Ein paar Notizen zum neuen General Manager der Detroit Lions

Die Detroit Lions haben wohl ihren General Manager gefunden. Der bisherige Chefscout der Los Angeles Rams wechselt wohl mit Fünfjahresvertrag rüber nach Mo-Town: Brad Holmes. Eine kurze Zusammenfassung.

Über solche Leute verwertbare Informationen zu finden ist extrem schwierig, denn sie stehen in Ermangelung von medialen Pflicht-Termine nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Entsprechend ist Holmes natürlich für Outsider eine ziemliche Unbekannte.

Hier mal eine kurze Aufstellung, was ich in der letzten Stunde zusammengetragen habe:

  • Sehr bekannt war Holmes bis vor zwei Stunden nicht; er hatte noch nichtmal eine eigene Wikipedia-Seite.
  • Holmes ist Schwarzer und damit „Minority Hire“. Die Rams kriegen für ihn zwei 3rd Rounder als Kompensation. Holmes ist nach Chris Grier (Miami) und Andrew Berry (Browns) der dritte schwarze GM der NFL. Atlanta wird wohl in Kürze einen vierten anstellen.
  • Holmes war seit 2003 in der Rams-Organisation; seit 2013 leitete er das Scouting-Department. Dabei war er mitverantwortlich für eines der tiefsten Scouting-Programme in der NFL – The Athletic hat hier darüber geschrieben.
  • Holmes‘ größter Verkaufsschlager ist die Einberufung von DT Aaron Donald 2014. Danach hatten die Rams durch zig Trades kaum mehr 1st Rounder, aber es gab immer wieder gute Mid-Round Picks. Wie L.A. z.B. zu S Jordan Fuller gekommen ist, hat die Beat-Reporterin Jourdan Rodrigue hier detailliert aufgezeichnet. Holmes‘ Scouting-Department vertraute neben einer Menge an Scouts auch auf Datenanalyse und versuchte, persönliche Biases systematisch aus dem Prozess rauszuhalten.
  • Holmes galt in den letzten Tagen schon als einer der heißesten GM-Anwärter in der NFL. Er sei „reif“.
  • Holmes soll sich immer wieder für Gleichberechtigung von Frauen und Minderheiten in seinem Scouting-Department eingesetzt haben; die Rams haben sogar ein eigenes Förderprogramm dafür eingerichtet. Es ist nicht ganz klar ob die Initiative von Holmes oder Rams-GM Les Snead ausging. Wenn es Holmes war, deutet das darauf hin, dass er diese Ineffizienz ausnutzen will – und nicht wie in vielen anderen NFL-Franchises die Tür für zwei ganze Gruppen mehr oder weniger komplett abschließt.

Ansonsten viele positive Rückmeldungen aus dem Rams-Umfeld (auch vom Ex-Chef). Natürlich ist bei solchen Anstellungen immer aufzupassen. Die Euphorie des ersten Moments kann schnell verfliegen.

Für mich ist es die zweite wirklich coole Top-Executive-Einstellung in meiner Vita als Lions-Anhänger: Ein relativer Außenseiter, noch dazu offenbar analytisch veranlagt und offenbar keine Scheu neue Wege zu bestreiten. Freilich entpuppte sich der erste als Flop (Jim Schwartz 2009).

Freilich sind General Manager seltenst „Retreads“ – du kriegst eine Chance, dann bist du weg. Aber allein, dass die Detroit Lions hier mal etwas Neues probieren und keinen der offensichtlichen Kandidaten präsentieren, macht Mut.

Bleibt die Frage nach dem Headcoach. Wird man einen „Retread“ einstellen um damit etwas Erfahrung in die Führungsmannschaft einzuimpfen? Oder geht Holmes auch hier gleich neue Wege. Naheliegend wäre natürlich, sich im Sean-McVay-Trainerstab umzusehen – dessen Offense-Philosophie gilt vielen als Vorbild, aber in DefCoord Brandon Staley coacht dort auch der heißteste Defense-Scheiß seit Erfindung der Landleberwurst.

Doch ein Stöbern im Rams-Staff könnte auch die Anzahl der denkbaren Optionen limitieren. „Shanahan/McVay-Denke“ gibt es auch woanders in der NFL zu haben. Hoffentlich sucht man überhaupt „Shanahan/McVay-Denke“. Seien wir mal gespannt.

16 Kommentare zu “Ein paar Notizen zum neuen General Manager der Detroit Lions

  1. Selbst wenn es Holmes nicht selber war mit Frauen und weiteren Minderheiten hat er gesehen dass es gut funktioniert und es fortführen wenn es Snead der Treiber war.

    Mal schauen wer der HC wird. Ich tippe auf einen Offensiven Hire.

  2. „Minority Hire: Die Rams kriegen für ihn zwei 3rd Rounder (…)“
    Bei der Pick-lage wundert es mich, dass die Patriots nicht mehr farbiges Personal haben. 😉

  3. Das hab ich gar nicht so mitbekommen, dh. wenn ein Team einen Minority Executive oder Assistant Coach für einen HC oder GM Posten verliert, regnet es zwei 3rd Round Compensatory Picks?

    Damn, das ist ein fetter Incentive zum Anstellen von schwarzen Candidates, neben der natürlichen Edge daß man aus einem breiteren Talent Pool fischt, wenn man endlich auch Frauen und Minoritys ins Auge fasst.

    Find ich sehr gut, besser als das einstellende Team zu belohnen 🙂

  4. Der dritte schwarze GM? du meinst der dritte aktuelle, weil Ozzy Newsome war der erste aber der ist ja letztes Jahr zurück getreten.
    Oder erinnere ich mich da falsch?

  5. @Dizzy: Die Eagles wollen Jerod Mayo interviewen, also ist für die Patriots da schon noch was möglich 😉

    @FloJo: Diese Picks sind, soweit ich weiß, in aufeinanderfolgenden Jahren, also für die Rams je ein 3rd Rounder in 2021 und 2022.

  6. Dan freaking Campbell soll der Favorit auf den HC-Posten sein und alle Begeisterung über den GM-Move ist abrupt gestoppt:

  7. „You don’t win or lose with a quarterback“

    Da fällt es ja schwer überhaupt eine Zeit zu finden im der das mal so gestimmt hat aber 2020?! Soll das eine persönliche Beleidigung von Mahomes werden oder von Brady oder….

    Ich frage mich ernsthaft wie man solche Leute einstellen kann wenn man andererseits bereit ist den qbs die fetten Verträge zu geben. Da passt doch die Analyse vorne und hinten nicht. Wenn dann bitte konsequent und nur 5Mio in Qb investieren wenn es so egal ist…

    Lücken schließen sich ja inzwischen:
    Falcons, Jets, jaguars (Urban Meyer!), Panthers GM…

  8. @alexanderbring
    Foles, Goff, Jimmy G, Joe Flacco und Eli haben alle in einem SB gespielt und so wie Peyton in seiner letzten Saison gespielt hat gehört er eigentlich auch in diese Kategorie. Alles in den letzten 10 Jahren.
    Da kann man Zitat schon verstehen.
    Zumal Blake Bortles und Mark Sanchez auch nicht weit von weg waren.

  9. @kLappflügel:
    dein Ernst? Also qb feuern und das Geld in die Defense stecken?

    Der Qb Ist der wichtigste Spieler im Football, derjenige, der mit Abstand am meisten Einfluss auf das Spiel hat – und das meiste Geld bekommt
    (MVP wird komischerweise auch immer ein Qb…)

    Schau dir doch mal deine Liste an: Wann war denn Flacco in der Superbowl? Genau in der Saison in der er überragende Playoffs gespielt hat.

  10. Hier noch etwas Kontext zum oben verlinkten Tweet: Jeremy Reisman weist drauf hin, dass sie etwas aus dem Kontext gerissen wurde:

    Es bleibt trotzdem hängen, dass Campbell als glühender Parcells-Anhänger gilt und 2015 als Interimscoach in Miami eine Rückkehr zum physischen Run Game anstrebte und OffCoord Bill Lazor feuerte, weil der zu passlastig war.

    Coaches können sich über die Jahre weiterentwickeln, aber da die Saints in den letzten Jahre dank Brees‘ körperlichem Abbau und verstärkter Defense etwas weggegangen sind vom ganz extremen Passspiel und damit auch mehr Siege als in der Pass-happy-Brees-Ära mit unterirdischen Defenses holten, steht zu befürchten dass Campbell die falschen Schlüsse zieht.

  11. @alexanderbrink
    Entschuldigung für Schreibfehler oben.
    Richtig Flacco, Foles und Eli sind zur richtigen Zeit heiß gelaufen, aber sie sind keine konstanten Elitespieler.
    Es ist eher ein „Finde deinen Mahomes“-Ansatz.
    Strategien für McVay/Shannan QB in R1 ziehen, Geld in den Rest der Mannschaft stecken, wenn es nicht ihr Mahomes ist, nach dem Rookievertrag von vorne starten. Solange man einen Average QB reicht es um um den SB mitspielen zu können. Nur bringt dir so einen QB nach seinem ersten Vertrag nix mehr. Kostet fast so viel wie ein Mahomes leistet aber viel weniger.
    Also weg damit und von vorne anfangen.

    Das zu Campbell klingt nicht gut.

  12. Das stimmt, es sind nicht nur konstante Elite qbs erfolgreich. Aber die Elite qbs haben relativ konstant Erfolg – Rodgers, Brady, Brees, Peyton, Wilson haben einen guten Teil Ihrer Karrieren die Playoffs erreicht. Gute Teams ohne diese Klasse an Qb schaffen es meist dann, wenn der qb eine Streak hat – Eagles, Rams, Panthers, Flacco Ravens, Giants, selbst Bei Den Jags wares Bortles beste Saison. Aber die Teams verschwinden ganz schnell wieder wenn das Qb Play nicht mehr hält – Siehe zuletzt die Eagles und das obwohl fast immer der Kern des Teams noch 1-2 zusammengehalten werden konnte.
    Hinzu kommt, dass es eigentlich unmöglich ist auf Dauer ein gutes Team zu halten – weil es zu teuer wird.
    Die 15er Broncos sind eine der wenigen Ausnahmen, die ohne gutes Qb Play Erfolg hatten – war aber eben auch nur eine Saison und dann ist alles wieder eingebrochen.
    Man darf halt nicht vergessen dass 30-40% der Spiele zufällig zu erklären sind, da sind auch Ausreißer drin.

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