Senior Bowl 2021: Quarterback-Prospects

Heute Nacht findet die Senior Bowl statt (20h30 / NFL Network). Ich hab mich im Vorfeld mit ein paar Prospects beschäftigt.

Noch mal vorausgeschickt: Das Spiel selbst ist nicht das Allerwichtigste, es sei denn man ist Dave Gettleman und erkennt einen Superstar in drei Spielzügen. Viel mehr als zwei Handvoll Snaps kriegen viele Spieler gar nicht.

Die Trainingseinheiten haben mehr Bedeutung – von ihnen kriegen wir aber gar nicht so viel mit. Sie wurden für die Teams als Scouting-Material aber gefilmt.

Und: Viele der Stars im heurigen Draft sind hier gar nicht mit dabei, weil sie als sogenannte „underclassmen“ gar nicht zur Senior Bowl eingeladen wurden.

Ich mach jetzt mal die Quarterbacks – vielleicht kommen am Nachmittag noch ein paar andere Prospects.


Die QB-Klasse von 2021 hat eine klare „Top 4“ – Trevor Lawrence steht über allen, dahinter gelten Justin Fields und Zachary Wilson als mögliche #2 je nach Geschmacksrichtung, und Trey Lance ist der „small school“ Außenseiter, den fast alle in den Top-15 sehen.

Mac Jones

Die #5 auf dem Board der meisten ist Mac Jones von Alabama. Er spielt in der Senior Bowl mit. Er hat die rekordträchtige Bama-Offense 2020 angeführt und es geschafft, dass sie nach dem Abgang von Tua Tagovailoa in die NFL nicht bloß ihren Effizienz-Level halten, sondern sogar verbessern konnte. (Das wirft natürlich gerade mit Tuas schwacher Rookiesaison auch ein paar Fragen bezüglich Tuas Validität auf)

Trotzdem gilt Jones nicht als Star-Prospect. Zu sehr profitierte er wohl von den atemberaubend guten Umständen in Tuscaloosa: Superbe Offensive Line, gigantische Receiver, nahezu ideales Playcalling.

Jones ist ein effizienter Kurzpass-Werfer, trifft sehr gute Entscheidungen bei RPOs, hat die Art von Offense, die man von ihm verlangte, nahezu ideal gemanagt, aber hat kaum Mobilität und einen nur durchschnittlichen Arm.

Es wird Fragen geben ob Jones genug „creator“ ist um außerhalb dieser recht engen Leitplanken in der NFL genug anbieten kann und ob er imstande ist, konstant engere Fenster zu treffen als die völlig offenen Leute in Alabama. Ist er nur ein Produkt des Systems in Alabama? Wie viel am Erfolg in Alabama hing dann doch auch an ihm und nicht nur an den Umständen?

Ich habe Vergleiche mit Kirk Cousins gelesen – nur eben auf Rookievertrag anstatt 28 Mio/Jahr fully guaranteed. Kann er den Level in etwa bestätigen, wäre Jones damit ein durchaus wertvolles Asset und könnte auch als Mid/Late 1st Rounder durchgehen.

Jamie Newman

Der andere QB, der viel gewinnen kann: Jamie Newman. Der ist ein extrem talentierter Werfer – und mobil.

Newman hat am College aber nur äußerst inkonstant gespielt. Er spielte früher beim kleinen ACC-College Wake Forest, wechselte letztes Jahr aber zum SEC-Contender Georgia. Gespielt hat er dort nie, weil er wegen Corona den Opt-Out vorzog.

Das ist einigermaßen schade, denn einer der Hauptkritikpunkte an Newman als Prospect ist, dass die Offense, in der man ihn am College hat spielen sehen, fast nix mit einer NFL-Offense gemein hatte: Endlose RPOs mit eingestreuten Go-Routes entlang der Seitenlinie.

Das Routes & Targets-Chart aus dem PFF-Scouting-Guide verdeutlicht die Befürchtung: Newman hat fast ausschließlich 5-10 Yards „downfield“ agiert. Die Hitch & Out Routes zu beiden Seiten waren nicht bloß Standard – sie waren fast die ganze Offense. Downfield hat er nur an seiner Flanke geworfen, praktisch nicht über die Mitte:

Quelle: PFF.com Draft-Guide

Das Gute: Newman ist ziemlich akkurat als Werfer und bei aller Mobilität ist das Loslaufen für ihn immer nur die letzte Option gewesen. Das macht sich im Umsetzen einer NFL-Offense schonmal gut. Deep-Ball ist auch positiv:

Bleibt halt die offene Fragen nach den $$$-Würfen in der NFL: Tiefe Crosser, Spielfeldmitte in der 10-20 Yards Range.

Ich hab über Newmans Performance in den Trainings bis jetzt nicht viel mitbekommen – außer eben, dass Panthers-Coach Rhule durchaus angetan gewesen sein soll:

Carolina braucht einen QB, ist im Draft an #8 aber vielleicht schon außer Reichweite für die absoluten Top-Prospects. Vielleicht investiert Rhule ja einen 2nd oder 3rd Rounder für Newman.

Die Durchschnitts-Prospects

Der mobile, aber etwas wurfschwache Ian Book von Notre Dame ist in den Medien bislang die graue Maus, soll in NFL-Kreisen aber durchaus Fans haben. Book ist physisch limitiert, weil er nicht jeden schwierigen Wurf perfekt drauf hat. Er ist auch einigermaßen unentschlossen.

Aber Book ist mobil. Er kann über reine „Pocket-Passer-Fähigkeiten“ hinaus ein paar Scrambles anbieten, die zumindest für eine solide Backup-Karriere von Wert sein dürften.

Kellen Mond von Texas A&M ist allein der Physis nach wahrscheinlich der talentierteste QB in der Senior Bowl. Sein Problem ist das „Abrufen“. Er hat gute Momente, er begeht aber auch viele mentale Fehler. Sowas wie eine „Entwicklung“ am College war nicht erkennbar – und auch im Senior-Bowl-Training sollen sich die Probleme genau so fortgesetzt haben.

Feleipe Franks von Arkansas ist der Außenseiter im Bunde. Er rettete seine NFL-Ambition mit seinem Transfer von Florida nach Arkansas, wo er sich letztes Jahr ganz gut entwickelte. Franks ist gebaut wie ein klassisches QB-Prospect – und er ist agil.

Wer will, kann ihm seine positive Entwicklung bei Arkansas hoch anrechnen. Aber seine miserable Performance als Florida-QB wird noch eine Weile nachhängen und ihn mutmaßlich maximal zu einem Late-Rounder machen.

Sam Ehlinger

Und dann ist da noch der ehemalige Texas-QB Sam Ehlinger, der vor zehn Jahren als „typischer College-QB“ abgestempelt worden wäre: Laufstark, extrem tough, aber komische, unausgereifte und nicht beständige Wurftechnik und viel zu langsamer Play-Speed aus der Pocket heraus.

Ehlinger hat in den Trainingseinheiten bis jetzt nicht überzeugen können. Mehr oder wenige alle bekannten Schwächen sollen sich schon gezeigt haben:

  • Zu langsam im Lesen von Verteidigungen
  • Zu zögerlich in der Entscheidung endlich loszulaufen („wenn ich das mache, dann sagen sie ich bin ein verkappter Tigh End…“)
  • Zu wenig „Zip“ auf den Pässen
  • Letztlich auch nicht genug „Athlet“ für einen echten Fokus aufs Scrambling als Building-Block

Ich dachte immer ich sei mit meiner „Jalen Hurts für Arme“ Einschätzung bei Ehlinger zu positiv, aber einige Experten wie Dane Brugler trauen ihm trotz der Schwächen im klassischen Dropback-Game zu, in den Top-100 gedraftet zu werden.

Denn Ehlinger hat am College bei allen Flauseln dreierlei bewiesen: Er kann eine Offense notfalls im Alleingang tragen, und zwar auch furchtlos über die Mitte wo sich auch in der NFL die meiste Musik abspielt, und er begeht wenige Turnover-anfällige Plays.

4 Kommentare zu “Senior Bowl 2021: Quarterback-Prospects

  1. Pingback: Senior Bowl 2021: Weitere interessante Prospects | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  2. @Benjamin Salzburger: ist verletzungsbedingt nicht dabei … wurde von korsakoff im oben verlinkten ersten Artikel zum Senior Bowl schon erwähnt und fehlt deshalb wohl hier

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