College-Football-Rant-der-Woche

Die Farce mit Namen „College Football 2020“ hat in den letzten Tagen die nächste Stufe gezündet.

„The Game“ Ohio State – Michigan musste wegen des Covid-Ausbruchs bei den Michigan Wolverines zum ersten Mal seit über 100 Jahren abgesagt werden, wodurch das 5-0 Ohio State zu wenige Spiele auf dem Buckel hatte um für das Conference-Finale der Big Ten eingeladen zu werden.

Ich habe darüber mehrmals in den letzten Wochen geschrieben: Die Big Ten hatte vor ein paar Wochen die Regel herausgegeben, dass mindestens sechs Saisonspiele notwendig seien um sich für das Finale zu qualifizieren um keine Freakansetzungen von kleinen 3-0 Teams über ein großes 6-1 Team zuzulassen. Guess what? Die Conference schaffte die Regel unter der Woche kurzerhand ab um Ohio State durch die Hintertür trotzdem ins Finale zu schleußen.

Aus sportlicher Sicht ist gegen die kurzfristige Regeländerung nichts einzuwenden: 5-0 Ohio State hat 6-1 Indiana geschlagen, und selbst bei einer Niederlage heute hätte Ohio State den 1-loss Tie-Breaker gewonnen. Aber natürlich ist es auch ein Fall von „ich mach mir die Welt widde widde wie sie mir gefällt“.

Aber das passt alles wunderprächtig zum College Football, bei dem wir im Jahr 2020 alle Flauseln in potenzierter Form erleben: Big Ten Saison wird abgesagt, nicht alle großen Conferences ziehen nach, Big Ten Saison wird wieder eingeführt. Minimum-Game regel wird eingeführt, Minimum-Game Regel wird abgeschafft, weil sie nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat. Rivalry-Games werden verschoben und abgesagt, neue Rivalry-Games (BYU – Coastal Carolina!!) werden über Nacht eingeführt. Die ewig Unabhängige Unsere Liebe Frau im Walde (Notre Dame) wechselt in eine Conference und spielt dort sofort im Finale mit. Einen letzten Spieltag heute gibt es in der ACC nicht – Pufferwoche um das ACC-Title-Game Clemson – Notre Dame und – viel wichtiger – die Möglichkeit auf zwei ACC-Teams im Playoff nicht zu gefährden.

Und so weiter. Nur eins bleibt wie immer: Die Mächtigen schachern sich die Benefits zu wie es ihnen grad passt.

Playoffs >>> Conference

Die Saison 2020 wäre geradezu prädestiniert gewesen um die im Zuge der Playoff-Einführung nahezu irrelevant gewordene Institution „Conference“ wieder zu stärken und mangels Inter-Conference Spielen den Win/Loss Record der Teams in den Vordergrund zu stellen. Doch passiert ist das gleiche wie immer: 8-2 Iowa State aus der Big 12 ist als #7 des jüngsten CFP-Rankings nicht nur am ungeschlagenen Cincinnati (8-0) vorbeigerutscht, sondern mal eben flotte 12 Plätze oberhalb von #19 Louisiana (9-1), das Iowa State zum Saisonauftakt im Vorbeigehen 31-14 weggeputzt hatte.

Klarer: Das ganze Ranking ist viel mehr als in anderen Jahren ein „gefühltes Ranking“. In normalen Jahren wussten wir durch etwa ein Viertel Non-Conference-Spiele und Cross-Conference Vergleiche, dass die Power-Conferences stärker sind als die kleinen Ligen. Dieses Jahr ist das nicht der Fall. Wir *glauben* zwar. Aber wir *wissen* nicht. Wenn die Mid-Majors jemals eine echte Chance auf die Playoffs gehabt haben sollten, dann heuer.

Stattdessen ist 10-0 Coastal Carolina nur die #13, 9-1 BYU, das nur knapp gegen Coastal Carolina verlor, die #18 und Louisiana die #19.

Aber was schreibe ich eigentlich hier noch – Rodger Sherman vom Ringer hat den Komödiantenstadel längst perfekt zusammengefasst.

CFP-Ranking

#1 Alabama (9-0)
#2 Notre Dame (10-0)
#3 Clemson (9-1)
#4 Ohio State (5-0)
#5 Texas A&M (7-1)
#6 Florida (8-1)
#7 Iowa State (8-2)
#8 Cincinnati (8-0)
#9 Georgia (6-2)
#10 Miami/FL (8-1)
#11 Oklahoma (7-2)
#12 Indiana (6-1)
#13 Coastal Carolina
#14 Northwestern (5-1)
#15 USC (4-0)
#16 Iowa (5-2)
#17 UNC (7-3)
#18 BYU (9-1)
#19 Louisiana (9-1)
#20 Texas (6-3)

Die ganzen Rankings sind „hot mess“. Ohio State werden sechs Spiele reichen um in die Playoffs zu kommen, weil #Geld #Brand und #BigTen, während ein ungeschlagener Mid-Major Trupp wie Coastal Carolina in einer Saison quasi ohne Cross-Conference-Vergleiche mit fast doppelt so vielen Spielen sechs Plätze hinter einem 2-loss Iowa state mit 17-Punkte-Pleite gegen einen anderen Mid-Major verharrt – chancenlos auf die Playoffs und wenn‘s dumm läuft auch um eine New Year’s Bowl geprellt.

Alabama, Clemson und Ohio State kann man schon in die Playoffs rechnen. Dass Bama gegen Florida in Bedrängnis kommt, ist nahezu ausgeschlossen und Clemson ist im ACC-Finale nach meinem Empfinden mit QB Trevor Lawrence in der Startaufstellung haushoch gegen Notre Dame zu favorisieren.

Der vierte Spot ist relativ offen und hängt davon ab, wie deutlich Notre Dame gegen Clemson verliert, ob das CFP-Komitee wirklich ein Texas A&M, das bereits von Alabama abgeschlachtet wurde, für Playoff-würdig hält und ob Florida das SEC-Finale knapp halten kann.

Ein ungeschlagenes Cincinnati oder ein ungeschlagenes Coastal Carolina wären prädestiniert um mit guten Argumenten im Freakjahr 2020 einen Freak-Playoffteilnehmer zu stellen. Aber: #Quote verhindert Abwechslung.

Mir graust vor diesen Playoffs.

Spiele von heute

Heute infolge der vielen Absagen und Verschiebungen nur vier Top-10 Teams im Einsatz: Jeweils um 18h #1 Alabama bei Arkansas und #9 Georgia bei #25 Mizzou um 18h, dazu #6 Florida gegen LSU um 1h und #10 Miami/FL gegen #17 UNC um 21h30.

Elf Spiele wurden verschoben oder abgesagt.

Bei Georgia kannst du dir nie ganz sicher sein, was du bekommst. QB J.T. Daniels hat bei seinem Debüt gegen Mississippi State fantastisch gut ausgesehen, aber es war halt nur die Defense von Mississippi State. Danach wurde er gegen South Carolina zum Statisten degradiert, weil die Rushing-Offense ein paar hundert Yards aufgelegt hat.

Mizzou heute ist defensiv kein richtiger Gegner, aber die Tigers spielen unter dem neuen Headcoach Eli Drinkwitz hervorragende Offense. Ich fühle, dass beide Teams vom Common-Sense ein wenig überschätzt werden, aber ein nettes Spiel sollte es schon werden.

Bei Alabama ist klar was wir kriegen: Es wird ein Kantersieg. Arkansas mag unter dem neuen Headcoach Sam Pittman und dem OffCoord Kendal Briles eine der positivsten Erscheinungen sein, doch gegen die Armada um QB Mac Jones, den Heisman-verdächtigen WR Devonta Smith (80 Catches, 1305 Yards, 15 TD) und RB Najee Harris ist für alle Teams unterhalb der Qualitätsstufe Clemson / Ohio State kein Kraut gewachsen. (Und ob die beiden Mannschaften gegen diese Maschine Alabama etwas ausrichten können, müssen wir erst abwarten.)

Jedenfalls ist es erstaunlich wie einfach Bama den Verlust von Superstars wie Tua Tagovailoa, Jerry Jeudy oder Henry Ruggs (alle in den Top-15 gedraftet) weggesteckt hat – nicht mal ohne Qualität zu verlieren, sondern sogar noch besser geworden ist!

Um 21h gibt es noch Troy – #13 Coastal Carolina. Die Triple-Option Offense der Chanticleers ist schon ziemlich cool. Troy ist auf dem Papier kein Gegner, aber es gibt die Gefahr eines „letdown games“.

Sonst so

Anstehendes Ende einer Ära: ESPN/ABC hat sich ab 2024 die Rechte am „Verne Game“, dem SEC-Spiel der Woche, gekauft. Möglicherweise wird CBS die Rechte durch Sublizensierung schon früher abtreten. Jedenfalls ist das Game of the Week um 21h30 mit dem ikonischen Intro bald passé, denn ESPN will das Topspiel in die Primetime schieben.

Aber wenn der College Football immer mehr zu einer Angelegenheit für vier, fünf große Teams wird, ist mir das sowieso bald wurscht. Es zählen dann sowieso nur noch drei Spiele: Zweimal Halbfinale und Finale.

6 Kommentare zu “College-Football-Rant-der-Woche

  1. Ich finde es etwas vermessen Clemson schon als Sieger des ACC Finales zu sehen, wobei ich glaube das es egal ist ob Notre Dame verliert, die werden dann als 4 dabei sein.

  2. Clemson hat mit Backup-QB und kaputter Defense im Stadion von Notre Dame um ein Haar gewonnen und QB Ian Book hat das Spiel seines Lebens gebraucht.

    Diese ganzen Vorteile hat Notre Dame diesmal nicht mehr.

    Ich denke, Clemsons Favoritenstatus ist über 7 Punkte.

  3. Da merkt man schon deutlich die Verzweiflung des Hausherrn, was mit dieser Saison anzufangen ist. Geht mir aber ähnlich. Vor allem das Ding mit Ohio State finde ich schon stark gewöhnungsbedürftig. Wenn einem die selbst auferlegten Regeln am Ende nicht mehr passen und die Großkopferten nicht mehr profitieren, werden die Regeln halt schnell wieder so angepasst, dass es einem genehm ist. Und natürlich immer zum Nachteil der kleinen Colleges. Eigentlich ist es ganz schön erbärmlich. Dabei wäre diese Saison endlich einmal die Chance da gewesen, längst notwendige Änderungen vorzunehmen, zum Wohle aller Colleges und nicht nur der Großen. Auf anderen Seiten (z.B. Spox) wird immer so getan, als ob hier alles ganz doll spannend ist. Dabei sind die ersten vier seit Monaten schon klar.

  4. Auch in der Pac-12 zeichnet sich ein seltsames Ende ab. Da geht es zwar nicht mehr um Playoff-Teilnahme, aber um den Conference-Titel und damit einen Platz in den New Year’s Six.
    Eigentlich hätte heute Washington (3-1) bei Oregon (3-2) antreten sollen. Direktes Duell um den Einzug ins Pac-12-Finale, besser geht es am letzten regulären Spieltag doch kaum. Doch nun hat Washington Covid, Spiel abgesagt, Washington damit evtl. kampflos im Finale. Oder auch nicht, mal sehen, ob Washington nächste Woche wieder spielbereit ist und was die Conference macht, falls nicht.

  5. Pingback: Samstagsvorschauer – Championship Weekend 2020 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  6. Pingback: Nachwehen vom College-Football-Championship: Wer geht in die Playoffs? | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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