2020 Wild Card Preview: Colts @ Bills

[7] Indianapolis Colts (11-5) @ [2] Buffalo Bills (13-3)

Playoff-Auftakt 2020/21 am Sonnabend um 19.05Uhr auf allen bekannten Kanälen. Die Storyline ist hier ganz klar die Transformation des Josh Allen.

Sender und Kommentatoren für alle Spiele wie immer vom wohlinformierten René Bugner:

Die Transformation von Josh Allen ist eigentlich die typische High School Musical-Geschichte. Das Landei mit den breiten Schultern kommt neu in die Klasse, ist echt nett, aber auch tolpatschig. Man nimmt ihn so hin als netten Dösbaddel, bis er dann aus den zweiten Sommerferien plötzlich mit fetziger Frisur und Lederjacke zurückkehrt und zum Frauenschwarm avanciert. Tja Ryan! Hättest Du Emily mal noch vor den Sommerferien angesprochen – jetzt hat sie nur noch Augen für Josh. („Josh“ ist auch einfach der perfekte Name für den Helden einer Highschool Schmonzette…) 

Wie die Girls schmachten jetzt auch die NFL-Fans Josh an. Da ist diese Saison nichts mehr von Tolpatsch und liebenswürdiges Landei, sondern da ist plötzlich ein Mann, der weiß, was er tut und einfach beeindruckend ist. 

Über Josh Allen stehen nach allen Effizienmetriken in dieser Saison nur noch die Naturgewalten Aaron Rodgers und Patrick Mahomes. Was für ein riesiger Schritt! Vor einem Jahr um diese Zeit waren die Vergleiche für Allen eher Marke Brocketman Osweiler. 

Die Colts-D dagegen ist der stille Vorzeigeschüler. Er sticht nicht aus der Masse heraus, macht vieles auf hohem Niveau – aber eben auch nicht perfekt. Bekommt gute Noten, aber nicht die besten. Geht auf Parties, aber veranstaltet selber keine. Gute Zukunft. Studiert bestimmt BWL. 

Danger Zone 

Viele Beobachter sehen die Colts-D als schlechtes Match-up gegen die Bills Offense. Aber ich bin mir da nicht so sicher. 

Colts-D in Stichpunkten: 

  • Gewöhnliche Zone Coverage 
  • Gutes individuelles Talent 
  • Gute Execution 

„Gut“ bedeutet hier ausdrücklich: nicht stark. Obwohl sie drei blue chippers haben in #53 LB Leonard, #99 DL Buckner und #23 DB Kenny Moore, lebt Indy nicht von individuellen Splash Plays (Außnahme vielleicht die Slot Blitzes von #23 Moore). Sie spielen unter DC Matt Eberflus sehr viel Zone Coverage. Um das in der „modernen NFL“ sehr erfolgreich tun zu können, bräuchte man perfekte „execution“. Aber die execution ist nur gut, nicht perfekt. 

Der interessante Punkt ist aber, daß QB Allen vor allem gegen Man Coverage extrem erfolgreich ist. Gegen Zone weniger. Der Vorteil gegen Man Coverage ist für den QB, daß er relativ gut voraussehen kann, was passieren wird: wer wird wen verteidigen. Dann hängt es für ihn „nur“ an der execution. Dann reicht ein guter Wurf, um das Down zu gewinnen. 

Der Vorteil in Zone Coverage für den QB ist, daß zwangsläufig jemand frei sein wird – der QB muß ihn „nur“ finden. Bei der Gegenüberstellung von „finden“ gegen „werfen“ hat Allen ganz klar seine Stärken beim Werfen.

Fraglos hat sich Allen überraschend stark entwickelt in Sachen accuracy, aber trotzdem hängt er relativ stark an der taktischen Stärke von OC Brian Daboll. Daboll schafft es, Allen viele 1-on-1 Duelle seiner Paßempfänger zu geben und hat Allen auch gut darin trainiert, diese schnell zu finden – oder eben schnell im „read“ weiter zu gehen, wenn diese sich aufgrund der Coverage doch nicht auftun. Aber gerade im Oktober und November hat Allen gegen Zone Coverage immer wieder seine Schwächen gehabt. Als wäre zeitweise seine von Daboll besorgte Lesebrille nutzlos, weil die Defense für ihn wie hinter Milchglas gewirkt hat. (Aber auch gegen Zone ist er besser geworden.)

Ein weiterer Vorteil in Zone Coverage ist, daß Allen seine Laufstärke nicht nicht so ausspielen kann wie gegen Man Coverage, wenn die Verteidiger ihm den Rücken zukehren. Wenn alles gut läuft für Indy, zögert Allen, weil er die Zone Schemes nicht schnell genug und richtig lesen kann und seine Laufstärke nicht ausspielen kann. Wenn es richtig gut läuft, ist Allen verunsichert und wird entweder apathisch der versucht es mit der Brechstange. Also in ungefähr so, wie er sein letztes Playoffspiel vergeigt hat. Ich sehe hier insgesamt Indys-D nicht hilflos unterlegen wie viele andere Beobachter. 

Indys Schlafwagen

Im Gegensatz zum Angriff der Bills ist der Angriff der Colts ziemlich lame. Er erinnert ein wenig an die Chiefs-Offense mit HC Andy Reid und QB Alex Smith. Es ist alles erschreckend unspektakulär – aber irgendwie geht es immer vorwärts. Big Plays gehen dieser Offense ab, daher können sie sich keine großen Rückstände erlauben. 

Diese Offense lebt nicht vom individuellen Talent – mit einer Ausnahmen: Philip Rivers‘ Verständnis der gegnerischen Defense vor dem Snap. Es ist erinnert schon ein wenig an Peyton Manning, wie er vor jedem Spielzug seine Receiver dirigiert, Handzeichen gibt, Befehle schreit. Nach dem Snap allerdings können seine Synapsen nicht mehr so perfekt mithalten wie früher in seiner Karriere.

Die Colts können gut laufen, sie können gut passen, effizienmäßig ist das alles im oberen Drittel der Liga. Aber es ist eine Art Schlafwagenfootball. Eben wie die Chiefs früher. Passen könnte hier relativ harzig werden, auch weil die Bills-D in Paßverteidigung so viel Kontinuität besitzt. #27 CB White, #39 CB Wallace, #58 LB Milano und die beiden Safeties #21 Poyer und #23 Hyde spielen in dieser Besetzung schon seit drei Jahren zusammen. Das ist aufgrund des großen Kommunikations- und Abstimmungsbedarfs in Paßverteidigung Gold wert.

Ohne großen Rückstand kann Indy hier durchaus mitmarschieren, auch weil #28 RB Taylor in den letzten Wochen so richtig in der NFL angekommen ist. Wenn Indy die Big Plays von Allen und WR Diggs verhindern kann, dann könnte das durchaus auch ein traditioneller Playoff Opener-Langweiler werden. Mit 10+ Punkten Rückstand dagegen – schwierig. 

Big Expectations 

Ich werde das Gefühl nicht los, daß Josh Allen über seine Verhältnisse gespielt hat in den letzten Wochen. Sind wir uns wirklich sicher, daß Allen der neue John Elway ist? Könnte er nicht vielleicht auch ein neuer Joe Flacco sein? Ein stark-armiger Quarterback, der immer mal wieder bockstarke Phasen hat – und immer mal wieder längere Aussetzer?

Das ist aber gleichzeitig das Schöne: wir kennen die Zukunft nicht, die Allen schreiben wird. Aber wir können ihm dabei zugucken und live dabei sein. Ein spannender Playoff-Auftakt zu neuer Zeit: statt zur Eröffnung um 22.40Uhr Osweiler, Cook, Lindley oder Hoyer bemitleiden zu müssen, gibt es dieses Jahr im neuen Format bereits um 19.00Uhr einen 2-seed mit toller Story und großen Erwartungen. 

2 Kommentare zu “2020 Wild Card Preview: Colts @ Bills

  1. Indys Schlafwagen
    Das hat wahrlich was. Nur wenige Teams können sich von dieser Art des Matches lösen und klare Statements setzen. Vielleicht die Achillesverse der Bills, wenn sie nicht voll von Anfang an durchziehen.
    In der Regular Saison haben sich nur die Ravens und die Titans im Rückspiel klar durchgesetzt gegen die Colts.

  2. Pingback: AFC Wildcard Playoffs 2020/21 im Liveblog: Buffalo Bills – Indianapolis Colts | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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