Nachwehen vom College-Football-Championship: Wer geht in die Playoffs?

Sooo. Der Championship-Samstag im College Football hatte es dann doch in sich.


#1 Alabama schlug #7 Florida nach hartem Kampf 52-46. Das Spiel war nicht ganz so knapp wie es der Endstand vermuten lässt, denn Bama führte die meisten Zeit mit zirka 7-14 Punkten, manchmal mit 18. Aber Florida hing in der Partie mit drin und konterte immer dann, als Bama drohte das Spiel nach Hause zu fahren.

Florida verdient für diese beherzte Vorstellung ein dickes Kudos. Es waren Kleinigkeiten, die letztlich entschieden: Der Fumble beim Return zur ersten Interception. Der zu schnelle Snap von QB Kyle Trask beim Touchdown vor der Halbzeit, der Alabama 70 Sekunden Zeit ließ um per Gegegnschlag auf 35-17 zu stellen. Der Fumble-Sack von Trask, der Bama drei Punkte schenkte.

Florida hing mit dem famosen TE Pitts und mehreren Bib-Passing-Plays so lange es nur irgendwie ging drin und versuchte gar die analytisch richtige 2pts-Conversion „down 14“! Es fehlte nicht viel. Aber Bama ist dann eben doch Bama. Devonta Smith, der jetzt eigentlich die Heisman-Trophy gewinnen muss, machte mal wieder 15 Catches für 184 Yards und 2 TD und RB Najee Harris legte in Pass und Lauf weitere 5 (!) Touchdowns drüber. Es war enie Show der Bama-Stars – aber gleichzeitig eine extrem ausgeglichene Teamvorstellung, in der alle ihre Plays machten (O-Line Dominanz, John Metchie mit dem Tackle zum Fumble nach der Interception).

Hier gibt es die sehr gut geschnittene Highlight-Zusammenfassung dieses exzellenten Spiels.

Bama ist natürlich Playoff-Fixstarter. Florida hätte es allein mit dieser Performance verdient. Aber die Gators sind mit 8-3 Bilanz kein ernsthafter Kandidat mehr.


#3 Clemson demontierte #2 Notre Dame im ACC-Finale. Der 34-10 Endstand spiegelt in etwa die Dominanz von Clemson wider. Ich fühle mich in meiner seit Wochen geäußerten Annahme, dass wir bei den beiden Teams von einem Klassenunterschied reden, wenn erstmal Trevor Lawrence mitspielt, bestätigt.

Lawrence machte fantastische Plays als Passer, Runner und (!) Blocker. In der NFL werden die Coaches ihm das „head first“ beim Laufen abstellen müssen und einmal ganz zu Beginn ließ er sich von DefCoord Clark Vea verladen, aber sonst gibt es wenig auszusetzen. Sogar die manchmal fragwürdigen Receiver machten ihre Plays – WR Rodgers sogar einen auf OBJ. Lawrence-Passing öffnete auch die Räume fürs Laufspiel über Travis Etienne, die es im „Hinspiel“ im November nicht gab.

Auch Clemson-DefCoord Venables war wie erwartet perfekt vorbereitet und verarschte QB Ian Book ein ums andere Mal. Book war schnell komplett frustriert. James Skalski hatte seine Big Plays am Anfang, aber danach brauchte es noch nichtmal mehr die.

Notre Dame ist damit wieder einmal von den „Big Boys“ verdroschen worden. Die ganze Geschichte ist ja nicht neu. Dass Clemson in die Playoffs geht, ist eh klar, aber über Notre Dame müssen wir nach dieser hoffnungslosen 24-Punkte-Pleite noch einmal reden. Kein Mensch hat jetzt Lust, noch so ein Schlachtfest anzuschauen.


#4 Ohio State würgte sich zu einem 22-10 Erfolg gegen #14 Northwestern. Wirklich fette „Props“ für das kleine Northwestern, das Ohio State dreieinhalb Viertel lang in Schach hielt und den Wunder-QB der Buckeyes, QB Justin Fields, wie einen Anfänger aussehen ließ. Ich bin bei Fields bekanntlich skeptischer als die meisten, aber dass er sich lange Zeit so aus dem Konzept bringen lassen würde, hat auch mich überrascht. Fields ging 12/27 für 114 Yards und 2 INT.

Northwestern verschenkte mit einer Endzone-Interception, einem schnellen Punt und einem verschossenen 46-yds Fieldgoal zu Beginn des dritten Viertels die goldene Chance, ein in diesen Minuten in den Seilen hängendes Ohio State zu erledigen, und wurde danach bitterlich bestraft.

Ohio States imposante Offensive Line nahm nach dem verschossenen Fieldgoal überhand und walzte über die zunehmend müder werdende Defense drüber, ohne Hoffnung auf Stop. RB Trey Sermon, der von Oklahoma rübertransferiert war, machte 331 Yards aus 29 Carries. Sermon hatte einfaches Spiel um ins Laufen zu kommen – aber da waren auch einige feine Momente dabei, die Sermons Spielverständnis dokumentieren. Das war nicht ganz allein „Ohio State inside zone“ und du wechselt einfach den erstbesten Athleten, der die 40yds schneller als 4.70 laufen kann ein.

Ohio State ist jetzt 6-0. Der Big-Ten-Finalerfolg war weit weniger überzeugend als ich gedacht hatte. Das Playoff-Komitee wird Ohio State natürlich reinwählen (sonst bricht meine Weltsicht zusammen), aber da würd ich schon länger als 10 Minuten drüber diskutieren.


#10 Oklahoma gewinnt das Big-12 Finale 27-21 gegen #6 Iowa State. Spektakuläres, intensives Spiel. Oklahoma führte schnell 24-7, aber Iowa State groovte sich in die Partie zurück – nur um dann mit einer fassungslosen Sequenz im Drive der letzten Hoffnung die Saison wegzuschmeißen:

  • Oklahoma hatte grad per Fieldgoal auf 27-21 gestellt – sowieso gefährlich, weil es den Gegner zum 4-Down-Football einlädt.
  • Iowa State marschierte, beging dann aber nicht ein, sondern gleich zwei 5-yds Strafen und war plötzlich in ein 2nd & 20 gepresst.
  • Iowa State machte einen quicken Passing-Play entlang der Seitenlinie um die Hälfte der Distanz zurückzugewinnen ohne die Uhr zu melden.
  • Aber dann brach völliges Chaos an der Seitenlinie und im „Huddle“ (sofern man ihn so nennen kann) aus. Kein Schwein wusste, welcher Spielzug durchgesagt war und die 11 Offensiv-Spieler rannten wie irre über den Platz im Versuch eine Aufstellung einzunehmen, die als legale Footballformation durchgeht.
  • Iowa-State-Coach Matt Campbell wollte sein letztes Timeout nicht bei gestoppter Uhr verwenden, also snappte Iowa State unter Hochdruck den Ball. QB Brock Purdy rollte rechts raus und warf tief in gut gedeckte Zone. Interception.

Es war einer der Momente, in denen es zwar schade ist, sich von seinem wertvollen letzten Timeout zu verabschieden – aber es wäre besser gewesen. Dass das Chaos in einer Interception endet, ist natürlich Pech, aber Purdy beging nicht zum ersten Mal Harakiri.

Sportlich war Iowa State insgesamt ebenbürtig. Ich habe es schon gestern gepostet: Turnovers und Feldposition waren die beiden nennenswerten Unterschiede:

Oklahoma jetzt zum sechsten Mal in Folge Conference-Champ. Sollte Oklahoma jetzt von #10 auf #4 springen? Gegenfrage an den Sooner-Fan: Willst du das überhaupt? Ich meine: Hast du gesehen wie die Sooners in den letzten Jahren von Alabama verdroschen wurden?

Für Iowa State ewig schade. Die Cyclones können am Boden zerstört sein, denn wer weiß wann so eine Chance noch einmal kommt.


#9 Cincinnati schlägt #24 Tulsa durch Fieldgoal mit auslaufender Uhr. Es war nicht die erhoffte dominante Vorstellung von Cincinnati, das aber im strömenden Regen immerhin nie ernsthaft Gefahr lief das Spiel zu verlieren. Die Bearcats führten von Beginn an. Sie begingen zwar Fumbles und Turnovers und vor allem extrem viele kleine Strafen und verschossen Fieldgoals, aber sie lagen im ganzen Spiel nie zurück.

Der Kontrast zum Offensivspektakel im SEC-Finale war natürlich da. Die Geschwindigkeit, mit der Cincinnati und Tulsa operierten, war natürlich 10 km/h niedriger. Aber Cincinnati ist ungeschlagen in einem gar nicht so schwachen Schedule.

Playoff-Diskussion

An #1 und #2 werden Alabama und Clemson durchgehen, daran gibt es keine Zweifel. Die #3 wird Ohio State sein, like it or not (I don’t).

Beim #4 Spot wird das Komitee ein paar Stunden lang über Notre Dame oder Texas A&M diskutieren und abwägen ob eine 28-Punkte-Pleite gegen Alabama (Texas A&M) besser oder schlechter sei als eine 24-Punkte-Pleite gegen Clemson (Notre Dame), und Dutzende Abwägungen treffen, weil letztere auch noch einen Sieg in doppelter Overtime gegen ein stark ersatzgeschwächtes Clemson vorzuweisen haben.

Notre Dame ist 10-1 und ein Duell mit Alabama wäre immerhin kein Re-Match eines 52-28 Kantersiegs über A&M. Texas A&M ist 8-1, hätte aber immerhin nicht das Conference-Finale mit 24 verloren. Solche Pleiten sind vom Komitee noch nie belohnt worden. #letzterEindruck

Die ganzen Diskussionen wären logischerweise leicht lösbar, indem man einfach die auf der Hand liegende Option Cincinnati (9-0) nimmt. Würde der AAC-Champion von Alabama oder Clemson an die Wand gespielt? Ziemlich sicher ja, aber was bitte ist mit Texas A&M und Notre Dame passiert?

Weil double standard aber in der DNA des CFP-Rankings liegt, hat Cincinnati sowieso keine Chance.

Ob Oklahoma noch eine Chance hat? Eher nein. Die Sooners waren nur auf #10 und haben nur knapp gegen ein ebenbürtiges Iowa State gewonnen. Die Sooners wirkten mit niedrigen Rankings nach ihrem 1-2 Start fast schon wie eliminiert. Und wer will schon sehen, wie Mac Jones und Co. 60 Punkte drüberstreuen?

Ab 18h wissen wir mehr, wenn die Semifinals bekannt gegeben werden (das Rose Bowl Halbfinale wurde übrigens nach Dallas verschoben).

Also: Es sollte an #4 Cincinnati sein. Aber es wird entweder Clemson oder Notre Dame sein, und es könnte mir nicht mehr wurscht sein, welcher von den beiden.

4 Kommentare zu “Nachwehen vom College-Football-Championship: Wer geht in die Playoffs?

  1. eine frage was ist so schlimm wenn mal ein Team in die top Four reinrutscht das nicht bama und clemson ist. also meine Lieblings uni die boise state broncos wäre mal geil im finale zu sehen.

  2. Pingback: NFL 2020 – Woche 15 im Liveblog: Die Frühschicht | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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