NFL Draft Fokus 2021: QB Mac Jones

Mac Jones von der University of Alabama ist in den letzten Wochen zu einem heißen Gesprächsthema im NFL Draft 2021 geworden.

Michael McCorkle Jones wurde lange Monate als QB5 im Draft-Ranking 2021 geführt. Die Messen über ihn schienen gelesen zu sein: System-QB, dessen grandiose Stats auf Alabamas sensationellen Waffen zurückzuführen seien, und der mit „nur gutem“ Wurfarm und Bauchspeck keinerlei „2nd reaction ability“ in das Spiel bringen würde.

Das Urteil der Scout-Meute war eindeutig: Nomineller 2nd Rounder, der nur dank des „QB-Bonus“ in die 1te Runde gespült werden wird.

Aber seit sich die Auguren intensiver mit Macs Tape beschäftigen – und vor allem seit Gerüchte aufgekommen sind, dass die 49ers nach ihrem fetten Trade auf #3 an Jones interessiert sein könnten, ist Jones mehr und mehr in den Fokus gerückt.

Wir haben diese Offseason schon gehört: Pocket-Quarterbacking wird trotz der immer stärker in den Fokus rückenden Athletik der jungen Quarterback-Prospects auch weiterhin das Um und Auf bleiben, will man als QB in der NFL Erfolg haben. Aber die Mobilität erkauft die Zeit für junge Prospects um die Feinheiten der Position zu lernen ohne als hilflose Pocket-Statue mit den Fehlern verbrannt zu werden.

Mit „Mobilität“ ist dabei meistens gemeint: QB kann auch mal mit dem Ball loslaufen und selbst zwei bis drei 1st Downs im Spiel erscrambeln. Jones hat diese Mobilität nicht. Aber er hat zumindest die „Pocket-Mobilität“ um Passrusher (grad von den EDGEs) Tom-Brady-like ins Leere laufen zu lassen.

Jones hat am College quasi nur über die Spielfeldmitte operiert – aber das lang an Alabamas Offense-Design (Bild aus dem PFF-Draftguide):

Das kann man gut oder schlecht finden. Es zeigt aber: Jones hat innerhalb den Vorgaben seiner Offense produktiv gespielt. Und er hat keine Scheu vor den wichtigsten Zonen am Feld: Mitte, und tiefe Mitte. Mit 84% Adjusted Completion-Rate war er dabei der präziseste Passer am College.

Ich habe in den letzten Wochen immer wieder Mac-Jones-Tape geschaut und mir Expertenmeinungen von J.T. O’Sullivan, Greg Cosell, Nate Tice oder Benjamin Solak angehört. Prinzipiell ist deren Urteil ziemlich einhellig: Jones bleibt QB5.

Pro Jones

Auf der Habenseite ist Jones ein guter Game-Manager mit schnellem „Processing“. Er ist besser als man auf den ersten Eindruck denken würde. Er ist nicht spektakulär, aber beständig gut. Die extrem RPO-lastige Alabama-Offense hat von ihm nicht verlangt, durch zig Reads pro Spielzug zu gehen, sondern einfach reaktionsschnell den Stiefel runterzuspielen, seine atemberaubenden Waffen zu bedienen und die dann die Ketten bewegen zu lassen. Das hat Jones fast zur Perfektion gemacht.

Jones hat gutes Spielverständnis. Er wirft mit Antizipation auch dorthin, wo der Receiver noch gar nicht angekommen ist, denn er kapiert wo Raum frei sein wird.

Jones hat einen guten, aber keinen großartigen Wurfarm. Tice verglich ihn mit Chad Pennington. Ein anderer oft gehörter Vergleich ist Kirk Cousins. Mit anderen Worten: Jones hat legitime QB-Skills.

Contra Jones

Aber Jones wird dir erstmal außerhalb der Spielzug-Struktur nicht viel anbieten. „Off-platform“, also außerhalb der Pocket, in designten Rollouts, unter Druck usw. wird er nicht allzu viel anbieten. Hast du diese Dimension nicht anzubieten, müssen Defenses eine ganze Dimension weniger verteidigen und können sich im schlimmsten Fall einfach darauf versteifen, das ganz Spiel Cover-2 man zu spielen (dagegen ist z.B. Mahomes überragend, weil er dann einfach losläuft).

Ein Brady oder Brees sind dagegen trotzdem gefeit, weil sie einfach so perfekt sind in dem, was sie in der Pocket machen. Das kann man von Jones nicht von Tag 1 an erwarten.

Was passiert also mit Jones, wenn der Spielzug mal nicht das Erwartete anbietet? Loslaufen geht dann nicht. Die Antwort ist simpel: Wir wissen es schlicht nicht. Wir kennen Jones nur im fantastischen Umfeld der Alabama-Offense. Und so bleibt die Befürchtung, dass Jones erstmal nicht der Trigger der Offense sein kann – sondern von starken Rahmenbedingungen profitieren bzw. diese ausschlachten muss.

Die andere kaum zu beantwortende Frage: Wie verhält sich Jones gegen Druck? Gegen Blitz ist er in limitierter Sample-Size okay, doch es gibt nur wenige Snaps, in denen er gegen 4-Man-Pressure etwas ausrichten musste.

Cosell, Solak, Tice, O‘Sullivan – sie alle sehen Jones recht klar unterhalb von Lawrence, Fields, Lance. Jones ist fast überall QB5. Matt Waldman dagegen hat ihn sogar als seinen QB3 – hinter Lawrence und Lance, aber knapp vor Fields und Wilson.

Matt Waldman: Jones ist QB3

Waldman sagt, Jones habe praktisch keine größeren technischen Schwächen. Pump-Fakes, Release, Play-Action-Fakes: Alles sei sauber und präzise.

Sein Arm sei zwar nicht grandios, aber er reiche aus für quasi alle Pässe in praktisch allen gängigen NFL-Schemes. Mental sei er extrem weit für die wenigen Einsätze am College (Lance z.B. hat mit 17 Starts mehr Spiele als Jones). Cousins sei der „Floor“ von Jones‘ Karriere – mit Upside hoch zu einem Top-10 QB, wenn er vernünftig gecoacht wird, wie z.B. bei Belichick in New England (oder Shanahan in San Francisco).

Waldman betont, dass Jones wie jeder immobile Pocket-QB „Aufgaben-orientiert“ arbeiten müsse. Jones habe das längst verstanden, spiele nicht „hero ball“, sondern arbeite innerhalb seiner physischen Limitierungen längst an der Perfektionierung seines Pocket-Prozesses. Wie ein Brady sei Jones mit seinen Betonfüßen ein Sklave dieses Prozesses.

Im Decision-Making sei Jones relativ weit für einen Draft-Prospect, aber natürlich noch nicht perfekt:

Jones has to improve his understanding of coverage so he has a quicker processer. For instance, he doesn’t see the cause-and-effect of a deep safety attacking an underneath route early in the play. When that one safety in a two-deep look comes down to cover an intermediate route and Jones is executing a play with a crossing route working over the top of that safety, Jones should see that safety’s position and instantly recognize that he has a wide-open route behind that defender.

Right now, Jones will look to the right spots in these situations. But like leading a horse to water but not being able to make him drink, Jones is next to the creek and he’s thirsty but he doesn’t recognize it’s time to partake. There are on-field situations that don’t click for him and he cycles to the next read rather than recognizing how the previous read would have been a stronger option.

His pre-snap processing needs work. He’ll have a safety to one side of the field and single coverage outside at the opposite side of the field running an in-breaking route and not go to it when the pre-snap and early post-snap look makes it clear this is the optimal route. Instead, he’ll look to the safety and check-down. Jones doesn’t recognize trickier post-snap adjustments to coverages.

Against Georgia, he began the pre-snap process identifying a two-high safety look that rotated into what he thought was a one-high look just as he began his roll out of a play-action fake. The fake forced him to turn his back away from the defense the moment before and he didn’t see the backside cornerback dropping deep up the flat to serve as that second safety in the place of the safety that pushed up to the middle of the field. Jones threw the deep post and at that point, the corner was able to cut off the route, tipping the ball away.

Es scheint also durchaus valide Gründe zu geben, Jones als mehr zu sehen denn das Produkt der Umstände in Alabama. Trotzdem überzeugt mich nicht jede Pro-Jones-Argumentation. Er hatte z.B. nur 44 Pässe in enge Fenster – ein Joe Burrow, dem man letztes Jahr auch vorwerfen konnte, von fantastischen Umständen profitiert zu haben, hatte in seiner famosen Saison fast deren 100 mehr!

Das Urteil

Draftet man Jones, wettet man entweder darauf, dass er derjenige Pocket-QB ist, der ganz einfach viel schneller als quasi alle seine Vorgänger in den letzten 15 Jahren den mentalen Sprung zum Star schafft. Oder man wettet darauf, dass ihm in starken Umständen das eine großartige Jahr auskommt, in dem es zum Superbowl reicht.

Gut möglich, dass wir in aller Faszination für die double thread QBs dieser Welt das nicht mehr richtig zu schätzen wissen, was ein Mac Jones anbietet. Aber klar ist: Bei dem, was die Konkurrenz mehr anbietet, müsste Jones schon verdammt nahe am Optimum seines Leistungsvermögens spielen um eine Einberufung in den Top-3 vorbei an den anderen Prospects zu rechtfertigen. Er müsste nicht Brady sein. Aber er dürfte nicht sehr weit drunter sein.

4 Kommentare zu “NFL Draft Fokus 2021: QB Mac Jones

  1. Zum Thema Cover two man:
    Das halte ich für etwas übertrieben. Cover two man ist sehr gut darin dir die Tiefen plays Weg zu nehmen aber 2man ist sehr anfällig für Playaction und RPOs und am Ende braucht es immer noch sehr viel Personal, dass gut in man coverage ist bzw. Besser als die Receiver- tief räumen die safetys ab, aber underneath lässt sich easy etwas frei schemen.
    Es läuft halt darauf hinaus , dass du sehr viele kleine plays brauchst, sehr viel Fehlerfreies Spiel und ein wenig schematische Hilfe. Aber wenn das funktioniert ist auch 2 Man kein Problem.

  2. Meine two cents…
    – McCorkles Antizipation ist erstaunlich. Top. Und das für die wenigen Spiele, die er gemacht hat. Wow.
    – McCorkles 40time ist 4,72. Wenn Räume offen sind und WR nicht, wird ihn sein OC schon auf die 4,72 hinweisen.
    – Sein verhungernder Deep-ball würde mir als OC allerdings Kopfzerbrechen bereiten. Da können Safeties aggressiver zu Werke gehen. Jener Deep-ball wäre die Dimension, die mir fehlen würde.
    – Oft geht McCorkle seine Reads schön durch, aber manchmal schaut er direkt post-snap in aller Seelenruhe seinem Go-to guy bei der Route zu bevor er ihn bedient. Das wäre sonntags ungut.

    Ich als armchair-QB würde McCorkle niemals an drei picken. Insbesondere wenn ich dafür drei Firstrounder bezahlt habe. (Ziehe aber meinen Hut, wenn die 49ers die Eier haben es zu machen und damit tatsächlich Erfolg hätten)

  3. Pingback: NFL Draft 2021 für den Gelegenheitszuschauer | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  4. Pingback: Wie passt Mac Jones in die Offense der New England Patriots? | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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