Wie bereiten sich Teams auf die NFL Free Agency vor?

Dieser Frage geht Robert Mays in seinem Podcast von gestern mit ESPN-Kommentator Louis Riddick nach.

Riddick ist ein ehemaliger Mitarbeiter im Staff des Roster-Managements der Washington Redskins und Philadelphia Eagles (von insgesamt 2001 bis 2013) und wird immer wieder als potenzieller Kandidat für GM-Posten genannt.

Riddick betont in dem Podcast vier spannende Punkte zu Free Agency und Team-Building.

Vorbereitung

Teams bereiten sich auf die Free Agency fast genauso minutiös vor wie für den NFL Draft. Die 5-8 köpfigen Scouting-Departments teilen sich die 31 Konkurrenzmannschaften untereinander auf, sodass alle Spieler in jedem Team en detail gescoutet sind.

Ab Sommer werden die Profile der potenziellen Free Agents mitgetrackt – und auch der potenziellen Entlassungskandidaten. Das Profiling der möglichen Free-Agents ist eigentlich sogar detaillierter als im Draft, weil man in Free Agency noch stärker drauf achten muss, dass die eingekauften Spieler „System-Fits“ sind.

Arrivierte NFL-Spieler tun sich oftmals schwerer mit Systemumstellungen – bis hin zu schlichter Verweigerung / fehlender Akzeptanz neuer Rollen. Besonders schwerwiegend ist das Verfehlen einer frühzeitigen Kommunikation von neuer Aufgaben (z.B. erst nach der Unterschrift).

In eine ähnliche Kerbe schlägt Ravens-GM Eric DeCosta, dessen Antwort auf die Frage nach der Free Agency so dezidiert war, dass sie eigentlich sofort von der Plattform Twitter gelöscht gehört:

Free Agency ist also ein year long process. Du musst vorbereitet in die heiße Phase gehen, sonst kommst du unter die Räder.

Riddick zählt ein paar Bolzen auf, die während seiner Zeit von seinen Teams begangen wurden – so z.B. das berühmt-berüchtigte Signing von Nnandi Asomugha von den Eagles 2011, als der teure Press-Man Corner Asomugah von den Zone-lastigen Eagles geholt und in eine Off-Corner Rolle gesteckt wurde, in der er nur scheitern konnte.

Wettbieten

Teams haben eine sehr präzise Vorstellung welche Spieler anvisieren, wenn die Free Agency erstmal losgeht. Sie wissen auch, ob sie in der ersten, zweiten oder dritten Welle zuschlagen werden.

Die erste Welle dauert in etwa 4-5 Tage und betrifft die richtig dicken Fische mit hoher Verhandlungsmacht, die die meisten Moneten abcashen. Teams haben kaum Zeit und Chance, diese Spieler zu hofieren – meistens stehen sie schon irgendwo im Wort, ehe es überhaupt die Chance zu einer Besichtigung gibt.

Die zweite Welle kommt in der Woche bis zehn Tagen danach. Diese Spieler kriegen dann v.a. Mid-Level Verträge. Wer innerhalb der ersten zwei Wochen nicht untergekommen ist, muss meistens länger warten, oft bis hinein in die zweite Aprilhälfte oder gar in den Sommer – je weiter wir uns von dem Start des Transfermarkt entfernen, desto geringer wird die Verhandlungsmacht der Spieler.

Teams müssen sehr genau aufpassen, für welche Prospects sie die Schatulle in diesen ersten Tagen öffnen. Riddick betont, dass er an den Tagen nur Premiumpositionen wie Receiver, Offensive Tackle, Passrusher, Cornerback vorbeischauen würde (und logisch Quarterback, wenn mal ein richtig guter zu haben ist) ins Auge fassen würde. An „non-premium“ Positionen würde er nur in sehr dezenten Ausnahmefällen denken.

Wunschspieler

Zur Due Diligency jeder Mannschaft im Vorfeld der Free Agency gehören also zwei Dinge:

  • Sich einen Plan zurechtzulegen, welche Spieler man wann und für welche Rollen holt
  • Sich alle Informationen zu den anvisierten Spielern schon im Vorfeld zu holen

Zum Thema „Rolle“ gehört nicht bloß zu verstehen, worin der anvisierte Spieler an seinen vorherigen Stationen stark war (und was er gewohnt war), sondern auch ein bisschen Vorstellungsvermögen, wie man seine Rolle erfolgversprechend anpassen kann. Krasse Neuerungen werden die meisten Veterans allerdings nicht mehr mitmachen.

Aber manchmal kommen gute Spieler ca. 25-27-jährig auf den Markt, wollen den fetten Vertrag, haben aber entweder nur die 1B-Rolle gespielt (siehe Juju Smith-Schuster) oder aber nur in reduzierter Rolle brilliert.

Es gilt dann zu entscheiden, wie weit man die Brieftasche öffnen will. Traut man dem Spieler den Sprung zu einer WR1-Rolle zu? Traut man dem Passrusher, der auf seiner alten Station nur einer Rolle als EDGE3 gespielt hat, den Sprung zu einem Vollzeitstarter zu?

Es gibt dafür gute und schlechte Beispiele. Mays/Riddick diskutieren die EDGE3-Rolle als klassische Falle, aber z.B. ein Shaq Barrett hat bei seinem Wechsel von Denver nach Tampa Bay genau aus einer solchen Rolle heraus den Sprung zum Vollzeit-Star-Passrusher auf seiner neuen Station geschafft.

Mein Take dazu: Es spricht nicht viel dagegen, sich brillante Rotationsspieler in größeren Rollen vorzustellen. Der Trick ist, ihn nicht sofort wie einen Superstar zu bezahlen. Lieber one year prove it Deal. Schlägt der Spieler dann nicht ein, kriegst du ihn nicht, minimierst aber immerhin die Gefahr des Buyer’s remorse.

Free Agency ist also wie der Draft eine Chancen/Risiko-Abwägung. Du willst keine Monsterverträge für „nur gute“ Spieler zahlen. Risiko lässt sich dann minimieren, indem man Spieler holt, die das gespielte System schon von früher kennen. Und natürlich durch optimierte Informationsbeschaffung.

Je früher ein Team einen konkreten Spieler verpflichten will, desto teuer wird er wahrscheinlich sein – und desto weniger Gelegenheit wird es haben, sich direkt mit dem Spieler in Kontakt zu setzen. Weil es quasi keine Möglichkeit gibt, bessere und damit teurere Spieler für In-House-Workouts zu bekommen, gilt es, sich über das persönliche Netzwerk zu informieren.

Und mit dem Schlagwort „Netzwerk“ ist die Brücke zum Thema „Beziehungen“ geschlagen. Kommen wir zum berüchtigten „K-Wort“.

Kultur

Riddick betont ganz stark und immer wieder: NFL ist ein Business der Beziehungen. Über Beziehungen lassen sich Informationen holen, aber auch die viel beschworene „Kultur“ bilden.

Riddick betont, dass Teams im Kadermanagement sehr genau aufpassen müssen, wen sie bezahlen und wen nicht. Teure Free Agents zu holen, während man Eigengewächse am langen Arm verhungern lässt, kann brutal nach hinten losgehen.

Gut spielende Eigengewächse – vom Team selbst gedraftete und entwickelte Spieler – seien nicht nur Spieler, sondern vor allem auch Vertreter der Franchise, Aushängeschilder, Recruiter. Erarbeiten sich Teams den Ruf, „billig“ mit den eigenen Spielern umzugehen, habe das schnell einen dezent faden Beigeschmack mit der Gefahr unattraktiv für neue Spieler zu werden.

Das Thema ist ein zweischneidiges Schwert: Zum einen willst du nicht irrational werden nur um die „Kultur“ fördern. Zum anderen kann der Ruf, „billig“ zu sein und null Loyalität zu zeigen, sehr schnell verbrannte Erde hinterlassen und dich von den anderen Seite rum einholen.

In Summe: Du kannst ein NFL-Team natürlich nicht wie Fantasy-Football oder Football-Manager zusammenstellen. Riddick formuliert es so: „Many teams have flawed process. Most of them are too transactional, not enough relationship-driven”. Gute Teams legen Wert auf die “Kultur” – bei schlechten bleibt es meistens bei Lippenbekenntnissen.

Meine zwei Cent

Da waren in Summe sehr viele gute Gedanken in dem Gespräch dabei. Ich denke, dass in der Diskussion etwas zu kurz gekommen ist, wie wertvoll ein Top-Quarterback ist und wie viele Probleme er übertüncht. Gerade „die Kultur bilden“ geht meiner Erfahrung nach sogar eher andersrum: Der Erfolg bringt die Kultur und validiert die Methoden – und niemand ist wichtiger für den Erfolg als ein starker Quarterback.

Einen Top-QB zu haben, lässt härtere Verhandlungstaktiken und radikalere Schritte zu, denn mit der Aussicht auf Titel kannst du wesentlich anders, ja „rationaler“ agieren als mit der Aussicht auf 8-8.

Doch in Summe habe ich einiges gelernt. Mir war zum Beispiel nicht bewusst, wie weitreichend sich Teams auf die Free Agency vorbereiten.

Es lohnt sich auch, den zweiten Teil des Podcasts anzuhören, wo Mays mit Nate Tice spricht. Tice erzählt über die kleinen Aufgaben im Free-Agents-Scouting, z.B. wie es ist, in NFL-Mannschaften Free-Agents zu hofieren. Es wird dabei deutlich: Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs, und hintendran ist ein Rattenschwanz von 0/8/15-Business, das wir alle auch genauso gut erledigen könnten, aber das eben auch getan werden muss, bis der richtige Free Agent dann in deiner Mannschaft unterschreibt.

21 Kommentare zu “Wie bereiten sich Teams auf die NFL Free Agency vor?

  1. Ich würde die Niners und Liverpool als Gegenteile zu deiner Kulturdefinition anführen.
    Beide Teams hatten einen schweren Start unter Lynch/Shanahan bzw Klopp, legten einen Fokus aber auf Team-Chemie (= Kultur + System-Fit). Beide Teams hatten Verhandlungsvorteile durch diese klare Visionen und Beide hatten voll motivierte Kader und Spieler mit beinahe blindem Vertrauen, auch als die Saisons meh waren.

    Andersrum: Siegen kann gut für die Team-Chemie sein, aber Probleme überdecken. Beispiel: San Francisco unter Harbaugh und Baalke oder jedes Mourinho oder Felix Maggat-Team: solange der Erfolg da ist, hört man nicht’s von Problemen. Sobald er weg ist, wird’d Brenzlig.

    Oder anders gesagt (TZI/Coaching-Leitsatz): Störungen nehmen sich Vorang (… wenn ihnen nicht angemessen begegnet wird).

    Also imho: Team-Chemie ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für mittel-/langfristigen Erfolg.

  2. Das Ziel ist aber zu siegen und nicht gute Culture zu haben, und Liverpool krebst ein Jahr nach dem Durchbruch irgendwo im Nirvana herum und die Shanahan Niners haben in drei von vier Jahren die Playoffs verpasst.

    Nichts von Problemen zu hören ist nice, aber nutzt halt auch nix wenn man gleichzeitig nix gewinnt.

    In fact: Ist sogar schlimmer dann.

  3. Liverpool hat nach dem CL-Titel noch die Meisterschaft nachgelegt und hat in diesem Jahr mit dem massiven verletzungsbedingten Ausfall von Key-Playern zu kämpfen. „krebst im Nirvana“ ist etwas verkürzt dargestellt.

  4. Ja, bei der letzten Aussage gehe ich mit.

    Aber 9ers sind dahingehend auch eher Gegenbeispiel. Welche Teams schaffen mit den Verletzungsproblemen der niners in den letzten Jahren was gescheites auf die Beine zu stellen? In dem einen Jahr ohne massenhaft Verletzte waren sie im Superbowl.

    Wenn ich gm/Trainer bin, will ich ja, dass das Team zusammenbleibt, weiter kämpft und wenn die Verletzungen vorbei sind, da ist. Und nicht, dass alles außeinander bricht, weil meine 3 superstars kein Bock auf Bälle von Mullens haben. Also langfristig gesehen erachte ich es als besser.
    Heißt natürlich trotzdem, dass man jetzt Juzcek z.b. nicht nochmal aus Liebe zig Millionen nachwirft. Also Kultur und Spielertreue muss eher ein Gegensatz bleiben.

    Andersrum als Owner würde ich auch den Tapa Weg gehen, wenn’s gerade passt. Wobei ich die Gerüchte in Tempa für quatsch halte, dass da keine gute Team Chemie sei – es ist immernoch eine sehr gut bezahlte Arbeit und kein Kindergeburtstag – „ernst und direkt sein“ ist eine gute Atmosphäre.

  5. *Letzte Aussage meint die von Korsakoff

    @Dudel: jap und da zickt auch keiner aus dem Kader. Henderson, spielt ’scheiße‘ in der Innenverteidigung, weil da alle fehlen und spricht in Interviews darüber, dass er natürlich noch Gehen macht, an sich arbeitet und trotzdem auf dem Niveau der letzten Saison gemessen werden will.

    … besser als ein AB im Team zu haben, der nur alle nervt.
    … außer man denkt kurzfristig und weiß, ein Brady kriegt ihn für ne bestimmte Zeit in Griff

  6. zu Liverpool: es ist eine Parallele zu Dortmund nach den ersten erfolgreichen Jahren unter Klopp, wo man spürt, dass der Kader „ausgepresst“ ist, d.h. die letzten Saisons haben aufgrund des intensiven Spielstils Spuren hinterlassen. Und das führt auf dem Niveau schnell dazu, in der Meisterschaft hinterherzulaufen. Und den Niners fehlten letztendlich auf den Schlüsselpositionen (QB, WR, CB) die wirklich herausragenden Akteure um eine bessere Saison hinzulegen (ja, Verletzungen waren auch mit ein Grund). Deshalb wird ja ein Garoppolo hinterfragt, deshalb wurde der Erstrundenpick 2020 kritisiert (da hätte man einen Jeudy oder Lamb picken sollen).

  7. Ja, aber ist ausgepresster Kader ein Argument für kurzfristiges Erfolgsdenken oder Test von GM/Coach?

    Ich denke in der NFL muss man immer alle Erfolgsfaktoren abschätzen. Also Brady statt Garappolo, wenn es möglich gewesen wäre, sollte eine valide Option sein – auch wenn es Kultur-Probleme gibt (wobei ich denke, dass Sentimentalität im Football niedrig ist). Andersrum würde ich watson favorisieren und zur Not auch bei Garappolo bleiben. War halt erst eine verletzungsfreie Saison.

    Im Fußball bei Liverpool ist es eher der Coach-Test: inwiefern sie es mit passenden neuen Spielern oder alte Spieler verkaufen, die Erfolgsmotivation oben zu halten.
    Ist in meinem Augen aber nicht direkt mit Football vergleichbar, da es im Football eh viele kurze Vorträge und Teamwechsel Gibt. Im Fußball hingegen gibt es 3, 4 Club Wettbewerbe + Nationalmannschaft. Da ist es normal, dass es Schwächephasen gibt. Die Saisons nach EM/WM sind häufig gruselig. Da ist Dortmund letztlich für Kloppo auch nur eine Station gewesen und es ging noch weiter nach oben => doofer Zeitpunkt für Dortmund.

  8. Und ja IOL bzw. OL allgemein … ist halt die Verblendung von Lynch/Shanahan (neben Fullback), die man so hinnehmen muss. Da denken die einfach dumm 😀
    Will auch nicht in meinen Kopf, wie Menschen, die in so vielen Bereichen Hoch professionell, datengestützt und gut arbeiten, so etwas so falsch einschätzen.

    Dennoch lezte Saison war Ayiuk da. Aber eben Garappolo nicht. Das ist halt aber zum größtenteil Pech und eher Test für Kultur/Chemie als Determinante.

  9. Wenn die Topscouts und -manager in der Free Agency strategische Meisterleistungen vollbringen um die Schwächen des eigenen Teams objektiv darzustellen und nach Kosten-Nutzen/Chancen-Risikenanalysen effektivst auszumerzen, müsste dann keine deutlichere Korrelation zwischen FA-Aktivität und Playofferfolgen zu erkennen sein?
    Tom Brady mal außen vor. (Der Typ ist ein Phänomen. Wenn er Radsportler wäre, würde ich sagen, der nimmt irgendwas, was die anderen nicht nehmen.)

  10. @korsakoff
    “Das Ziel ist aber zu siegen und nicht gute Culture zu haben, und Liverpool krebst ein Jahr nach dem Durchbruch irgendwo im Nirvana herum und die Shanahan Niners haben in drei von vier Jahren die Playoffs verpasst.

    Nichts von Problemen zu hören ist nice, aber nutzt halt auch nix wenn man gleichzeitig nix gewinnt.

    In fact: Ist sogar schlimmer dann.”

    Das ist aber doch eine ungewohnte Argumentation von dir. Weil andere Fehler (bspw Belastungssteuerung) in der Lage sind den Erfolg zu torpedieren, lasst doch nicht den Schluss zu, dass Culture irrelevant ist. Wobei ich zustimmen würde, dass es ein etwas schwammiger Begriff ist, der oft furchtbar verwendet wird.

    These: culture oder Betriebsklima gewinnen an Bedeutung je gròßer der Zeitraum wird. Da mag der Erfolg noch so groß sein, nach ein paar Jahren fliegt der Laden auseinander, wenn es untereinander nicht passt. In der Nfl sind die Zyklen halt kürzer ergo spielt es auch nicht die ganz große Rolle. Aber auch hier: 1-2 Saisons kein Problem, wenn der Erfolg passt, aber möchtest du wirklich 10 Jahre neben einem Arschloch spielen?

  11. Ich sage nicht, dass Kultur/Betriebsklima irrelevant sind, sondern dass der Einfluss davon im Football überschätzt wird. Gerade im Football dominiert die „Culture-Denke“ in den letzten Jahren die Diskussion, dabei sind zumindest zwei Dinge wesentlich entscheidender:

    – Quarterback
    – Offensive Scheme

    Im Fall der Niners hat das beste Betriebsklima und sogar ein exzellentes Offense-Scheme zu drei negativen Bilanzen in vier Jahren geführt. Hatten sie dabei viel Pech? Unbestritten. Aber es zeigt, dass „Culture“ nicht der primäre Treiber ist, sondern andere Dinge.

    Seattle ist in der gleichen Division fast jedes Jahr in den Playoffs, obwohl niemand so recht mit dem QB zu können scheint, das Front Office einen Bock nach dem anderen schießt und der Trainerstab coacht als wären wir in den Siebzigern.

    Belichicks Patriots mit Brady waren jedes Jahr im Halbfinale. Ohne Brady waren sie unter ferner Liefen.

  12. Unbestritten.

    Culture ist halt Coaches Talk…

    Seattle ist doch aber ganz spannend – sehr guter qb und teilweise excellente Defense dennoch nur ein Super Bowl Gewinn- fehlen da nicht genau die fund Prozent culture? Und droht nicht gerade jetzt der Laden auseinander zu fliegen?

    Macht gut mich am Ende halt keinen Sinn da mit Anzahl der Siege zu argumentieren wenn unbestritten ist, dass Qb oder auch einfach der Zufall größeren Einfluss haben…

    Reine gute culture sorgt dafür, dass du keine internen Probleme bekommst, das die egos der Spieler im griff behalten werden, dass nicht deine star Spieler auf einmal rum bocken oder getrudelt werden wollen, dass Bereitschaft da ist, doch zu entwickeln, an sich und mit anderen zu arbeiten, dass hoch bezahlte Profis sich von weniger hoch bezahlten Coaches coachen lassen und dass der Ehrgeiz nicht verfliegt. Lauter Softe Faktoren, die eher geringe Auswirkungen haben, es sei denn es werden Mindeststandards unterschritten, dann hast du auf einmal Houston.
    Und ich würde behaupten, in der vor free Agent era war das ganz deutlich bedeutsamer.

    Ps: culture ist übrigens eins der Kernthemen von Urban Meyer.

  13. Seattle war einen Spielzug von einer zweiten Superbowl entfernt und ist im Jahr vor dem Titel in einem der freakigsten Playoffspiele des Jahrzehnts gescheitert. Den NFC-Teilnehmer in der Superbowl hatte man zu Weihnachten an die Wand gespielt.

    Wie gesagt: Besser ist, gut zusammenzuarbeiten. Besser ist, einen Plan, eine Vision zu haben. Aber wie überall bei der Arbeit schadet auch etwas Reibung nicht, und wie nicht überall in der Arbeit hat man im Football mit dem QB eine Figur in der Organisation, die die ganze Erzählung von Erfolg und Misserfolg, tollem Betriebsklima und Kultur des Grauens, komplett verändert, sogar wenn der restliche Prozess dahinter unverändert bliebe.

  14. @Dizzy: „im Radsport sähe es nach Doping aus“… Die NFL hat GARANTIERT ein Problem mit Medikamenten. Die Strafen sind m.k.n. ein witz; schon im fussball wird massiver Missbrauch von Schmerzmitteln betrieben; am beliebtesten bei den coaches sind „Gym rats“, also begeisterte pumper. Verbreitung von Doping Mitteln bei Bodybuildern dürfte bekannt sein. Noch letztes: halbe nfl wird nach Saison operiert, also spielen die Leute gerne die letzten Spiele der saison mit Verletzungen, die operiert werden müssten. Da ist massivster medi Einsatz klar…

  15. Ich würde Seatle aber nicht als schlechte Culture Definieren. Sogar eher das Gegenteil.
    Auch öffentlich laute Gegenstimmen müssen nicht negativ sein.
    Das ist vielleicht das Problem mit Culture. Es darf nicht als Wohlfühlklima missverstanden werden, sondern vllt. als Normen der Unternehmensführung.
    Wenn jeder weiß woran er ist, ist alles ok. Dann kann man mitgehen oder dagegen sein.
    In Seatle war zu der Legion-Zeit alles top. Und ohne gerade zu genau drauf zu gucken, sind die letzten Jahre trotz teils fragwürdiger Coaches/Sceam-Entscheidungen gut geblieben.
    Auch Wilsons öffentliche Diskussion ist in meinen Augen kein Versagen, sondern professionelles Verhalten. Er weiß um seine Verhandlungsmacht, will den Laden mitgestalten. Nicht’s anderes als auch Teams machen. Und welches gut laufende Unternehmen würde von seiner/m teuersten Mitarbeiter_In erwarten, Ideen für sich zu behalten? + natürlich ist Reibung wichtig. Ohne Probleme und neue Chancen zu identifizieren – und damit bestehendes mindestens indirekt zu kritisieren – kann es keine Entwicklung geben.
    Hier stimme ich dir dann doch zu. Da wird sich z.B. bei den niners zeigen, ob sie lieber Wohlfühlen (=bFullback 10 Mille zahlen und 1. Runde D-Line draften) wollen oder neu denken und alte Fehler reflektieren.

    Ich stimme voll und ganz zu. Man braucht für kurzfristigen Erfolg keine gute Kultur. Sie ist schwierig messbar. Es bräuchte an der Stelle qualitative Forschung zur Kategoriefindung von Einflussfaktoren, dann quantitiave Forschung und psychologische Forschung (ohne das ich weiß, was es da schon gibt). Also insgesamt sehr aufwendig und schwierig umsetzbar.
    Aber deshalb zu sagen, man braucht sie nicht, sie ist unwichtig und ich ignoriere, was Wissenschaft dazu hergibt (Sportpsycho, Coaching/Beratung im weitesten Sinne), ist in meinen Augen quatsch.

    Und ich stimme auch zu, dass viele der Aussagen und Infos von Teams dazu unbrauchbar für die Interpretation sind. Aber mit zwischen den Zeilen lesen und Reaktionen auf gute/schlechte Saisons kann mans interpretieren und der Wert ist viel stärker als wir denken – GLAUBE ich.

    Aber du hast natürlich recht. Für Vorhersage von Erfolg ist es eine nahezu unbrauchbare Quote. Und wie oben geschrieben, auch für die Quantifizierung des Einflusses auf Erfolg.

  16. Ich glaube, die Story geht eher so: Die meisten Journalisten (und Fans) haben keine Ahnung davon, wie man Leute führt und wie man einen Long-Term-Plan aufstellt. Also ist es einfach, den ganzen Wulst in den Begriff „Culture“ zu pressen (den es interessanterweise außerhalb des US-Sport nirgendwo anders gibt).

    Weil sich der Begriff nicht näher präzisieren lässt, ist die Korrelation „Erfolg zu Culture“ sehr hoch. Was in der Erzählung fehlt, ist Korrelation vs. Kausalität.

    Und obwohl unbestritten ist, dass ein guter Plan, eine Vision auch für ein Footballteam wichtig sind und man durchaus ein paar Pluspunkte im eigenen Locker-Room sammeln kann indem man überteuerte Fehleinkäufe so gut es geht vermeidet, so sind es relativ unbedeutende Faktoren.

    Denn Erfolg heiligt die Mittel (siehe New England), und Erfolg wird primär von anderen Faktoren als „Kultur“ getriggert.

  17. Ja, da stimmen wir nahezu komplett überein.
    Nur die Kulturdefinitionen sind 1. problematisch (das ist auch in den Sozialwissenschaften ein Begriff mit zig verschiedenen Definitionen).

    Und ich glaube 2. der Einfluss ist viel, viel größer als wir denken. Nur eben weder quantifizierbar noch sinnvoll diskutierbar, weil nicht eindeutig definiert.

    New England wäre für mich z.B. ein Beispiel für eine sehr gute Kultur. Rollenklarheit und Zielklarheit sind da (für Trainer, Arbeiter und Spieler). Alles steht unter einer klaren Vision. Und das die Spieler nach ihren Cash-Verträgen häufig zurückkommen spricht ja für ein ‚gutes‘ Klima (was das dann genau auch immer heißen mag).
    Wie gesagt „wohlfühl-Atmosphäre“ ist kein gutes Klima.

    Also mein Fazit wäre: Kultur ist wichtig, nicht mit Wohlfühlatmosphäre zu verwechseln, aber für die Berichterstattung überwiegend thematisch ungeeignet. Und generell mehr Rahmenbedingung für Erfolg, als Einflussfaktor darauf.

  18. New England hat die Leute mit der Aussicht auf Titel geködert und sie unter Marktwert in den Kader gepresst, weil sie mit einem der größten Quarterbacks aller Zeiten und einem fantastischen Coach ein ewig offenes Titelfenster anzubieten hatten.

    Die Loyalität endete meist kurz nachdem die Spieler ihren Zenit überschritten haben. Eigene Spieler bekamen Leistungsprämien manchmal auch, wenn sie nicht erreicht wurden, aber es gab etliche unschöne Trennungen von ikonischen Spielern (Adam Vinatieri, Ty Law, Richard Seymour, Randy Moss, Wes Welker…).

    Das funktionierte, weil Brady/Belichick. Do your job. Die Kultur wird dann als solche benannt, wenn es Erfolg gibt.

    Ob es „post Brady“ so weitergeht, wird die Zeit erst zeigen müssen. Die „Early Returns“ in 2020 waren nicht berauschend.

    Das ist es, was ich mit Zweck heiligt die Mittel meine.

  19. PS Re:

    Nur die Kulturdefinitionen sind 1. problematisch (das ist auch in den Sozialwissenschaften ein Begriff mit zig verschiedenen Definitionen).

    Und ich glaube 2. der Einfluss ist viel, viel größer als wir denken. Nur eben weder quantifizierbar noch sinnvoll diskutierbar, weil nicht eindeutig definiert.

    Wenn man noch nichtmal genau benennen kann, was mit dem Zielbegriff gemeint ist, dann tue ich mir umso schwerer ihn als wesentlichen Erfolgsfaktor wahrzunehmen 😉

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