Warum schwänzen die NFL-Spieler das Training?

Lindsey Jones schreibt bei The Athletic darüber, warum mehrere Mannschaften mehr oder weniger geschlossen die NFL-Offseason-Trainingseinheiten boykottieren.

Broncos, Seahawks, Buccaneers, Patriots oder Lions (trotz Topmotivator Motor City Dan Campbell als Chefcoach) haben schon ihre Absagen eingereicht – weitere Teams sollen folgen.

Mit Ausnahme eines dreitägigen Trainingslagers im Juni handelt es sich bei vielen Offseason-Programmen um „freiwillige“ Einheiten, d.h. es gibt keine Präsenzpflicht. Einige NFL-Spieler haben sich wohl Option-Boni in ihre Verträgen schreiben lassen um sich das Erscheinen mit ein paar Dollarscheinen zu versüßen. Doch insgesamt gelten die Einheiten seit Jahren als unbeliebt und waren daher auch in den CBA-Verhandlungen immer wieder Thema.

Nun begründen viele Mannschaften ihre Absagen mit den Gefahren des Corona-Virus. In einigen Bundesstaaten wie Colorado grassiert das Virus in diesen Wochen trotz guter fortschreitender Impfquote, und Spieler haben eine einfache Begründung fürs Fernblieben.

Aber beim Durchlesen des Artikels werde ich das Gefühl nicht los, dass Covid in erster Linie ein Vorwand ist und dass die Spielergewerkschaft NFLPA in Wahrheit mit einer konzentrierten Aktion dahintersteckt um einen ihrer Verhandlungsfehler aus dem letzten Jahr unter dem Deckmantel der Pandemie zu bereinigen und die Offseason-Programme auch formell drastisch zu reduzieren. Das liest sich in dem Artikel so:

But continued concerns about COVID-19 are only part of it. Team statements indicated their decision to skip the voluntary in-person workouts was borne out of the lessons from 2020. This move could be part of larger plans to fundamentally overhaul the offseason program.

Last year, the pandemic forced the NFL and NFLPA to shut down all in-person activities in the spring, moving the offseason program to a virtual platform and requiring players to work out on their own (or in small groups, if they chose to do so).

What no one knew a year ago, or even seven months ago, is how that drastically altered offseason and the lack of on-field work in the spring would impact the quality of play in the fall. The answer? Not much. Scoring was up across the league, and games were competitive. Overall, injuries and penalties were down. For fans watching at home, scenes of empty stadiums were about the only noticeable difference from the pre-pandemic product.

Anders: Nach einer NFL-Saison, in der man weder einen Qualitätsverlust des Sports noch einen Anstieg von Verletzungen beobachten konnte, hat die NFLPA Rückenwind bekommt und sich in ihrer Weltsicht bestätigt fühlt. Nicht ausgeschlossen, dass mit dem neuen Schwung nun versucht, durch die Hintertür eine weitere Reduzierung des freiwilligen Trainingslager zu erwirken.

Man muss dazu wissen: NFL-Spieler liegen in der Offseason mit oder ohne Mannschaftstraining nicht auf der faulen Haut. Sie treffen sich andauernd zu privat arrangierten Trainingseinheiten (z.B. Quarterbacks mit ihren Receivern), machen Krafttraining, lassen sich operieren und/oder kurieren Verletzungen aus, machen Film-Studium oder Privattraining um technische Feinheiten auszumerzen. Die Vorbereitung zum Installieren neuer Playbooks begingen die meisten schon letztes Jahr über Videokonferenzen – ohne alle Reisestrapazen.

Der eine Punkt, der nie zur Sprache kommt: Zu welchem Grad war die gute spielerische Qualität von 2020 dem etwas lascheren Refereeing zuzuschreiben? Es wurden mehr DPI gepfiffen, aber weniger Offensive Holdings. Ich habe in den letzten Monaten immer wieder Stimmen gehört, die davon sprachen, dass die NFL nach dem Ausnahmejahr eine Rückkehr zu traditionell härterem Durchgreifen der Schiedsrichter wünscht.

Und schon könnte schnell aller Talk von wegen „Offseason-Team-Programme sind unerwünscht“ wieder verschwinden. Wenn die NFL ihn nicht eh mit dem Verweis auf den erst vor 13 Monaten unterzeichneten Kollektivvertrag (CBA) abwürgt.

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