NFL Offseason Ausblick 2021: NFC East

Teil 5 des Offseason-Ausblicks, und wir wechseln die Conference. Die erste NFC-Division unter der Lupe ist die NFC East, die 2020 eine beispiellose sportliche Talfahrt hinlegte. Der Divisionschampion Washington hatte negative Bilanz. Naturgemäß gibt es viel zu tun für die Roster-Bauer. Mindestens drei Franchises haben eine große Quarterback-Frage zu lösen.

Washington Football Team

7-9, Wildcard Playoffs
Power Ranking: #20
Cap Space: 38.2 Mio (#5)

Um das allerwichtigste vornewegzunehmen: Das Washington Football Team könnte dem Vernehmen nach auch 2021 unter dem aktuellen Namen bestreiten – und auch wenn das Social-Media-Team hart nach einem neuen Nickname presst, so scheint es in der Fan-Base durchaus zahlreiche Befürworter des momentanen „gesichtslosen“ Team-Namens zu geben.

Zum Sportlichen. 2020 war Washington Divisionssieger, aber die Verantwortlichen sollten sich nicht zu viel drauf einreden. Die Bilanz war 7-9. Der wesentliche Erfolgsbringer war die Defense.

Das ist kein allzu stabiles Rezept – auch wenn Washingtons Defense vor allem mit der dominanten Front gewann und nicht auf eine hochkarätig besetzte Secondary angewiesen war. Die möglichen Abgänge in der Defense sind wenige: EDGE Ryan Kerrigan, LB Reuben Foster, CB Darby. Alles keine zentralen Pfeiler mehr.

Ohnehin muss Washington seine Bemühungen in die Offense stecken. Cap Space ist reichlich da – und wenn man QB Alex Smith „post June 1“ entlässt, spart man weitere gut 20 Mio Cap-Space ein. Smith war mit seinem Comeback als zweibeiniger NFL-Quarterback eine phänomenale Geschichte – aber sportlich müssen wir nicht groß drüber reden: Da gibt es heute zahlreiche bessere Optionen.

Backup Tyler Heinecke hat in den Playoffs viele begeistert und auch schon neuen Vertrag bekommen. Aber der ist in der Range „unterbezahlter Backup“. Eigentlich muss Washington auf QB noch was machen – bloß was?

Im Deshaun-Watson-Rennen wird das Team nur selten genannt – aber Watson müsste eigentlich Prio 1 sein. Denkbar ist eine Reunion von Cam Newton mit seinem alten Coaching-Staff aus Carolina – aber die Optionen darüber hinaus sind wie bei vergleichbaren Teams eher limitiert. Im schlimmsten Fall fällt das Football Team hinten runter und muss mit Heinecke in die Saison gehen.

Egal wer QB wird: Es gilt zwei weitere Positionen in der Offense zu upgraden. Einmal ist da die O-Line, wo OG Brandon Scherff Free Agent ist und auch Left Tackle händeringend nach einem neuen Starter gesucht wird. Da der in San Francisco Free Agent werdende Trent Williams unmöglich zurückkehren wird, könnte es ein 1st Round Tackle werden…

…was eine zweifelhafte Investition wär, denn Washington muss v.a. im Receiving-Corps nachlegen. WR Terry McLaurin ist ein Juwel, aber er ist der einzige Receiver von Format. Antonio Gibson hat sich als ganz gute Playmaking-Waffe erwiesen, Gandy-Golden könnte auch noch was werden – aber es braucht eigentlich zwingend eine „WR2-Waffe“, sei es in Free Agency oder im Draft. Beide Optionen bieten zahlreiche Möglichkeiten.

Wie groß der Sprung dieser Mannschaft sein kann, hängt aber an der QB-Lösung, die gefunden wird. Watson ist nicht wahrscheinlich – also wird es ein „Stopgap“ oder einer der Rookies aus der zweiten Reihe. Quarterback ist die never ending saga in Washington. Erst wenn die Franchise den Richtigen gefunden hat, kehrt zumindest im sportlichen Teil Ruhe ein.

New York Giants

6-10
Power Ranking: #26
Cap Space: 900k (#19)

Quarterback haben die Giants bereits – zumindest geht die Erzählung von GM Dave Gettleman so, seit er vor zwei Jahren drei Snaps von Daniel Jones während der Senior Bowl sah.

Die „Gettleman Giants“ sind eigentlich ein trauriges Thema, über das ich gar nicht so viel schreiben möchte. Sie sind meisterhaft darin, sich abgrundtief schlechte Bilanzen schönzureden (von 5-11 auf 4-12 auf 6-10) – und viel schlimmer noch: Sich einzureden, dass diese Bilanzen den eingeschlagenen Weg (Lauf-Offense und Lauf-Defense als Prioritäten #1) bestätigen!

Was soll man noch sagen? Cap-Space ist nicht viel da – es sei denn, man feuert enttäuschende Veterans wie OT Nate Solder oder WR Golden Tate um mal über Nacht an die 20 Mio. zu generieren um die Fere Agent-D-Liner Leonard Williams und Dalvin Tomlinson zu halten. Ohne Scheiß: Solche Verlängerungen trotz zahlreicher anderer Lücken sind Gettleman ohne mit der Wimper zuzutrauen.

Dann wäre da noch der richtig schwach besetzte Left-Guard-Spot und die Frage, was man mit OT Andrew Thomas nach dessen verwachstem Rookiejahr macht. Zuzutrauen ist Gettleman ein Nachlegen auf Offenive Tackle allemal.

Prinzipiell klingt auch der Receiver-Corps wie eine Schwachstelle. Tate hatten wir als mögliche „Cap-Casuality“ schon – und dann ist die Frage, wer den „vierten Mann“ in der 11-Personnel Aufstellung (Giants spielen extrem viel 11-Personnel) hinter TE Evan Engram, WR Sterling Shepard und WR Darius Slayton gibt. Beziehungsweise: Den „ersten Mann“. Denn ein starker WR1 fehlt Big Blue.  

Defensiv galt letzte Saison insbesondere der unterirdische Edge-Rush als Problem. Der ist direkte Folge aus zahlreichen Investments in die interior-D-Line, aber null Ressourcen (eher Verkäufe wie JPP oder Olivier Vernon) an den Flanken. Gut denkbar, dass Gettleman hier Draftpicks nachlegt.  

Dallas Cowboys

6-10
Power Ranking: #22
Cap Space: 18.4 Mio (#12)

Die Cowboys waren eine der großen Enttäuschungen der Saison. Sie stehen in dieser Offseason zum x-ten Mal vor der „Dak-Frage“: Den jungen QB Dak Prescott verlängern oder nicht? Prinzipiell scheinen beide Parteien gewillt zu einer weiteren Zusammenarbeit zu sein – aber nicht um jeden Preis bzw. nicht in jeder Vertragsdauer.

Die Geschichte geht so: Dallas bietet Dak genug Kohle – aber Dak will einen so kurzen Vertrag wie nur möglich. Lieber vier als fünf Jahre; Grund: Er möchte in einigen Jahren mit gestiegener Salary-Cap noch einmal ordentlich abcashen. Wer will’s dem ex 4th Rounder, der jahrelang unter einem der billigsten QB-Verträge der NFL spielen musste, verdenken?

Für die Cowboys ist die ganze Salary-Cap-Lage allerdings eher schwierig: Man hat zwar 18 Mio Cap-Space – aber auch zahlreiche Free Agents: Prescott, Backup-QB Andy Dalton, EDGE Aldon Smith, CB Jourdan Lewis, CB Chidobe Awuzie, LB Sean Lee, C Joe Looney.

Und noch ein paar andere Rotationsspieler. Da könnte einige Tiefe zur Tür hinausgehen. Der Prescott-Deal allein wird um die knapp 40 Mio/Jahr kosten. Es ist weiter anzunehmen, dass sich die Parteien einigen können. Aus finanzieller Sicht wäre Dak wie jeder Cowboys-QB vielleicht gut beraten, einen kleinen Rabatt zu geben – keine Position in der NFL ist vermarkungstechnisch optimaler als Dallas.

BTW: Ich höre seit über einem Jahr überall, dass Dallas einen Fehler gemacht habe, Dak nicht vorzeitig zu extenden. Dazu zwei Anmerkungen:

  • Richtig ist, dass Dallas mit der Fokus-Reihenfolge „1. Runningback, 2. Linebacker, 3. Wide Receiver, 4. Quarterback/Cornerback” vertragstechnisch wie in den 40er Jahren operiert hat und vor allem Zeke Elliotts Vertrag immer ein schlechter Witz war.
  • Richtig ist auch, dass man einen Prescott nicht wie einen Mahomes oder Watson behandeln sollte. Ohne Elite-Waffen war Prescott eine ganz Ecke ineffizienter. PFFs Datenanalysten haben noch vor zwei Jahren, vor Daks neuerlichem Breakout 2019 mit super Receiver-Waffen, geschrieben, man solle vor einem Rekordvertrag zurückscheuen.

Jetzt wird Prescott zweifellos etwas teuer als er damals gewesen wäre. Doch jetzt gibt es auch mehr Sicherheit ob seiner Qualität. Mein Take dazu: Prescott ist einer dieser fringe Top-10 QBs, die ideale Umstände in großartige Stats umwandeln kann. Die Umstände in Dallas sind zweifellos gute mit einem WR-Trio Amari Cooper/CeeDee Lamb/Michael Gallup.

Daks anderer Vorteil: Ohne Prescott haben die Cowboys keine QB-Lösung. Wenn seine schwere Verletzung letzte Saison eines gezeigt hat, dann dass er meilenweit besser ist als Andy Dalton. Das haben noch im Sommer viele anders gesehen („Dak ist nur ein System-QB“). So könnte die Zwangspause sogar ein Gutes für Prescott gehabt haben.

Die andere Position in der Offense, auf der es schön langsam etwas zu machen gilt: O-Line.

  • LT Tyron Smith kommt in die Jahre und hat längst nicht mehr die Klasse alter Tage
  • C Joe Looney ist Free Agent und war eh schon kein gutes Replacement für Travis Frederick
  • RT La’el Collins hat die ganze Saison mit Hüftverletzung verpasst; wenn fit, ist er ein Guter.

Auf Center könnte eventuell der letztes Jahr gedraftete Tyler Biadasz aus Wisconsin die Nachfolge antreten – aber dann gilt es immer noch, zumindest einen vernünftigen Backup-Tackle aufzustellen. Wo man auch eher wackelig besetzt ist: Tight End.

Die viel größere Baustelle ist aber die Defense. Defensive Tackle ist extrem mau besetzt (2nd year Tackle Nevin Gallimore momentan nominell bester Mann) und die ganze Secondary muss umgebaut werden. Die Boys haben fast alle besseren Starter der letzten Jahre verloren und nur der letztjährige 2nd Rounder Trevon Diggs ist Frischblut.

Weil die Cap-Situation mit einem Prescott-Vertrag selbst nach Restrukturierungen von Leuten wie WR Cooper, LB Jaylon Smith oder EDGE Demarcus Lawrence nicht so brillant ist, dürfte Jerry Jones eher nach billigen Routiniers auf Prove-it Deals und den Draft aus sein.

Cool wäre ein CB Caleb Farley an #10. Aber darauf kannst du dich nicht verlassen. Um nicht auf einen solchen Glücksgriff angewiesen zu sein und eventuell sogar Cornerbacks „overdraften“ zu müssen, sollte Dallas schon in Free Agency 1-2 preiswerte Oldies holen.

Philadelphia Eagles

4-11-1
Power Ranking: #29
Cap Space: -43 Mio (#31)

Wie brutal die Eagles abgewirtschaftet haben, muss man nicht mehr ausführen. Nach der Entlassung von Doug Pederson und dem fast unvermeidlichen Trade von QB Carson Wentz steht der totale Umbruch bevor.

Schritt 1 ist getan – Wentz als von der Mannschaft nicht mehr akzeptierter Leader ist weg.


Schritt 2 betrifft die Salary-Cap, die aufgeräumt werden muss. Wentz schreibt für die anstehende Saison 34 Mio. Dead-Cap an. Die Eagles haben letzte Woche noch den 35-jährigen WR Desean Jackson entlassen, womit sie Stand jetzt „nur noch“ 43 Mio. über der prognostizierten Salary-Cap von 2021 liegen.

Die Eagles haben momentan zuzüglich zu Wentzes Dead-Cap noch gleich acht Leute mit über 10 Mio Cap-Zahl (Quelle: OTC):

Es wird also weitere Umstrukturierungen brauchen. Viele Spieler mit hohen Cap-Zahlen haben bei Entlassung sogar negative Camp-Implikationen auf 2021 (rote Zahlen in der letzten Spalte), sofern man die Entlassung nicht als „post June 1“ deklariert.

EDGE Derek Barnett und WR Marquise Goodwin sind logische Entlassungskandidaten und sparen insgesamt um die 15 Mio. Auch WR Alshon Jeffery und DT Malik Jackson leben gefährlich: Als „post June 1“ deklariert, wird ihr Dead-Cap auf zwei Jahre aufgeteilt und für 2021 gibt es leichte Ersparnis.

Doch allein Cuts reichen nicht aus um diese desaströse Cap-Situation auszumerzen, weswegen es auf einige Restrukturierungen und Extensions hinausläuft. Und da will man nur den künftigen „Kern“ beglücken und sich keinen zusätzlichen Ballast aufhalsen.

DT Fletcher Cox wäre mit fast 24 Mio Cap-Zahl bei 15 Mio Fixgehalt (erste Spalte) ein logischer Kandidat für so eine Restrukturierung. Cox ist allerdings schon 31. Allzu weit möchte man die Abschreibung nicht fortführen, sonst läuft man halt in zwei Jahren in die gleichen Probleme.

Das nur, um einen kleinen Einblick in die Überlegungen zu geben, die man in Philly anstellen muss. Es ist eine ziemlich knifflige Aufgabe. Dass man trotzdem gewillt war, Wentz abzugeben zeigt, wie sehr man mit dem Rücken zur Wand gestanden hat. Der Blow-Up war der einzige Weg aus dem Schlamassel ab dem Moment, ab dem Wentz in sich zusammengebrochen ist. Aber ein Blow-Up ist nicht immer eine schlechte Sache, weil er die Chance auf einen Neustart bringt.

GM Howie Roseman gilt trotz des Wentz-Fiaskos als durchaus guter Cap-Jongleur. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Philly versuchen wird, mehrere seiner Free Agents zu halten (u.a. OT Jason Peters, EDGE Vinny Curry, DB Jalen Mills, CB Robey-Coleman) – letztgenannter Slot-Corner Robey-Coleman ist die wahrscheinlichste Verlängerung.


Schritt 3 betrifft die Entscheidung ob der künftigen Besetzung der Quarterback-Position. Jalen Hurts ist schon da und könnte eventuell übernehmen – er sah in kurzer Einsatzzeit letzten Dezember ganz ordentlich aus. Aber es ist auch gut denkbar, dass die Iggles von ihrem #6 Draftpick ausgehend auch nochmal auf „Franchise“-QB-Material losgeht: Entweder via Trade hoch in die Top-3, oder aber an #6 sitzend und nur dann zuschlagend, wenn einer der gewünschten Kandidaten fällt.

Die Eagles könnten angesichts ihrer verzwickten Lage aber auch versuchen einen Downtrade einzufädeln um den verwaisten Kader mit so vielen Talenten wie möglich aufzufüllen. Oder sie könnten auf einen Verteidiger wie LB Micah Parsons losgehen – ein Junge, der in Pennsylvania College gespielt hat und als größtes Linebacker-Talent seit Äonen gehandelt wird. Linebacker ist seit Jahren grotesk schlecht in Philly besetzt – zu einem Punkt, dass es die ganze Defense runterzog.

Freilich ist die To-Do-Liste wahrscheinlich zu lang für eine einzige Offseason. Um egal mit welcher Quarterback-Lösung schon 2021 wieder Playoff-fähig zu sein, müsste neben den schon genannten Positionen noch etwas erprobte Qualität auf Wide Receiver, mehr Tiefe für die immer dünner werdende Offense Line, etwas Tiefe für die D-Line und deutlich mehr Qualität auf Cornerback erwünscht – also im Prinzip wäre überall a bissl was zu tun!

Philly ist als Großbaustelle eine der spannendsten Mannschaften in dieser Offseason, so viel ist klar. Cap-Sicht, Draft-Sicht, Team-Building-Sicht: Hier gibt es an allen Fronten aufschlussreichte Überlegungen.

3 Kommentare zu “NFL Offseason Ausblick 2021: NFC East

  1. Weiß nicht ob Roseman so der Cap Guru ist bei der Gesamtsituation. Klar wenn Wentz nicht so abstinkt ist alles halb so schlimm, aber ein DT mit 23 Mio und Hargrave 15 Mio Cap Number und negative Cap Ersparnis, das sieht doch nicht so gut aus.

  2. Wilson ist für 3 1st+ auch zu haben.
    Dov Kleiman (@NFL_DovKleiman) Tweeted:
    @RapSheet @CSimmsQB Report: A third of the league has reached out to #Seahawks about Russell Wilson, per @MikeSilver

    The price for Wilson starts at „3 first round draft picks“ according to Silver. https://t.co/uTgIuY7OTE

    Wäre auch was für WFT. Kann man auch bei der O-Line sparen.

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