NFL Divisional Playoffs 2020/21 – Nachklapp

Paar schnelle Gedanken noch zur NFL.

Die NFL Divisional Playoffs waren insgesamt spielerisch wie spannungstechnisch extrem enttäuschend. Nach zehn Spielen haben wir in diesen Playoffs noch immer keinen Führungswechsel im Schlussviertel – und genau einen ausgeglichenen Spielstand (Saints – Buccs 20:20 eingangs Q4).

Kurze Notizen zu Packers – Rams 32:18

Die Packers haben das hochverdient gewonnen. L.A. war offensiv zu harmlos und die Defense konnte das letztlich nicht halten.

Die Packers waren offensiv ultra-Motion-lastig. Die Rams machten mit einem Aaron Donald auf halber Kraft null Druck, Aaron Rodgers zerlegte die Defense mit Quick-Game.

Dagegen viel Blitzing gegen QB Goff, der damit überfordert war. Die Rams verlieren nun DefCoord Brandon Staley, der Headcoach beim Lokalrivalen Chargers wird. McVay muss wieder alles auf den Prüfstand stellen.

Bills – Ravens 17:3

Der starke Wind war die eine große Geschichte des Spiels. Er sorgte für insgesamt vier verschossene Fieldgoals, zwei pro Team. Sogar der beste Kicker ever, Justin Tucker, sägte zwei Dinger an den Pfosten.

Buffalo war wie erwartet extrem passlastigzu passlastig für die Chargers. Die nahmen letztlich doch nicht Bills-OC Brian Daboll als neuen Headcoach, sondern Rams-DC Brandon Staley. Viele Punkte machte die Bills-Offense zwar nicht; aber mit weniger Passspiel hätten sie gegen eine extrem gut aufgelegte Ravens-Defense, die wenig blitzte und auffällig viel Zone Coverage spielte, gar nicht gescort.

Letztlich war der 101 Yards INT Return von CB Taron Johnson entscheidend. Es war einfach eine schlechte Entscheidung von Lamar Jackson.

Die Ravens brauchen Hilfe auf Wide Receiver – und das nicht bloß von Wischiwaschi-zweite-Reihe Receivern. Es braucht einen echten Topmann. Die Bills haben es mit Stefon Diggs vorgemacht. Hollywood Brown ist eine gute #2, aber keine #1. Ob Lamar Jackson dann als Passer zu retten ist, muss man abwarten. Aber eine #1 ist die einzige Chance, diese Offense am Leben zu halten.

Chiefs – Browns 22:17

Die Chiefs mussten bis zum Ende schwitzen, weil sich Patrick Mahomes in Q3 mit Gehirnerschütterung verabschiedete. Das Spiel war ein guter Reminder, dass du in der NFL alle dir bietenden Chancen nutzen musst, dann kannst du auch so einen üblen Ausfall gerade so verkraften.

Die Chiefs scorten 2 TD und 2 Fieldgoals in ihren ersten vier Drives. Die Browns dagegen verschenkten Chancen: Mayfield Sack in der Redzone im ersten Drive führte nur zum Fieldgoal. Dann begingen die Browns eine Holding-Strafe, die zum Punt führte. Und dann gab es den üblen Fumble/Touchback an der Goal Line von Rashard Higgins.

Higgins wurde per Helm-to-Helm ausgeknockt. Es hätte eine Strafe geben müssen, wenn ich die Auguren richtig verstanden habe. Dazu einfach Pech mit der ziemlich extremen, aber in meinen Augen vertretbaren Fumble/Touchback Regel der NFL. Belichick weiß, warum er seinen Receivern verbietet, an der Goal Line die Hand auszustrecken.

Mayfield machte fast alles underneath. Er warf die eine bittere Interception und hat damit keine überzeugende Stat-Line, aber das war trotzdem eine Mut machende Performance von Baker. Die Browns konnten mit dem großen Rückstand wenig auf Play-Action vertrauen, Mayfield musste sehr viel in Eigenregie kreieren – und sah dabei vernünftig aus.

Und noch etwas: Angesichts der Überlegenheit der Browns-O-Line war das vielleicht eins der Spiele, in denen Cleveland etwas mehr auf POUND THE BALL hätte vertrauen können. Als man im dritten Viertel die Bälle an Nick Chubb übergab, lief die Offense besser geschmiert.

Saints – Buccaneers 20:30

Extrem schwaches Spiel. Die Buccs spielten Steinzeit-Offense mit 28:20 Early-Down Runs für kaum Ertrag. Schematisch war es die September/Oktober-Offense. Ich würde bei Bruce Arians und Byron Leftwich gern die Hirnkappe aufschrauben um zu sehen was in diesen Köpfen vorgeht und warum sie glauben, dass das die effizientere Art Offense zu spielen ist.

Die Saints waren trotzdem hoffnungslos, weil Sean Payton Drew Brees in seinem wohl letzten Spiel nicht runternehmen wollte. Brees brachte nix zustande, warf letztlich drei Interceptions – und dazu fumbelte der vom künftigen Lions-Headcoach offenbar fundamentally sound nicht gecoachte TE Jared Cook den Ball weg.

Die ersten drei Saints-Turnovers resultierten in drei Buccs-Touchdowns aus kürzester Distanz: 3, 40 und 20 Yards Drives.

Die Saints hingen trotzdem länger als gedacht drin, weil Tampas Offense so desaströs spielte. Zur Pause stand es 13-13 und den Saints reichte ein Snap mit QB Jameis Winston am Feld um den Spielstand ausgeglichen zu halten. Ich meine hier hätte Payton bei aller Liebe zu Brees reagieren und den QB-Wechsel vornehmen müssen. So war’s Nibelungentreue.

Nächste Woche damit:

  • Sonntag 21h05 Packers – Buccs
  • Sonntag/Montag 00h40 Chiefs – Bills

Hoffentlich kann Mahomes spielen, dann wird das AFC-Finale ein Knaller. Bei Packers-Buccs sehe ich kein aufregendes Spiel, wenn Tampa das so coacht wie diese Woche (wovon man fast ausgehen kann). Ja, die Buccs haben Rodgers und Co. in der Regular Season zertrümmert, aber das war auch ein Freak-Spiel: Schneller TD Packers, dann INT, Picks Six und alles lief in eine Richtung.

Arians/Leftwich müssten alle Register ziehen und mein Vertrauen schwindet, dass sie es tun werden.

Headcoaches

Jaguars haben Urban Meyer zum Headcoach gemacht. Darüber werde ich in den nächsten Tagen mit Jan Weckwerth etwas beim Lead-Blogger machen.

Jets haben Robert Saleh eingestellt. Fabian Sommer hat darüber schon geschrieben.

Atlanta Falcons haben wohl ex-Titans OC Arthur Smith als Headcoach verpflichtet. Smith spielte in Tennessee ein paar geniale Plays, eine sehr simple, aber effiziente und auf die Stärken seiner Spieler zugeschnittene Offense. Viel Play-action, viele Crosser, aber auch sehr viel Laufspiel in Early-Downs. War Smith dafür verantwortlich – oder Mike Vrabel? Der letzte OffCoord, der Tennessee verließ, ist auf seiner nächsten Trainerstation als Headcoach vernünftig geworden: Matt LaFleur.

Bei den Chargers wird‘ wohl Rams-DC Brandon Staley. Was für eine steile Karriere von Staley, der auch noch in der gleichen Stadt bleiben darf! Staley und das Secondary-Personal bei den Bolts – das wird interessant.

Aber warum man nicht Daboll mit seiner strategisch exzellenten Play-Caller Herangehensweise nahm, bleibt erstmal das Geheimnis der Chargers. So wird die Besetzung des OffCoord-Postens zur ersten Monsteraufgabe für Staley, denn man hat mit Justin Herbert einen jungen QB im Kader, der vielversprechend ist.

Und dann sind da noch die Lions. Die sollten sich für Saints-TE Coach Dan Campbell entschieden haben. Ich weiß nicht wie ich mir die Verpflichtung schönreden soll. Vielleicht, dass nur einer seiner Spieler gestern einen entscheidenden Fumble gemacht hat?

IDK.

Campbell scheint so ziemlich alles zu sein, was ich nicht mag. Pound the Football, tough guy Gehabe, null Coordinator-Erfahrung. Es ist eine extrem uninspirierende Wahl – aber das eine gute an Coach-Einstellungen ist: Wir sind schlecht darin, sie bei der Einstellung vernünftig zu bewerten. Viele langweilige Coach-Einstellungen haben sich letztlich ganz gut gemacht. Da wir hier von Detroit sprechen und der ganze Einstellungsprozess zum Himmel stinkt (der neue GM Holmes hatte quasi keinen Einfluss auf die Gespräche), ist meine Hoffnung nahe null.

Deshaun Watson

Aber „keine Hoffnung“ ist noch immer besser als das was in Houston abgeht. Deshaun Watson will offenbar um jeden Preis raus – und ich kann es verstehen. Die Texans sind das Paradebeispiel schlechthin wie man sich selbst in der NFL abschießen kann. Noch vor einem halben Jahr haben wir alle über den inkompetentesten GM ever, Bill O’Brien, gesprochen. Jetzt zeigt sich, dass O’Brien nur das drittgrößte Problem in dieser völlig abstrusen Franchise war – hinter Nick Easterby und vor allem Owner Cal McNair.

20 Kommentare zu “NFL Divisional Playoffs 2020/21 – Nachklapp

  1. Zu brees ich glaube das es mehr zu bedenken gibt als nur das spiel zu gewinnen
    was er für diese stadt bedeutet für die fans ist nicht so einfach in dann auszuwechseln wenn er fit ist (nudelarm ausklammert)
    das kann man nicht nur analytisch betrachten.

  2. Woran glaubst du liegt es, dass die Play-Offs so mau sind? Corona und die fehlende Vorbereitung? Zu viele Teams mit verwässerter Qualität oder schlicht ein statistisches Artefakt was nächstes Jahr ganz aussehen kann?

  3. Daboll als Coach von Herbert wäre spannend gewesen… Man weiß natürlich nie wie sich Kandidaten in Interviews geben, ob sie überhaupt wollen und ob die Chemie mit dem Frontoffice stimmt, aber Daboll bei den Chargers sieht von außen einfach passend aus. Schade.

    Wenn Smith das Laufen nächste Saison sein lässt ist immerhin die Frage wer in Tennessee so gerne läuft beantwortet…

  4. @Manuel: Ist halt die Frage ob man wegen der „Bedeutung“ des Symbols Brees die ganze Saison wegschmeißt. Ich behaupte mit einigermaßen solidem Quarterbacking hätten die Saints das gewonnen.

    @Dudel: Ich tendiere zu „random“. Bills-Colts hätte ja durchaus wild werden können, auch Titans-Ravens.
    Letztlich gab es auch ungewohnt viele klare Favoritenstellungen und die Favoriten haben sich kaum Blöße gegeben.

    @milaidin: „Erklär uns mal wie du das Laufspiel aufziehen willst“
    „Brauchen wir keins, ihr werdet sehen“
    „Okay, tschüss“

  5. Es stimmt ne saison wegscheimessen ist nie ok.
    nur beim brees denke ich immer wie lange die saints schlecht waren und dann kommt er und sie sind relevant.
    dann auch noch das hochwasser was die stadt hart getroffen hat.
    er hat ihnen auch ein stück hoffnung zurück geben sollte er dann nicht auch zu ende spielen dürfen und wie würden die fans reagieren bei einer auswechslung.

  6. Es ist ein bisschen ausgleichende Gerechtigkeit. Die Saints habe ca 5 Jahre von Brees mit horrendem Rostermanagement und völlig inkompetente Defense vergeigt, da kann Brees auf seine letzten Tage mal ein gutes Rest-team an die Wand fahren.

  7. Die Saints sind in cap hell und sind ligaweit am meisten im minus. Das Team dürfte ihnen kurzfristig erstmal auseinanderfliegen. Mit dem Fragezeichen auf QB (Hill/Winston/X) bist du vermutlich eh kein contender.

  8. Vermutlich das progressivste, was je jemand dort gelernt hat.

  9. Bzgl. Saints: Ist die Frage, ob Winston solides Quarterbacking gebracht hätte. Vielleicht weiß Payton mal wieder mehr als wir und hatte noch andere Gründe Winston nicht zu bringen.

  10. Winston hat *literally* das einzige explosive Offense-Play der Saints im ganzen Spiel gemacht. In seinem *einzigen* Snap.

    Klar war es ein Trick Play. Klar ist Brees die Legende, die man nicht demontieren kann/will.

    Aber Brees hat nicht gezeigt, was in irgendeiner Form dieser Offense geholfen hatte. Ganz im Gegenteil. Payton muss das gesehen haben. Winston hätte vielleicht auch 3 Picks geworfen, aber er hätte gleichzeitig zumindest den Ball bewegt.

  11. Wahrscheinlich überinterpretiert, aber die Mannschaften mit der Woche Pause mehr haben deutlich dominiert. U.U. könnte die kürzere Saison-Vorbereitung wg Corona die zusätzliche körperliche Regeneration nochmal wichtiger gemacht haben. Aber die Größe der Stichprobe …

  12. Natürlich ist es für Payton aufgrund des Legendenstatus in New Orleans kaum möglich Ihn vom Feld zu nehmen. Aber auch ich glaube, dass NO mit Winston dieses Match gewonnen hätte, da Tampa Offensiv ohne die 3 Turnover wirklich mausetot ausgeschaut hat.
    Wirklich als Legende hätte Brees abtreten können, wenn er sich selbst aus dem Spiel genommen hätte. Aber das ist wohl ziemlich sicher ein Denken, dass nicht in seiner DNA ist.

    Bezüglich HC Anstellung frag ich mich weshalb überhaupt Bestellungen gemacht werden die nicht mit dem GM (bei den Lions z.B. Brad Holmes) akkordiert sind. Das entwertet doch die Arbeit des GMs ab dem ersten Tag und macht den Aufbau einer langfristigen Franchise Philosophie deutlich schwerer. Warum werden Multimillionendollar Franchises wie Kleingärtnervereine geführt?

    Zum Saints Cap. Ich glaub wenn es Ihnen gelingen wird Winston oder einen anderen vergleichbaren QB für 2021 an sich zu binden wird Mickey Loomis auch einen Weg finden einen konkurrenzfähigen Kader auf die Beine zu stellen. Sicher nicht so tief besetzt wie dieses Jahr, aber der Kader hat bereits viel Potential in seinen Reihen. Jene Spieler die dem Cap zum Opfer fallen sind eigentlich alle verschmerzbar, außer vielleicht Saftey Williams und LB Alexander (Aber der ist eh mehr verletzt als am Feld)

  13. „Warum werden Multimillionendollar Franchises wie Kleingärtnervereine geführt?“

    Vielleicht, weil ziemlich viele Owner als größten Leistungsnachweis den Titel „Erbe“ führen.

  14. Die Saints verlieren in Terry Fontenot den Kopf hinter den guten Free Agent Verpflichtungen. Er wird GM bei den Falcons. Ein ausgezeichneter Mann, aber zu diesem Owner wäre ich an seiner Stelle nicht gegangen…

  15. @Nil
    Zu Arthur Blank ist mir jetzt weder innerhalb der NFL noch außerhalb viel negatives bekannt. Loyal zu seien Coaches und auch alles andere als ein Trump-Fan.

  16. Pingback: Coaches Corner – Stefanski gegen Andy Reid | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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