Sonntagsvorschauer – NFL Woche 13

Guten Morgen am Tag nach dem Feuerwerk.

Zumindest klang gestern das Knacksen der Bäume im Wald bis ca. 2 Uhr nachts wie die Böller an Silvester. Es müssen dem Sound nach Hunderte, ja Tausende gewesen sein, die unter der Schneelast zusammengebrochen sind. Ich selbst bin noch fix und fertig von drei Stunden Schinderei. So viel so schweren Schnee habe ich noch nicht gesehen, nicht einmal letztes Jahr – und in ein paar Stunden sollen die Niederschläge weitergehen.

Unser ganzer Berg ist zur Stunde noch abgesperrt von der Stadt. Mal schauen ob wir heute am Abend überhaupt noch Saft haben für die NFL. Bis dahin werfen wir mal die Motorsägen an 😊

Kurzer Blick auf das Play-off Bild

Ich liste hier mal einen Sprung den aktuellen Stand der Setzliste mit Playoff-Wahrscheinlichkeit nach dem ESPN FPI Rechner auf.

AFC

Neun Teams haben noch gute Playoffchancen, mit den Patriots gibt ein zehntes mit ein bisschen Resthoffnung. Dass ein anderes Team als diese in die Post-Season kommt, ist nahezu ausgeschlossen: 2%.

#1 Steelers (11-0) – 100%
#2 Chiefs (10-1) – 100%
#3 Titans (8-3) – 97%
#4 Bills (8-3) – 94%
#5 Browns (8-3) – 75%
#6 Dolphins (7-4) – 46%
#7 Colts (7-4) – 47%
#8 Raiders (6-5) – 52%
#9 Ravens (6-5) – 77%
#10 Patriots (5-6) – 11%

In der AFC North haben die Ravens interessanterweise eine fast identische Chance auf die Post-Season wie Cleveland, obwohl sie nicht nur eines, sondern gleich zwei Spiele weniger gewonnen haben. Das liegt daran, dass die Advanced-Stats nach wie vor Baltimore deutlich über Cleveland bevorzugen, und zum anderen, dass Baltimore den einfacheren Restspielplan hat.

Die Patriots haben nur mehr einen ganz kleinen Spalt in die Post Season offen. Die nächsten beiden Pats-Spiele finden an der Westküste statt (@Chargers, @Rams), dann @Dolphins und zum Abschluss Bills und Jets. In allen Spielen haben die Pats gute Chancen, aber das Problem ist, dass sie wohl auch alle gewinnen müssen, wenn sie noch mit 10-6 durch die Hintertür in die Playoffs rutschen wollen.

NFC

#1 Saints (9-2) – 100%
#2 Seahawks (8-3) – 99%
#3 Packers (8-3) – 99%
#4 Giants (4-7) – 35%
#5 Rams (7-4) – 92%
#6 Buccaneers (7-5) – 85%
#7 Cardinals (6-5) – 55%
#8 Vikings (5-6) – 25%
#9 Bears (5-6) – 15%
#10 49ers (5-6) – 29%
#11 Lions (4-7) – 0.5%
#12 Washington (4-7) – 32%
#13 Falcons (4-7) – 0.5%
#14 Panthers (4-8) – 0.2%
#15 Eagles (3-7-1) – 29%
#16 Cowboys  (3-8) – 5%

Der Absurdität namens NFC East ist es zu verdanken, dass es in einem von drei Fällen eines der beiden Teams mit dem momentan schlechtesten Record der Conference noch in die Playoffs schafft. Welches, ist völlig offen.

Um die anderen sechs Plätze balgen sich realistisch gesehen bis runter zu den 49ers noch alle. Minnesota, San Francisco und Chicago haben alle 5-6 Bilanz, aber der Rückstand zur letzten Wildcard ist nur ein Spiel.

Oben führen die Saints die Setzliste an, doch die Seahawks sind ein heißer Anwärter, New Orleans noch Feuer unterm Arsch zu machen, denn nicht bloß müssen die Saints noch ohne QB Drew Brees auskommen und noch gegen Kansas City spielen, sondern Seattle hat vorerst auch noch einen lachhaften Schedule: Giants, Jets, @Washington, ehe es mit Rams und @Niners zu Ende geht. Seattle muss zu Weihnachten eigentlich bei 11-3 stehen.

Spieltag #13

Zum heutigen Spieltag, wo es bis auf ein bisschen Wind in New York keine Wetterkapriolen geben sollte.

Für detaillierte Vorschau verweise ich auf den „Sunday Watch“ beim Lead-Blogger, wo ich diese Woche von Jannis Wiese und Stephan Starke vertreten werde: Sunday Watch.

Ich muss mich auf Stichpunkte beschränken.

Frühschicht um 19h

  • Atlanta Falcons – New Orleans Saints
  • Chicago Bears – Detroit Lions
  • Tennessee Titans – Cleveland Browns
  • Miami Dolphins – Cincinnati Bengals
  • Minnesota Vikings – Jacksonville Jaguars
  • New York Jets – Las Vegas Raiders
  • Houston Texans – Indianapolis Colts

Bei Falcons vs. Saints wird sich zeigen, inwiefern Atlanta die richtigen Schlüsse aus dem vermasselten „Hinspiel“ vor zwei Wochen gezogen hat. Damals ließ sich die Offense Line komplett überrumpeln, und weil die Defense QB Taysom Hill zu dessen Debüt nicht besser in den Griff bekam, konnten die Saints das überraschend locker runterspielen.

Interimscoach Raheem Morris wird in Atlanta schon als fixe Lösung gehandelt. Wenn da was dran ist, muss Morris heute „Adaptivität“ beweisen. Zu erwarten ist, dass man zumindest auf Hill wesentlich besser eingestellt sein wird.


Titans – Browns ist das Duell zweier 8-3 Teams, die unterschiedlich wahrgenommen werden, obwohl sie eigentlich ähnlich spielen. Beide haben extrem Play-Action lastige Offense (beide in den Top-3 was Play-Action% angeht), beide lieben Early-Down-Rushing über ihre wuchtigen Ballträger (Derrick Henry und Nick Chubb sind die vielleicht momentan läuferisch besten Runningbacks), beide spielen suspekte Defense.

Aber Tennessee spielt die deutlich effizientere Passing-Offense, weil QB Tannehill und WR A.J. Brown eine famose Liaison eingegangen sind – und weil die befürchtete Regression in den meisten Spielen ausgeblieben ist, gilt heute Tennessee, nicht Cleveland, als das AFC-Team, das Kansas City an einem guten Tag am ehesten Probleme bereiten kann.

Bei den Browns hängt immer viel an der Tagesform von QB Baker Mayfield, der in seiner Entwicklung stehen geblieben ist und nicht viel mehr bringt als das, was ihm das Offense-Scheme anbietet. Von Mayfield Wunderdinge zu erwarten, ist eine ziemlich Garantie geworden, enttäuscht zu werden.

Die Browns sind also sowas wie die „schwächere Version“ der Titans. Aber sie haben heute einen potenziellen Vorteil: Sie sind zu beiden Seiten der Offense Line besser besetzt. Ihre starke O-Line um den Pro-Bowl-würdigen Guard Wyatt Teller ist gut genug um über weite Strecken das trockene Laufspiel durchzudrücken. Und mit der Rückkehr von EDGE Myles Garrett hat man eine Monster-Waffe gegen die zweitklassigen Offensive Tackles in Tennessee.


Bei Texans – Colts muss Indianapolis aufpassen, nicht vom brandheißen QB Deshaun Watson an die Wand gespielt zu werden und somit das Zepter im Playoffrennen aus der Hand zu geben. Indy ist letzte Woche von Tennessee ziemlich übel verdroschen worden, aber heute ist die zuletzt Covid-ersatzgeschwächte Defense wieder komplett.

Bei Miami – Cincinnati soll offenbar heute doch wieder Tua zurückkehren. Ganz sicher ist sein Einsatz noch nicht. Die Bengals-Defense wäre mit der ideale Aufbaugegner.

Bei Bears – Lions sollte Detroit das größere Potenzial haben, gerade nach der Entlassung des verhassten Chefcoaches Matt Patricia. Aber Chicago kann man gegen solche Mitteklassegegner schon wegen der starken Defense nicht ganz rausrechnen – die Bears können bei aller Schlechtigkeit ihrer Offense solche Gegner locker auf ihr Niveau herunterziehen. In Woche 1 gewann ja auch Chicago – natürlich nur, weil der hoch gedraftete Lions-RB Swift in letzter Sekunde den Sieg-Touchdown wegdroppte.

Spätschicht ab 22h

  • Arizona Cardinals – Los Angeles Rams (22h05)
  • Seattle Seahawks – New York Giants (22h05)
  • Green Bay Packers – Philadelphia Eagles (22h25)
  • Los Angeles Chargers – New England Patriots (22h25)

NFC-West-Duelle zu previewen ist diese Saison ein Himmelfahrtskommando, weil fast nie das Erwartete passiert. Prinzipiell gilt: Die moderne Rams-Defense ist mit einem Shutdown-Corner wie Jalen Ramsey (vs WR Nuk Hopkins) sowie disziplinierter Zone-Defense prädestiniert um der wechselhaften Cards-Offense den Zahn zu ziehen und Kyler Murray von allzu viel Scrambling abzuhalten. Mögliches Problem für Arizona: WR Larry Fitzgerald fällt als Notfall-Target aus.

Aber Arizona hat mit seiner hohen Blitz-Rate die Chance, viele Nadelstiche gegen den Pressure-resistenten QB Jared Goff zu setzen. Hält die Line in den allermeisten Fällen die etwa 2.2 bis 2.5 Sekunden, hat L.A. eine sehr gute Chance.


Seahawks vs. Giants muss ein Seattle-Sieg werden, gerade weil wohl Colt McCoy für New York startet. Vielleicht sehen wir sogar mal einen klaren Sieg der Hawks.

Packers – Eagles wäre spannend, wenn Iggles-QB Wentz einigermaßen vernünftig spielen würde, aber der Zug ist wohl für diese Saison abgefahren. Bei Philly muss man nur noch schauen, ob es böse genug wird, dass auch der heißgeliebte Superbowl-Coach Doug Pederson, der sich beständig weigert, Wentz auszuwechseln, ins Gerede kommt.


Und dann haben wir noch Chargers – Pats. Belichick gegen einen jungen QB. Ich tue mir mit Justin Herbert noch einigermaßen schwer. Seine Highlights sind überragend und er ist wesentlich besser als erwartet – aber eben vor allem in instabilen Metriken wie Play-Action, Deep Passing und Spiel unter Druck. Wie viel „Credit“ kann man so einem Jungspund geben, wenn man weiß, dass die Performance wohl nicht auf Dauer so zu halten sein wird? Heute kommt überdies Belichick mit einem bestimmt maßgeschneiderten Gameplan.

New England ist letzte Woche gegen Arizona von der Schippe gesprungen, aber es gibt über den glücklichen Sieg hinaus durchaus genug Gründe um die Pats wieder ernst zu nehmen. Cam Newton kommt immer besser in Schwung und soll heute spielen können, die jungen Receiver Meyers und Byrd kreieren jetzt plötzlich Räume – das kann gegen eine personell hochklassige, aber schematisch etwas zu starre Bolts-Defense durchaus reichen!

Nachtschicht ab 02h20

  • Kansas City Chiefs – Denver Broncos

Patrick Mahomes ist Must-Watch-TV, aber Vorsicht: Zu viel Chiefs-Offense spoilert das Footballvergnügen auf Dauer, weil man bei allen anderen Mannschaften dann zu oft enttäuscht wird. Denver ist zwar eine derjenigen Mannschaften, die in den letzten Jahren noch mit am meisten Gegenwehr gegen Mahomes geliefert hat: Vorne gut im Pass-Rush, hinten diszipliniert in Coverage

Die Broncos können auch offensiv wieder auf einen nominellen Quarterback zurückgreifen, aber egal ob der Lock, Rypien oder Blake Bortles heißt: Alle drei werden nicht genug Punkte auflegen um die Chiefs ernsthaft in Gefahr zu bringen. Von daher erwarte ich eine klare Sache.

4 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer – NFL Woche 13

  1. Verstehe dieses Gehype der Browns („neben Tennessee das Team, das KC evtl. Probleme machen könnte“) überhaupt nicht.

    Sie wurden gegen die Ravens und Steelers nicht nur geschlagen, sondern regelrecht deklassiert und vorgeführt.
    Ihre Siege kamen auch fast ausschließlich gegen Graupenteams.

    Wenn man bei den Steelers immer betont, dass sie ihr Rekord von 11-0 überschätzt (was wohl auch stimmt), muss man das beim 8-3 Rekord vom Cleveland gleich dreimal sagen.

  2. Ich glaube nicht, dass die Browns besonders gehypt werden. Tennessee ist bei gleichem Record mit 4 Punkten favorisiert.

    Die Browns sind z.B. nach meiner Preseason-Erwartung in etwa erwartbar nach Record, aber viel schwächer nach Performance. Sie haben z.B. trotz 8-3 ein negatives Punktverhältnis. Vor allem Baker Mayfield spielt am unteren Ende der erwarteten Performance.

  3. Ich vermute, was immer mitschwingt, wenn man über die Browns redet, ist die History.
    Wenn ich an die Browns denke, denke ich 0-16. Den Record von 2017. Das ist nicht einmal drei Jahre her. Ein derart brutaler Turnaround war noch nicht so oft da. Wenn überhaupt.

    Es mag nicht besonders gut laufen im Moment, aber ich glaube, wenn sie jetzt einen Run haben, ist ihnen (allein schon aus emotionalen Gründen) der ein oder andere Upset zuzutrauen. Auch wenn im Management/Umfeld irgendwo der Wurm drin ist. Korsakoff schreibt nicht umsonst „an einem guten Tag“. Ansonsten ist gegen KC aktuell kein Blumentopf zu gewinnen.

  4. Verstehe Jeoffreys Kommentar nicht. Da steht ja nirgendwo, dass Cleveland KC würdig ist. Nur die Titans.

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