NFL Divisional-Preview 2020/21: Saints vs Buccaneers

Machen wir uns nichts vor: Die Playoffs sind ziemlich mau. Es gab das eine oder andere taktische Highlight, aber es fehlt das Salz in der Suppe: Führungswechsel im letzten Viertel. Wir hatten noch nicht einen einzigen.

Kansas City ist am Abend gegen Cleveland haushoch favorisiert, ich weiß also nicht ob Spiel 9 geeignet ist um den Trend zu brechen. Vielleicht wird’s ja in der Nacht bei New Orleans Saints – Tampa Bay Buccaneers besser.

Über dieses Duell habe ich die meisten Dinge, die mit interessant scheinen, schon beim Lead-Blogger geschrieben. Oldie-Duell Brees (wurde am Freitag 42) gegen Brady (ist 43,5), Buccs haben den besseren QB und bessere Wide Receiver, aber die Saints den besseren Coach.

Die Saints stecken die Buccs irgendwie seit Jahren in den Sack. In vier Spielen Sean Payton gegen Todd Bowles hat New Orleans im Schnitt 34 Punkte gemacht – wenn auch unterstützt durch ein paar lange Defense-Returns.

Es schaut so aus als ob die Saints einfach gut aufgestellt wären um trotz Nudelarm von Drew Brees die Lücken in der Tampa-Verteidigung zu finden – bzw. die Buccs-Receiver aus irgendwelchen Gründen gegen die Saints-Corner struggeln. Mike Evans z.B. ist einer der besten Receiver in der NFL, aber gegen den ansonsten oft wackeligen CB Marshon Lattimore macht er seit Jahren keinen Stich.

Das oft hervorgekramte Mantra von wegen „3x in einer Saison den gleichen Gegner schlagen ist schwierig“ halte ich für überschätzt – und eigentlich auch selbsterklärend (wenn Teams dreimal gegeneinander spielen, sind sie beide in den Playoffs und dabei per Definition ziemlich ähnlich gut).

Bei Saints-Buccs halte ich es für besonders unsinnig, weil die Voraussetzungen jetzt völlig andere sind als noch während der beiden Regular-Season-Duelle:

  • Das 34-23 der Saints kam in Woche 1 im ersten Spiel von Brady im Buccs-Trikot. Die Saints haben offensiv nix zustande gebracht, aber Bradys Pässe abgefangen und daraus viele Punkte erzielt.
  • Das 38-3 Mitte Saison war Einbahnstraßen-Football in einer Partie, in der die Saints von Minute an drüber rollten. Das Spiel war nach wenigen Drives gegessen – 75% des Spiels waren reine Makulatur.

Brady selbst hat vor zehn Jahren gegen die Jets erlebt, dass ein Kantersieg in der Regular Season nicht viel zu bedeuten haben muss (Pats sind damals nur wenige Wochen nach einem 45-3 gegen die Jets gegen selbigen Gegner in den Playoffs sang- und klanglos rausgeflogen).

Buccaneers-Offense vs. Saints-Defense

Vor allem aber: Die Buccs haben seit ihrer späten Bye-Week in Woche 12 zu sich gefunden. Offensiv spielt man höhere Pass-Raten in Early-Downs, ist moderner mit mehr Play-Action und mehr Motion. Ein Beispiel:

  • In Wochen 1-11 spielten die Buccs 17% Play-action, eine der niedrigsten Quoten der Liga
  • Seiter sind es 27% Play-Action, was zu den höheren Quoten gehört.

10% mehr Passing-Snaps, die tendenziell für mehr separation der Receiver qua Design sorgen. 10% mehr Pässe in Bradys comfort zone aus New-England-Tagen. 10% mehr Denksport für die Defense.

Letzte Woche sah die Buccs-Offense in Washington gerade in der ersten Halbzeit abschnittsweise extrem potent aus. Brady schien seinen Receivern blind zu vertrauen. Dann stagnierte sie wieder ein wenig, weil Brady aus Sicherheitsgründen die Bälle auf die Tribüne statt „in traffic“ warf. Er konnte es sich leisten.

Schlüssel für die Buccs-Offense:

  • Die wuchtige Saints-DL darf nicht über den third string Guard Aaron Stinnie zu schnell zu Brady durchkommen; in der Regular Season war Backup-OG Joe Haeg in einigen Spielen die Sollbruchstelle. Ist es jetzt Stinnie, droht Ungemach.
  • Early-Down-Runs ins Herz der exzellenten Saints-Run-Defense vermeiden.
  • Receiver müssen möglichst viele 1-vs-1 gewinnen. Evans/Lattimore ist wahrscheinlich kein allzu gutes Matchup, aber die Buccs haben ja auch noch Chris Godwin, Antonio Brown, Rob Gronkowski, Scotty Miller und Cameron Brate. Embarrassement of riches, wie die Amis zu sagen pflegen.

Saints-Offense vs. Buccaneeers-Defense

Die Gegenseite vom Matchup ist schwieriger zu greifen. Brees sieht ziemlich shot aus, aber dann schemen die Saints doch immer wieder grad die notwendigen Plays raus um das Problem zu überdecken.

Jetzt sollte erstmals seit Äonen das ganze Waffenarsenal zur Verfügung stehen: WR Michael Thomas ist wieder dazu um WR Emmanuel Sanders, RB Alvin Kamara und TE Jared Cook zu komplimentieren – und in der Hinterhand hat sich der quirlige Deonte Harris zu einem lästigen Matchup-Problem entwickelt. Dazu bietet der bullige Lil’Jordan Humphrey die Chance, zwischendurch etwas Physis in den WR-Corps zu bringen und die Buccs zu beschäftigen.

Und Vorteil Saints: Taysom Hill ist out.

Tampas Defense hat über die Wochen immer mehr abgebaut, aber im Kern kann sie immer noch die notwendige Aggressivität bringen und hat in CB Jamel Dean und CB Carlton Davis zwei gute Manndecker.

Auf Linebacker ist Devin White wieder zurück – er könnte wichtig werden als Blitzer über die Mitte – dort wackelt die Saints-O-Line in den letzten Wochen bedrohlich. Brees war nie ein „off-platform“-Werfer und ist es mit 42 noch weniger denn je. Ich denke nicht, dass Bowles Brees mit 40% Blitz-Rate einheizen wird – eher werden es gut dosierte Blitzes in entsprechenden Personnel-Packages sein, in denen Brees nicht so schnell die Hot-Route findet.

Coaching ausgeklammert, halte ich die Buccs für das jetzt gefährlichere Team mit den besseren Waffen. Richtigen Favoriten gibt es hier nicht. Ich habe auf Tampa getippt. Mein „Konfidenz-Niveau“ ist dabei nicht extrem hoch. Aber Tampa hat in dem Matchup die wesentlichen Vorteile auf seiner Seite –Bruce Arians/Byron Leftwich dürfen halt keinen Stinker callen.

5 Kommentare zu “NFL Divisional-Preview 2020/21: Saints vs Buccaneers

  1. Szenario mit Führungswechsel im Q4: Die Saints sind 3s vor Schluss im Ballbesitz an der 50 Yards Linie und Winston wirft die Hail Mary in die Endzone zum Sieg.

  2. Pingback: NFC Divisional Playoffs 2020/21 im Liveblog: New Orleans Saints – Tampa Bay Buccaneers | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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