielen Scores auch die Defense ihren Teil beitragen.


1h30: Virginia Tech – #3 Clemson. Upset-Chance kleiner 5%.


2h: LSU – #1 Alabama. Normalerweise eines der Highlights im Kalender – dieses Jahr als Nachholspiel in den Niederungen des Schedules versunken. Vor einem Jahr lieferte dieses Spiel den Knaller Tua gegen Joe Burrow. Heute wird Tuas Nachfolger QB Mac Jones über die dezimierte LSU-Defense drüberfahren und im „Idealfall“ genug Stats auflegen um die Heisman-Trophy zu gewinnen.

Das Duell des Tages ist WR Devonta Smith (der Mann mit den wahnsinnigen Stats) gegen CB Derek Stingley jr. Stingley war vor einem Jahr die Freshman-Sensation schlechthin – aber Smith hat ihn damals trotzdem in Grund und Boden gespielt und über 200 Yards und mehrere Touchdowns gefangen.

Wenn LSU hier mit dem völlig unbekannten Freshman-QB T.J. Finley mithalten kann, wäre das nicht weniger als eine faustdicke Überraschung.


Und damit ab zum Schneeschippen. Es hat in der Nacht immer wieder reingeregnet. Es sind nur knapp 30 Zentimeter, aber die sind recht schwere Kost.

5 Kommentare zu “Samstagsvorschauer – 05.12.2020

  1. Für mich ist diese Collegesaison mehr oder weniger abgehakt. Die vergangenen 2 Weekends sah ich nur sporadisch in den Spielbetrieb rein, kein einziges Game komplett angeschaut. Zudem, ohne Zuschauer fehlt der Biss.
    Wahrscheinlich nehme ich dann noch die Playoff mit und das Finale.
    Hoffen auf die nächste Saison, mehr ist zur Zeit nicht.

  2. Halb-Off-Topic-Frage: Glaubst Du denn, dass es bei euch noch sowas wie eine Wintersaison geben wird oder zumindest zu Ende des Winters mal der Lift läuft? Ich habe mich schon damit abgefunden, diesen Winter wohl eher nicht auf Skiern zu stehen. Aber als begeisterter Wintersportler, mit Schnee und Bergen und einem Lift vor der Haustür? Da würde es mich schon sehr in den Füßen jucken.

  3. Ich war während der 2019er Saison für mein Auslandssemester an der Coastal Carolina University. War sehr, sehr cool aber damals hätte ich im Leben nicht daran gedacht, dass die Chants dieses Jahr so eine Saison hinlegen.
    Ich werde mal gucken ob ich mir für das Spiel heute den ESPN-Player im gratis 7-Tage-Probe-Abo hole 😀

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