Warum der Vertrag von Trent Williams kein echter „Rekordvertrag“ ist

Ich hatte es heute Vormittag schon angedeutet: Der neue Vertrag von Trent Williams bei den San Francisco 49ers ist nur scheinbar der oft kommunizierte Sechsjahresvertrag für 138 Millionen, mit einem Durchschnittswert von 23 Mio/Saison. Jetzt sind noch mehr Details bekannt.

Ich habe schon beim simpel gestrickten Jalen-Mills-Vertrag vor ein paar Tagen gezeigt, wo mancher Clou beim Lesen der NFL-Verträge liegt.

Bei Williams sind seit heute Vormittag die Details bekannt:

In der Gehaltstabelle liest sich das so (hab an die OTC-Daten den Cashflow rangehängt):

Beträge in Millionen | (*Guarantees = Fully Guarantees)

Das Handgeld kann bekanntlich auf maximal fünf Jahre abgeschrieben werden. Laufen Verträge für weniger als drei Jahre, haben NFL-Teams gerade in dieser Offseason die berüchtigten „void years“ für sich entdeckt – Jahre, in denen Handgelder hintenraus, nach dem eigentlichen Vertragsende, abgeschrieben werden.

Aber der Williams-Vertrag hat insgesamt sechs Jahre Laufzeit. Die 30.1 Mio Handgeld werden bis 2025 in Raten zu 6.02 Mio. abgeschrieben. Die meisten „guarantees“ sind vorne dran: Die Gehälter der ersten zwei Jahre sind voll garantiert, und ein großer Batzen des Gehalts von 2023 wird garantiert, wenn Williams in zwei Jahren am 1. April im Roster steht.

Da Williams aber auf drei Jahre quasi unkündbar ist (19 Mio Dead-Money, wenn er in zwei Jahren gefeuert würde), würde er dieses Geld sowieso fast sicher abstauben, zusätzliche Garantie oder nicht.

Cash Flow

Der Clou im Lesen dieses Vertrags – und eigentlich aller – liegt im Cash-Flow. Dieser Aspekt wird in meiner Wahrnehmung viel zu selten diskutiert.

Handgeld (Signing Bonus) bedeutet sofortigen Cash Flow. Das muss nicht 100% heute sein, aber innerhalb der nächsten Monate flattert diese Kohle üblicherweise in mehreren Tranchen zum Fenster rein (es gibt Teams, die liquider sind, und welche, die weniger liquide sind).

Fixgehalt wird in Wochen-Schecks über die ausgezahlt. Roster und Workout Boni kommen an Stichtagen als eine Art zusätzliche Prämie.

Um es einfach zu halten, hier die Auflistung des Cash Flows im Williams-Vertrag:

  • 32.4 Mio im ersten Jahr
  • 8.1 Mio im zweiten (in Summe 40.5 Mio über zwei Jahre)
  • 20.25 Mio im dritten Jahr (60.75 Mio über drei Jahre)
  • 20.9 Mio im vierten Jahr (81.65 Mio über vier Jahre)
  • 23.35 Mio im fünften Jahr (105 Mio über fünf Jahre)
  • 33.06 Mio im sechsten Jahr (138.06 über sechs Jahre)

Nun muss man kein Prophet sein um zu erkennen, dass dieser Vertrag in dieser Form keine sechs Jahre lang laufen wird. Es ist im Kern ein Dreijahresvertrag mit drei Jahren Option hinten dran geflanscht. Die Niners können ab 2024 mit vertretbarem „Dead Money“ (12 Mio in 2024, 6 Mio in 2025, nix in 2026) aussteigen.

Über drei Jahre ist es ein Vertrag mit 20 Mio/Jahr.

Über vier Jahre ist es ein Vertrag mit 20 Mio/Jahr.

Über fünf Jahre ist es ein Vertrag mit 21 Mio/Jahr.

Erst durch das monströse Jahresgehalt im quasi obsoleten letzten Jahr, das zu 99% nicht erreicht wird, mutiert dieser Vertrag zum „Rekordvertrag“, der in den Medien kolportiert wird – und zu den 23 Mio/Jahr, mit denen Williams an David Bakthiari und Laremy Tunsil vorbeizieht.

Es handelt sich dabei aber bloß um einen Trick für lau der Niners. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, dass im Gehalt von 2026 zufällig noch 60.000 Dollar angeflanscht wurden um die 23.00 Mio/Jahr von Bakthiari als bisherige „Rekordzahl“ zu putzen.

Bakthiari und Tunsil haben aber mehr „frontgeloadeten“ Cash-Flow. Sie haben in absoluten Zahlen zu urteilen spielerfreundlichere Verträge, denn Williams müsste quasi das Unmögliche schaffen und das sechste Vertragsjahr erreichen um die 23.01 Mio/Jahr zu erzielen, mit denen er an Bakthiari vorbeizieht.

Jason Fitzgerald hat das vorhin auf Twitter so beschrieben – nach Cash Flow ist Williams einer der teuersten Offensive Tackles, aber nicht der teuerste in den Jahren, in denen dieser Vertrag Bestand haben wird:

Ergo: Super Vertrag, für einen bald 33-jährigen umso grandioser. Aber „Rekordvertrag“ nur auf dem Papier. In der Realität wird Williams etwas weniger ins Trockene bringen als die Kollegen in Green Bay und Houston.

2 Kommentare zu “Warum der Vertrag von Trent Williams kein echter „Rekordvertrag“ ist

  1. Ein kurze Frage habe ich:
    Das Fixgehalt ist das Gehalt, dass die Spieler in der Saisoin erhalten werden & welches wöchentlich ausgezahlt wird
    Handgeld ist der Signing Bonus, der direkt ausgezahlt wurde
    Boni sind Leistungsbezogene Zusätze, die voraussichtlich erfüllt werden (gibt ja einmal die LTBE und die NLTBE- Boni, wobei ja letztere meines Wissens nicht gegen den Cap zählen)
    Was genau sind dann die guarantees?

  2. Guarantees umfasst alles, was der Spieler auf jeden Fall bekommt – ohne wenn und aber. Dass ist auf jeden Fall das Handgeld – aber auch Gehälter können fully guaranteed sein, muss aber nicht.

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