Wer sollte NFL MVP 2020/21 werden?

Aaron Rodgers wurde mit überwältigendem Vorsprung zum All-Pro Quarterback der Saison gewählt – und wird damit fast sicher auch NFL MVP 2020/21.

Auch Adrian Franke hat Rodgers schon zu seinem All-Pro und MVP der Saison gekürt. Auf der Oberfläche schaut das auch wie eine logische Wahl aus – z.B. hier, wenn wir das EPA/COPE Chart anschauen:

Quelle: rbsdm.com/stats/stats

Rodgers ist die #1 nach EPA/Play und die #1 nach CPOE. Er hat das geschafft, obwohl der Packers-Receiving-Corps allgemein als nicht austariert genug gilt. Rodgers hat 71% Completion-Rate geworfen, eine TD/INT Ratio von 48:5 und 7.5 NY/A Passing gemacht und seine Packers zu einem 13-3 Record und #1 Seed geführt.

Das sind MVP-Zahlen.

Aber mein MVP ist trotzdem Patrick Mahomes – und Kevin Cole hat vor ein paar Wochen eigentlich alle Argumente geliefert, warum.

Mahomes hat „nur“ 38:6 TD/INT Rate. Er ist „nur“ die #3 in EPA/Play und #9 nach CPOE. Er hat ein Spiel weniger bestritten als Rodgers. Aber er hat den besseren Leistungsnachweis als Rodgers.

Let’s discuss

#1 Mahomes hat die deutlich höhere Pass-Rate. Die Chiefs-Offense hat 66% Pass-Quote gegenüber nur 56% Pass-Quote bei den Packers. Damit haben die die #4 Passlastigkeit gegen eine unterdurchschnittliche Passlastigkeit.

Anders: Mahomes war ein deutlich größerer Teil der Chiefs-Offense als Rodgers bei den Packers. Natürlich impliziert eine höhere Passquote insgesamt auch eine höhere Passquote in Early-Downs – dort, wo es einfacher für den QB ist. Und die Chiefs haben öfters in 1st und 2nd Down geworfen als Rodgers. Aber sie haben auch öfters in 3rd und 4th Down geworfen.

Rodgers hatte 606 Plays in 16 Spielen Regular Season- Mahomes hatte 694 in 15 (er konnte Woche 17 aussetzen, weil Kansas City mit ihm 14-1 ging und den #1 Seed frühzeitig absicherte). Nach total-EPA für das Team hat Rodgers in einem Spiel mehr nur exakt 1.1 EPA/Play mehr eingefahren als Mahomes.

#2 Mahomes hat vielleicht den besseren Receiver-Corps, aber Rodgers hat die deutlich bessere O-Line, den besten Receiver der NFL und das deutlich bessere Run-Game als Entlastung.

WR Tyreek Hill und TE Travis Kelce sind als Verbund das vielleicht beste „One/Two“-Waffenarsenal der NFL-Geschichte. Sie sind ein wichtiger Trigger für die Chiefs-Offense, weil sie häufig offen sind und auch viele Räume für die Jungs dahinter öffnen.

Aber Davante Adams gilt weithin als bester (oder schlechtestenfalls zweitbester nach Hill) Receiver in der NFL. Die Packers-OL ist auch viel besser als jene der Chiefs:

Die Survival-Rate der Packers-OL ist through the roof. Die Chiefs waren viel näher am NFL-Durchschnitt als an den Packers.

Im Laufspiel hatten die Packers in der Regular Season das fünft-efizienteste Running Game der NFL (+0.03 EPA/Run), während die Chiefs als #13 nur im Mittelfeld krebsten (-0.05 EPA/Run).

#3 Rodgers hat viel weniger schnelle Pressure gesehen als Mahomes. Pressure ist im wahrsten Sinn des Wortes ein wichtiges Druckmittel gegen Quarterbacks: Elite-QBs performen unter Druck in etwa wie der 25t-beste NFL QB ohne Druck.

Rodgers hat in nur 7% seiner Dropbacks in weniger als 2.5 Sekunden Druck bekommen. Mahomes? In 19% dieser Snaps, also dreimal so häufig.

Auch in den Snaps über 2.5 Sekunden Ball halten hat Rodgers wesentlich weniger Druck bekommen als Mahomes: 47% zu 55% bei Mahomes.

In Pressure-Situationen war Mahomes deutlich besser als Rodgers – bei schnellem Druck, aber auch bei extended plays. Auch wenn das ein instabiles Element im Prognostizieren von QB-Performance ist: MVP schaut nicht nach vorn, sondern zurück.

#4 Late Down Performance. Mahomes hat 14% mehr 3rd Downs verwertet als man erwarten würde. Rodgers nur 5% mehr. Das schließt direkt an meinen Eintrag von unter der Woche an: Mit Mahomes bist du einfach nie aus dem Spiel.

#5 Mahomes hat den schwierigeren Schedule gespielt. Mahomes hat einen durchschnittlich schweren Schedule an Pass-Defenses gesehen. Rodgers hat gegen den viert-einfachsten von allen gespielt.

#6 Mahomes hatte nur ein unterdurchschnittliches Spiel (gegen Atlanta). Rodgers hatte mindestens ein wirkliches Graupenspiel (vs. Tampa in Woche 6).

#7 Rodgers durfte viel häufiger gegen volle Boxen werfen als Mahomes. Volle Boxen (Mann und mehr) ist tendenziell ein Zeichen dafür, dass Teams sich formieren um das Laufspiel zu stoppen. Das geht dann meistens auf die Möglichkeit, den Pass ideal zu verteidigen, weil weniger Spieler in Deckung sind.

Diese Trennung ist nicht absolut – die Ravens haben z.B. im Wildcard-Spiel gegen Tennessee gezeigt, wie man eine Box theoretisch zustellen kann ohne auf den Lauf zu überreagieren.

Über die ganze Saison aber hat Rodgers 21% seiner Würfe gegen 8-Mann-Boxen machen dürfen. Mahomes hatte in nur 9.5% seiner Passing-Plays diesen Vorteil.

Mahomes ist mein MVP

Nicht falsch verstehen: Rodgers hat eine Top-Saison gespielt – viel besser als erwartet. Wie Mahomes genießt er den Vorteil von starkem Coaching und einem hübschen Spielsystem. Er hat auf seine alten Tage noch einmal den Schalter umlegen können, sich auf eine neue Art Offense eingelassen und damit die Packers zu einem echten Contender gemacht. Dass es letztlich nicht gereicht hat, ist Pech.

Ich habe kein Problem damit, wenn Rodgers zum dritten Mal zum NFL MVP gewählt wird (Spoiler: er wird). Er hat sehr gute Argumente.

Aber Mahomes hat die besseren. Wenn wir die Zahlen auf der Oberfläche auseinandernehmen und einen genaueren Blick drauf werfen, dann spielte Mahomes unter schwierigeren Umstände gegen schwierigere Gegner annähernd gleich guten Football – und ist dabei der wichtigere Teil seiner Offense.

Hill/Kelce sind fantastische Waffen, aber Adams/O-Line darf man in dem Zug nicht diskreditieren. Wie Rodgers hinter einer „nur normalen“ O-Line gleich auch für irdischer aussieht, hat nicht zuletzt das NFC Championship Game gezeigt – nicht vergessen in dem Zusammenhang: Mahomes spielt ständig hinter so einer O-Line.

Rodgers war fantastisch. Mahomes war fantastischer.

12 Kommentare zu “Wer sollte NFL MVP 2020/21 werden?

  1. „Dass es letztlich nicht gereicht hat, ist Pech.“ Ich glaube, dass es nicht gereicht war eben nicht nur Pech, sondern eben in gewisser Weise auch die „Beschränktheit“ von Rodgers. Gerade im Championship Game wirkte er über weite Strecken statisch, wo es vielleicht notwendig gewesen wäre, zu scramblen und sich aus der Box zu lösen. Das 3rd Down vor dem berühmten Field Goal 2 Minuten vor dem Ende, war da schon sehr markant.

  2. Dass Adams den TD durch die Finger flutschen lässt, dass Lazard die falsche Route läuft, dass King dem Gegner das Trikot ausreißt, dass selbst *diese* Refs nicht anders können als DPI zu geben, lag aber nicht an Rodgers…

    In solchen engen Spielen kommt es eben auf einige wenige Plays an, und da braucht man eben das nötige Quäntchen…

  3. Ergibt sich aus den Pressuredaten nicht das OL event. größer WR?
    Was ich meine ist, dass es wichtiger ist meinem WR und QB genug Zeit zu geben, denn wenn ein Elite QB under Pressure nur noch 25. der Liga ist scheinen auch top WR das nicht zu verhindern.

  4. Jein. O-Line ist nicht allein verantwortlich für Pressure. Übern Daumen gepeilt sagt man, dass Pressure unter 2.5sek bis zum wurf auf die Line geht und über 2.5 sek auf QB/Play-Scheme.

    Selbst Mahomes, der recht viel schnelle Pressure gesehen hat, hat 80% der Plays unter 2.5 sek keinen Druck bekommen (Rodgers 93%).

    Hast du Receiver, die sich pfeilschnell freilaufen können, ist das dann recht unabhängig von der Qualität einer NFL-O-Line ein großer Gewinn.

    Dazu kommt, dass auch schnelle Pressure nicht immer gleich entsteht. Ist sie durch 4-Man-Rush gekommen oder durch Blitz? In letzterem Fall entsteht eine Lücke in der Deckung. Mahomes z.B. ist überragend im Ausnutzen solcher Lücken gegen Blitz, wohingegen andere QBs gegen den Blitz völlig eingehen.

    Viele NFL-Guys erzählen übrigens, dass OL > WR. Die meisten Analytics-Modelle sehen es anders. Auf jeden Fall ist für einen einigermaßen brauchbaren QB Highend-WR-Play wichtiger als Highend-OL-Play, weil selbst durchschnittlich gute Lines im Normalfall 2.5 sek lang halten.

  5. Pingback: Super Bowl 2020 Preview: Begegnung mit der Offense der Kansas City Chiefs | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  6. Keine Ahnung lieber Autor, in du das ließt, ABER:
    Rodgers hat den MVP allein deshalb verdient, weil er sich von letzter Saison auf diese Season komplett umgestellt hat und das extrem erfolgreich.

    Warum blockt denn die Oline der Packers dieses Jahr deutlich besser? Weil Rodgers seine dropbacks und seine time until throw deutlich reduziert hat.
    Und das quasi über die Spielpause zwischen den letzten beiden seasons. Mahomes ist gleich gut geblieben. Aber Rodgers hat so viel da reingesteckt mit so viel Erfolg. Allein dafür hat er den MVP verdient

  7. MVP bedeutet für mich, dass der Spieler der wertvollste für die Mannschaft ist. Deine ganze Argumentation sagt nur: der QB der Chiefs ist „more valuable“ als der QB der Packers, weil er häufiger eingesetzt wird (Ist jetzt überspitzt formuliert).
    D.h. die eigentliche Frage muss sein: Wie würden Packers / Chiefs performen, wenn man den QB gegen einen Durchschnitts-QB austauschen würde.

    Ich müsste den Artikel raussuchen, aber du hast das selber gemacht und da kam raus, dass sich bei den Chiefs exakt NICHTS ändert. Die Packers in der Offense aber von #1/#2 irgendwo ins Mittelfeld abfallen.

  8. Mooooment. Bei den Chiefs ändert sich in der Platzierung wenig, weil die mit Mahomes *so weit über allen anderen stehen*.

    Nach Anzahl Spread-Punkten ist Mahomes wertvoller als Rodgers.

    No surprises here.

  9. @Cedrik: Die Packers-OL hat nur in 7% der Snaps schnelleren Druck als in 2.5sek aufgegeben. Die Chiefs-OL in 19.5%. Ich denke es ist klar, welche O-Line die klar bessere ist.

    Packers waren in fast allen Metriken die #1.

    Rodgers mag sich im Vergleich zum Vorjahr stärker verbessert haben als Mahomes. Ist halt auch schwierig für Mahomes gewesen, noch besser zu werden.

  10. Pingback: Willkommen zum Superbowl-Sonntag 2021 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  11. Nachdem Allen ja auch Stimmen zum MVP bekommen hat, würde mich mal interessieren, wie er so im Vergleich zu Rodgers und Mahomes abgeschnitten hat. Wie groß ist der Abstand zu den beiden?

  12. Josh Allen 2020:

    Weniger EPA/Play, hatte aber 30 Plays mehr als Mahomes in einem Spiel mehr, in Prozent hatte Mahomes aber etwa 5% mehr Chiefs-Plays als Allen Bills-Plays

    Support-Cast: Bessere O-Line als Mahomes, breiterer WR-Corps als Rodgers

    Pressure: genaue Zahlen für quick Pressure sind noch nicht verfügbar, aber mehr als Rodgers, und weniger als Allen

    3rd/4th Down: Allen ist 10% over expectation, also besser als Rodgers, aber schwächer als Mahomes

    Schedule: Etwas schwierigerer Schedule als Mahomes (#13)

    Einzelne Spiele: wenige schlechte Spiele (z.B. im ersten spiel gegen New England eher mäßig)

    Über den MVP hinausgedacht: Allen würde ich in Summe noch nicht in einem Tier mit Rodgers/Mahomes behandeln. Allens Umstände 2020 waren nahezu ideal, wir müssen erst sehen ob er diese Performance noch einmal annähernd wiederholen kann.

    Wie sagte es jemand? Mahomes = Allen plus x, und es ist ein großes x.

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