Über den neuen TV-Deal der NFL

Die NFL hat gestern mit ihren Partnern die neuen TV-Verträge bekannt gegeben. Ein Blick auf den fetten Deal.

Vorab: Die neuen Deals laufen nicht schon jetzt sofort an, sondern schrittweise ab 2023. Sie laufen bis 2033 – aber jeweils mit NFL-seitiger Ausstiegsklausel.

Wie sieht der Deal aus?

Grob gesagt – NFL-Wochenenden werden sich für Fans erstmal nicht großartig verändern: CBS behält der AFC-Paket, FOX das NFC-Paket. NBC wird Sunday Night Games übertragen und ESPN Monday Night Games.

Die größte Änderung wird sein, dass “Flex Scheduling” auch für das Montagsspiel eingeführt wird – ESPN kann also mit Vorlaufzeit seine Matchups spät in der Saison austauschen. Das war bislang nur für das Sonntagnachtspiel möglich.

ESPN bekommt mit seinem Schwester-Network ABC unter der Saison nicht bloß Flex-Scheduling, sondern auch noch weitere Upgrades:

  • Einen Doubleheader am Samstag am letzten Spieltag der Saison
  • Ein „Sonntagmorgen“-Spiel, das auf ESPN+ gestreamt werden soll (betrifft ein International-Game, wohl in London)
  • Drei separate Monday Night Games, die auch auf ABC gezeigt werden. Müsste nach meiner nterpretation ein Doubleheader sein
  • Ein zweites Playoffspiel (Wildcard + Divisional)
  • Insgesamt sollen ESPN/ABC statt 17 nun 23 Regular-Season-Spiele bekommen
  • ESPN/ABC kommen in die Superbowl-Rotation und werden einmal alle vier Jahre das Endspiel zeigen (läuft dann auf ABC mit einem Megacast bei ESPN): 2026 und 2030.

Was nicht explizit gesagt wird, aber als so gut wie gebongt gilt: Das 17te Saisonspiel pro Team wird kommen. Ich habe hier schon darüber und über die Implikationen auf den Spielplan geschrieben.

Auch CBS und NBC werden Spiele auf ihren Streaming-Services (NBC = Peacock, CBS = Paramount+) zeigen.

FOX, CBS und NBC unterschreiben jeweils 11-Jahresverträge (Saisons 2023-2033), ESPN einen 12-Jahresvertrag (ab 2022). Die Verträge werden alle zugleich 2033 auslaufen.

FOX, CBS und NBC zahlen alle rund 2 Milliarden US-Dollar pro Saison. Das ist prinzipiell ziemlich genau eine Verdoppelung dessen, was sie momentan zahlen. ESPN/ABC legen für ihr neues Package sogar 2.7 Milliarden pro Saison hin.

Amazon

Die größte Änderung für den Zuschauer gibt es fürs erste beim Thursday Night Game, das bislang von den Networks eher stiefmütterlich behandelt wurde und nur lauwarmes Interesse hervorrief.

Hier steigt Amazon als „exklusiver“ Partner ein. Amazon wird die Übertragungen selbst produzieren und auf seinem Streaming-Service Amazon Prime übertragen. Nur die lokalen Märkte der beiden spielenden Teams sollen die Partie auch im TV zu sehen bekommen.

Jeff Bezos, der die komplette NFL mit seinem Taschengeld kaufen könnte, wollte explizit die alleinigen Rechte an diesem Spiel haben. Amazon legt dafür eine satte Millarde pro Saison auf den Tisch und kriegt eine offenbar noch nicht näher spezifizierte Option, in absehbarer Zeit bei genug Subscribern eines der Wildcard-Playoffspiele zu übertragen.

Die Gesamtsummen sind gigantisch

Insgesamt kommt der neue Deal an annähernd 10 Milliarden Dollar pro Saison heran – und das nur die für US-Rechte. Die internationalen Rechte (also z.B. unser NFL Gamepass) sind da noch gar nicht dabei. Wie diese Produkte von dem Deal betroffen sein werden, ist noch gar nicht klar. Mein Tipp: Gamepass behält weiter alle Spiele für sich.

Obendrauf kommt noch das „Sunday-Ticket“ in den USA. Dort bietet momentan DirecTV in einer Art „US-Gamepass“ alle Spiele allen seinen Kunden an, denn remember: Die meisten 19h/22h-Spiele sind in den USA in den großen Networks nur in den lokalen Märkten zu sehen. Momentan sind diese Rechte 1.5 Milliarden Dollar pro Saison wert. Vonseiten DirecTV soll nur mäßiges Interesse an Verlängerung bestehen – aber die oben genannten Streaming-Services von NBC oder CBS könnten Interesse haben einzusteigen.

In Summe ist das Paket ohne Sunday-Ticket für die elf Jahre gemeinsame Laufzeit von 2023 bis 2033 rund 110 Millarden Dollar wert – also oben beschriebene 10 Milliarden pro Saison. Die NFL ist ihrem Ziel, einen Gesamtumsatz von rund 25 Milliarden pro Saison zu erzielen, einen großen Schritt näher gekommen.

Dass die Medienpartner der NFL auch in Zeiten, in denen die Einschaltquoten leicht zurückgehen, ihre Einzahlungen jetzt noch einmal verdoppeln, ist schon krass und zeigt einmal mehr, welcher Moloch die NFL ist.

Mit dem leichten Shift zu mehr Streaming-Spielen geht die NFL einen weiteren Schritt weg davon, alle Spiele so vielen Leuten wie möglich zugänglich zu machen. Den Trend kennen wir ja längst schon aus Europa.

Und noch eins: Roger Goodell verkündete gestern, dass auch Pakete mit Sportwetten in den bestehenden (oder künftige) Deals eingebaut werden könnten. Was das bedeutet, wurde nicht näher spezifiziert. Aber dass die USA nach der teilweisen Legalisierung des Glücksspiels vor einigen Jahren und dem Umzug einer Franchise ins einst gemiedene Las Vegas sich auch langsam für diesen riesigen Markt öffnet, war abzusehen.

Es liegt eigentlich auf der Hand, dass oben angeschnittene Ausstiegsklausel von der NFL vor allem deswegen eingebaut wurde um bei einem schnellen Wachstum der Wettbranche das „Sports Gambling“ prominenter einzubauen, denn dort liegen bestimmt auch ein paar hundert Millionen (oder mehr?) auf der Straße.

16 Kommentare zu “Über den neuen TV-Deal der NFL

  1. Danke für die gute Zusammenfassung,die summen sind gigantisch. Wie siehst du die Auswirkungen auf den salary cap und schätzt du es als unklug ein,dass die Gewerkschaft NFLPA zuerst einen Deal abgeschlossen hat?

  2. Die Frage die jetzt bei Spox noch aufploppte war, ob das TNG auch im Gamepass enthalten ist oder live nur über Amazon zu sehen sein wird

  3. @Markus: Salary-Cap wird, weil sie noch die Coronakrise aufholen muss, noch ein paar Jahre hinter dem Zeitplan nachhinken.

    Re NFLPA: CBA lief aus, da bleibt nicht viel anderes übrig als zu verhandeln, v.a. wenn die übermächtige NFL sich an den Tisch setzt. Hätten sie CBA erst jetzt verhandelt, hätte die NFL eben mit den TV Deals gewartet.

  4. Nur damit ich das richtig verstehe, da ich mich im US-TV Markt jetzt nicht so gut auskenne: Wenn dort ein Spiel auf FOX, CBS oder NBC läuft, ist das im Prinzip im „Free-TV“, oder? Halt mit der Einschränkung auf die jeweiligen Märkte. Das ist eigentlich für uns Europäer schon fast unvorstellbar, dass zB die Bundesliga oder die Premier League Woche für Woche live im Free-TV gezeigt werden würde.

  5. Mit Blick auf die Free Agency würde ich schon behaupten, dass zumindest einige Owner darauf setzen, dass die Salary Cap schneller als 2023 binden TV Deals profitiert. Ist ja Praktischerweise vom den ownern relativ einfach umzusetzen…

  6. Ich hab ja so gut wie keine Ahnung vom amerikanischen Fernsehmarkt, aber sind diese Summen irgendwie zu refinanzieren?

  7. Es gibt doch im neuen CBA einen „Media-Kicker“, der sollte doch dann jetzt greifen? Oder nicht?

    Klar Sunday Night = Premium Produkt, aber gibt es noch andere Gründe warum NBC für deutlich weniger Spiele dann soviel bezahlt wie CBS und FOX?

  8. Update Salary Cap: Lindsey Jones berichtet im heutigen Athletics-Podcast, dass man von ca. 200 Mio Salary Cap in 2022 und dann doch schon von ca. 230 Mio in 2023 ausgeht.

  9. @Linksaussen: Auch kein Experte, aber primäre Refinanzierung für CBS/Fox sollten die Werbeeinnahmen sein.

    ESPN als Kabelprogramm hat wohl über Werbung hinaus noch andere Motivationen.

    Amazon will wohl Prime ausbauen. Amazon wollte ja auch unbedingt Exklusivität für das TNF. Letztes Jahr hatte das eine exklusiv produzierte Amazone-Prime-Spiel ca. 4 Mio Zuschauer. Mit so einer Zahl allein wird man in 15 Spielen 1 Mrd. nicht so schnell refinanzieren.

  10. RE SNF: CBS/FOX haben zwar deutlich mehr Spiele, aber die laufen alle parallel. Insofern gibt es nur jeweils zwei „halbe“ Sendeplätze, und Primetime am Abend ist halt exklusiv.

  11. Ich glaube nicht, dass die Sender die Kosten komplett über Werbung wieder reinholen. Für sie ist es weiterhin Garantie, dass die Leute ihren Sender schauen und dabei Werbung für das Programm des Senders sehen. Gefühlt ist ja 1/3 der Werbung Eigenwerbung. Ist ihr Alleinstellungsmerkmal, ansonsten werden sie den Kampf gegen die Streaming Giganten verlieren. So bleiben sie relevant.

  12. Ich kenne mich bei den Geschäftsmodellen von TV-Stationen nicht aus, aber die NFL primär als Marketingmaßnahme klingt mir gefährlich, wenn man bedenkt, dass sich der Preis verdoppelt hat. CBS und auch FOX sind längst nicht so finanzstark wie ESPN/ABC, wo Disney dahinter steht, oder eben Amazon.

  13. Update Salary Cap: Der üblicherweise gut informierte Peter King schreibt in seiner Montagskolumne:

    I won’t be surprised if there’s an element in the 2022 cap that allows teams to use a future year or years as a “bank” to borrow from. Because there’s no way the cap’s going to skyrocket next year, and I doubt in 2023 either. My guess is it goes up $8 million, maybe, next year, and then $12 million in 2023. If I’m right, by 2023 lots of teams that pushed bigger 2021 deals than they could afford will need room desperately.

    https://profootballtalk.nbcsports.com/2021/03/22/nfl-free-agency-tv-deal-fmia-peter-king/

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