Dallas Cowboys verlängern mit Dak Prescott

QB Dak Prescott hat seinen Willen durchgesetzt und einen Vierjahresvertrag über 160 Mio. Dollar bei den Dallas Cowboys unterschrieben. Eine kurze Analyse, und ein Blick auf ein paar weitere Moves von letzter Nacht.

Prescott bekommt 126 Mio. guarantees, was einen neuen „non-Pat-Mahomes“-Rekord bedeutet und in etwa 7 Mio. mehr ist als Deshaun Watson kassierte. 66 dieser 126 Mio. sind „Signing Bonus“, also Handgeld zur Unterschrift. Auch das ist ein neuer Rekord und übertrumpft Russell Wilson um eine Million.

Prescotts Fixgehalt im ersten Jahr beträgt zusätzliche 9 Mio., wodurch wir von einem Cash Flow von 75 Mio. Dollar in den ersten 12 Monaten sprechen. Da kann sich das Kassenpatient nicht beschweren.

Prescott bekam sogar seine gewünschte Vertragslaufzeit: Vier Jahre. Dallas wollte nur fünf Jahre – doch Prescott möchte so schnell wie möglich ein zweites Mal abkassieren.

Dallas nutzt in dem Vertrag ein fünftes Jahr als „void year“ um den Signing Bonus über die maximal möglichen Laufzeit abzuschreiben. Die 66 Mio. werden über fünf Jahre mit jeweils 13.2 Mio. abgeschrieben.

Das Detail vom Vertrag haben wir hier – das zweite void year in 2026 steht schon für künftige Restructures bereit:

JahrFixHand-GeldRoster guaran
teed
Cap ZahlCash FlowDead Cap
20219M13.2M09M22.2M75M95M
202220M13.2M020M33.2M20M72.8M
202331M13.2M0044.2M31M39.6M
202429M13.2M5M047.2M34M26.4M
2025void13.2M13.2M13.2M
2026void
Summe89M66M5M29M160M160M
Fix = Fixgehalt, Zahlen von OTC

Die Fixgehälter der ersten beiden Jahre sind garantiert, und das Gehalt für 2023 wird schon nächsten Frühjahr ebenfalls frühzeitig in garantierte Kohle umgewandelt. Da Prescott dann sowieso wegen exorbitanter Dead-Cap unkündbar ist, wird er die 126 Millionen sicher ausgezahlt bekommen – und dann muss Dallas in drei Jahren entscheiden, ob man Prescott mit 47 Mio. Cap-Space halten oder verlängern will.

Der Deal zeigt einmal mehr: Gute Quarterbacks haben in der NFL eine unfassbare Verhandlungsmacht. Dallas konnte es sich nicht leisten, Prescott ziehen zu lassen, weil die Cowboys dann ohne valide Alternative dagestanden wären. Eine zweite Franchise Tag in Folge wäre kaum machbar gewesen, weil sie fast 38 Mio. vom Gehaltsbudget aufgefressen hätte. Mit der Verlängerung drückt Dallas die Cap-Zahl für die laufende Saison auf nur noch 22 Mio. und behält sich damit etwas Platz um noch vernünftige Einkäufe zu machen.

Prescott bekommt überdies eine No-Trade und No-Franchise-Tag Klausel, und ich habe heute Nacht irgendwo aufgeschnappt, dass die Cowboys sogar „Vertrags-modalitätentechnisch“ die Franchise Tag auch heuer ziehen – für ganz kurze Zeit, ehe Prescott dann offiziell nächste Woche den Langzeitvertrag unterschreibt. Weil pro Spieler mit jeder Franchise-Tag der Wert um mindestens 20% vom letzten Mal ansteigt, würde auch nach der Station Dallas kein Team so schnell mehr auf die Idee kommen, ihm noch einmal das ungeliebte Preisschildchen überzustülpen.

Mit Patrick Mahomes lässt sich zwar weder ein Spieler noch ein Vertrag richtig messen, aber wenn wir es so runterbrechen, dann ist Prescott in „Mahomes-Range“ mit seinen 40 Mio/Jahr: Mahomes hat einen 40 Mio/Jahr Vertrag in den ersten fünf Jahren, und einen 50 Mio/Jahr Vertrag in den zweiten fünf Jahren.

Andere APYs (Average per Year) von QBs: Deshaun Watson 39 Mio, Russell Wilson 35 Mio, Jared Goff 33.5 Mio, Aaron Rodgers 33.5 Mio, Kirk Cousins 33 Mio, Carson Wentz 32 Mio, Matt Ryan 30 Mio, Ryan Tannehill 29.5 Mio.

Dallas hat mit dem langen Warten auf den Prescott-Vertrag letztlich wohl draufgezahlt. Sogar, wenn die Cowboys nach drei Jahren aussteigen, so hat man inklusive der Franchise-Tag letztes Jahr fast 160 Mio. für die vier Spielzeiten 2020 bis 2023 gezahlt. Das sind über 39 Mio/Jahr und wohl um einiges mehr als das, was Prescott vor einem Jahr ausgehandelt hätte.

Prescott in Dallas

Prescott gilt in Fachkreisen als sehr guter „Tier 2“ QB. Er ist nicht so gut wie die Liga-Elite Mahomes, Deshaun Watson, Russell Wilson, Tom Brady. Aber mit entsprechendem Support-Cast hat Prescott in zwei seiner vier vollen Profijahr Elite-Stats abgeliefert. Letztes Jahr hat man nach seiner Achillessehnenverletzung gesehen, wie die Offense ohne ihn aussieht: Eine ganze Ecke harmloser.

Prescott hat in Dallas einen ziemlich geilen Support-Cast: Das WR-Trio Amari Cooper, Ceedee Lamb und Michael Gallup ist eins der besten in der NFL, die O-Line wird nach einem brutal verletzungsgeplagten Jahr wieder gesünder sein, und RB Tony Pollard hat in den letzten Jahren ziemlich gute Explosivität angedeutet. Wenn man auf Tight End noch ein Upgrade findet, ist Dallas mit explosiver Offense ein paar Defense-Verbesserungen davon entfernt, die NFC East zu dominieren.

Außerdem ist es werbetechnisch immer ein Vorteil, in einem der populärsten US-Teams den QB zu geben. Prescott hat nach Jahren unter einem Minimalvertrag als 4th Round Pick 2016 jetzt endgültig ausgesorgt.

Quick Learning

Das Dak-Prescott-Kapitel wird damit nach Jahren des Dramas erstmal geschlossen. Wir haben gelernt:

  1. Gute bis sehr gute Quarterbacks bekommen das, was sie wollen.
  2. Auch schwere Verletzungen können dieser Verhandlungsmacht wenig anhaben.
  3. Warte also nicht zu lange, bis du ihn an dich bindest.

Vor allem: Gibt nicht zuerst deinem Runningback, deinen Linebackern, Guards und allen anderen Spielern die fetten Verträge ehe du dich um den QB kümmerst. Die Cowboys sind zwar jetzt ein potentes Team, wenn alle fit sind, aber die ersten Stars wie CB Byron Jones hat man schon verloren, und gute Kadertiefe lässt sich ohne sensationelle Drafts kaum wiederherstellen. Und auf die kann man sich nicht verlassen.

Die weiteren Moves von letzter Nacht

Letzte Nacht sind noch ein paar weitere Roster-Moves gemacht worden. Washington hat OG Brandon Scherff die Franchise-Tag gegeben, die Jets haben sie S Marcus Maye gegeben. Für Scherff ist es die zweite Tag in Folge – der Mann kostet ohne eine Extension nun um die 18 Mio. für 2021.

Bei Maye muss man schauen wie sich die Situation entwickelt. Die Jets senden Signale aus, dass sie einen Langzeitvertrag wollen – aber Mayes Agent deutete bei Twitter bereits an, dass das bloß Lippenbekenntnisse seien und die Jets – mal wieder – nicht mit guten Absichten verhandelten.

Und die Titans haben ihren Mega-Bust OT Isaiah Wilson, den 1st Rounder 2020, schon nach einer Saison für einen 7th Rounder nach Miami verkauft. Wilson hat es sich in Tennessee mit allen verscherzt, weil er nach seiner Unterschrift nicht den Ansatz von Lust auf NFL-Football andeutete. Er spielte in der ganzen Saison genau 3 Snaps – bei drei Kneel-Downs in Victory-Formation.

Über die genauen Implikationen mit Dead-Money und Möglichkeiten, Geld von Wilson zurückzufordern, hat Jason Fitzgerald geschrieben. In short: Tennessee schluckt den Löwenteil der Dead-Money (4.5 Mio), aber als später 1st Rounder (Pick #29) war Wilson gar nicht so teuer. Miami hat quasi keine Kosten und kann sich nun anschauen ob Wilson wirklich so bocklos ist wie alle sagen, oder ob man da vielleicht doch noch was machen kann.

Wenn ja, hat man einen hohen Pick für lau bekommen. Wenn nein, Mund abputzen und ohne Schaden weitermachen.

12 Kommentare zu “Dallas Cowboys verlängern mit Dak Prescott

  1. Mal ernsthaft: Wie kann es eigentlich dazu kommen, dass ein Wilson in der ersten Runde vom Board geht, wenn er so offensichtlich überhaupt nicht vor hat, Football zu spielen und einfach nur absahnen will?

    Die Prospects müssen doch jedes Jahr durch den sprichwörtlichen Fleischwolf und werden tausende Male interviewt. Ist seine Einstellung da keinem aufgefallen?

    Dann muss I.Wilson ja einer der größte Blender der Draftgeschichte sein.

  2. Freut mich für Dak. Ich verstehe nicht warum so viele skeptisch gegen Dak sind, er hat doch meistens Top Leistungen erbracht, auch schon bevor das WR Trio in place war?

    Bei den PFF Free Agents ist Dak einmal als Top 3 Value, und einmal Top 10 Value gewesen. Da müsste seine Extension ja ein Nobrainer sein?

  3. Prescott hat halt ein paar Flauseln.

    Vor dem Cooper-Einkauf war er zwei Jahre nur um #20 bis #22 in den Effizienzmetriken, und seit er das mega Waffenarsenal hat, ist er zwar sehr gut, aber nicht ganz Mahomes-Range.

    Er ist überall sehr gut, seit die Waffen da sind, aber eben doch den Tacken unterhalb den Elite-QBs, die entweder ohne vergleichbare Receiver fast gleich gute Effizienz erzielen, oder aber mit sehr guten Receivern *bessere*.

    Sein Route/Target Chart lässt außerdem vermuten, dass er die tiefe Spielfeldmitte zu selten attackiert. Dallas läuft überdurchschnittliche viele Routen dorthin, Prescott wirft unterdurchschnittlich häufig in diese sehr effiziente Zone.

    Richtig ist: Es fehlt nicht viel für ganz oben.

  4. „Prescott hat in Dallas einen ziemlich geilen Support-Cast: Das WR-Trio Amari Cooper, Ceedee Lamb und Michael Gallup ist eins der besten in der NFL, die O-Line wird nach einem brutal verletzungsgeplagten Jahr wieder gesünder sein, und RB Tony Pollard hat in den letzten Jahren ziemlich gute Explosivität angedeutet. Wenn man auf Tight End noch ein Upgrade findet, ist Dallas mit explosiver Offense ein paar Defense-Verbesserungen davon entfernt, die NFC East zu dominieren.“

    Geiler subtiler Diss 🙂 Wer da wohl fehlt 🤔

  5. Wie hoch siehst du die Gefahr, dass der Dak Deal zu so einem Fiasko wie Goff und Wentz wird? Sagen wir, in zwei Jahren?

  6. Risiko ist definitiv da. Zu beziffern schwierig, vielleicht 20%?

    2017 oder 2018 hätte man mit einiger Sicherheit gesagt, dass Dak QB3 in dem Trio ist. 2016 und 2019 war er QB1. Es ist definitiv kein Slam Dunk.

    Der Support-Cast hilft definitiv, die Gefahr abzufedern, weil der „Floor“ mit dem Personal zumindest diese und nächste Saison recht hoch ist (3 OL-Starter kehren zurück, TE Jarwin idem).

    Das Problem ist eher, dass Prescott mit so einem Cap-Hit gar nicht so übel einbrechen muss wie Wentz, damit es schnell problematisch ist. Sagen wir, Prescott erlebt Regression auf den QB15, was durchaus denkbar ist. Dann tut dieser Deal sofort weh, weil nicht genug Geld da ist um den QB „wettzumachen“.

  7. Danke für die Einschätzung! Der Deal ist einfach sehr teamunfreundlich meiner Meinung nach, wie du schon geschrieben hast, auch weil der Owner Zeke und andere priorisiert hat.

    Hoffe, dass es den Boys nicht um die Ohren fliegt, Dak ist vier Jahre fix gebunden jetzt mit Gefahr von neuen Restrukturierungen.

  8. Das Handgeld ist surreal: Dallas hat die nächsten fünf Jahre garantiert 13mio weniger Cap pro Saison, selbst wenn Dak morgen vom Bus überfahren wird.
    Und dann diese irrwitzigen garantierten Beträge in den ersten drei Saisons? Jerry Jones glaubt wohl echt, dass Gott durch das Loch im Stadiondach zuschaut und ein Dallas-fähnchen schwenkt. Defensive Ends, die von der Blindside kommen, werden vom Blitz erschlagen.
    Jerry Jones ist doch eigentlich ein Geschäftmann. Dass er da kein Hintertürchen einbauen konnte? Oder zumindest sagen „Hey Dak, Du brauchst noch ein paar Mitspieler. Lass uns noch was Geld übrig, sonst stehst Du bald nur noch mit UFAs auf dem Feld“?
    Ich kann noch nicht mal sagen, dass ich es dem sympathischen Dak gönne, weil sich mir der Unterschied zwischen 20mio und 60mio absolut nicht erschliesst. Wenn Dak wirklich einen Ring will, hätte er m.M.n. einen Bradyvertrag machen müssen.

  9. Pingback: NFL Free Agency 2021 Vorgeplänkel: Die Franchise Tags sind vergeben | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  10. Die Cowboys hätten Dak letztes Jahr oder vor 2 Jahren zu deutlich besseren Konditionen langfristig binden können. Ich würde da nicht den Spieler blamen für die Unfähigkeit der Organisation. Zeke kann man 2022 schon entlassen, 2023 ist es quasi eh Pflicht.

  11. Pingback: Dallas Cowboys Draft-Recap 2021: Da war mehr drin! | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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