NFL Free Agency 2021 Zwischenstand nach dem ersten offiziellen Tag

Guten Morgen. Lass uns auf ein paar spannendere Teams der letzten Tage NFL Free Agency 2021 schauen.

Las Vegas Raiders

Die gestern so kritisierten Raiders haben Rodney Hudson und Gabe Jackson dann doch nicht aus freien Stücken gefeuert, sondern noch ein kleines bisschen Trade-Kompensation im Verkauf abgestaubt:

Dazu hat Richie Incognito dann gestern doch noch verlängert. Will heißen: Es gehen wohl „nur“ 3/5 der O-Line und Grudens Zehnjahres-„Culture“-Plan bleibt on track.

Trotzdem: Wo Las Vegas in dieser Offseason der mäßigen Free-Agent- und Draftklasse noch halbwegs gleichwertigen O-Line-Ersatz auftreiben will, bleibt mir schleierhaft. Ein Trade für Orlando Brown ist eher unwahrscheinlich, denn Brown will bekanntlich auf Left Tackle spielen – und das ist die einzige Position, die in Kolton Miller bei den Raiders langfristig besetzt ist.

Uns droht ein Rückfall in alte Checkdown-Zeiten bei Derek Carr: Keine fregeblockte Zeit der Line und Wegfall von deep threat Nelson Aghoor. Ob der Billig-Einkauf von WR John Brown aus Buffalo und der Henry-Ruggs-Pick sich da noch auszahlen können?

Immerhin: Die Raiders haben ein bisschen D-Line-Value mitgenommen und DT Quinton Jefferson und Solomon Thomas mitgenommen ohne dafür allzu viel zu bezahlen. Das geht ein kleiner „Win“ für Gruden und Stift Mayock durch.

Arizona Cardinals

Center Hudson ist – wenn Arizona den alten Mann (32 Jahre) nicht noch teuer verlängern muss – ein guter Einkauf der Cards, selbst gemessen an seinem Alter (32 Lenzen) und dem doch eher teuren Einkaufspreis (3rd Rounder). Kollege Adrian Franke ist zufrieden:

Hudson ist als Protection-Caller ein erfahrener Mann und stopft eine der größeren Schwachstellen in der Cards-O-Line der letzten Saison. O-Line in Arizona ist IMHO besonders kritisch, weil Kliff Kingsbury bissl ungewohnte Tendenzen verlangt. Weil auch OT Kelvin Beachum recht billig bleibt, hat man eine Absicherung dagegen abgeschlossen, sollte der letztjährige Rookie OT Josh Jones den Sprung zum NFL-Kaliber nicht schaffen.

Arizona hat noch einen weiteren interessanten Pick gemacht gestern: WR A.J. Green für ein Jahr und 6 Mio. geholt. Wir hatten schon darüber diskutiert, dass WR2 eine Position ist, die Arizona wohl nachbesetzen muss, will man aus der Offense maximalen Value mitnehmen.

Der 32-jährige Green ist unter diesem Gesichtspunkt eine interessante Verpflichtung, denn ich hatte da eher an einen wendigen „Possession Receiver“ gedacht. Green ist mehr der prototypische WR1 – nur leider auf dem rapide absteigenden Ast. Green hatte seine letzte gute volle Saison 2018 – danach verpasste er verletzungsbedingt fast alle weiteren Spiele bzw. war nur noch ein Schatten seiner selbst.

6 Mio. für einen Mann, der in seiner Blüte so gut wie Julio Jones war und auch nur sechs Monate älter als Jones ist, sind ein fairer Preis für so einen Schuss ins Blaue. Hat Green noch etwas im Tank, ist er ein Spielertyp, der die mangelhafte Kreativität des Playcallers Kingsbury übertünchen kann, weil er 1-vs-1 gewinnt. Ist Green, wie durchaus zu befürchten ist, shot… well, dann hat man wenigstens nicht allzu viel bezahlt. Aber dann fehlt die notwendige WR2 Waffe und Kingsbury ist nächstes Jahr wahrscheinlich auch schon wieder weg.

Cincinnati Bengals

Greens altes Team, die Bengals, gefallen mir bis jetzt absolut nicht. Sie haben EDGE Carl Lawson und CB William Jackson III ziehen lassen und sie ähnlich teuer mit wahrscheinlich schwächeren Leuten wie EDGE Trey Hendrickson, CB Mike Hilton und CB Chidobe Awuzie ersetzt.

Die Bengals sind berüchtigt dafür, keine großen Handgelder auszuzahlen, ergo in Spielersprache „cheap“ zu sein. Das kostet sie zwei gute Performer. Lawson hatte keine Vollzeitrolle als Passrusher und ist kein Sack-Monster, aber in Pass-Rush-Productivity (Sacks und Pressures) war er der 8t-beste Passrusher letzte Saison. Hendrickson war die #2, aber in noch limitierterer Rolle und in einer viel besser besetzten D-Line bei den Saints.

  • Der 25-jährige Lawson unterschrieb bei den Jets für 3 Jahre und 45 Mio, also 15 Mio/Jahr. Die genaue Struktur ist noch nicht bekannt, aber 30 Mio. sollen garantiert sein.
  • Der 26-jährige Hendrickson hat einen Vierjahresvertrag für 60 Mio. unterschrieben. Der Vertrag ist mit seiner Struktur (10 Mio. Handgeld, nur 16 Mio. guaranteed) in der Struktur aber einer, der in zwei, wahrscheinlich drei, Jahren aufgelöst wird. Und das wären dann 2 Jahre für 32 Mio oder 3 Jahre für 45 Mio. Also ziemlich genau der Lawson Deal.

Großen Unterschied in den beiden Deals sehe ich nicht, aber ich hätte Stand heute mehr Vertrauen, dass ein Lawson in einer größeren Rolle funktioniert als ein reiner Role-Player wie Hendrickson.

Auf Cornerback sind Hilton/Awuzie zwar insgesamt etwas billiger als Jackson, aber auch deutlich unerprobter (edit)in größerer Rolle(/edit). Jackson wäre nach seinem eher schwächeren Jahr 2020 vielleicht sogar „buy low“ gewesen. Washington sagte Danke.

Viel schlimmer: In der O-Line haben die Bengals noch gar nix gemacht. Wenn das jetzt darauf hinausläuft, dass man im Draft OT Penei Sewell draften muss anstatt in einem J’Marr Chase eine neue Receiver-Waffe zu holen, dann würde ich das als „Loss“ für die Bengals eintragen.

New York Jets

Nicht uninteressant ist das, was die Jets gemacht haben. Gap-Gurus wie Brad Spielberger sind ziemlich zufrieden damit, dass GM Joe Douglas keine Verträge mit langfristigen negativen Implikationen abgeschlossen haben.

Lawson als Passrusher ist nicht nur ein dringender Need, sondern vielleicht auch eine der besseren Signings. Lawson war zwar Role-Player, und wir wissen um die Gefahren, solchen Spielern dickere Verträge für größere Rollen zu geben. Aber Lawson war mit seinen eher niedrigen Sack-Zahlen vielleicht auch den einen Tick billiger als gedacht (so man das bei 15 Mio/Jahr sagen kann).

Die andere größere Verpflichtung war WR Corey Davis für 3 Jahre, 37 Mio (27 Mio. guaranteed). Das ist kein ultrafetter Vertrag für einen klassischen WR2 wie Davis. Davis ist deswegen gefährlich, weil er als ex-Top-5 Draftpick erst in seinem vierten NFL-Jahr seinen Durchbruch hatte – und das in der exzellent geschemten Titans-Offense als Komplementärwaffe neben/hinter A.J. Brown und Jonnu Smith.

Der Jets-Receiver-Corps sähe momentan etwa so aus: Davis, Denzel Mims (Rookie aus 2020) und Jamison Crowder im Slot, dazu TE Herndon. Mir fehlt da noch ein größerer Name – vielleicht kommt der via Draft (Jets haben zwei 1st Rounder).

Der 7-Mio.-Einjahresflyer für LB Jarrad Davis sieht wie ein eher schwächerer Move aus, aber wenn die Combo Quinnen Williams/Lawson vorne zündet und man noch ein paar billigere Routiniers dazupackt, dann kann das Robert-Saleh-Seahawks/Niners-Scheme durchaus greifen und die Defense schnell ein Level nach oben heben.

Frage ist halt: Was geht ab auf Quarterback?

Sam Darnold ist noch immer der QB, und es geistern immer wieder Meldungen durch die Medien, dass New York an ihm festhalten könnte. Diesen Schreckensnachrichten steht dieser Tweet von Matt Lombardo entgegen, der allen Gang-Green-Fans Hoffnung machen sollte:

Also: Jets an #2 QB. Receiver mit dem zweiten 1st Rounder. Zwei-drei Veterans in der O-Line und vielleicht noch einen oder zwei Mid-Rounder, und schwupps haste offensiv eine spannende Zukunft.

San Francisco 49ers

Quarterback ist auch bei den Niners das Thema. Und auch dort ist über die letzten zwei Tage die Hoffnung, dass man sich einen im Draft holt, massiv gestiegen. Warum? Die Niners haben den anderen größeren Need in der Offense gestopft.

C Alex Mack kam für Einjahresvertrag aus Atlanta. Mack ist jenseits der 35 und hat nicht mehr die All-Pro-Klasse alter Tage, aber er ist ein exzellenter Fit in der Shanahan-Offense, und hat für Shanny schon in Cleveland und Atlanta geblockt.

Noch besserer Fit ist LT Trent Williams, dessen Qualität auf Isolation-Blocks an der linken Flanke ein 100%iger Gewinn für Kyle Shanahans Offense ist. Williams hat gestern den größten Vertrag aller Zeiten für einen Offensive Liner abgeschlossen: 6 Jahre, 138 Mio. 30 Millionen sind Handgeld, 55 Mio. sind fix guaranteed. Der Durchschnitt pro Jahr: 23 Mio. Das ist droben bei Positionskollegen wie Laremy Tunsil oder David Bakthiari.

Die Details sind seit ein paar Minuten auch bekannt:

Jahr 6 kannst du schonmal streichen als reines „Inflationsjahr“. Das ist mehr ein Dreijahresvertrag über ca. 60 Mio (12 Mio Dead-Cap bei Entlassung nach 2023) mit Option für die drei Jahre hinten raus, oder Vierjahresvertrag über 80 Mio, so wie ich das interpretiere.

Williams hat den fetten Vertrag als 32-jähriger unterschrieben. Zum Saisonstart ist er schon 33. Dicke Kohle so oder so. Cash Flow grob: 32.3 Mio, 8.1 Mio, 20.2 Mio, 20.8 Mio und dann hinten raus wären es noch 23.2 Mio und 32.9 Mio.

Wie gesagt: Williams ist ein exzellenter Fit, und er gilt auch körperlich noch als voll da (hat nicht zuletzt in Washington ein Jahr lang gestreikt). Teure Kohle – aber ich sehe einen Weg, wie sie sich rentieren kann: Wenn er die Niners ohne weitere eklatante Offense-Lücken zu einem QB-Move im Draft animiert.

Denn O-Line ist nix mehr, wo San Francisco Ende April was größeres machen müsste. Die Bahn ist frei um im Rennen um Deshaun Watson mitzubieten – oder eben im Draft.

Übrigens: Die Kansas City Chiefs sollen ganz dick um Williams mitgeboten haben. Es ist verrückt, dass ein Team mit solche fetten Verträgen wie die Chiefs und Mahomes auf Quarterback auch nach dem dicken Thuney-Einkauf noch weitere Riesensummen in die O-Line pulvern will.

Meine Skepsis gegenüber dem Team-Building von Brett Veach ist bekannt. Die Meldungen über Williams passen ins Bild. Letztlich musste sich Veach aber damit zufrieden geben, OL Kyle Long (ex Bears) ausc dem Ruhestand geholt zu haben: 1 Jahr, 5 Mio.

New England Patriots

Die Pats kriegen bestimmt noch einen eigenen Eintrag. Nur so viel: Die Einkaufswut der letzten Tage ist in meiner Weltsicht nur dann wirklich sehr gut erklärbar, wenn nun noch ein Power-Move auf Quarterback folgt – Deshaun Watson oder Draft. Ansonsten klingt es wie Verbesserung von 7-9 auf 9-8 (…was ungewohnt genug klingt).

Aber 17 game schedule will do that for you.

Immerhin: New England hat Kyle Van Noy zurückgeholt – und das ist dann neben dem 2nd-Round RFA Tender für CB J.C. Jackson doch wieder ein klassischer „Belichick“. Van Noy ging letztes Jahr für dicke Kohle nach Miami. Die Patriots stauben heuer einen 4th Round Compensatory-Pick für Van Noy ab – und kriegen den Mann für nahe Mindestlohn ohne weitere Ausgaben zurück.

Wer ist noch zu haben?

Receiver wie Kenny Golladay, Juju Smith-Schuster, Antonio Brown, T.Y. Hilton und Will Fuller. Defensive Backs wie Richard Sherman, Desmond King, Malcolm Butler oder Anthony Harris. Offensive Tackles wie Alejandro Vilanueva, Eric Fisher oder Russell Okung.

Vor allem auf Receiver und Tackle war der Markt in den ersten Tagen etwas seichter als gedacht, was darauf hinweisen könnte, dass die NFL die Draftklassen auf diesen beiden Positionen sehr hoch einschätzt. Insbesondere auf Receiver sind noch mehrere Tier-2 und Tier-3 Spieler für mutmaßlich gute Kohle zu haben.

Gerade ein Kenny Golladay könnte jetzt für einen prove it Deal wie gemacht sein. Gestern gerüchtelte Interesse der Giants – aber cooler fände ich, wenn ein Team wie Cincinnati oder Jacksonville einzahlt um ihre jungen QBs mit Waffen zu bedienen ohne sich langfristig in die Bredouille zu bringen. Und für Golladay wäre es die Chance, dicke Zahlen aufzulegen für einen umso dickeren Vertrag 2022.

11 Kommentare zu “NFL Free Agency 2021 Zwischenstand nach dem ersten offiziellen Tag

  1. Ist aber der KC-Move nicht der Versuch die verletzten Schwartz/Fisher durch Long und Thuney zu ersetzen? Natürlich hätten man vielleicht für viel weniger Geld ein kleines bisschen weniger Leistung bekommen? Ich habe keine Ahnung wie stark Leistungsabfall und Preisverfall parallel verlaufen.

  2. Ist ja schön, dass Du die Jets gar nicht mal so übel siehst. Wenn ich die Division betrachte, sehe ich die Dolphins als das einzige Team in Reichweite. Und selbst die fühlen sich dynamischer an als die Jets. Aber kann auch sein, dass die letzten Jets-jahrzehnte meine Sicht auf die Jets zu Unrecht eintrüben. In der NFL weiss man ja nie. Zumal noch nicht alle QBs vergeben sind.
    „von 7-9 auf 9-8“? Hat einen Moment gedauert… 😀

  3. @Liesel: Long und Thuney sind aber beides Guards – und Long einer, der seit 2015 immer maximal 500 Snaps (also max. halbe Saison) gespielt hat.

    Zwei gute Tackles mit zwei Guards zu ersetzen, wäre ein verrückter Plan. Vielleicht warten die Chiefs aber auch auf den Sommer und Fishers Genesung um ihn dann so billig wie möglich zurückzuholen.

  4. @Dizzy: Bei den Jets geht es eigentlich gar nicht einmal so sehr darum, schon dieses Jahr alles in Grund und Boden zu spielen, sondern dieses Jahr die Basis zu legen.

    15 Jahre lang haben die Jets den Transfermarkt leergekauft, und das war ein bisschen auch heuer zu befürchten. Ist nicht passiert. Mit all den Draftpicks ist das IMO als Gewinn zu werten.

    Die Jets müssen den richtigen QB ziehen, dann sieht die Zukunft rosig aus. Wenn sie falschen Move dort machen: Nicht so rosig.

    Ich denke, sie sollten noch in der zweiten und dritten Welle ein bisschen Kader aufpäppeln, QB und Impact Positions draften, 2021 abwarten und dann eventuell nächstes Jahr nochmal dickeres Holz nachlegen, wenn der

  5. Zum Thema Deshaun Watson:
    Leider ist da vermutlich ehr dran, als wir zugeben wollen.

  6. Zum Thema Deshaun Watson:
    Leider ist vermutlich mehr dran, als wir wahr haben wollen.

  7. Mehr Details zum Vertrag von Trent Williams
    3 Jahre, 60 Mio mit drei Jahren Option 🙂

  8. Pingback: Warum der Vertrag von Trent Williams kein echter „Rekordvertrag“ ist | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  9. In der Zwischenzeit haben die Texans einen Weg gefunden, wie sie Watson günstig loswerden….

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