Deshaun Watson Saga

Ich hab schon im Sofa-QB-Podcast gesagt, dass man in der Saga Deshaun Watson noch nicht von „Erkenntnissen“ sprechen kann. Daher hier nur mal kurz zusammengefasst das, was Lindsey Jones am Mittwoch im Athletic-Podcast mit Robert Mays zum Thema gesagt hat.

Jones beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema NFL/Gewalt gegen Frauen und ist eine der besseren Quellen zum Thema.

Hier stichpunktmäßig das, was Jones gesagt hat:

  • Es ist ein sehr komplizierter Fall, sehr vielschichtig, momentan traut sich niemand aus Liga- und Teamkreisen eine Prognose abzugeben in welche Richtung sich der Fall entwickeln wird.
  • Bis Anfang der Woche waren 16 einzelne Zivilklagen eingegangen, von 16 verschiedenen anonymen Frauen, die alle eine Form von sexuell motiviertem Fehlverhalten anprangern.
  • In jedem Fall soll es so gelaufen sein: Der Beschuldigte kontaktierte online die Frau für eine Massage und überschritt dann im Laufe der Massage die Linie in der einen oder anderen Form
  • Die NFL hat schon ihre eigenen Ermittlungen im Fall eingeleitet. Das ist ein völlig normaler Vorgang, wenn einer ihrer Spieler beschuldigt wird und passiert oft auch ohne Verhaftung oder auch nur offizielle Anklage. Die NFL wird Jones zufolge versuchen so viele Informationen wie möglich einzuholen, u.a. mit den Opfern Kontakt aufzunehmen (ich hoffe, das habe ich richtig verstanden), an die Textnachrichten zu kommen, und sie wird Watson beim Commissioner vorladen.
  • Das ganze Verfahren mit den Zivilklagen dauert. Es ist praktisch ausgeschlossen, dass wir eine Lösung in den nächsten Wochen haben. Es kann sich über Monate ziehen, vielleicht in 2022 hineingehen. Beispiel Antonio Brown: Die Anzeige gegen ihn kam von Oktober 2019. Eineinhalb Jahre später ist das Verfahren noch immer laufend.

Die Kommunikationsstrategie sowohl von den Anwälten der mutmaßlichen Opfer als auch von Watson ist ziemlich eigen, weil vieles über Social-Media in recht aggressivem Ton geführt wird.

Nochmal: Verlässliche „Erkenntnisse“ gibt es noch keine.

Die meisten Medien halten sich aus gutem Grund bedeckt. Takes wie Mike Florio, der Watson schon aktiv zu außergerichtlicher Einigung rät, sind noch rar.

Für die Wechselgerüchte um Watson das alles erstmal: Sie sind „on hold“ gesetzt. Jedes weiterhin an ihm interessierte Team muss seine eigene due diligence machen – was kompliziert ist: Dazu gehört wohl auch, mit Watson selbst zu reden – was sich in laufenden gerichtlichen Verfahren als schwierig gestaltet.

Detailliertere Informationen gibt es für Abonnenten von „The Athletic“ in diesem Artikel.

22 Kommentare zu “Deshaun Watson Saga

  1. Man muss noch sagen, es sind Zivilrechtsklagen. D.h. in der Regel werden die mit einer Art Unterlassungserklärung und einer Geldzahlung beendet. Sobald es also zu Gerichtsverhandlungen käme, gäbe es den Streit in aller Öffentlichkeit. Deshalb auch der Vorschlag von Florio, das vor den Gerichtsverfahren zu erledigen. Wenn was dran ist, gibt es so oder so eine NFL-Suspendierung.

  2. Also sich Dutzende Frauen ins Haus zu rufen in seiner Situation ist schon selten dämlich und lässt zumindest Charakterlich teilweise tief blicken.
    Dazu glaube ich nicht an dieses Märchen das sich Dutzende Frauen gegen einen Mann Verschwören.
    Oft ist viel einfacher, ein Mann der sich für unwiderstehlich hält und ein Nein nicht gewöhnt ist.
    Wir reden ja nicht über etwas was ihn in den Knast bringen kann aber ich würde als Team nicht Haus und Hof verkaufen um mir solche Charakterprobleme in den Locker Room zu holen.

    Leadership geht Andes…

  3. Naja, es ist eben ein saumäßig schmaler Grat zu wandern, wenn der überhaupt vorhanden ist. Ich kann die Argumentation, dass es zumindest nicht sonderlich brillant ist, sich in Zeiten einer globalen Pandemie reihenweise Masseurinnen von außerhalb der ganz strengen Kontrollbubble zu holen, schon verstehen und das hat dann finde ich auch nicht so wahnsinnig viel mit Vorverurteilung zu tun. Was das „Nein“ angeht, seh ich das schon eher; allerdings gibt es auch durchaus Studien die wenig überraschend zeigen, dass dieses sich elendig haltende Narrativ von Frauen, die das „Nein“ erst im Nachhinein formulieren um Geld und/oder Ruhm abzustauben, statistisch nicht belegbar ist (eine Zusammenfassung dieser Argumentation ist hier: https://qz.com/980766/the-truth-about-false-rape-accusations/). Und ganz ehrlich: Im Kontext der NFL halte ich so ein Verhaltensmuster nach allem was die letzten Jahre so ans Licht kam auch nicht völlig abwegig – und schon bin ich auf dem schmalen Grat. Ich versuche wirklich, niemanden vorzuverurteilen – und wer weiß, vielleicht ist Watson ja auch wirklich dieser Pechvogel, dem jetzt was auf die Füße fällt. Aber ich geb zu, ich hab auch ein gewisses Bauchgefühl darüber für wie wahrscheinlich ich das halte. Nur: die Frage, ob und wie ich mich darüber persönlich äußern muss ist natürlich eine andere.

  4. Ich erinnere mich dunkel an eine Geschichte um den Besitzer der Patriots, okay, der ist weiß und hat ne Menge mehr Schotter zur Verfügung. Aber auch da war ja was mit Massagen.

    Könnte also ein guter Fit sein für die Patriots.

    Von diesem unsachlichen take abgesehen, stimme ich @flyhalf zu.

  5. Es ist schon interessant, dass die Texans direkt von den Anschuldigungen profitieren. Unter normalen Umständen hätte Watson wahrscheinlich weiter den Fuß auf dem Gaspedal was seinen Trade-Wunsch betrifft. So muss er sich aber zurückziehen und klein beigeben. Die Texans können auf Zeit spielen und hoffen, dass sich das Verhältnis zu ihrem QB doch noch kitten lässt.
    Mag nur glückliche Fügung für das Team sein.
    Ich möchte nicht wissen, wie vielen anderen NFL Spielern man ähnliche Sachen anhängen könnte wenn man wollte. Dafür gab es einfach schon zu viele Fälle, die ans Licht gekommen sind.
    Sind natürlich auch alles Vorverurteilungen hier, das ist mir bewusst.

  6. Das eigentliche Problem ist ja, dass die Öffentlichkeit hier erwartet dass die NFL und die Teams ein Urteil über mögliche Taten von Watson fällen.
    Abschließend ist sowas aber nur in einem unabhängigen Ermittlungsverfahren mit Vernehmungen von Opfern und Beschuldigtem, Beweissicherung etc möglich, mit entsprechender Transparenz in Form einer öffentlichen Verhandlung – klassisches Geschäft des Staates. Die Teams und die Liga sind damit in einer schwierigen Lage zwischen öffentlicher Erwartung und ihrer eigentlichen Rolle als privater Akteur. Normalerweise würde ich sagen, dass der privater Akteur dann nur nach staatlichem Urteil tätig werden sollte. Für Verbände oder andere Akteure die das öffentliche Leben stark prägen wie die NFL sollte man aber berücksichtigen, dass ihre Aktionen gesellschaftlichen Debatten beeinflussen und prägen können.

    Ich persönlich finde deshalb, dass die Grenze für die Teams dort liegt, wo sie Fehlverhalten verharmlosen bzw einem Spieler vorzeitig Absolution erteilen… Der Fall Rice wäre hier ein Beispiel. Insofern wäre ein Trade für Watson bei dessen Verkündung schon Bedingungen genannt werden unter denen das neue Team nicht mehr mit ihm zusammen arbeiten will denkbar.

  7. @Davidoffsmoker
    In dem einen Fall nehmen die Frauen Geld für eine Leistung, im anderen Fall werden sie genötigt eine Handlung zu erdulden, bzw über sich ergehen zu lassen.
    Daher ein wiklich unpassender Kommentar.

    @Flyhalf
    Gutes Resumee

    Ich persönlich halte es wie der Hausherr. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse, wir müssen daher abwarten und ein blödes Gefühl bleibt.

    So oder so, als Tradekandidat ist Watson vorerst verbrannt.

  8. @Madwurst
    Du deutest also an das die Texans mittlerweile über 20 Frauen angestiftet haben zu lügen und sich, nachdem ihre Identität öffentlich gemacht wird oder rauskommt, späteren Morddrohungen, Angriffen, Beschimpfungen, möglichen beruflichen Einbußen usw. auszusetzen…von möglichen Gegenklagen wenn es rauskommt gar nicht erst zu sprechen.
    Mal ganz davon ab das viel zu viele Leute daran beteiligt sind und damit Tür und Tor offen wären das sich jemand verplappert oder es ganz einfach lukrativer findet darüber mit den Medien zu sprechen. Schlagzeile „Texans stiften Frauen an um QB zu halten“.

    Und das alles damit Watson länger da bleibt, obwohl er kein Bock hat für sie zu spielen, er ggf. sowieso durch die NFL gesperrt wird und sie damit in eine komplett ungewisse Saison starten.
    Während die Texans damit gleichzeitig jeglichen Tradewert und Verhandlungsbasis die zu ihrem Vorteil wäre…vernichten.
    Also statt mindestens drei 1st Rounder zu kassieren (+ vielleicht sogar mehr) und ggf. den ab nächsten Jahr dicken Contract los zu sein und mit Tyrod Taylor weiterzumachen.

    Ja…also ich denke das können wir streichen.

  9. Pingback: Die Nachwirkungen des NFL-Draft-Trade-Wahnsinns vom gestrigen Freitag | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  10. @Flyhalf – Danke für den Link, sehr interessantes Lesematerial

    Zu Watson: Keiner außer den direkt beteiligten kann wirklich beurteilen was geschah. Aber allein aufgrund dessen was bekannt ist kann man ganz ohne das Vermuten einer Verschwörung feststellen, dass Watson zumindest Grenzen überschritten hat die man mit gesundem Urteilsvermögen nicht überschreitet. Dies kann man z.B. an den Entschuldigungs-SMS/WhatsApp Nachrichten festmachen.

    Ich arbeite seit vielen Jahren in Führungsfunktionen in Unternehmen mit Compliance Richtlinien. So etwas wird es bei NFL Teams neben Schulungen diesbezüglich sicher auch geben. In solchen Diskussionen wird oft völlig vernachlässigt, dass allein das Macht Gefälle – sei es nun als Chef oder NFL Star – die Situation stark verzerrt. Jemand mit einem gesunden Urteilsvermögen, lässt nicht mal den Hauch eines Verdachtes entstehen und entzieht sich einer „zweideutigen“ Situation im beruflichen Umfeld (dies ist auch meiner Sicht auch gegeben wenn man eine Masseurin bestellt) unmittelbar und deutlich. Bei Watson liegt eben der Verdacht sehr nahe, dass er genau das Gegenteil davon gemacht hat.

    So komisch, dass klingen mag aber mir sind in meinem Berufsalltag haufenweise solche Männer begegnet und wenn man dann amikal von „Mann“ zu „Mann“ mit Ihnen spricht ist Ihnen die Grenzüberschreitung fast immer sehr deutlich bewusst. Oft wurde traurigerweise sogar darüber geprahlt. Es wird halt davon ausgegangen, dass dies nie ans Licht kommt oder der schwächere Part (fast ausschließlich Frauen) nichts unternehmen wird. Zum Glück ändert sich das langsam, wenn auch für meinen Geschmack leider viel zu langsam.

    Um es Brachial mit den Worten meines Großvaters zu sagen: „Man isst nicht da wo man sein Geschäft erledigt“ Denn mit ein bisschen Einsatz, Kreativität, Leidenschaft und Wille kann man auch außerhalb eines beruflichen Abhängigkeitsverhältnisses ganz wunderbar zu sexuellen Erlebnissen kommen ohne das Mann seinen Status, seine Position oder dergleichen verwenden muss!

    Sorry für meine ausführliche Stellungnahme. Aber mich kotzt dieses archaische Verhalten vieler meiner Geschlechtsgenossen einfach tierisch an.

  11. @odlum

    Wären sie genötigt worden, wäre das ein Straftatbestand und die Staatsanwaltschaft würde einschreiten.
    Was wiederum einmal mehr aufzeigt das in diesem Fall ein schmaler Grat besteht. Man weiß wenig bis gar nichts, außer halt das Zivilklagen anhängig sind.

  12. @Garosh: Ich deute gar nichts an. Ich stelle nur fest, dass die Texans aus meiner Sicht extrem von der Situation profitieren und Watson sonst schon weg wäre.
    Ich weiß viel zu wenig über alle Umstände.

    Wenn ich aber Jack Easterby wäre, kann niemand abstreiten, dass mir die Situation nicht entgegen kommt – das ist eine Feststellung, mehr nicht. Wär tradet sonst freiwillig seinen jungen Top3 QB um mit drei FRPs auf eine Lotterie zu setzen, die mir keinen gleichwertigen Ersatz garantiert?

  13. @nil
    Sehr guter Kommentar

    @Davidoffsmoker
    Sie verwechseln das deutsche und das amerikanische Rechtsystem.
    InnDeutschland gilt das Legalitätsprinzip, bei den Amerikanern das Oppertunitätsprinzip. Vielmehr kennen die Amerikaner das Legalitätsprinzip wie in Deutschland praktiziert gar nicht. Das bedeutet, die Strafverfolgung in Amerika steht im Ermessen der Strafverfolgungsbehörden und es herrscht nicht wie bei uns Strafverfolgungspflicht bei Anfangsverdacht.

    In Deutschland wäre jetzt schon ein Verfahren gegen Watson anhängig. In Amerika aber nicht. Da besteht bis jetzt lediglich die Zivilklage und kein Strafverfahren.

    Und aus dem Grund ist es sehr wohl ein Unterschied ob ein Herr Kraft zu einer Massage mit Happy End geht und dafür bezahlt oder ob sich Frauen beschweren, dass ein QB Superstar sexuelle Handlungen gegen ihren Willen ausübt.
    Da gibt es auch keinen Interpretationsspielraum.

    Ob die Anschuldigungen wahr sind wissen nur die Beteiligten.

  14. Pingback: Wie viele Leute massieren einen NFL-Spieler? | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  15. Update:

    Deshaun Watsons Rechtsberatung gibt jetzt erstmals Geschlechtsverkehr mit den Masseurinnen zu. Es sei aber „einvernehmlich“ gewesen:
    https://profootballtalk.nbcsports.com/2021/04/09/rusty-hardin-admits-that-deshaun-watsons-massages-sometimes-resulted-in-consensual-sex/

    Hardin admitted that consensual sexual encounters sometimes occurred with massage therapists. Hardin insists, however, that he did not coerce the massage therapists or use his status as a celebrity to violate the ability of the massage therapists to provide consent.

    Die schiere Unzahl an Masseurinnen wird mit der Pandemie und „geschlossenen Spa-Bereichen“ begründet.

    Die ganze Strategie überlappt sich mit einem richterlichen Entscheid, dass 13 der 22 zivilklagenden Frauen ihre Anonymität aufgeben müssen. Mutmaßlich werden sie nun wie auch immer gelagerte Belege dafür bringen müssen, dass es eben nicht einvernehmlich war. Wie das gehen soll? Keine Ahnung.

  16. Pingback: Wie geht es bei Deshaun Watson weiter? | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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