Houston Texans: Head Coach rein, Quarterback raus

Die Houston Texans haben letzte Nacht dann doch noch einen Headcoach gefunden – müssen sich aber noch vor dessen offizieller Vorstellung mit der nun auch offiziellen Forderung nach Trade von Superstar-QB Deshaun Watson herumschlagen.

Zuerst zum Coach

Der neue Headcoach heißt David Culley, und bevor du laut auflachst und dich fragst um wen es sich dabei handelt: Ich habe den Namen auch nicht gekannt. Niemand hat den Namen gekannt, der nicht einen Fetisch für das Auswendiglernen sämtlicher NFL-Coaching-Namen hat.

Dabei ist Culley seit 35 Jahren als Footballcoach tätig – 24 Jahre davon in der NFL. Er hat in bislang sechs Franchises gearbeitet, wenn auch immer wieder unter Andy Reid, der durchaus als einer der Förderer von Culley gelten darf.

Culley war zuletzt Wide-Receiver-Coach bei den für ihre Passing-Offense berühmten Baltimore Ravens. Zuvor coachte er die Quarterbacks der Buffalo Bills – 2017 das Duo Tyrod Taylor/Nathan Peterman, 2018 die famose Rookiesaison Josh Allens.

Davor war Culley jahrelang Receiver-Coach bei den Chiefs gewesen, die damals dafür bekannt wurden, dass Alex Smith jahrein, jahraus effiziente Passing-Offense spielt ohne jemals einen Touchdown auf einen Wide Receiver zu werfen.

Also „interessantes“ CV. Selbst die Wikipedia-Editoren hatten ihren Spaß an der Einstellung:

Ich habe heute gelernt: Culley ist kein klassischer X&O-Guy. Seine Qualitäten liegen vor allem in der jahrelangen Erfahrung und der Schaffung von positiver Arbeitsatmosphäre. Als Coordinator hat er in 35 Jahren nie gearbeitet – vielmehr dürfte er sich aus dem Mikromanagement in Houston heraushalten, seine Coordinators arbeiten lassen und einfach schauen, dass die Stimmung im Kader positiv bleibt.

Quarterback Watson forciert den Abgang

Das wird schwierig genug, denn Deshaun Watson hat gerade heute offiziell seine Trade-Forderung eingereicht:

Dass Watson wegwollte, haben die Spatzen seit Tagen von den Dächern gepfiffen. Sein Wechselwunsch soll nichts mehr mit der Bestellung des neuen Headcoaches zu tun haben. Watson hat einfach jegliches Vertrauen in den Owner und das Management in Houston verloren. Ich könnte nicht behaupten, dass ich seine Gefühle nicht nachvollziehen kann.

Watson soll seit zwei Wochen jeden Kontakt zu den Verantwortlichen in Houston meiden und weder mit dem neuen GM Nick Caserio noch mit jemand anderem in der Führungsriege gesprochen haben. Watson hat eigentlich alle „Leverage“ der Welt, inklusive no trade clause, mit der er sein neues Team aussuchen kann.

Houston kann ihn kaum halten – 100k Strafe fürs Schwänzen der Minicamps, 50k pro verpasstem Tag des Trainingslagers in der Preseason plus 600k pro verpasstem Preseason-Spiel. Tritt Watson zurück, kann Houston fast 22 Mio. Handgeld zurückfordern.

Datt war’s. Alles andere läuft auf Watsons Abgang hinaus. Die Texans können es sich ohne Draftpicks nicht leisten, „hardball“ mit ihrem Franchise-QB zu spielen. Sie würden jeglichen Rückhalt in der Fan-Base verlieren.

Doch zurück zum neuen Head Coach

Culley wurde von den Texans heute als „Caserio-Anstellung“ präsentiert. Quasi die erste nennenswerte Amtshandlung des neuen GMs, der unter bizarren Umständen arbeiten muss. Owner Cal McNair ist ein an Football desinteressierter, dafür umso mehr für Botschaften höhere Mächte empfänglicher Erbe eines Milliardenvermögens, und er lässt sich seinen Verstand von Jack „Grima Schlangenzunge“ Easterby, seinem mittlerweile berüchtigten Einflüsterer, vergiften.

Easterby ist ein religiöser Fanatiker – und wenn man dieses nicht unwesentliche Detail berücksichtigt, so bekommen diese Clips des neuen Coaches Culley ganz schnell eine neue Bedeutung:

Letztlich mag Caserio Culleys Anstellung vorgeschlagen haben. Abgesegnet wurde sie jedoch von Easterby – und ist damit in erster Linie als Machterhaltungsmove des Flüsterers zu interpretieren.

Culley selbst kommt aus sportlicher Sicht in eine Scheiß-Situation. Es gab wohl nur wenige, die diesen Job mit einem ausgebluteten Kader und einem abwanderungswilligen Star-QB haben wollten. Gemessen an der Ausgangslage ist ein Typ wie Culley vielleicht gar kein so übler Move. Es braucht dort keinen Star-Play-Designer, sondern erstmal einen, der den Laden irgendwie zusammenhält.

Das Problem: Culley wird im September 66 sein. Damit ist er der älteste „1st time NFL Headcoach“ ever. In Bruce Arians gab es überhaupt nur einen einzigen anderen 1st-Time-HC mit über 60 Jahren (Arians war 61 als er von den Cardinals geholt wurde).

Ich muss ja sagen: Erstmal Respekt, sich in dem Alter noch einmal für eine so große neue Aufgabe zu motivieren. Und Respekt, sich dann ausgerechnet für die Aufgabe zu motivieren.

Auf der anderen Seite: Sportlich sind die Erwartungen jetzt erst einmal am Nullpunkt. Culley kann fast nur gewinnen, denn der Depp wird egal wie es ausgeht ein paar Stufen weiter oben sitzen. Der Mob hat sein Urteil in Houston bereits gefällt – Owner McNair und noch mehr Easterby dürften zeitlebens nicht mehr heil aus dem Reliant Stadium kommen.

Die Texans-Saison 2021 wird damit wohl Vibes eines „Expansion Teams“ haben.

14 Kommentare zu “Houston Texans: Head Coach rein, Quarterback raus

  1. Culley ist entweder sehr gläubig oder es gibt sehr viel Geld. Er hat allerdings bei bei Texas El-Paso vom 1989–1990 als OC gewirkt. Wobei dass mittlerweile auch mehr als 35 her ist.
    Ich kannte den Namen schon vor heute, weil die Texans schon ein Interview hatten.

    Watson kommt da hoffentlich raus.
    Perfekter QB Ersatz wäre Foles, zumindest vom Glauben her.

  2. GREAT GUY 😀

  3. Haha, ich seh erst jetzt dass wenn die Texans DeShaun nach Miami schicken, kriegen sie ihren eigenen #3 Overall zurück. Das ist der größte Heist in der NFL Geschichte 😎

  4. @korsakoff: Gibt es evtl. eine aktualisierte Version deiner Aufstellung über alle Headcoaches, Coordinators, usw.?
    Ist ja jetzt doch einiges passiert😊

  5. Ich mochte da niemanden zu nahe treten, aber für Culley ist es am Ende doch einfach eine gute Gelegenheit nochmal Kasse zu machen. In einer normalen Situation wäre er niemals an den Posten gekommen aber jetzt für 1-2 Jahre den Depp geben und mit einem Siebenstelligen Gehalt nach Hause gehen Ist eine Gelegenheit die ich auch nutzen würde.

  6. Culley: „Ist ja nett, dass Sie mich einladen, aber ich habe keine Ahnung von coaching. Ich wäre auf Ihre Hilfe angewiesen und könnte nicht selbständig arbeiten.“
    Texans: „Ach was? Tatsächlich? Sie haben den Job!“

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