NFL Free Agency 2021 Vorgeplänkel: Die Franchise Tags sind vergeben

Die Free Agency wirft die ersten Schatten voraus. Gestern haben etliche Franchise Tags schon einige Aufregung im heurigen NFL-Transfermarkt kaputt gemacht.

Franchise Tags

Die Salary Cap soll im Mittel nicht mehr“ als 183 Mio. betragen. Da der genaue Wert noch immer nicht bekannt ist, sind auch die präzisen Cap-Werte noch nicht festgefroren. Prinzipiell sind diese Zahlen im Raum:

  • WR 15 Mio
  • OL 13.6 Mio
  • DT 19.3 Mio
  • S 11.2 Mio

Franchise Tags betreffen direkt zwar nur die getaggten Spieler, sind aber in vielen Verhandlungen ein unangenehmer Störfaktor, die den Preis für Highend-Spieler drücken.

WR Chris Godwin / Buccaneers. Die Buccs versuchen offenbar, ihren Superbowl-Kader mit allen verfügbaren Mitteln zusammenzuhalten. Godwin, nicht EDGE Shaq Barrett, bekommt die Franchise Tag – und das ist verständlich, denn für Barrett wäre es die zweite Tag in Folge gewesen. Ergo: Sie wäre teuer geworden. Womöglich versucht Tampa, mit Barrett noch zu verlängern.

Aber auch Godwin zu taggen, klingt für mich nach Ziel Extension. Godwin ist einer der besten Receiver in der NFL, auch wenn er letztens in den Playoffs gegen Washington ein paar schlecht getimte Drops einbaute. Godwin ist einer Spieler, die ich liebe. Obwohl Godwin nie eine klare #1 war, ist er außen wie innen einsetzbar und kann prinzipiell alle Rollen inklusive Blocker spielen. Tom Bradys „Chemie“ mit Godwin schien nicht so gut zu sein wie mit anderen Receivern, aber kann ja noch werden.

WR Allen Robinson / Bears. Robinson ist ein in der Öffentlichkeit extrem unterschätzter Receiver, weil er ohne vernünftige QBs keine Weltklassezahlen auflegt.

Der allgemein Tenor bei Robinson ist: „Hat keine Lust mehr auf Chicago – wenn die Bears keine QB-Lösung erarbeiten.“ Diese QB-Lösung könnte Russell Wilson sein. Könnte mit sehr großem K. Prinzipiell klingt ein Wilson-Move noch immer wie Träumerei, auch wenn Twitter gestern Tag der Interpretationen hatte:

Robinson, der seit Highschoolzeiten mit keinem vernünftigen Quarterback mehr zusammengespielt hat, bleibt damit eventuell ein Kandidat für einen Trade – z.B. wenn er wirklich keine Lust mehr auf vorbeisegelnde Bälle hat. In dem Fall wäre Chicagos Tagging vor allem damit erklärbar, dass man für Robinson maximale Kompensation herausschlagen möchte und nicht erst auf einen etwaigen Compensatory-Pick 2022 warten kann (erinnere dich: GM Pace steht unter enormen Erfolgszwang).

Aber der Move macht auch kurzfristige Probleme: Robinson kostet 20% Aufschlag auf die 15 Mio, weil er zum zweiten Mal in seiner Karriere „getagged“ wird sein Gehalt letzte Saison bei 15 Mio lag, und die Franchise Tag immer mindestens 20% über dem letzten Gehalt liegen muss. Die Bears haben jetzt einige Arbeit bis Anfang nächster Woche, denn sie liegen mit dem Robinson-Move wieder 20 Mio. über der Salary-Cap. Könnte sogar ein Trade unmittelbar bevorstehen?

Keine Franchise Tags gab es für WR Kenny Golladay (Detroit) und Will Fuller (Texans), die damit zu den Top-Free-Agents auf Receiver zählen werden.


OT Cam Robinson / Jaguars. Ein verblüffender Move. Die Jags haben haufenweise Cap-Space und werden wohl QB Trevor Lawrence draften, also scheint die Denke hier zu sein: Gib uns zumindest ein Jahr lang halbwegs Sicherheit auf Left Tackle (auch wenn man Sicherheit bei Robinson unter Anführungszeichen setzen müsste). An sich ist Robinson als eher mittelprächtiger Tackle mit den knapp 14 Mio Preisschildchen doch deutlich überzahlt.

OT Taylor Moton / Panthers. Moton gilt da schon als besseres Kaliber. Moton war in Carolina Right Tackle, und seine Stärken sollen in Pass-Protection liegen. Also an der richtigen Stelle. Für die Panthers war Moton wohl ein Fall von „irgendwo musst du beginnen“: Es gab fünf Free Agents in der O-Line, und man will zumindest 2-3 halten. Also taggt man den besten um nächste Woche nicht auf dem freien Markt in ein Wettbieten gezwungen zu werden oder im Draft plötzlich den Need zu spüren, an #8 statt eines QB doch einen Tackle draften zu müssen.

OG Brandon Scherff / Washington. Hatten wir gestern schon: Scherff ist einer der besten Guards in der NFL, aber seine Franchise Tag kostet halt 20% Aufschlag, weil sie die zweite in Folge ist. Die Rede ist von ca. 18 Mio. Das ist ein heftiger Preis für einen Guard – auch für Washington, das viel Cap-Space hat.


DT Leonard Williams / Giants. No surprise here. Giants-GM Dave Gettleman liebt nix mehr als fette Run-Stuffer, die nix im Passrush beitragen. Auch wenn sein Versuch, die Zeit in die Dreißiger zurückzudrehen, bislang zu desaströsen Bilanzen geführt hat, wird Gettleman immer weiter solche Bolzen wie Williams verlängern.

Für den Williams-Move spricht: Starke Interior Run-Defender haben wohl doch etwas mehr Wert als gedacht, weil sie einer Defense ermöglichen, viele Ressourcen aus der Run-Defense in die Pass-Defense abzuziehen. Das „Problem“ in New York ist eher die Fokussierung des Ressourceneinsatz im Kaderbau:

  • 19.5 Mio Franchise Tag für Williams
  • 1st round Pick für Dexter Lawrence
  • Durchaus noch denkbare Verlängerung für Free Agent DT Dalvin Tomlinson

Hast du sonst keine Probleme, geht der Move okay. Aber die Giants kranken an allen Ecken und Enden, QB, O-Line, Receiver, Edge-Rush – alles Kopfschmerzen.


S Justin Simmons / Broncos. Zweite Franchise Tag in Folge für Simmons, der im Defense-Scheme von Vic Fangio explodiert ist und zu den besten Safetys zählt. Glaubt man den Beteiligten, ist diese zweite Franchise Tag in Folge für Simmons nur Durchgangsstation. Eine Vertragsverlängerung soll in wenigen Wochen kommen.

S Marcus Maye / Jets. Wo die Tag für Simmons wegen des 20%igen Aufschlags über 13 Mio kostet, zahlen die Jets für Maye nur etwa 11 Mio. Maye zu halten war wohl unbedingt notwendig, da die Jets ansonsten mit komplett verwaister Secondary in die Off-Season gegangen wären. Maye ist ein Deep-Safety. Aber wenn die Jets nicht noch 2-3 brauchbare Cornerbacks einkaufen, wird diese Tag den Laden eh nicht retten.

S Marcus Williams / Saints. Gestern Abend noch reingerauscht und durchaus eine Überraschung! Nicht, dass Williams kein starker Spieler wäre – aber die Saints springen mit dem Move wieder zurück auf fast 60 Mio. über die Salary-Cap.

LB Kwon Alexander zu feuern wird ca. 13 Mio sparen. Dann gibt noch Restructures für Spieler wie Michael Thomas, Terron Armstead oder Ryan Ramczyk. Wenn die Saints jetzt noch den Free-Agent-QB Jameis Winston halten wollen, werden sie wahrscheinlich mit Cap-Tricks à la void years arbeiten müssen (Dead-Money in künftige Jahre verschieben), sonst sehe ich da wenig Chance dafür. Außer Winston spielt ein zweites Mal für Mindestlohn, aber daran glauben nur die Götter.

Wer bleibt noch am Markt?

Wie New Orleans bis Mitte nächster Woche unter die Salary Cap zu kommen versucht, wird vielleicht spannender als die ganze Free Agency selben, denn mit den Franchise Tags sind einige der aufregendsten Spieler bereits im Board.

Dak Prescott war nie wahrscheinlich. Free Agency ohne Godwin und Robinson ist nur noch die Hälfte wert. Jetzt, wo die mutmaßlich drei besten Safetys auch noch weg sind und OT Trent Williams in San Francisco offenbar eine Verlängerung mit dem Team anstrebt (hat er zumindest im Cris Collinsworth Podcast so angedeutet), bleiben nicht mehr viele Top-Optionen „frei“:

  • Tampa EDGE Shaq Barrett – die Buccs werden versuchen, ihn nun irgendwie zu halten um den Kern des Superbowl-Teams beisammenzuhalten.
  • Tampa LB Lavonte David – gestern Nacht gerüchtelte was von 2-Jahres-Deal zwischen David und den Buccs, der kurz vor der Unterschrift stünde.
  • Dolphins QB Ryan Fitzpatrick
  • Saints QB Jameis Winston
  • Patriots QB Cameron Newton
  • Packers RB Aaron Jones – Keine Tag für Jones.
  • Lions WR Kenny Golladay – Lions lassen Golladay ziehen, was kurzfristig gesehen nicht überrascht. Compensatory Pick 2022 incoming – wenn die Lions in der Fere Agency 2021 nicht besonders aktiv sind. Aber vielleicht hätte man via Trade schneller einen Draftpick abstauben können.
  • Texans WR Will Fuller
  • Titans WR Corey Davis
  • Steelers WR Juju Smith-Schuster
  • WR Antonio Brown
  • Chargers TE Hunter Henry – in einer jetzt eher dünnen Klasse an verfügbaren Pass-Catchern könnte Henry noch eins der besten Targets sein.
  • Titans TE Jonnu Smith
  • Patriots OG Joe Thuney
  • Packers C Corey Linsley
  • Titans EDGE Jadeveon Clowney
  • Vikings S Anthony Harris
  • Bengals CB Williams Jackson
  • 49ers CB Richard Sherman
  • Titans DB Desmond King

Alle Optionen dahinter sind dann schon nur noch „zweite Reihe“ (ehrlicherweise auch die drei oben genannten QBs). Hier das ganze Cheat-Sheet von Mike Clay, das auf seinem Feed laufend aktualisiert wird:

Patriots traden für OT Trent Brown

Was ich auch nicht verschweigen möchte: Patriots haben gestern Late-Round-Picks mit den Raiders getauscht um OT Trent Brown zurückzuholen. Ein klassischer Belichick: Brown hatte er einst für einen Late-Rounder aus San Francisco geholt, mit ihm als Starting-Tackle die Superbowl 2018/19 gewonnen, ihn dann ziehen gelassen, weil die Raiders einen rekordverdächtigen Vertrag angeboten hatten.

Und jetzt, nachdem Brown bei den Cap-geplagten Raiders mit Verletzungen eh kaum gespielt hat, holt er den gewaltigen OT (2.03m, 172 kg) wieder zurück. Brown verzichtet auf mehrere Millionen Gehalt um wieder bei den Pats spielen zu dürfen.

Aber das ist nur ein „Nebenkriegsschauplatz“ in New England. Viel, viel spannender wird, was Belichick auf QB und WR macht. Dass Belichick mit dem Einkauf des imposanten Brown jetzt mehr auf Physis in einer immer kleiner, schneller werdenden NFL setzen will, könnte ich noch verstehen. Aber die Interpretation einiger, dass Belichick jetzt wieder Rückkehr zu den Wurzeln und es mit mehr Running Game versuchen will und daher gar nicht so großes Augenmerk auf einen guten Ballverteiler legt, wäre dann doch eine extrem große Überraschung.

NFL Draft Vorbereitung

Wer Gamepass-Abo und viel Zeit hat: NFL Network ist bei zahlreichen Pro Days mit von der Partie. Gestern wurde der Sendeplan präsentiert:

6 Kommentare zu “NFL Free Agency 2021 Vorgeplänkel: Die Franchise Tags sind vergeben

  1. Es stimmt, dass der FT wohl mehr Spieler betrifft, als die Hand (oder zwei Hände) voll Spieler die jedes Jahr getagt werden. Allerdings sind es trotzdem wohl nur 5% aller Spieler.
    Dahingehend finde ich die Kritik an der Spielergewerkschaft, nicht dafür gesorgt zu haben, dass der Tag verschwindet, sehr überzogen.
    Und klar, der Tag verhindert, dass Spieler entsprechend ihres tatsächlichen Wertes bezahlt werden und sind quasi ein Eingriff in die „Freiheit des Marktes“. Aber erstens ist der Tag für die meisten immer noch ein gutes Ein-Jahres Trostpflaster vom Verdienst her und zweitens ist es ja nicht so als wäre der Tag, der einzige Eingriff im NFL-Spielermarkt. Man hat den Rookie wage scale und in die andere Richtung gedacht auch Minimalverträge.

    Wie hättest du die Möglichkeiten für einen Golladay Tag&Trade realistisch gesehen? Der WR-Markt ist breit in FA, aber NR 1 Receiver (gerade X-Receiver) sind ja eher rar (Nach Tag an Godwin und Robinson). Glaubst die Ravens z.B. hätten wirklich nen Pick und einiges an Cap Space abgegeben, vor allem da dieses Jahr im Draft ja auch WR sehr gut besetzt ist. Tag& Trade wird oft erwähnt, aber allzu oft ist es in der Realität noch nicht passiert.

  2. Bzgl. „zweite Reihe“: Ich glaube, aus diesen FAs könnte man ein playoff-caliber Team machen. Fitzmagic/Winston/Newton auf QB mit Smith-Schuster, Davis und Fuller auf WR, Aaron Jones auf RB, das klingt doch nach ansehnlichem Football. 🙂 Ich bin sehr gespannt auf diese Free Agency.
    (Richard Sherman ist erst 32? Kommt mir vor als würde der schon ewig spielen… :D)

  3. Bezüglich Trent Brown kam für die Pats ja, aufgrund des zitierten rekordverdächtigen Vertrages, ein 2020 3rd Round Compensatory Pick noch obendrauf.

  4. Pingback: Last Exit before NFL Free Agency: Freischaufeln um jeden Preis | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  5. Pingback: Das Mysterium des schwachen Wide-Receiver-Markts in der Free Agency 2021 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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