Sonntagsvorschauer – NFL Week 15

Guten Morgen.

Ich werde nachher wohl noch ein paar Zeilen zum College Football schreiben. Hier schon einmal der Verweis auf den Livestream der Kollegen von „Der Draft“ um 13h, wo dann über die Playoff-Zusammensetzung diskutiert wird. Genauen Link habe ich noch nicht, aber hier geht’s zum Youtube-Kanal.

Zur NFL. Keine Spoiler von gestern Nacht, aber es braucht auch eigentlich keine.

Sunday Watch behandelt hier schon sechs interessante Aspekte von heute. Den Rest serviere ich hier nach.

Frühschicht um 19h

  • Atlanta Falcons – Tampa Bay Buccaneers
  • Dallas Cowboys – San Francisco 49ers
  • Tennessee Titans – Detroit Lions
  • Indianapolis Colts – Houston Texans
  • Miami Dolphins – New England Patriots
  • Minnesota Vikings – Chicago Bears
  • Washington – Seattle Seahawks
  • Baltimore Ravens – Jacksonville Jaguars

Wenn ich das richtig sehe, dann gibt es bis auf vielleicht Cowboys – 49ers kein Spiel ohne echte Playoff-Implikation, aber auch kein wirkliches Duell zweier angehender Playoffmannschaften – außer vielleicht Washington – Seattle wegen der miesen NFC East.

Ich halte die Lobeshymnen auf die Washington-Defense für etwas übertrieben, aber wer weiß, wenn Brian Schottenheimer wieder den „alten“ Gameplan auspackt und Seattle 30x in die Mauer mit fünf ex-1st Roundern hineinrennt.

Aber auch im Passspiel wird das für Seattle vielleicht gar nicht so einfach: Washington kann dabei mit seiner Defensive Line Druck auf Russell Wilson ausüben. Rookie-EDGE Chase Young wird mit jeder Woche den gigantischen Vorschusslorbeeren gerechter und hat minimum einen Key-Play per game.

Das Problem für Washington: QB Alex Smith ist out. Dwayne Haskins wird starten – es ist jener Haskins, der von Ron Rivera schon nach wenigen Spielen auf die Bank gesetzt wurde. Haskins wirkte letzte Woche nach seiner Einwechslung ziemlich verloren – es ist eigentlich kaum vorstellbar, dass Haskins nach der brutalen Demontage genug Selbstvertrauen für ein NFL-Spiel hat.

Dolphins – Patriots habe ich schon beim Lead-Blogger analysiert; es ist das Spiel, in dem die Regentschaft der Patriots über die AFC East auch formell beendet werden kann. Aber eben: Belichick gegen QB-Rookie.

Warum ich bei Falcons – Buccs eine eher punktearme Angelegenheit erwarte, habe ich auch beim Lead-Blogger erklärt. Am ehesten gibt es viele Punkte, wenn Tampa Bay ohne die auf Covid-Liste stehenden Special-Teams beginnt alle 4th Downs auszuspielen. Vielleicht stolpern die Buccs ja hier zufällig über was ganz nettes…

Colts – Texans hatten wir schon vor 2-3 Wochen. Houston ging damals bis fast zum Schluss mit – und hätte es nicht kurz vor Schluss in der Redzone einen Fumble gegeben, Deshaun Watson und Co. hätten durchaus gewinnen können. Indy auf der anderen Seite hat zuletzt gegen zweitklassige Defenses offensiv hervorragend ausgesehen. Sogar Laufspiel über den Rookie-Sprinter RB Jonathan Taylor kam in die Gänge.

Baltimore – Jacksonville ist „Lamar-Watch”: Jackson knapp eine Woche nach dem sensationellen Monday Night Game gegen Cleveland. Jacksonvilles Defense gibt auf dem Papier genug Räume auf, dass Baltimore auch im Passspiel zum Erfolg kommen kann. Vielleicht versuchen sich die Ravens hier sogar in einer Art „Testspielmodus“ – neue Sachen probieren für die Playoffs, weil der heutige Gegner eh total unterlegen ist.

Spätschicht ab 22h

  • Los Angeles Rams – New York Jets (22h05)
  • Arizona Cardinals – Philadelphia Eagles (22h05)
  • New Orleans Saints – Kansas City Chiefs (22h25)

Wie viele Punkte ich den Jets in Los Angeles zutraue, kann man beim Lead-Blogger nachlesen.


Cardinals – Eagles ist das Duell der beiden mobilen ex-Oklahoma-Quarterbacks, Kyler Murray gegen Jalen Hurts. Beide stehen unter Druck.

Murray, weil er nach eineinhalb Jahren immer noch keine nennenswerten Fortschritte als Passer gemacht hat und seine Airzona-Air-Raid-Offense eigentlich nur dann wirklich fruchtet, wenn er als Läufer wie ein aufgeschrecktes Huhn über den Platz jagt. Murray hat eine Kanone von Wurfarm, aber aus irgendeinem Grund klappt das mit der Passing-Offense nur dann, wenn WR Nuk Hopkins angespielt wird. Dessen Einsatzgebiet steht heute unter Beobachtung: Letzte Woche hat ihn Kingsbury endlich mal mehr am Feld herumgeschoben – Beobachter fordern das vehement in größerem Ausmaß. Hopkins trifft heute auf eine Secondary ohne Top-CB Darius Slay.

Hurts steht unter Druck, weil sein Debüt letzte Woche zwar gelungen ist, aber eigentlich alle Analysten, die ich unter der Woche verfolgt habe, bestätigten meine Eindrücke: Der Eagles-Gameplan mit Hurts war ultra-vanilla. Viel einfacher konnte man es ihm nicht machen – und Hurts hat nicht wesentlich viel mehr gemacht als die gröbsten Bolzen à la Wentz zu vermeiden. Die Cards-Defense hat schon ein paar Inputs wie man Hurts auf die Eier steigen kann: Crosser wegnehmen, schauen, dass der Mann so oft wie möglich in der Pocket bleibt.

Ich bin aber insgesamt total gespannt auf das Spiel. So enttäuscht ich von Murrays Entwicklung als Werfer auch nach wie vor bin (meine Erwartung war vielleicht zu hoch) und so sehr ich bei Hurts fürchte, dass seine NFL-Karriere im Mittelmaß verenden wird: Ich mag die beiden QBs. Ich mag auch die beiden Coaching-Staffs.


Das Spitzenspiel lautet natürlich New Orleans Saints – Kansas City Chiefs. Gemessen an meinen Preseason-Erwartungen ist das ein vorgezogener Superbowl, insbesondere jetzt, wo QB Drew Brees wohl wieder zurück ist. Zumindest Adam Schefter twitterte schon am Freitag, dass Brees starten wird:

Die Saints haben nur mit Brees eine Chance, hier mitzuhalten. Aber sie müssen auf WR Michael Thomas verzichten, der für den Rest der Regular Season geschont wird. Prinzipiell schmeckt der Chiefs-Defense dieses Kurzpassgewichse einer gegnerischen Offense nicht wirklich; die Defense ist eher dafür gebaut, den einen oder anderen verzweifelten Deep-Pass mit Tyrann Mathieu oder Juan Thornhill abzufangen.

Im Matchup Chiefs-Offense gegen Saints-Defense können wir grob erahnen, was der Leistungsaufschwung der Saints-Defense in den letzten zwei Monaten wert war. Patrick Mahomes ist einfach der ultimative Test.

Die Saints haben haufenweise Cornerbacks um zumindest athletisch gegen die geschwindigen Chiefs-Receiver mitzuhalten, aber wer wird den „leading receiver nach Yards“, TE Travis Kelce, decken? In den letzten Wochen haben die Saints Oldie-Safety Malcolm Jenkins auf Tight Ends abgestellt, aber Kelce ist kein klassischer Tight End, sondern eher eine Art aufgepumpter Slot-Receiver. So wichtig Tyreek Hill mit seinem Speed für die Chiefs-Offense ist: Ich habe jetzt zahlreiche respektierte Experten gehört, die Kelce als das schematische Epizentrum der Andy-Reid-Offense sehen.

Ich weiß auch gar nicht ob die Bedeutung des Spiels mit der Qualität des Matchups mithalten kann. Klar: Chiefs sind 12-1 und auf dem Weg zum #1 Seed, aber wenn man eine Niederlage akzeptiert, dann eine non-Conference. Die Saints sind 10-3 und haben zuletzt die NFC-Führung an die Packers abgeben müssen. So leicht holt man sie diese nicht zurück, und zwischen dem #2 Seed und dem #7 Seed ist in einer Saison mit nur einer Bye-Week und ohne nennenswerten Heimvorteil selbst für das Dome-Team New Orleans gar kein so großer Unterschied.

Das führt mich auch zu der Frage, ob die beiden Coaching-Staffs mit Blick auf ein mögliches Superbowl-Re-Match schon alle Ideen auspacken? Wäre es schlau, noch Plays unter Verschluss zu halten? Oder kannst du auf keinen Sieg verzichten?

Würden sie sowieso einiges zurückhalten?

Ist überhaupt Platz und Zeit für solche Gedanken, oder zerstört Mahomes die Saints-Defense sowieso wieder mit vier TD-Drives en suite und morgen wird das Ende der NFL-Saison ausgerufen weil’s eh keine Konkurrenz mehr gibt?

Nachtschicht um 2h20

  • New York Giants – Cleveland Browns

Okay. Mögliche Konkurrenz erwächst in Cleveland. Die Browns spielen heute bei den Giants.

Die wurden letzte Woche von den Cardinals gestutzt, aber vielleicht ist heute QB Daniel Jones fitter um Gegenwehr zu leisten. Bei den Browns dagegen ist zu schauen ob sie nach dem fulminanten Monday Night Game gegen Baltimore die Konzentration hochhalten können und ob ihre Offense-Explosion der letzten Wochen for real war.

Die Browns-Offense findet immer besser zu sich und sah zuletzt so aus wie ich es mir im Sommer ausgemalt hatte: Starke Offense Line an den Flanken und innen, 12-Personnel-lastige Aufstellung und ein Play-Calling, das QB Baker Mayfield das Leben vereinfacht.

Doch am Montag bewies Baker, dass er sogar selbst was kreieren kann, wenn es sein muss! Mit zwei Touchdowns Rückstand gegen die furchteinflößende Ravens-Defense musste Kevin Stefanski das Play-Action Passing abstellen – und Baker zerlegte die Defense mit mehreren langen Drives. Straightes Dropback-Game. Spieler > Scheme.

Bei Baker muss man mittlerweile aufpassen, was „Fake“ und was „echt“ ist und ein Rückfall in alte Zeiten ist immer möglich. Aber das war am Montag kein reiner System-QB mehr, der einfach nur das nimmt was ihm qua Scheme angeboten wird, sondern auch einer, der kreiert. Halten die Browns offensiv diesen Level, sind sie auch mit ihrer Fake-Defense eine Gefahr in der AFC.

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