Prost Neujahr

Prost Neujahr!

Wer das Jahr 2020 noch einmal aus NFL-Sicht reüssieren möchte, dem lege ich die große Jahresrückschau vom Lead-Blogger ans Herz:

Der US-Football hat sich in weiten Teilen also durch 2020 durchgekämpft. Die NFL hat es sogar soweit gebracht, dass die Pandemie irgendwann in den Hintergrund rückte. Neue Ausbrüche im November oder Dezember riefen allerhöchstens noch ein Schulterzucken hervor – und auch wenn die NFL zum ersten Mal ever an jedem einzelnen Wochentag Spiele abhalten musste um ohne Verschiebung durch die Regular Season zu kommen: Sie haben es tatsächlich geschafft. Allein das hatten im Sommer längst nicht alle für möglich gehalten.

Der College Football hatte erwartungsgemäß die größeren Probleme – und auch die größeren Scheuklappen. Zickzackkurz in der Causa Spielplan durchziehen? Zwei bis drei Handvoll Spielausfälle pro Spieltag? Kurzfristige Schedule-Tweeks und Regeländerungen? Es wurden alle Register gezogen um zumindest die Fassade von Sport aufrechtzuerhalten.

„Hauptsache irgendwie durch“ – das war auch über den Spielfeldrand hinaus das Motto der meisten. Mich interessiert brennend, wie die Nachfolgespezies der Menschheit in eintausend Jahr dieses aufgeregte Treiben im abgelaufenen Jahr rezitiert.

War noch was?

Ah ja. College Football Playoff. Heute geht es los – 22h Rose Bowl aus Dallas und 02h Sugar Bowl aus New Orleans. Ich sitze hier, und spüre nichts. Keine Lust über die Spiele zu schreiben. Ich habe schon ausgeführt, warum ich bis auf weiteres mit dem College Football abgeschlossen habe. Die Playoff-Entscheidung des College-Football-Komitees ist nicht bloß enttäuschend – sie impliziert unlauteren Wettbewerb.

Nicht, dass es uns nicht längst bewusst gewesen wäre, was für ein System dort gebaut worden ist – eines für den Erhalt von alten Vormachtstellungen, auf Kosten der Kleinen, aber kommuniziert als Wettbewerb für alle. College Football wird nicht als geschlossener Zirkel à la NFL verkauft. Doch Verpackung und Inhalt sind im College Football zwei verschiedene Dinge, und nie wurde das so offensichtlich wie heuer.

In den ersten sechs Ausgaben des Playoffs hatte es nur wenige Chancen für echte Kontroverse gegeben, weil die kleinen Universitäten nicht mehr Mid-Major Power der Güteklasse Bose State 2009-2011 herangereicht hatten. Es gab also nur das ungute Gefühl von Geschacher der Big Cows.

Doch 2020 war auch da anders. Wenn man die Verarsche sieht, wird sie umso bitterer.

Wir sehen mindestens eine, vielleicht zwei, Playoffmannschaften, die problematisch unter dem Aspekt von Wettbewerbsgerechtigkeit sind. Notre Dame ist klar – die Fighting Irish wurden im letzten Spiel der Regular Season förmlich abgeschlachtet und trotzdem über drei ungeschlagene Mid Majors reingewählt. Aber auch mit Ohio State habe ich meine Probleme – die Buckeyes sind sportlich wohl unbestritten, aber die Regeln wurden unter der Saison zugunsten der Mannschaft über Nacht geändert um diesem Team zu helfen.

Es ist mir bewusst, dass Ohio State vermutlich auch ohne Big-Ten-Championship die Qualifikation geschafft und vielleicht sogar „verdient“ hätte. Aber dann frage ich mich zunehmend, warum wir überhaupt Conferences, Endspiele, ja überhaupt Spiele haben, wenn sie nicht zählen – bzw. für andere die zählen, die nicht gespielt werden.

Das schlimmste am ganzen: Es gab zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass das Komitee einen Mid-Major wie Cincinnati (9-0) überhaupt in Betracht zog. Trotzdem logen die Beteiligten der versammelten Masse ohne rot zu werden ins Gesicht.

Ich fühle mich verarscht. Die Zeit, die ich zum Schauen von, und Schreiben über, College Football 2020 genommen habe, war verschwendete Zeit. Es war kein faires Rennen, und damit bin ich raus.

Wen’s trotzdem interessiert: Ab 22h schlachtet #1 Alabama #4 Notre Dame ab, und in der Nacht ab 2h folgt die Neuauflage #2 Clemson gegen #3 Notre Dame Ohio State. Trevor Lawrence gegen Justin Fields, der Top-QB im kommenden NFL-Draft gegen einen der anderen 1st Rounder. Letztes Jahr führte Lawrence seine eigentlich unterlegene Mannschaft zu einem glücklichen Halbfinalsieg über Ohio State.

In der Nacht von 11. Jänner auf den 12. spielt Alabama gegen den Sieger des zweiten Halbfinals um die National Championship.

Vorschauen fürs Halbfinale gibt es bei Jan Weckwerth (Triple Option Blog) in verschriftlichter Form, und in Podcast-Version bei Julian Barsch im Saturday Kickoff.

9 Kommentare zu “Prost Neujahr

  1. Naja, Fighting Irish zuzusehen wie sie geschlachtet werden hat auch was. Katholiken verlieren zu sehen hat seinen Charme 😉

    Und wie die Leute das letzte Jahr sehen werden, keine Ahnung wie es so allgemein aussieht, aber mir persönlich war z.B. gar nicht bewußt das während der spanischen Grippe schon Masken getragen wurden, tippe also darauf das außer einer gewissen bubble die meisten maximal wissen werden das es mal Corona gegeben hat.

    Auf das es in diesem Jahr wieder etwas besser wird.

  2. Ich finde es schade, da wird die ganze Saison zum Collegefootball berichtet und dann gibt es zum Saisonhöhepunkt mit Bowls und den Play-offs rein gar nichts zu lesen? Wenigstens eine kleine Preview wäre doch drin gewesen, so groß war die Benachteiligung nun auch nicht, ob Notre Dame oder Cincinnati demontiert werden macht ja nun auch keinen großen Unterschied mehr.

  3. Es gibt doch eine verlinkte Preview.
    Die ist genauso gut wie eine vom Hausherren.
    Steht halt nur woanders, aber da es keine Zeitung ist ist es kein Problem da drauf zu klicken, oder?

  4. Gewinner dieser Nacht sind meiner Meinung nach die Jets. Möglich, dass die Karten um den first overall-Pick nochmal neu gemischt werden und wenn man am Ende an zwei Fields statt Lawrence pickt, ist es alles andere als ein Betriebsunfall.

  5. Dass Fields an Lawrence vorbeizieht, halt ich für nahezu ausgeschlossen. Die Debatte gabs auch kurz bei RG3 vs Luck, aber sie wurde v.a. medial geführt.

    Für die Jets kann es v.a. deshalb helfen, weil sie mit einem gestärkten Fields eher verleitet sein könnten, das QB-Prospect zu ziehen. Das ist ja momentan durchaus nicht ganz fix, nachdem so viele „Football People“ den Jets raten, mit Darnold weiterzumachen.

  6. Man soll Fields loben, 6 TDs muss man in einem Semifinal erstmal erzielen. Allerdings Fields wurde von der Clemson Defense nun nicht wirklich gefordert.

    Bei Fields wird sogar die INT schöngeredet. Er wollte den Ball wegwerfen oder der Ball wurde (leicht) berührt.
    Aber man sieht gut, sein Pump Fake ist nutzlos, kein Defender reagiert nach vorne und trotzdem zieht er das Play durch, ein antizipieren der nicht vorhandenen Lücke im Backfield.
    Einfache Reads und Stare Down gab es ebenfalls.

    Vor allem es gibt noch ein Spiel, da kann er es ja wiederholen.

    PS
    UNC Howell der nächste QB in einem großen Bowl game. 3 Offense Spieler mit opt-out, insgesamt in der Saison 3800 Yards 39 TD.
    (WR 1100Y 8TD, RBs 2700Y 31TD)

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