Nachwehen vom Thursday Night Game Rams – Patriots

Mini-Nachklapp zu letzter Nacht.

Joa, es war dann also ein Kantersieg für die Rams, sie sich noch nichtmal richtig schmutzig machen mussten. Der 24-3 Endstand täuscht zwar ein bisschen über die Kräfteverhältnisse hinweg, aber nicht darüber, dass New England offensiv ganz einfach zu wenig anzubieten hatte.

Die Patriots-O-Line gab in mehr als 50% der Pass-Plays Pressure auf – ein exorbitanter Wert. QB Cam Newton bzw. dann nach Newtons Auswechslung im Schlussviertel QB Jared Stidham machten dahinter als Passer keinen Stich. Die Patriots hatten unter 4 NY/A Passing und spätestens mit dem Pick-Six der Rams zum 0-17 war die Partie schon Mitte des zweiten Viertels gelaufen.

Es hätte zwar Mittel und Wege gegeben um den Score eine zeitlang knapper zu halten:

  • Die Pats begannen offensiv völlig aseptisch, aber bei 0-10 fing die Defense eine Interception von Jared Goff und war in Scoring-Range, als Cam Newton den Pick Six warf.
  • Die Pats scheiterten anschließend nach ihrem besten Drive an einer bizarr ideenlosen Goal-Line Serie an einem 4th&Goal von der 2 Yards Line beim Stand von 0-17.
  • Danach ließ Belichick zwei weitere 4th&2 nicht ausspielen: Ein Kick zu den einzigen Punkten des Tages, ein Punt.

Aber am Ende waren die Rams zu dominant. Es hätte wohl so oder anders nicht gereicht – noch nichtmal, wenn die Pats ihre Interception zum TD returniert hätten.

In Summe hatten die Pats offensiv geschlagene -0.54 EPA/Play. Da war es umso deprimierender, dass auch die Rams nur wenig zustande brachten. Bis auf das Laufspiel über RB Cam Akers (171 Yards Rushing) war da nicht viel da. Die auch von FOX gelobten Run-Blocks der Receiver wie Kupp oder Robert Woods waren noch das beste der ganzen restlichen Rams-Offense, die in diesem Spiel auffällig stark aus 12-Personnel (und nicht im von Sean McVay so geliebten 11-Personnel) operierten.

Die Rams sind mit 9-4 Bilanz ein 99%iger Playoffkandidat. Die Chancen der Pats sind mit der Pleite auf 4% gesunken.

Qua Vadis, Patriots?

Was die Frage aufwirft: Quo Vadis, Pats? Die Saison 2020 ist jetzt ziemlich sicher eine verschenkte. Das Experiment mit Newton auf QB wird jetzt in Frage gestellt werden – hätte Belichick mal besser den Tank-Job angeworfen?

Newton war diese Saison nicht gut als Passer – die Bilanz von 5 TD und 10 INTs ist ein Resultate der Entwicklung, aber es reichte auch über diese drei Handvoll Plays ganz einfach nicht. Es war freilich nicht nur Newton allein. Es war auch der Support-Cast. Einzig Jacobi Meyers ist unter den Top-60 Receivern der NFL-Saison gerankt. Auch Tom Brady hatte vor einem Jahr massive Probleme, diese Offense am Laufen zu erhalten, und Brady hatte damals noch einen gesunden Julian Edelman.

Die Rushing-Offense der Pats war eine der besten der Saison, aber allein damit kommst du in der heutigen NFL nicht durch, wie solche Spiele à la Rams immer wieder zeigen. Newtons Mobilität half dem Laufspiel natürlich, aber die Pats stehen jetzt im Passing-Game vor der Entscheidung: Gehen wir mit Newton weiter – dann müssen wir nächste Offseason endlich Receiver holen! Oder gehen wir eine andere Richtung – aber wenn ja, dann welche? Man hat wohl keinen Top-10 Pick, und Stidham ist eher keine langfristige Lösung.

Belichick wird wie immer etwas machen, mit dem jetzt sowieso keiner rechnet, von daher lässt sich zwar trefflich spekulieren, aber mehr als netter Zeitvertreib ist es nicht.

Die Ära Pats mit 17 Playoffteilnahmen in 19 Jahren und der Aura der Übermacht ist damit wohl vorbei. Man kann einfach auch nur auf die letzten Jahre im Draft blicken, wo Belichick einen Runningback und einen Wide Receiver in der ersten Runde draftete. 2018 war Sony Michel der Glückliche – drei Spots danach ging Nick Chubb vom Tablett. 2019 war es N’keal Harry. Die nächsten beiden gedrafteten Receiver waren Deebo Samuel und A.J. Brown.

Und natürlich: Der Spieler, der direkt nach Michel ging, war Lamar Jackson. Ich habe mich schon zu lange darüber gewundert, warum Belichick damals diese goldene Chance ausgelassen hat.

Jetzt zahlen die Patriots natürlich die Zeche dafür. Es waren nicht bloß diese beiden Drafts. Aber sie hätten die Basis sein können für einen quicken Umbruch. So wie es jetzt ausschaut, wird der Umbruch aber etwas zäher.

2 Kommentare zu “Nachwehen vom Thursday Night Game Rams – Patriots

  1. Ich bin gespannt ob die Patriots am letzten Spieltag das Spiel gegen die Jets hergeben, damit diese nicht Trevor Lawrence picken können. Das wäre nochmal ein richtiger Troll Move von Belichik.

  2. Ich habs euch ja gesagt 😀

    Pats zum ersten Mal seit 2002 !! mit weniger als 10 Siegen, das ist schon unglaublich.

    Ich denke aber, das ist alles wie erwartet, die Offense ist einfach schon seit dem Super Bowl nicht mehr gut gewesen mit Ausnahme der easy Games gegen Trash Defenses zu Beginn der letzten Saison.

    BB ist halt auch nicht perfekt, es hat ja schon damals niemand verstanden warum er auf Lamar verzichtet hat und beim Draften von WR ist er einfach schlecht.

    Mich stört auch, daß er so gar kein Konzept bei 4th Down Decisions hat. Man kann schon fast nicht mehr glauben, daß BB früher mal als 4D Guru galt 🙂

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