2020 Divisional Playoffs Preview: Browns @ Chiefs

[6] Cleveland Browns (12-5) @ [1] Kansas City Chiefs (14-2) 

Die Football-Welt erwartet einen Big-12-Shootout. Temperaturen werden um den Gefrierpunkt sein, kaum Wahrscheinlichkeit auf Niederschlag (also wettermäßig kein Niederschlag…). 

Die Chiefs kommen aus der Bye Week und da ist Head Coach Andy Reid bekanntlich besonders produktiv: 

I got a feeling, that tonight’s gonna be a… 

Der progressive Teil von NFL Twitter wischt seit neuestem einige Grundlagen moderner Analyse einfach so vom Tisch. Stattdessen wird mit Gefühlen argumentiert! Was ist passiert? „Ja ja, die Zahlen habe ich auch gesehen, aber Mahomes ist besser als das. Das weiß doch jeder!“.  

Ach ja? Ist das so? Und was heißt hier überhaupt „wissen“?  Was wir wissen, ist das schwache Abschneiden der Chiefs in einigen wichtigen Kategorien seit November: 

  • Close Wins sind nicht nachhaltig! Die letzten sieben Siege der Chiefs waren Close Wins. 
  • Point Differential: nur +27 in diesen sieben Spielen (der 17-Punkte-Niederlage in Woche 17 bereits herausgerechnet) 
  • EPA Rulez: seit der Bye Week ist Mahomes weniger effizient als Baker Mayfield!
Von Ben Baldwins rbsdm.com / @benbbaldwin

Ist „Mahomes / Chiefs-Offense ist besser als die Zahlen“ weniger irrational als „we must establish the run“? Ja, ok: das schon. Aber es gibt keinen Grund für die Analytics Community, mit ihrem Herzen in der Hand hinter das eigene Wissen zurückzugehen.

Die Chiefs haben über weite Strecken relativ schwach gespielt (zumindest für ihre Verhältnisse). Da haben oftmals die Momente gefehlt, in denen dir immer noch die Kinnlade runterfällt, obwohl du solche Wahnsinnsplays von Mahomes mittlerweile oft genug gesehen hast. Der Angriff hat gestottert, das war mehr heiß/kalt als konsequent mit 180km/h die Autobahn runter. Das hat sosehr geholpert, daß die Chiefs mit die längsten 3rd Downs der Liga haben.

Aber hey! Warum sollte das auch nicht so sein? Warum sollte Mahomes nicht auch mal schwächere Phasen haben? Schließlich ist Mahomes gerade mal 25 Jahre alt (!!). Er ist nicht Michael Jordan mit 34. Mahomes ist nicht der Road Runner, der jedes Mal gegen Wil E. Coyote gewinnt. Gerade in der ultra-kompetitiven NFL ist es die Regel, daß die Gegner von Zeit zu Zeit auch gegen die Superstars neue Taktiken finden, die erstmalgelöst werden wollen. 

Und trotzdem: Die Chiefs sind hier selbstverständlich der große Favorit, das Potential der Andy-Reid-Offense mit Patrick Mahomes ist einfach so viel größer als das Potential der Browns um Kevin Stefanski und Baker Mafield.

Keep Mahomes on the field!

Also wie können die Browns das Potential der Chiefs an der Entfaltung hindern? 

In der Defense sollten sie möglichst passiv spielen: es muß immer eine Hilfe over the top für Tyreek Hill eingeplant sein. Und zusätzlich sollte noch ein anderer Defensive Back als tiefe Hilfe patroullieren. Vorne nicht blitzen, sondern möglichst viele Paßverteidiger in den kurzen Zonen hinter der Line of Scrimmage plazieren. 

So ein passiver Ansatz hat nicht nur den Vorteil, die Big Plays zu limitieren; sondern könnte die Chiefs auch dazu verleiten, viel zu laufen. Jeder Handoff von Mahomes ist ein kleiner Sieg für die Browns. Zumal RB Clyde Edwards-Helaire questionable ist mit einem high–ankle sprain aus Woche 15; und sein Back-up Le’evon Bell nicht mehr viel mit der einzigartigen Geduldsexplosion aus seiner Zeit bei den Steelers zu tun hat (und im Übrigen auch eine Knieverletzung mitschleppt). 

Vorne hilft den Browns, daß mit Mitchell Schwartz und Kelechi Osemele zwei Starter auf IR sind. Seit der Verletzung von Olivier Vernon haben die Browns zwar selbst auch nur einen starken Pass Rusher in Myles Garrett, aber der könnte den Tackles Eric Fisher und Mike Remmers das Leben zur Hölle machen. 

Gerade Pressure über die Edge Rushers bringt in Mahomes eine ungewöhnliche Schwäche hervor: er läßt sich immer weiter Richtung eigene Endzone treiben. Er macht aus 7-step Drops bei Pressure von außen gerne auch mal 11- oder 15-step Drops. Das ist ziemlich riskant und geht oft schief. Im seltenen Idealfall ist es natürlich kompletter Wahnsinn: 

In den meisten Fällen ist es aber ein Throwaway mit der Gefahr eines langen Sacks. Trauriger Höhepunkt in dieser Saison war der 30-Yard-Sack gegen die Dolphins: 

Eine letzte Schwachstelle der Chiefs-Offense noch: Red Zone. Sie hatten eine Phase in der Saison in der gefühlt jedes Red Zone Play overengineered war. Jet Motion, mehrere Misdirections, ungewöhnliche Play Fakes bis hin zu der komischen Mahomes Motion. Du hast Travis Kelce, man! Laß‘ doch einfach mal ganz gewöhnlich Kelce einen Linebacker 1-on-1 attackieren!

Besonders augenscheinlich war das im Spiel gegen die Broncos in Woche 13. Da haben Denvers Verteidiger in der Red Zone nur horizontal verteidigt und konnten damit Kansas City die Luft rauslassen. KC machte nur einen Touchdown, und der war von der 20-Yard-Linie. Dagegen gab es fünf Field Goals von Harrison Butker. 

Schwache Offensive Line, angeschlagene Running Backs, verletzter Nr. 2 WR in Sammy Watkins, Mahomes geht unnötige Risiken ein; komisches Red Zone Design; Close Game Record und Point Differentials sagen uns, daß die Chiefs überbewertet werden….Könnte es hier…also nur eventuell?

Nein. 

Die Chiefs sind nicht die unschlagbaren ’96er Chicago Bulls, aber die Secondary der Browns ist dafür die Bayern-München-Verteidigung mit Van Buyten und Demichelis. Die könnten auch vier Safeties aufstellen, Mahomes würde trotzdem mehrere Big Plays machen. 

Die Browns können dieses Spiel nimmer über die Verteidigung gewinnen, sie müssen es im Angriff gewinnen. 

Sehr aggressiv mit Ball

Browns-HC Kevin Stefanski hat in dieser Saison schon bewiesen, daß er konsequent die richtigen Risiken eingeht, wenn er in Rückstand oder Underdog ist. Am beeindruckendsten in Woche 14 im Shootout mit den Baltimore Ravens, für viele das Spiel des Jahres.

Genau so muß Stefanski die Sache auch heute angehen. Gegen die Chiefs muß man erst einmal davon ausgehen, daß sie mindestens 30 Punkte machen. Also mußt du selbst von Anfang an alles dafür tun, selber auf 30 Punkte zu gehen. Mehr early down passing, vierte Versuche ausspielen, Trickspielzüge, Fake Punts…: alles, was du an Geheimwaffen irgendwo noch herumzuliegen hast, heute ist die Zeit, sie einzusetzen. Ich habe da bei Stefanski mehr Hoffnung als bei vielen anderen Coaches. 

Kansas City hat nur eine mittelmäßige Paßverteidigung – und eine fürchterliche Lauf-Verteidigung. Das trifft sich also für Cleveland nicht besonders gut. Andersrum wäre es natürlich besser. Da besteht immer die Gefahr, daß die Coaches zu viel Hoffnung in das Laufspiel setzen. Aber auch hier hat Stefanski gezeigt, daß er gewillt ist, den Ball oft werfen zu lassen.

Das passendste Konzept hat korsakoff folgendermaßen aus dem Ravens-Browns-Kracher destilliert: 

Cleveland war dagegen ungewöhnlich passlastig (43 Early-Down-Pässe zu nur 23 Läufen), doch die Verteilung war gemessen am Output nahezu perfekt. Die Browns brauchten gegen eine der besten Defenses in der NFL keine Hilfe von Big-Plays, sondern sezierten mit einem bunten Mix aus verschiedenen Formationen, Boots, Laufspiel und Gadget-Plays etliche lange Drives über die Mitteldistanzen. 

Lead Blogger – Coaches Corner Woche 14

So muß es auch heute sein. 

Stefanski to the rescue!

Die Wettbüros sehen KC mit 9,5 bis 10 Punkten favorisiert. Die schlechte Paßverteidigung der Browns ist natürlich ein denkbar schlechtes Matchup gegen Mahomes, Hill, Kelce & Co. Daher muß der Ansatz ein sehr passiver sein in der Defense: alles tun, um Big Plays zu verhindern. Chiefs mit passiven Aufstellungen zu Laufspielzügen verleiten.

Das Konzept sollte nicht sein, „Mahomes an der Seitenlinie zu halten“ durch lange eigene Drives. Sondern andersherum: Je öfter Mahomes den Ball an einen Running Back übergibt und die Uhr laufen läßt, desto besser! Und je schneller die Browns selber scoren, desto besser. Cleveland braucht nicht viele Minuten mit Ballbesitz, sondern viele Punkte. 

Im Angriff dagegen sollte Cleveland möglichst aggressiv sein. Die Chiefs sind so deutlicher Favorit, daß Stefanski hier nicht darüber nachdenken sollte, wie die eigenen Drives länger dauern, sondern wie die Browns mehr Drives bekommen als die Chiefs. Also kluges clock management am Halbzeitende, Fake Punts, vielleicht sogar ein Onside Kick.

3 Kommentare zu “2020 Divisional Playoffs Preview: Browns @ Chiefs

  1. Pingback: NFL Divisional-Preview 2020/21: Saints vs Buccaneers | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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