Sonntagsvorschauer 2020 | NFL Woche 17

Letzter Spieltag der NFL Regular Season 2020/21!

Die NFL hat die Saison also tatsächlich durchgebracht, auch wenn in den letzten Tagen wieder prominentere Covid-Fälle bzw. auf Covid-19 Liste gesetzte Spieler aufgetreten sind – auch bei Playoffteams wie New Orleans (Alvin Kamara), Pittsburgh (Eric Ebron, Joe Haden), Tampa Bay oder potenziellen Playoffteams wie Miami (Ryan Fitzpatrick), dem Rams (Cooper Kupp, Michael Brockers), Arizona (Christian Kirk) oder Cleveland (Denzel Ward, BJ Goodson, Andrew Sendejo) um einige Beispiele zu nennen.

Die Hoffnung ist jetzt, dass alle rechtzeitig für das Wildcard-Wochenende gesund oder gecleart werden. Ob sich die Teams in den Playoffs dann einsperren um weitere Fälle zu verhindern, muss man abwarten.

NFL Trainerkarussell 2021

Der heutige Sonntag könnte auch die Abschiedsvorstellung einiger Headcoaches werden. Auf die längst gefeuerten Bill O’Brien (Texans), Dan Quinn (Falcons) und Matt Patricia (Lions) könnten morgen weitere erfolglose Leute wie Adam Gase (Jets), Doug Marrone (Jaguars) oder Anthony Lynn (Chargers) folgen.

Matt Nagy in Chicago und Vic Fangio in Denver sollen schon das OK für ein weiteres Jahr bekommen haben und Stand jetzt kann man davon ausgehen, dass auch Doug Pederson in Philadelphia bleiben darf (DefCoord Jim Schwartz will aber ein sabbatical nehmen).

Sehr wackelig sind dagegen die Stühle von Zac Taylor (Cincinnati) und Mike Zimmer (Minnesota). Wenn es nicht noch böse Überraschungen oder Burnout-Rücktritte gibt, werden wir also zwischen sechs und acht neu zu besetzende Headcoach-Posten haben.

Die möglichen Nachfolger stehen schon Schlange (Eric Bienemy/OC Chiefs, Brian Daboll/OC Bills, Robert Saleh/DC 49ers…) und könnten diesmal sogar aus dem College-Football-Umfeld (Urban Meyer geistert als Name durch die Runde) kommen.


Dort hat es übrigens gestern einen unerwarteten Move gegeben, als Texas den „Underdog-Coach“ Tom Herman rausgeschmissen hat. Herman kam vor vier Jahren mit Pauken und Trompeten nach Texas. Eine 32-18 Bilanz ohne Conference-Meisterschaft ist er mit 15 Mio. Payout (24 Mio. für den ganzen Trainerstab!) wieder weg.

Der Nachfolger soll trotz anfänglicher Dementi Steve Sarkisian werden – ein megaspannender und nicht ungefährlicher Move. Sarkisian mag in der NFL durch seine zwei Jahre als Kyle-Shanahan-Nachfolger/Atlanta-OffCoord einen zweifelhaften Ruf haben – aber seine Coaching-Kompetenz im College-Bereich gilt als unumstritten. Zuletzt hat er den „Death Star“ Alabama gebaut – eine Offense, die sogar die Rekordunit von LSU 2019 in Effizienz in den Schatten stellt.

Sarkisian ist trotzdem ein Risiko. Bei USC wurde er vor ein paar Jahren wegen Alkoholmissbrauchs rausgeworfen. Jetzt also Texas. Wieder so eine große, laute Uni mit Sark im Mittelpunkt.


Zurück zur NFL kommend wird es heute schon im Laufe des Tages verstärkt Gerüchte über mögliche weitere Änderungen in den Trainerstäben und vor allem auch auf GM geben. Es werden wahrscheinlich wieder Dutzende Namen durch den Äther gejagt. Ich bin in den letzten Jahren etwas skeptisch beim Diskutieren von Head Coaches und gerade auch GMs geworden – gefühlt ist es ein größeres Glücksspiel als das Draften von Quarterbacks.

Einige der besten Trainereinstellungen der letzten Jahre kamen quasi ohne Hype – Doug Pederson in Philadelphia oder Sean McVay in Los Angeles. Trotz all dieser Unsicherheit gibt es dieses Jahr einen Kandidaten, für den ich bereit wäre Haus und Hof zu verkaufen um ihn einzustellen – in vollem Bewusstsein, dass es sich um eine riskante Einstellung handelt: Carolina-OffCoord Joe Brady. Der ist erst 31, hat aber atemberaubend gute Arbeit bei LSU und heuer in Carolina geleistet.

Brady ist als Schemer ein Pionier. Keine Ahnung ob er charakterlich schon reif ist für einen Cheftrainersessel (McVay war allerdings auch erst 31 bei seiner Einstellung). Aber wenn wirklich konkrete Angebote reinflattern (DETROIT LIONS PLEASE!!!), dann sollte Carolina ohne Scheiß über eine Beförderung zum Chefcoach nachdenken und Matt Rhule über die Klinge springen lassen.

Ich hab einfach diese Kyle-Shanahan-Flashbacks. Die Falcons hätten damals noch in den Katakomben im Superbowl-Stadion Dan Quinn feuern und Shanahan befördern sollen. Du glaubst, das ist Bullshit? Nun, denk anders drüber nach: Über welchen Abgang in Carolina wärst du aktuell besorgter: Rhule oder Brady?

Ich kenne die Antwort.

Was auch schon passiert ist: Kellen Moore hat eine Verlängerung als Cowboys-OffCoord bekommen. Damit wohl keine Heimkehr als Headcoach in Boise State.

NFL Playoff-Bild vor Woche 17

Das ganze Playoffrennen wirkt komplizierter als es ist. In Wirklichkeit sind die Szenarien recht simpel:

AFC Wildcards: Titans, Dolphins, Ravens, Browns, Colts sind alle 10-5 und in der genannten Reihenfolge von #4 bis #8 durchgereiht. Einer bleibt draußen. Wenn alle gewinnen oder alle verlieren, scheiden die Colts aus. Indy kann mit einem besseren Resultat als Tennessee aber noch die AFC South gewinnen.

Titans (gegen Houston), Ravens (gegen Cincinnati), Browns (gegen Pittsburgh mit QB Mason Rudolph) und Indianapolis (gegen Jacksonville) haben alle gut lösbare Aufgaben.

Miami hat es am schwierigsten, weil es nach Buffalo muss. Die Bills sitzen aktuell auf dem #2 Seed und können den mit einem eigenen Sieg zementieren. Aber den Bills reicht auch eine Steelers-Pleite – und Pittsburgh läuft mit dem zweiten Anzug gegen Cleveland auf. Insofern könnte Miami recht schnell gegen Buffalos Backups spielen. Aber: Die Dolphins laufen mit Tua Tagovailoa auf QB auf. Ryan Fitzpatrick wird diesmal bestimmt keine Kohlen aus dem Feuer holen: Er ist Covid-bedingt inactive.


NFC #1 Seed: Die Packers (12-3) fixieren den #1 Seed mit jedem Sieg. Bei einer Packers-Niederlage dürften maximal die Saints (gegen Carolina) gewinnen, denn einen three way tie auf 12-4 würde Green Bay an New Orleans verlieren.

Der dritte Kandidat im Bunde ist Seattle. Die Hawks sind nur mit eigenem Sieg bei San Francisco sowie Niederlagen von Packers und Saints die #1.


NFC Wildcards: Easy Money. Rams (9-6) aktuell vor Bears (8-7) und Cardinals (8-7). Rams und Cardinals treffen heute aufeinander. Der Sieger ist in den Playoffs. Arizona scheidet mit Niederlage sicher aus – dann wäre Chicago auf jeden Fall auch mit einer Niederlage drin. Wenn aber die Cardinals gewinnen, so müssten die Bears plötzlich gewinnen – andernfalls qualifizieren sich die Rams auch mit einer Pleite.

Erschwerend kommt da hinzu, dass die Rams mit Backup-QB spielen müssen.

Tampa Bay braucht noch einen Sieg gegen Atlanta für die Fixierung des #5 Seeds, aber das sollte Formalität sein.


NFC East: Washington ist drin, wenn es in Philadelphia gewinnt. Verliert Washington, ist der Sieger von Giants – Cowboys der Gewinner der NFC East.

Spielplan von heute Abend

Prinzipiell habe ich mit Fabian Sommer im Sunday-Watch schon alles wichtige abgearbeitet: Wildcardrennen in AFC und NFC sowie NFC East und den Fight um den #1 Seed in der NFC.

Zum Sunday Watch geht es hier entlang.

Hier der Schedule von heute Abend mit allen 16 Spielen und Cheat-Sheet auf was zu schauen ist:

Frühschicht um 19h

  • Buffalo – Miami. Bills spielen um die #2, Miami kann mit Sieg das Ticket lösen, ist bei Niederlage aber davon abhängig, dass auch die Colts verlieren. Wie lange Buffalo mit Startern draufbleibt, ist nicht ganz klar. Ein paar Jungs wie TE Kroft oder WR Coloe Beasley fehlen ohnehin. Miamis QB heute ist wieder Tua und es wird keine Einwechslung von Ryan Fitzpatrick geben, denn der ist auf der Covid-Liste. Wie sich Tua gegen die im Passrush tief besetzte und nicht zu unterschätzende Bills-Line machen wird, könnte das Spiel entscheiden.
  • Cincinnati – Baltimore. Die Ravens lösen mit Sieg das Ticket, für Cincinnati geht es nur mehr um Draftposition. Ich sehe keine Chance wie Cincinnati hier gegenhalten will.
  • Cleveland – Pittsburgh. Die Browns brauchen einen Sieg oder eine Colts-Niederlage für die Playoff-Qualifikation, die Steelers haben noch die kleine Restchance auf den #2 Seed (eigener Sieg + Bills Pleite). Bei den Browns gibt es oben beschriebene Ausfälle, aber dafür kehren die zuletzt gesperrten Receiver wieder zurück – eine „normale“ Offense ist also zu erwarten. Sub-Plot des Spiels: Mason Rudolph und Myles Garrett treffen ein Jahr nach dem „Helm-Schlag“ wieder aufeinander. Von der Steelers-Offense erwarte ich nicht viel – mit Rudolph war das letztes Jahr die schlechteste Passing-Offense in der NFL. Pittsburgh verzichtet auch auf weitere Starter wie DL Heyward oder Passrusher TJ Watt.
  • NY Giants – Dallas. Der Sieger dieser Partie muss hoffen, dass Washington das Sunday Night Game verliert, denn dann gewinnt er die NFC East. Ich erwarte einen Cowboys-Sieg.
  • Tampa Bay – Atlanta. Buccs fixieren mit Sieg den #5 Seed. Bei Niederlage können sie noch von den Rams überholt werden.
  • Detroit – Minnesota. Spiel um Ruhm und Ehre. QB Matthew Stafford wird trotz Verletzung spielen – es könnte vielleicht das letzte Spiel dieses knallharten Hundes in Lions-Trikot sein.
  • New England – NY Jets. Auch hier keine Implikationen. Weil die Jets letzte Woche gewonnen haben, verlaufen die Verschwörungstheorien von wegen „Belichick versaut den Jets die Zukunft“ im Nichts. NYJ ist an #2 des Draft eingelockt.

Spätschicht um 22h25

  • Chicago – Green Bay. Packers lösen mit Sieg aus eigener Kraft das Freilos in Runde 1. In dem Fall müsste Chicago auf einen Cardinals-Sieg gegen die Rams Rams-Sieg gegen die Cardinals hoffen, dann wären auch sie durch. Wollen die Bears das Playoffticket aus eigener Kraft lösen, müssen sie gewinnen. Bears können noch hoch auf #6 springen. Ich sehe nur ein Szenario in dem die Bears das Spiel gewinnen können: Wenn EDGE Khalil Mack gegen den Backup-LT der Packers Billy Turner gestellt wird und den kompletten Gameplan der Packers ruiniert.
  • Houston – Tennessee. Titans lösen mit Sieg Playoffticket und Divisionssieg. Beides kann auch mit einer Niederlage gelingen, aber dann müssen zumindest die Colts verlieren. Texans werden wohl mit Deshaun Watson auf QB spielen, und Houston kämpft eine Woche nach der J.J. Watt-Ansprache mit der Ehre. Aber trotzdem wird das gegen Tennessee schwierig: Das ist eines der Spiele, bei dem Derrick Henry viele Yards gegen eine unterirdische Rushing-Defense machen kann. Streu darüber etwas Passing-Offense und Tennessee hat exzellente Karten.
  • Indianapolis – Jacksonville. Colts müssen gewinnen und hoffen, dass entweder Miami, Baltimore, Cleveland oder Tennessee verlieren. Verlieren die Colts, sind sie weg vom Fenster. Mit Colts-Sieg und Titans-Pleite gewinnt Indy aber sogar noch die Division und Seed #4. In Woche 1 haben die Colts gegen Jacksonville verloren – dieses eine Spiel könnte jetzt tatsächlich fehlen. Dass sie heute gewinnen, steht fast außer Frage, denn Jacksonville hat seit Wochen nix mehr anzubieten und läuft wieder mit Mike Glennon auf QB auf.
  • LA Rams – Arizona. Der Sieger steht in den Playoffs. Die Cards scheiden mit Niederlage aus. Die Rams dürfen bei Niederlage noch hoffen – und zwar darauf, dass die Bears auch noch verlieren. Rams ohne Jared Goff. Preview siehe Lead Blogger.
  • San Francisco – Seattle. Seahawks können mit Sieg ihre Chance auf den #1 Seed wahren, brauchen aber Schützenhilfe von Chicago (gegen Green Bay) und Carolina (gegen Saints). Seahawks gewinnen nur den 12-4 Tie gegen Green Bay. Sportlich ist hier immer was möglich – auch dass Kyle Shanahan Pete Carroll mal wieder ein Schnippchen schlägt.
  • Carolina – New Orleans. Saints können mit Sieg ihre Chance auf den #1 Seed wahren, brauchen aber dann Schützenhilfe von Chicago (gegen Green Bay) und San Francisco (gegen Seattle). Anders: Saints brauchen den 12-4 three way tie. Ich bin mir nicht sicher wie ernst den Saints das Spiel ist.
  • Kansas City – LA Chargers. Keine direkten Playoff-Implikationen. Die Chiefs werden etliche Starter schonen, u.a. Patrick Mahomes.
  • Denver – Las Vegas. Keine direkten Playoff-Implikationen.

Sunday Night Game

  • Philadelphia – Washington. Washington löst mit Sieg das Playoffticket. Verliert Washington, ist der Sieger aus Giants-Dallas drin. Preview Lead-Blogger.

Verletzungen und Ausfälle

Hier noch die neuesten Injury-Updates von heute morgen – Zusammenfassung der Twitter-Accounts von Adam Schefter und Co:

Cards – Rams: Larry Fitzgerals ist questionable mit Leistenverletzung, WR Kirk steht auf der Covid-Liste. Rams-RB Cam Akers soll wohl spielen können, muss aber fitgespritzt mit Sprunggelenksverletzung werden.

Texans – Titans: Deshaun Watson soll wohl spielen, aber Texans-LT Laremy Tunsil eher nicht.

Seahawks – 49ers: RB Carlos Hyde fällt aus.

Das war’s. Wir lesen uns am Abend.

9 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer 2020 | NFL Woche 17

  1. Alex Smith und Terry McLaurin sollen spielen, per Ian Rapoport:

  2. Hier ist eine aktualisierte Variante von durchgeführten und geplanten Interviews für HC und GMs:

    https://www.nfl.com/news/a-look-at-all-ongoing-head-coach-and-gm-searches

    Bei den Lions:

    Detroit Lions (HC and GM): They’ve already interviewed seven GM candidates — including former Falcons GM Thomas Dimitroff, who remains in the mix — and are expected to interview a handful more. They’ve been plotting a potential run at Seahawks GM John Schneider, while others of interest include Indy’s Ed Dodds, Fitterer, Terry Fontenot, Brad Holmes, Steelers VP of football administration Omar Khan, Cowboys VP of player personnel Will McClay, George Paton and Patriots front office consultant Eliot Wolf.

    The Lions also quietly began their head coaching search by interviewing former Bengals coach Marvin Lewis on Thursday. 49ers DC Robert Saleh, a Dearborn native, is considered a strong candidate for the head coaching job. But the Lions are expected to run a wide search for that position, too, putting in as many as 10 interview slips for head coaching candidates for that job, with Chiefs OC Eric Bienemy, Saints assistant head coach/tight ends coach Dan Campbell and Titans OC Arthur Smith among the potential targets. It wouldn’t be a surprise if the Lions at least explore college head coaches such as Northwestern’s Pat Fitzgerald. Interim coach Darrell Bevell is expected to get an interview for the full-time job, too.

  3. Wie viele der gefeuerten Coaches werden wo anders nochmal Chancen kriegen?
    z.B. Mike Zimmer würde ich überall als DC nehmen, als Headcoach wär mir das zu viel Risiko auf „Pound the ball“

  4. Ich hatte zum Thema „Black Monday“ eigentlich den Namen „Gettleman“ an vorderster Front erwartet… Oder sitzt der beste GM der Liga wieder fest im Sattel?

  5. Pingback: NFL 2020 – Woche 17 im Liveblog: Die Frühschicht | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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