Die Offseason New England Patriots 2021 unter der Lupe

Heute nehme ich die NFL-Offseason der New England Patriots auseinander. Was war gut, was war weniger gut, was ist alter und was ist neuer „Modus Operandi“, und was fehlt jetzt noch um von einem Erfolg zu sprechen?

Vorneweg: Dass die Patriots irgendwann in dem Strudel der letzten 12 Monate landen würden, war unvermeidlich. Tom Brady hin oder her, New England hatte schon in den letzten Jahren der Brady-Ära stärker „all in“ operiert als früher gewohnt, und war trotz miserabler Drafts mit zwei Titeln und drei Superbowls in drei Jahren 2016-2018 auch extrem erfolgreich.

Aber die Risse waren schon vor dem Kollaps 2020 erkennbar. Sie waren auch schon vor dem Einbruch 2019 erkennbar. Ich schrieb noch direkt in der Superbowl-Nacht gegen die Rams:

Doch die Rams haben vielleicht nächstes und übernächstes Jahr noch einmal die Chance zum Gipfelsturm, während es sich für die Patriots tatsächlich langsam wie das Ende anfühlt. Brady ächzt mehr unter seinem Alter als es sich die Patriots-Community eingestehen will, Gronkowski tritt vielleicht zurück, als Nachfolger hat Belichick entweder Runningbacks oder schwache Receiver gedraftet, die AFC sieht neue Contender aufstreben. Der Patriots-Kader kommt langsam in die Jahre und kann so noch ein Jahr, vielleicht zwei, zusammengehalten werden. Spätestens dann steht der Umbruch an. 

Es war die vielleicht schwächste Patriots-Titeltruppe seit 2001/02. Was ihnen wurscht sein wird, denn Titel ist Titel. Und es bleibt eine großartige Leistung. New England Patriots werden damit zum Co-Rekordchampion in der Superbowl-Ära, schließen mit Ring #6 zu den Steelers auf.

Vor einem Jahr analysierte ich im Anschluss an Bradys Abgang, dass ein groß angelegter Umbruch mit hartem „Tanking“ ein guter Weg für den Neustart wäre:

Belichick könnte einen Umbau also mit der notwendigen Ruhe angehen. Er hat natürlich eine Patriots-Anhängerschaft im Nacken, die seit 20 Jahren verwöhnt ist wie sonst nur die Fans der größten europäischen Fußballclubs und wahrscheinlich beim Gedanken an drei Niederlagen in Folge schon die Spießrute auspacken – doch was sind mit Belichicks Leistungsnachweis im Rücken schon eine oder zwei schlechte Spielzeiten, wenn man dabei langfristig Draftkapital und die Chance auf einen nächsten Franchise-QB bekommt?

Doch dieser Umbruch kam nie. Spätestens nach der letzten Saison ist klar: „Organisiertes“ Tanken wird es mit Bill Belichick nicht geben. Die Patriots hatten keinen wirklichen Plan für 2020, und der führte sie ins Nirvana der NFL: 7-9, fernab der Playoffs, aber auch fern der besten Draftpicks zum radikalen Umbau.

Mit dem Start der Offseason 2021 setzte Belichick nun das nächste Zeichen. Tiefes Tal für breite Zukunft wird es in New England nicht geben. Es geht weiter im gewohnten Modus – als hätte Brady den Laden nie verlassen.

Free Agency

In den letzten Jahren ist immer und immer wieder, hier und überall anders, diskutiert worden, wie schlecht eine große Shopping-Tour in Free Agency ist, und wie wenig für die größten Einkauftouren herausspringt.

Peter King hatte in der montägigen Kolumne diese Aufstellung des Schreckens:

Dabei gilt es natürlich auch in der Frage um Free Agency, Ursache und Wirkung nicht zu vertauschen. Große Shopping-Touren kommen fast immer von schwachen Teams in der Spirale des Grauens, die viel Budget haben, weil es keine guten eigenen Spieler zum Verlängern gibt. Schwache Teams beginnen meist mit schwachen Quarterbacks – und so ist die Verlockung, dieses Manko wettzumachen, meist groß genug um das Thema „Free Agency Einkaufstour -> schwache Bilanz“ zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung zu machen.

Die Patriots begründeten die Einkaufstour grob so: Wir hatten die Notwendigkeit, an vielen Stellen zu upgraden, hatten nach unserer billigen QB-Verpflichtung das notwendige Geld, und haben diese Offseason als günstig angesehen, weil wir mit dem überall knappen Cap-Space nur gegen zwei oder drei, nicht zehn oder zwölfTeams geboten haben.

Dass gut geführte Teams wie die Patriots zu so einem Hammer wie letzte Woche ausholen, ist eher selten. Und daher nun auch ein guter Case-Study: Ist es noch der „Patriots Way“, oder sind die Pats damit ein Team unter vielen geworden?

Free Agency ist bestimmt nicht der beste Weg um ein Team langfristig zu bauen. Aber sie ist nützlich im Adressieren von Schwachstellen – und Belichick hat einfach viele Schwachstellen adressiert.

Waffenarsenal

Newton war die preiswerteste verfügbare Quarterback-Option, die man als sportlich passabel einstufen kann. Cam war 2020 nicht gut, und 2019 fast durchgängig verletzt, und eigentlich 2017 das letzte Mal ein richtig hochklassiger QB. Aber Newton bietet am Feld zwei Dinge: Erfahrung und Mobilität.

Dass mobile QBs dem Laufspiel auf die Sprünge helfen, ist seit vielen Jahren bekannt. Mit Newton als Trigger lässt sich eine starke Rushing-Offense spielen. New England hatte bei aller Kritik an der letztjährigen Offense mit 0.05 EPA/Run den dritt-effizienteste Rushing-Angriff der NFL.

Es galt, die sechstschwächste Passing-Offense zu verbessern – und zwar massiv. Belichicks Weg dorthin ist mittlerweile bis zum Gebrechen diskutiert.

Die beiden Tight Ends Jonnu Smith und Hunter Henry wurden teuer eingekauft und deuten drauf hin, dass Belichick wieder viel mehr 12-Personnel spielen und wie in den guten alten Zeiten wieder die Spielfeldmitte kontrollieren will. Smith und Henry erinnern natürlich sofort an Gronkowski/Hernandez, aber ich glaube, mit dem Vergleich tut man dem künftigen Duo keinen Gefallen (und das ohne Off-field-Stuff zu meinen…).

Die beiden Tight Ends sind natürlich teuer: Smith und Henry sind mit jeweils 12.5 Mio/Jahr ex aequo die #3 in der APY-Bezahlliste. Smith hat den um ein Jahr längeren Vertrag, dafür hat der verletzungsanfälligere Henry anteilsmäßig etwas mehr „guarantees“. Sportlich sind beide relativ austauschbar einsetzbar.

Beide haben relativ wenig „in-line“ und vergleichsweise viel „wide“ und im Slot gespielt. Beide hatten gute und schlechte Zeiten als Blocker. Smith war in Tennessee mehr „move TE“ mit eher kürzeren Anspielen (aDOT um die 6-7 Yards), während Henry meist tiefer angespielt wurde (aDOTs über 8.5 bis 11 Yards).

12-Personnel ist eine gute Offense für 1st und 2nd Down. Mit 2 TE in der Aufstellung lässt sich leichter Play Action spielen, und Defenses haben mit mehr Laufspielbedrohung eine schwierigere Aufgabe, alle Passrouten abzudecken als wenn sie mit 5-6 DBs 3-WR-Offenses verteidigen müssen. Doch in 3rd Downs dominiert in der NFL nach wie vor 11-Personnel.

Dafür haben die Pats die Receiver Kendrick Bourne und Nelson Agholor geholt – und das sind die wirklich fragwürdigen Moves in meiner Weltsicht.

Bourne war in San Francisco, in einer Offense, in der Receiver nur gut aussehen können, nur Durchschnitt. Er kassiert bei den Pats zwar keinen Monstervertrag (3 Jahre, 15 Mio mit 5.2 Mio guaranteed), aber eine wirkliche „Lösung“ für größere Probleme ist Bourne nicht.

Agholor ist der bizarrste Einkauf: Fünf Jahre Flop in Philly, ein Jahr topp in Las Vegas. Die Pats holten ihn für zwei Jahre und 22 Mio, und geben ihm 16 Mio. guaranteed. Ein Dead-Money von 10 Mio. in der nächsten Offseason „garantiert“ Agholor eigentlich fix schon beide Vertragsjahre bei den Pats.

Agholor ist einer der Spielertypen, die New England früher für zwei Jahre und insgesamt 8 Mio. geholt hätte – lange auf der Straße sitzende Free Agents, die froh sind überhaupt irgendwo unterzukommen anstatt für ein gutes Jahr (von sechs) gleich den dicken Deal zu bekommen.

Die Pats sind eine schlauere Organisation als z.B. die Raiders, aber den „Patriots-Move“ auf Wide Receiver machte in dieser Offseason Las Vegas: Ließ Agholor, den billigen one year flyer aus der letzten Free Agency, ziehen und ersetzte ihn billig durch John Brown, der auch gut tief laufen kann und bei minimalen Preisschild (3.2 Mio für ein Jahr) nicht viel weniger anbietet als Agholor.

Ein Approach mit zwei Tight Ends ist deshalb vertretbar, weil er finanziell üblicherweise billiger kommt als vielen Receivern Unterhalt zahlen zu müssen (die teuersten Tight Ends sind wesentlich billiger als die teuersten Receiver – wir reden von 8-10 Mio/Jahr Unterschied bei den dritteuersten auf der Position).

Doch dann wiederum zahlen die Pats einem Agholor fast gleich dicke Kohle als den beiden Tight Ends – ein Move zu schlucken wie eine bittere Pille.

WRs Edelman, Meyers, Agholor, Bourne, Byrd
TEs Henry, Smith

Belichick impliziert damit auch, dass die letztes Jahr via Trade-Up in der 3ten Runde geholten Tight Ends die Investition nicht wert waren.

Immerhin: O-Line bleibt auch auf höherem Level, trotz des Abgangs von OG Thuney. Die Moves an dieser Stelle waren durchaus vernünftig: RT Trent Brown aus Oakland zurückgeholt, für einen Late-Rounder und verbunden mit einer Vertragskürzung. C David Andrews recht billig gehalten und Backup Karras aus Miami geholt. OT Marcus Cannon für Pick-Upgrades in Draftrunden 4-6 nach Houston verkauft. Diese Unit bleibt physisch imposant und eine der besseren in der NFL

Defense

Die beiden auffälligen Moves waren der Einkauf von EDGE Matt Judon und DB Jalen Mills. Judon ist ein typischer „Belichick-DLiner“: Solide in allen Facetten des Spiels, steht seinen Mann ohne allzu viele Reps zu verlieren. Speed-Rusher geht natürlich komplett anders, aber Judon zieht seine Snaps bis zum Ende durch.

Judons Vertrag ist allerdings auch ziemlich heftig: 4 Jahre, 54 Mio, 30 Mio. fully guaranteed. Nach APY ist es der 20t-teuerste EDGE-Vertrag der NFL für einen Spieler, den nicht viele in den Top-20 auf der Position sehen.

Mills ist eine Art „Nachfolger“ für den zurückgetretenen Patrick Chung: Vielseitig, selbstlos. Allerdings galt Mills in Vergangenheit auch als eine Art „Coach-Killer“, weil er trotz guter Anlagen nie wirklich den Durchbruch geschafft hat. Mit einem Vertrag, der effektiv über zwei Jahre und 12 Mio. läuft, ist er zwar kein Schnäppchen, aber auch kein überaus großes finanzielles Risiko.

Judon und Mills waren nur Teil der Einkaufswut in der Defense. Die Einkäufe von DL Henry Anderson (2 Jahre für insgesamt 7 Mio) und DT Davon Godchaux (2 Jahre, 16 Mio) wirken teuer im Vergleich zu dem was die Spieler anbieten – beide Spieler sind Role Players, die New England in früheren Jahren wesentlich billiger in der dritten Woche der Free Agency aufgegabelt hätte.

Aber zwei andere Moves waren dafür echte „Belichicks“: Den RFA CB J.C. Jackson nicht mit einem 1st Round Tender zu belegen, sondern nur mit dem billigeren 2nd Rounder. Und den versatilen EDGE-Player Kyle Van Noy aus Miami zurückgeholt.

Mehr Belichick als der Van-Noy-Move geht eigentlich nicht:

Auch in der Defense lässt sich ein Plan erkennen – nämlich die Fortführung bekannter Methoden: Matchup-Defense, einstellbar je nach Scheme und Gegner, viel Flexibilität in der Front, noch mehr Flexibilität in der Secondary. Das einzig Bemerkenswerte ist, dass Belichick einem vielversprechenden Jungspund wie dem letztjährigen 2nd Rounder John Uche jetzt in Judon und Van Noy zwei Routiniert vorsetzt anstatt Uches Prospects zu entfalten.

Coacht hier ein ungeduldiger Mann auf seine alten Tage?

Patriot Way

Das Gesamtbild der Moves ist ziemlich klar: Die Patriots wollen maximale schematische Freiheit in allen Phasen des Spiels. Die eingekauften Spieler passen mit wenigen Ausnahmen dazu – und ich kann nachvollziehen warum ein Benjamin Solak diese Zeilen schreibt:

So the new Patriot Way is still the old Patriot Way. Scheme fits, guys who are willing to fall in with the culture, play good defense, find exploitable edges on offense, dominate. It’s just a little more aggressive, as the filters which prevented Belichick from going full Belichick—the trust Caserio had earned, the floor Brady had offered—have fallen away. The Patriots have always been Belichick’s team, and that’s always worked for them. But a smudge of doubt has been introduced to that gleaming legacy, and Belichick already seems hellbent on buffing it out.

Was ich nicht nachvollziehen kann, sind solche Takes:

„Clinic“ – geschrieben ausgerechnet von Belichick-Buddy Louis Riddick, der erst vor zwei Wochen DIAMETRAL andere Sichtweisen auf die Free Agency in einem Podcast mit Robert Mays zum Besten gegeben hatte.

Klaro: Schwachstellen sind adressiert, Plan ist erkennbar, Team wird 2021 in wesentlich besserem Zustand auflaufen als 2020, und wahrscheinlich auch wieder eine positive Saisonbilanz einfahren.

Aber fette Einkaufstour in Free Agency bleibt der Move der Verzweifelten, und schon nächstes Jahr werden die Pats einige fette Cap-Hits durchschleifen, die nach Entlassungen oder weiteren Umstrukturierungen schreien: Judon 16.5 Mio, Agholor und Henry je 15 Mio, Smith 13.8 Mio, Godcheaux 10.2 Mio – bei auslaufenden Verträgen für Gilmore, Hightower, Devin McCourty (schon jetzt 6.5 Mio Dead-Cap in drei Void-Years hintendran), Cam Newton, Jackson oder Trent Brown, und einem Isaiah Wynn auf „Fifth Year“ (oder auch ohne Vertrag).

Die gefundenen Lösungen sind also kurzfristiger Natur. Aber es gibt einen Weg, mit dem die Patriots-Offseason dann doch noch einen größeren Sinn bekommen kann, und ich habe in den letzten Wochen immer wieder darüber geschrieben.

Finde den Quarterback!

Newton ist mit 6 Mio. Grundgehalt mit leistungsbezogenen Prämien on top ein Schnäppchen, aber Newton ist keine langfristige QB-Lösung. Was Newton den Patriots gibt: Eine Basis für 2021 um den Laden am Laufen zu halten.

Aber eben nur in 2021.

Danach steht die nächste Zensur an – oder weiteres Hinausschieben des Unvermeidlichen. Wenn die Patriots mit den Transaktionen der letzten zehn Tage versucht haben, den Laden auf 12 Monate am Laufen zu halten, dann halte ich die Offseason netto für einen Verlust. Doch wenn sie ausgehen vom #15 Overall Draftpick, den sie momentan halten, noch einen Anschlag auf einen neuen Quarterback anzetteln, dann bewegt sich das Pendel sehr schnell in eine andere Richtung.

Denn dann hat New Englands Offseason plötzlich „Upside“.

Der bei den Belichick-Buddys Easterby und Caserio in Houston unter Vertrag stehende Deshaun Watson soll in den Planungen der Pats momentan keine Rolle spielen. Also bliebe der Draft.

Die Klasse von 2021 ist super besetzt. Trevor Lawrence ist außer Reichweite, aber dahinter ist alles offen. Ein Trey Lance oder Justin Fields würden in ihren Anlagen perspektivisch durchaus in die neu geschneiderte Patriots-Offense passen – besser als „QB4“ Zach Wilson oder die Statue Mac Jones.

Gut möglich, dass Belichick so untätig bleibt wie vor einem Jahr – obwohl es mit einem Newton auf billigem Vertrag keinen unmittelbaren „Need“ gibt. Belichick zeichnete über all die Jahre immer aus, dass er langfristiger denkt als andere. Der „Patriot Way“ war vieles, und vieles profitierte schlicht von der Präsenz eines Tom Brady. Aber der Patriots-Way war nie ausgerichtet auf bloß ein einziges Jahr.

Eine „große Quarterback-Lösung“ ist, je mehr ich drüber nachdenke, die einzig logische Kulmination dieser Offseason. Lance oder Fields ein Jahr auf der Bank, um nach dem nächsten Umbruch 2022 von einem grundsoliden Gerüst aus startend wieder richtig durchzustarten: Call me in. Jetzt braucht es nur noch einen Trade-Partner und genug Holz um den Deal einzufädeln.

16 Kommentare zu “Die Offseason New England Patriots 2021 unter der Lupe

  1. Was ist mit N’Keal Harry? Ist es nicht zu früh um ihn schon komplett abzuschreiben? Potential hat der Junge immerhin.

  2. Ich sehe bei Wilson einen System-QB, der ins Widezone-Scheme passt, aber was bietet er sonst an?

    Arm ist gut, aber nicht so gut wie bei Lawrence oder Lance.

    Accuracy ist irgendwo da, aber längst nicht immer „spot on“, viele gefährliche Würfe, die seine receiver ins Krankenhaus bringen können, v.a. über die Mitte.
    Hat überhaupt wenig über die Mitte geworfen, dafür dass der restliche Wide Zone Tree diese Zone am liebsten ausschlachtet.
    Accuracy im Lauf ist nicht so stabil wie es Twitter impliziert.

    Entscheidungen oft ziemlich harakiri, schau das Tape durch und du siehst einige Pässe, die gute CB zu Pick Sixes zurückgetragen hätten. du siehst außerdem in schöner Regelmäßigkeit Plays, die am Feld liegen bleiben, weil er lieber den Highlight-Pass nimmt.

    Tiefe Bälle verhungern hie und da, und als Grund würde ich mit meinem Kenntnisstand die Beinarbeit herauskristallisieren (vorderes Bein gibt nicht volle Kraft auf den Körper, und weil der Arm eben nicht so gut ist wie alle glauben, geraten die Bälle immer wieder zu kurz).

    Pocketpräsenz IMHO okay, aber er ist nicht so mobil wie ein Mahomes, im Lauf kann er längst nicht so gut werfen, von daher fand ich die Vergleiche auch im Stil ziemlich übertrieben.

    Kurz: Arm aus meiner Sicht längst nicht so gut wie propagiert.
    Resultate sind da, weil die Konkurrenz nicht gut war. Aber den Prozess zu den Resultaten hin würde ich oft hinterfragen.

    System-QB. Wenn er zu den Jets geht und McCarthy als OC so gut ist wie alle glauben, dann kann schon sein, dass sie den Mann vernünftig einlernen und er in 3 Jahren ein guter Starter ist.

    Gewisse Probleme sieht man natürlich auch bei anderen QBs. Auch Lawrence ist nicht so clean wie überall steht. Lance hat auch seine Accuracy Wackler, aber dafür mental viel mehr gemacht, viel besseren Arm und ist wesentlich besserer Runner. Fields wirkt auf mich überhaupt mittlerweile komplett unterschätzt. Bei Wilson würde ich gerne noch verstehen, inwiefern sein gelegentlichens Zögern vor dem Wurf ein strukturelles Problem ist oder nicht.

  3. Ich würde an dieser Stelle nicht viel auf deutsche Medien geben. Die berichten aus dem US-Sport tendenziell eher über solche Dinge als über sportliche Belange.

    Im Athletics-Podcast hat Lindsey Jones, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, grob folgendes gesagt:

    – 16 Zivilklagen bis gestern Abend von 16 verschiedenen Frauen sind bislang anonym eingegangen, alle beinhalten Anschuldigungen verschiedener Form von sexuellem Fehlverhalten (online Terminvereinbarung für Massage, und dann eine Linie überschritten)
    – Die NFL hat ihre interne Untersuchung eingeleitet, was ein Standardprozess ist. Watson wird u.a. zum Commissioner zitiert werden, aber die NFL wird auch Indizien- und Beweismaterial zusammensuchen.
    – Die Verantwortlichen beschreiben die Situation alle als „kompliziert“. Der Prozess wird lange dauern, vielleicht in 2022 hinein gehen.
    – Bezüglich Wechsel müssen interessierte Teams ihre eigene Due Diligence machen, was schwierig ist, denn wahrscheinlich wird man nicht mal in einem laufenden Verfahren mit Watson sprechen können.

    Bei Antonio Brown gingen vor eineinhalb Jahren Zivilklagen ein. Bis heute sind sie ungelöst.

  4. Tyreek Hill ist auch noch in der Liga. Die NFL sägt keine Superstars ab solange es keine offensichtlichen und eindeutige Beweise gibt, erst recht keinen Top 5 franchise QB. Einen AB zu verlieren tut nicht weh.

  5. UNd Zivilklagen bleiben immer Zivilklagen? Also alles mit Geld regelbar?? Da greift nicht irgendwann mal ein Staatsanwalt ein??? Wenn das so ist, dann ist das ein echt schräges System…

  6. Zivilklagen bleiben immer zivilklagen – ist auch in Deutschland so; wäre ja auch blöd, wenn nicht: da verklagst du auf Schadensersatz und bekommst nichts, weil der Staat dir die Klage wegnimmt. Das schließt eine Strafrechtliche Verfolgung aber nicht aus. Wie das im Detail in den USA aussieht kann ich aber nicht sagen.

  7. @ahmser: ergänzend zu dem was Alexander schon geschrieben hat sei noch angemerkt, dass es nicht nur so ist dass sich der Staat auch in D nicht in einen Zivilklage einklinken kann sondern dass umgekehrt Schmerzensgeldansprüche auch nicht im Strafprozess geklärt werden sondern einen zweiten, zivilrechtlichen Prozess benötigen. (zB häufig bei Verkehrsunfällen) Das nebeneinander von Straf- und Zivilprozess ist also in beide Richtungen üblich.

    Allerdings gibt es Delikte bei denen die Staatsanwaltschaft verpflichtet ist von selbst tätig zu werden sobald ihr der Verdacht bekannt wird, während andere nur auf Antrag verfolgt werden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden dann parallel laufen. Wie das in Watsons Fall in D aussehen würde weiß ich aber nicht, ich bin kein Jurist.

  8. Vielleicht will Belichick ja auch nur ein letztes Mal auf einen SB gehen und tritt dann nach der Saison zurück?

  9. Bei Watson sieht es halt, selbst wenn er vollkommen unschuldig ist, einfach nur selten dämlich aus wenn man beweisen kann das er sich über 20 Masseusen via Instagram „bestellt“ hat. (sollen zumindest mittlerweile 24 Frauen sein mit insgesamt 14 Klagen.)

    Denn da stellt man sich halt zwangsläufig die Frage warum ein Profisportler nicht Spezialisten dafür hat, warum er seltsamerweise nur weibliche (und ich unterstelle mal „gut aussehende“) Masseusen sich holte und vor allem warum er sie anscheinend fast monatlich durchwechselt.

    Denke da würde so ziemlich jeder „Frauenheld“ denken. Und sowas kann nun natürlich nach hinten losgehen.
    Am Ende wird sich zeigen müssen wie viel wirklich hinter den Anschuldigungen steht. Werde ihn aber erstmal nicht abschreiben bzw. als schuldig ansehen (momentan höchstens als reich und exzentrisch), genau so wenig aber den Frauen eine Lüge unterstellen. Sollen andere entscheiden.

  10. Von einer common-sense Perspektive aus sollten die Texans Watson nicht an ein Team mit Top-coach abgeben. Wenn Watson woanders Erfolg hat, sehen die Texans nicht gut aus.
    Sie sollten sich auch an Seattle orientieren, sprich unter 3 Firstrounder und zwei Top-starter dürfte nichts gehen.
    Und Belichick war die letzten Jahre immer ein kühler Kopf: Spieler lieber ein Jahr zu früh abgeben, Compensation einkalkulieren und vor allem: nicht zuviel bezahlen.
    Mit Cam Newton und vielleicht einem cleveren Draft-move dürften sie nicht so schlecht da stehen, als dass Bill Belichick den großen Ausverkauf für Deshaun Watson machen würde.
    Ich fände es natürlich klasse zu sehen, was ein Belichick mit Watson machen kann, aber kann es mir leider nicht vorstellen.
    Der Pessimist in mir sieht ihn in Houston verschimmeln.

  11. Pingback: Die Nachwirkungen des NFL-Draft-Trade-Wahnsinns vom gestrigen Freitag | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  12. Pingback: Wie passt Mac Jones in die Offense der New England Patriots? | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  13. Pingback: All-32: New England Patriots 2021 Vorschau | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.