2020 AFC Championship Game Preview: Bills @ Chiefs

Zweite Runde des Championship Weekends: 00.40Uhr in der Nacht auf Montag im Arrowhead Stadium zu Kansas City.

[2] Buffalo Bills (15-3) @ [1] Kansas City Chiefs (15-2)

Die Storyline hier ist schnell erzählt. Die Kansas City Chiefs werden weithin für unschlagbar gehalten, weil sie Patrick Mahomes haben. Dieser ist so eine Art Terminator: feuerfest und kugelsicher. Unbesiegbar. Vereinzelt halten sich in der NFL Community auf Twitter & Co kleine Ecken, in denen auf Advanced Stats verwiesen wird, welche den Chiefs die Unbesiegbarkeit absprechen. Die Reaktionen darauf beschränken sich komischerweise oftmals auf Gefühle, als wären die Beobachter plötzlich genervt von ihrer ansonsten analytischen Betrachtungsweise.

In der Divisional Round gegen die Cleveland Browns und im Nachgang dazu spielte das dann keine große Rolle, weil Mahomes verletzt ausgewechselt werden mußte. Chad Henne mit wildem 13-Yard-Lauf und Andy Reid mit entschlossenem 4th-Down-Knockout-Punch bestimmten die öffentliche Meinung.

Wir sollten die analytische Betrachtungsweise aber nicht im Altpapier liegenlassen. Im Preview zum Spiel gegen die Browns in der Divisional Round letzte Woche stand hier folgendes:

Close Wins sind nicht nachhaltig! Die letzten sieben Siege der Chiefs waren Close Wins.  

Point Differential: nur +27 in diesen sieben Spielen (der 17-Punkte-Niederlage in Woche 17 bereits herausgerechnet)  

EPA Rulez: seit der Bye Week ist Mahomes weniger effizient als Baker Mayfield! 

Divisional-Playoff Preview Chiefs-Browns letzte Woche


Die Chiefs haben gegen die Browns nichts dafür getan, dem zu widersprechen. Aktualisiert sieht das folgendermaßen aus: 

  • Close Wins sind nicht nachhaltig! Die letzten acht Siege der Chiefs waren Close Wins.  
  • Point Differential: nur +32 in diesen acht Spielen (der 17-Punkte-Niederlage in Woche 17 bereits herausgerechnet)  
  • EPA Rulez: seit der Bye Week ist Mahomes weniger effizient als Baker Mayfield! 

Ja, auch der letzte Punkt stimmt immer noch. Da ist viel Abstand zu den Kollegen Rodgers, Tannehill, Brady.

 

Von Ben Baldwins rbsdm.com / @benbbaldwin

Die Lokomotive…. 

Aber immerhin: Patrick Mahomes wird spielen. Er ist nicht mehr im Concussion Protocol und auch sein großer linker Zeh scheint ihn im Training nicht sonderlich behindert zu haben. Damit kann der Zug rollen: Lokomotive Mahomey und seine Trittbrettfahrer. 

Daß Mahomes sich jederzeit und ohne Vorwarnung einen Wunderpaß aus der Hüfte zaubern kann, ist bekannt. Aber  wieso hakt es mit der Effizienz so?

Ein Grund ist, daß nicht nur die Fans Mahomey für feuerfest und kugelsicher halten, sondern er sich selber auch. Das große Selbstbewußtsein hat viele Vorteile, aber auch einen Nachteil. So geht Mahomes zu schnell in den wilden Hinterhofmodus, wenn ihm nach dem Snap etwas am geplanten Design nicht gefällt. Er verläßt zu schnell die Struktur des geplanten Plays. 

Er improvisiert, rennt wild durch die Gegend, wirft gegen die Laufrichtung in die Mitte des Feldes, stürzt wie ein Wahnsinninger in Linebackers hinein, und er verpaßt das richtige Timing für einen Paß, weil er zu lange auf den Deep Shot starrt.

Alles schön und gut, wenn es funktioniert. Aber es geht zu Lasten der Effizienz. Mahomes versucht hier scheinbar, andere Schwächen zu überkompensieren: die schwache Offensive Line (RT Schwartz, Guards Duvernay-Tardif und Kelechi Osemele fehlen weiterhin); die Runnings Backs Edwards-Helaire und Le’veon Bell sind angeschlagen/verletzt; WR2 Sammy Watkins ist seit Wochen angeschlagen. 

Zu allem Überfluß ist Mahomes jetzt auch noch selbst angeschlagen, wenn auch den Berichten vom Training unter der Woche nach nicht allzu schwer.

Der Ansatz für die Bills-D sollte hier klar sein, das stand hier schon oft genug. Ihr Plan aus dem Spiel in Woche 6 gegen die Chiefs war der richtige:

  • Zwei tiefe Safeties
  • Viel Zonenverteidigung
  • Häufig Doppeln gegen Hill oder/und Kelce

Im Gegensatz zu Cleveland letzte Woche haben sie auch gutes Personal dafür. #27 CB White und die Safeties #21 Poyer und #23 Hyde gehören bekanntermaßen zu den Fähigsten ihres Faches. Und insgesamt genießt diese Verteidigung gute strategische Führung unter DC Leslie Frazier und HC Sean McDermott.

…und die Trittbrettfahrer 

Auf der anderen Seite ist es eher Wildwuchs. Es ist schwierig, einen übergreifenden strategischen Ansatz bei Chiefs DC Steve Spagnulo zu entdecken. 

Auf eine Art erinnert es mich an die Seahawks-Offenses mit OC Darell Bevell 2012-14. Da gab es auch kein umfassendes System. Stattdessen wurden scheinbar willkürlich unterschiedlichste Spielzüge aneinandergereiht in der Hoffnung, daß irgendetwas schon funktionieren wird. Und wenn nicht, na dann haben wir eben noch unsere Defense, die reißt uns da wieder raus. 

Bei der Chiefs-D wirkt es ähnlich: recht willkürlich werden Cover-2 Man und Zone Blitzes, Quarters Coverage und Zero Blitzes durcheinander geworfen. Irgendetwas davon wird schon funktionieren – und wenn mal in einem Drive nichts funktioniert: na , halb so schlimm, schließlich haben wir ja immer noch Mahomes! 

Bei den Spielern selbst manifestiert sich das Hop-oder-Top exemplarisch in #32 Tyrann Mathieu. Er geht gerne große Risiken ein; er spielt so, als hätte er die Instinkte von Troy Polamalu, die Intelligenz von Ed Ed Reed und die Athletik von Earl Thomas – aber da schätzt er sich selbst zwei Level zu hoch ein. Stattdessen gibt es für zwei gute Plays immer auch einen Sprung ins Nichts oder eine Blown Coverage. Macht aber nichts, denn: In den Highlight Shows werden bei Siegen nur die guten Plays gezeigt. Und gesiegt wird häufig genug: wegen Mahomes.

Wie Spagnuolo und Mathieu ist aber mittlerweile auch das Front Office um GM Brett Veach Trittbrettfahrer der Erfolgslokomotive Mahomes geworden. Bis auf #95 Chris Jones ist kein Blue Chipper in dieser Defense. Selbst die bessere Draft Picks der letzten Jahre, #22 Safety Thornhill, #91 DL Nnadi und der diesjährige 4th-rd Pick #38 CB L’Jarius Sneed sind keine difference maker

Die Linebackers #53 Hitchens und #54 Wilson wurden bei den Cowboys aussortiert, #55 Pass Rusher Frank Clark tut nicht viel für seine Cap Number von $25,8 Mio (!), und ein 30 Jahre alter Karriere-Back up #49 Daniel Sorensen muß plötzlich Starter spielen.

Da sollten sich gute Möglichkeiten für Buffalos Angriff ergeben. Die Geschichte vom häßlichen Entlein, das sich nun als schöner Schwan entpuppt, ist über Josh Allen heuer oft genug erzählt worden. Daher hier nur kurz drei Aspekte für heute abend, auf die ich achten werde:

  • 10 Personnel aus Shotgun
  • Zone lesen
  • Scramblen

Die Bills spielen sehr gerne mit vier Wide Receivers. Neben #14 Diggs, #15 Brown und dem angeschlagenen #11 Cole Beasley haben sich hier Rookie #13 Gabriel Davis und Tavon-Austin-Kopie #19 Isaiah McKenzie gut eingefügt. (Ist es das erste WR-Corps ohne #80er Nummer?)

Mit vier WRs und dazu TE #88 Dawson Knox macht OC Brian Daboll die Aufstellung gerne breit für QB Josh Allen. Dieser steht dabei vorzugsweise in Shotgun und kann so schon pre snap alles gut überblicken. So gut Allen mitlerweile auch im Werfen ist, so shaky ist er manchmal noch im Lesen von Zonenverteidigung.

Ironischerweise könnte Spagnuolos Gemischtwarenladen daher heute sogar ein ganz guter Zugang zu Allen sein. Wenn immer wieder etwas anderes passiert und keine Coverage so aussieht, wie die davor, dann bereitet das Allen größere Schwierigkeiten als Man Coverage, bei der es „nur“ auf einen starken Ball in enge Deckung ankommt.

Und je häufiger die Chiefs Zonenverteidigung spielen, desto weniger Möglichkeiten sollte Allen für seine gefährlichen Scrambles bekommen – wie auf der anderen Seite auch Mahomes.

Langweilig?

Es könnte also im schlimmsten Fall (für den Zuschauer) heute ein Dink-and-Dunk und Kurzpaßgedudel auf beiden Seiten geben. Die Big Plays werden durch zurückhaltende Coverages weggenommen, ebenso die Scrambles. Die Quarterbacks reagieren darauf vernünftig und nehmen die kurzen Routen underneath. Das Spiel dümpelt so vor sich hin…

Oder Mahomes hält nicht viel von „vernünftig“, sondern legt noch ein paar zusätzliche Kohlen in den Dampfkessel, weil er als Lok die gesamte Franchise ziehen muß. Er geht größere Risiken ein und damit eine höhere Varianz im Ergebnis, weil er mittlerweile selbst die Stories über seine Unbesiegbarkeit glaubt.

Und auf der anderen Seite bringt Spagnuolo mit seiner Willkürdefense den jungen Allen durcheinander, erhöht mit aggressiver Defense seinerseits die Varianz in der Hoffnung auf schlechte Entscheidungen von Allen. Und mit der Hoffnung darauf, daß Mahomes ihn im schlimmsten Fall eh wieder rettet…

Ich kann mir beide Szenarien gut vorstellen, wobei ich das „langweiligere“ für ein bißchen wahrscheinlicher halte. Die Wettbüros haben KC mit 3,5 Punkten vorne – für meinen Geschmack ist da noch etwas zuviel „klassischer“ Heimvorteil eingepreist. Andererseits ist die Varianz durch die Spielweise der beiden Quarterbacks auch relativ hoch.

3 Kommentare zu “2020 AFC Championship Game Preview: Bills @ Chiefs

  1. Feine Vorlage von Herrmann
    Wer hat weniger zu verlieren in diesem Duell?
    Relativ unbelastet und mit Disziplin, ohne Showeinlagen sehe ich die Bills gleichwertig, auf die Dauer bei ausgeglichenem Spielstand sogar leicht vorne. Vielleicht entscheidet wiederum mal der letzte Drive des Spiels die Partie.
    Die Chiefs starteten meist etwas verhalten. Sollten sie richtig explosiv loslegen und vorlegen, dann hätten sie die Bills wahrscheinlich im Sack beim weiteren Verlauf. Ob Buffalo dies mit einkalkulierte? Bin gespannt.

  2. Wirklich schöner Artikel. Ich habe auch das Gefühl, dass viele glauben, KC hätte die nächsten fünf Superbowls abonniert. Aber wie Korsakoff Anfang der Saison bereits zeigte, standen die Chancen für diesen SB bei 1:4 (wenn ich mich recht entsinne). Mahomes ist ein Superspieler, aber es ist immer noch ein Teamsport. Und Bills wie Packers sind heftige Kaliber. Die Bills werden dazu noch von vielen Leuten nicht ernst genommen: „Das letzte Mal vor 4711Jahren in den Playoffs…“
    Bei manchen NFL-spielen würde ich Wetten abgeben, aber dieses Spiel gehört definitiv nicht dazu. Es würde mich nicht wundern, wenn heute die Tagesform entscheidet.

  3. Pingback: Die neue erste NFL-Wettregel | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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