Wo gibt es die notwendigen Infos zur Superbowl 2021?

Nachfolgend eine Linkzusammenstellung mit wesentlichen Informationen zum Superbowl-Matchup Tampa Bay Buccaneers – Kansas City Chiefs.

Wir sind in der Phase von Superbowl-Overkill. Die meisten relevanten Dinge zum Spiel am Sonntag sind schon geschrieben oder gesagt worden. Hier eine kurze Aufstellung um bestens vorbereitet zu sein.

Zuerst zum Wetter: Es wird wohl nicht wie zuletzt befürchtet regnen. Regen gibt es nur am Nachmittag. Am Abend soll es schon wieder trocken sein.

Der Breakdown der Passing Offenses

Die beste Analyse, die ich im Superbowl-Vorfeld zu den beiden Passing-Offenses der Superbowl gelesen habe, hat Timo Riske (PFF_Moo) bei PFF geschrieben. Sie ist allerdings hinter der Paywall versteckt – es braucht PFF-Abo.

Ein paar Nuggets:

  • Beide Passing-Offenses waren gemessen am Schedule Top-4
  • Die Chiefs sind extrem passlastig in 1st und 2nd Down, während Tampa Bay in 1st Downs überdurchschnittlich häufig in eine Mauer läuft, dafür aber im 2nd Down die zweithöchste Pass-Rate der NFL auspackt.
  • Tampas Offense 2020 trägt noch immer Bruce Arians‘ Stempel, aber wesentlich weniger ausgeprägt als die letzten Arians-Offenses. z.B. ist die durchschnittliche Tiefe der Routen vom 98ten Perzentil ins 71te Perzentil zurückgegangen.
  • Die Chiefs-Passing-Offense von 2002 ist konzeptionell näher an den Alex-Smith-Offenses als an den Mahomes-Offenses von 2018 und 2019.
  • Der Receiver-Corps der Chiefs ist fast vollständig auf Hill/Kelce zugeschnitten, während die Buccs wirklich alle ihre Playmaker ins Spiel bringen. Diese Playmaker ergänzen sich fast perfekt – jeder aus Evans (tiefes Passspiel), Godwin (Slot/Screens), Brown (Wideout, Slants), Miller (deep), Brate (Kelce für Arme), Gronkowski (Kurzpass + Seam) und Co. hat eine andere Stärke.
  • Brate wird ähnlich wie Hill eingesetzt; Gronkowski geht viel häufiger tief über die Seam-Routes

Einiges an der Analyse ist weniger als überraschend als „bestätigend“. Aber ich habe nach der Lektüre noch einmal ein besseres Verständnis für das was diese beiden Offenses machen.

Was sagt das Tape?

Die viertelstündige Tape-Analyse von J.T. O’Sullivan darf natürlich nicht fehlen. Sie ist vor einigen Stunden online gegangen:

Tape und Stats

Bei The Athletic haben Sheil Kapadia und Ted Nguyen wesentliche Aspekte der vier Phasen im Spiel herausgearbeitet: Chiefs Pass & Run, Bucs Pass & Run. Wie eigentlich immer bei dem Duo extrem lesenswert (Paywall).

Chiefs-Offense gegen Buccaneers-Defense

Adrian Franke hat das Duell bei SPOX perfekt zusammengefasst. Die Chiefs sind primär eine 11-Personnel Offense. Ihre Lieblingsformation ist 3×1 back weak, mit TE Travis Kelce isoliert auf der kurzen Spielfeldseite – und auf der anderen Seite Tyreek Hill ganz innen im Slot.

Spielen die Chiefs 12-Personnel, droht mehr noch als sonst Play-Action mit tiefem Wurf. Play-Action ist sowieso ein ganz wichtiges Element dieser Offense, wie auch Pre-Snap und Snap-Motion.

Diese einst für den tiefen Pass berüchtigte Offense war in den Playoffs gezwungenermaßen eine Kurzpass-Offense, weil die Gegner alle Mittel in die Verteidigung von langen Pässen steckten. War Mahomes und Co. wurscht: Sie dominierten eben underneath.

Gegen die Chiefs gilt:

  • Cover 1 oder Cover 3: Hill wird dich killen
  • Cover 2 oder Cover 4: Kelce wird dich schlagen
  • Cover 2 man: Mahomes-Scramble incoming

Die Buccs-Defense ist für gewöhnlich extrem blitz-lastig, doch Mahomes ist ein Meister gegen den Blitz. Im Regular-Season Duell zwischen den beiden Teams war Tampas DefCoord Bowles mit nur 17% Blitz eher konservativ. Ergebnis war trotzdem eine extrem effiziente Chiefs-Offense.

Ein Problem dabei: CB Carlton Davis wurde im 1-vs-1 gegen Tyreek Hill lange Zeit allein gelassen. Das ging fürchterlich schief – was nicht unbedingt etwas schlechtes über Davis aussagt. Man muss ihm aber am Sonntag mit einem Safety helfen.

Wie es Bowles anlegen wird, ist der spannende Ansatz: Aggressivität durch Press Coverage und Blitzing könnte zu mehreren Deep-Passes gegen Cornerbacks „on an island“ führen, aber eben auch zum einen oder anderen Turnover.

Doch wenn Bowles für einmal seinen patentierten Gameplan daheim lässt und es eher konservativ anlegt, dann am Sonntag: Die Chiefs O-Line ist verletzungsgeplagt und hat nur mehr einen geplanten Starter im Line-Up, während der 4-Mann-Passrush der Buccs um JPP, Shaq Barrett und Vita Vea zuletzt heißlief.

Wie Kansas City dieses mögliche Mis-Match dennoch kontern kann, zeigt Geoff Schwartz bei FOX.

Josh Hermsmeyer sieht in dem Mis-Match auch grundsätzlich gar keine allzu große Gefahr, denn Pat Mahomes ist auch mit sehr kurzer Time-to-Throw schier unschlagbar:

Sehr cool ist auch die Analyse zu den RPOs („Read Pass Option“) von J.T. O’Sullivan auf Youtube:

Bei For the Win: Super Bowl 55 Strategy Guide: Understanding the Kansas City Chiefs and how they play.

Beim Ringer: How the Gravitational Pull of the Chiefs’ Stars Unlocks Their Unstoppable Offense.

Beim Ringer: The Buccaneers’ Young Secondary Could Be the Key to Super Bowl LV.

Buccaneers-Offense gegen Chiefs-Defense

Auch hier beginnt die Analyse mit Adrian Franke bei SPOX. Auch Tampa ist primär eine 11-Personnel Offense, aber mit mehr 12- und 13-Personnel als die Chiefs. Tom Brady hat dabei einen besonders interessanten Offensiv-Split:

  • Sein aDOT von 9.4 Yards/Pass ist extrem hoch
  • Aber seine Time to Throw mit 2.4 Sekunden ziemlich niedrig

Das macht Brady schwierig zu greifen. Er wirft schnell und tief. Doch auch wenn Brady lange den Ball hält, ist er super. Prinzipiell wird er gut von einer starken Offense Line geschützt, ist aber anfälliger als früher gegen Blitz. Druck mag Brady auch nicht mehr so sehr – sein Leistungsabfall gegen Pressure ist stärker als in seiner Glanzzeit.

Tampa hat einen 1st-Down-Run-geradeaus-in-die-Mauer-Fetisch. In 2nd Down geht es meistens schon tief. Play-Action ist man erst seit der Bye-Week Anfang Dezember im NFL-Mittelfeld angekommen. Die ganze Offense verlässt sich eher auf die zweifellos vorhandene individuelle Qualität der Superstar-Receiver.

Wie wird das Playcalling der Buccs aussehen: Wieder viele verschwendete 1st Downs mit Run für 1 Yard? Oder kommen die Tendency-Breaker mit Play-Action-deep-shot?

Im Passspiel gibt es viele tiefe Routen. Brady hatte unter der Saison einen relativ langen Streak ohne Deep-Completions, aber just seit dem Spiel gegen die Chiefs ist das Problem behoben. Brady wirft exzellente tiefe Pässe – auch hier von J.T. O’Sullivan noch einmal schön herausgearbeitet.

Der Chiefs-Plan ist ziemlich in der Schwebe. DefCoord Spagnuolo hat Brady schon einmal in einer Superbowl geärgert – 2007/08, als er Bradys legendäre Offense bei 14 Punkten hielt – und Spags gilt als exzellenter „Match-Coordinator“. Er reagiert auf das, was die Offense macht, versteckt Coverages, bringt wohl getimte Blitzes (oft auch starke Blitzes mit 6 und mehr Mann). Spags spielt häufig mit vielen Defensive Backs. Du willst mich überlaufen? Dann mach doch!

Individuell können die Chiefs-Corner nicht ganz mit der Qualität der Buccs-Receiver mithalten. Aber gepaart mit dem Scheme, disguise coverage und Blitzes ins Herz der O-Line könnten doch einige Defensive Stops herausschauen.

Ein Mis-Match in der Buccs-O-Line gibt es auch: RG Aaron Stinnie war eigentlich nur third stringer. Er muss nun gegen DT Chris Jones starten. Jones muss gleichzeitig mental auf viel Trash-Talk von C Ryan Jensen eingestellt sein – Vorsicht vor einer Schlägerei!

Bei For The Win: Super Bowl 55 Strategy Guide: Understanding the Tampa Bay Buccaneers and how they play.

Sonst so

Lesenswert ist das Porträt von Chris Godwin von Robert Mays. Godwin ist ein ultimativer Sympath.

Gute Podcasts, die alles wesentliche zum Spiel erklären:

Auf dem Blog hier gibt es Superbowl-Coverage unter dem Tag „Superbowl 2021“ zu finden. Morgen schreibe ich noch etwas zu den Coaches in dieser Partie.

3 Kommentare zu “Wo gibt es die notwendigen Infos zur Superbowl 2021?

  1. https://theundefeated.com/features/secret-to-chiefs-eric-bieniemy-unstoppable-offense/

    Ich bin über einen inhaltlich nicht sonderlich spannendes Portrait von Eric Bieniemy gestolpert in dem mich ein Absatz stutzig gemacht hat.

    Bieniemy learned everything he needed to know about Mahomes in one post-draft conversation with Patrick Mahomes Sr. “If he ever steps out of line,” Mahomes Sr. said to Bieniemy, “you put hands on him. You got my blessing.”

    Für mein dafürhalten ist „put hands on him“ in diesem Kontext „steps out of line“ mit physischer Gewalt zu übersetzen. Wenn ich es richtig übersetzt hab, find ich das irgendwie bedenklich und es wirft einen traurigen Blick auf die Erziehungsmethoden von Mahomes Sr.
    Aber wer weiß vielleicht hab ich auch einfach zu viel „the wire“ geschaut und es hat nicht die Bedeutung die ich dem Absatz zuschreibe.

    Immerhin hat Bieniemy nicht geantwortet: “ that´s what i have done ever since….“ sondern

    “You know what? I have never had to do that,” Bieniemy says now, laughing.

  2. Pingback: Die Coaches von Superbowl 2021 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. Pingback: Willkommen zum Superbowl-Sonntag 2021 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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