Hohekunst oder Ende einer Love-Story: Green Bay Packers und Aaron Rodgers

Während die Chicago Bears mit dem Trade des Monats Hoffnung schöpfen, die Minnesota Vikings ihre Konsolidierung eingeleitet haben und die Detroit Lions sich für ihren geilsten Coaching-Staff seit Erfindung der Leberwurst auf die Schultern klopfen, stehen die Green Bay Packers mal wieder vor der Implosion.

Blicken wir ein Jahr zurück

Vor ziemlich genau einem Jahr schrieb ich schon einmal über die chaotischen Zustände in der Packers-Organisation direkt im Anschluss an den wüsten Packers-Draft 2020, der so schlimm war, dass ich selbst dem abstrusen Steelers-Draft 2021 keine vergleichbare Tiefstnote vergeben konnte.

Ich schrieb über Greg Cosells Interpretation der sportlichen Situation. Darüber, wie Packers-Headcoach Matt LaFleur nicht wirklich glücklich mit dem freelancenden Quarterback Aaron Rodgers war. Und über die Auslegung von lokalen Beobachtern wie Bob McGinn des Risses, der sich angeblich durch die Packers-Organisation ziehen sollte.

Ich schrieb:

Ich frage mich im Rückspiegel, warum die Packers LaFleur letzten Winter überhaupt geholt haben, nur wenige Monate nach der rekordträchtigen Vertragsverlängerung für Rodgers. War man 100%ig der Meinung, dass allein Mike McCarthy der Schuldige an der stagnierenden Offense war und man die alte Rodgers-Magie mit einem nach Zufallsprinzip ausgewählten Coach wie das Licht per Knopfdruck wieder einschalten konnte?

Oder war man trotz der Warnsignale sicher, dass Rodgers und der nur vier Jahre ältere LaFleur schon zueinander finden würden? Haben LaFleur und GM Gutekunst am Ende vielleicht doch nur auf die vernichtende Pleite im NFC-Finale in San Francisco überreagiert?

Die Indizien zeigen jetzt aber eine andere Realität: Rodgers blieb entgegen LaFleurs Vorgaben nicht „im System“ und spielte den gleichen Stiefel wie früher. LaFleur weigerte sich, sein auf dem Papier wunderbares Konzept an Rodgers anzupassen und es kam zum Bruch. Weil die Packers trotz nicht überzeugender Leistungen und einem Pythagorean eines 10-6 Teams gegen alle Erwartungen 13-3 gingen und ins NFC-Finale marschierten, schwelte der Konflikt nur unter der Oberfläche. Als im Draft nun Jordan Love zu fallen begann, nahmen Gutekunst/LaFleur ihr Herz in die Hand und zogen den Trade und die Einberufung Loves durch.

Der Artikel wurde von den hiesigen Packers-Fans zerrissen. Rodgers fügte sich wohl oder übel seinem Schicksal, ließ sich einbinden in die LaFleur-Offense und spielte eine MVP-würdige Saison. Die ausgerufene Regression blieb aus, die Packers gingen erneut 13-3 und standen kurz vor dem Einzug in die Superbowl, ehe eine stagnierende Packers-Offense im Halbfinale drei Turnover-Geschenke der Tampa Bay Buccaneers nicht zum entscheidenden Touchdown verwerten konnte.

Die Packers waren weiter gekommen als gedacht. Und trotzdem blieb ein schaler Beigeschmack, denn noch in der Nacht nach dem Ausscheiden begann das nach außen getragene interne Tauziehen um Macht und Einfluss von Neuem.

Rodgers höchstpersönlich sorgte mit zweideutigen Aussagen für Unruhe – Kommentare, die er auch Tage später in der Pat McAfee Show nur augenzwinkernd abtat.

Eine Interpretation der Dinge war gar nicht so einfach. Wollte Rodgers nur mehr Geld? Wollte er mehr Mitspracherecht? Wollte er seinen Abgang forcieren? Und warum die harte Haltung der sportlichen Leitung ihrem Superstar gegenüber?

Die Love-Story

Wirkliche Antworten kennen wir bis heute nicht. Auch die kurz vor Beginn des Drafts letzten Donnerstag aus allen Ecken sprießenden News eines bevorstehenden Rodgers-Verkaufs haben sich bis jetzt nicht bewahrheitet. Aber eins ist fix, und wird nicht mal mehr von Packers-GM Brian Gutekunst verneint: Es gibt massive, schwer überbrückbare Differenzen zwischen den Packers und ihrem Superstar-QB.

Peter King schrieb in seiner gestrigen Montagskolumne über den „Fall Rodgers vs Gutekunst“:

“Do you think Aaron’s relationship with the Packers is irretrievably broken?” I asked Gutekunst on Sunday afternoon.

“No, I don’t think so at all. That’s my opinion and that’s the organization’s opinion,” Gutekunst said. “We want Aaron to be our quarterback. We’re pretty resolute with that . . . We want to leave every avenue open for that to happen.”

As for Rodgers’ reported feelings about him, Gutekunst said “you never want to see those things or read those things. He’s never said that to me and he never said that publicly . . . At the same time, I’m a lifelong scout, and we work all year for these three days. We couldn’t let this distract us from the task at hand.”

Wenn wir King Glauben schenken wollen, dann liegen die Wurzeln der Probleme in Green Bay tatsächlich in der Einberufung von QB Jordan Love vor einem Jahr – just in einem Moment, als Rodgers bis in die allerletzte Pore hinein nach einer neuen Receiver-Waffe lechzte, während die sportliche Leitung die Chance gekommen sah, den absteigenden Ast auf dem der ungeliebten Star-QB saß, anzusägen. Es ist eine Meinung, die von etlichen Medienvertretern geteilt wird:

Es ist eine Meinung, die einfach „logisch“ klingt. Zu logisch? Zu einfach?

Rodgers nahm es nur nach außen hin locker. Innerlich kocht er wohl seit jenem Innuendo der anstehenden Trennung, aber wir haben nie einen Ausbruch gesehen, immer nur kleine Häppchen zwischen den Zeilen. Show must go on.

King beschreibt eine Franchise-Kultur nicht unähnlich jener in Houston oder Seattle, in der sich der Quarterback mehr und mehr ohnmächtig fühlte – verantwortlich für die großen Leistungen der Offense, aber ungehört in seinen Ratschlägen für Verbesserung.

Denn auch die Packers sind ein Team, das kaum Input selbst von seinen wichtigsten Spielern holt:

It seems impossible to think Rodgers’ enmity for the Packers has come so far, so fast. But remember this about Rodgers: He’s principled. He’s different. If he feels like he’s been wronged, he could stay away regardless of any external pressure, and losing his scheduled $22-million compensation this year wouldn’t bother him nearly enough to change his mind. Remember this about the Packers: They have a traditional structure—players play, coaches coach, GM picks players—and have had such a structure since Ron Wolf built his championship team a quarter-century ago.

If, as I suspect, Rodgers feels unappreciated by the Packers, is displeased that Gutekunst picked his potential heir instead of a receiver last year, and doesn’t think he’s valued by the franchise as much as a three-time MVP should be, it’s going to be tough to build a bridge to make him return. Tough, but not impossible.

(Quelle auch hier: FMIA von Peter King)

Dass sich Franchise-QBs wie Russell Wilson, Deshaun Watson und wohl auch Rodgers in so einem Ambiente zunehmend verarscht vorkommen, passt zu den Zeichen der Zeit. Das NFL-Spiel ist immer stärker auf die Quarterbacks zugeschnitten, und während woanders ganze Offense-Systeme auf die Stärken dieser Stars abgestimmt werden und Tom Brady als Quasi-Chefrecruiter des Superbowl-Trupps brilliert, fühlen sie sich übergangen und überholt.

Rodgers spielte 2020 als Trotzreaktion ein super Jahr in einer toll desingten Offense. Er veränderte sogar seinen Spielstil auf seine alten Tage – weg von radikalem Shotgun-Passing, hin zum ungeliebten Play-Action-Game, mit eingebauten Rollouts, und stärkerer Fokussierung der Spielfeldmitte.

Rodgers machte alles mit, hatte damit Erfolg – und blieb trotzdem ungehört. Gestern kursierte eine Nachricht, die so verrückt klingt, dass was dran sein muss: Die Packers feuerten den Rodgers-Spezl Jake Kumerow einen Tag nach öffentlichem Lob des Meisters.

Die eine Erklärung

Die Summe an kleinen und größeren Spitzen aus der Packers-Führung ist mittlerweile beträchtlich. Man muss mittlerweile die Augen verschließen, will man die schrittweise Enteierung von Rodgers nicht sehen.

Eine vernünftige Motivation dafür gibt es nicht. Rodgers mag ein schwieriger Typ sein, dem man den Mund nicht verbieten kann, doch er ist einer der besten Quarterbacks unserer Zeit. Auf der Höhe seines Schaffens ist er der beste von allen. Er war dreimal NFL MVP. Er war Superbowl-MVP, neunmal Pro Bowler.

Und doch fühlt sich die Ära Gutekunst/LaFleur gerade im Rückspiegel mehr und mehr wie eine Epoche der sanften Schubser an, fühlen sich die Packers wie Barca pre-Messi in ihrem Handling mit alternden Superstars an. Niemand ist größer als der Club, außer die Bosse, die ihn verwalten.

Ist LaFleur einer dieser Coaches, die so sehr mit „ihrem System“ verbandelt sind, dass sie jede Abweichung von der Norm als Schande empfinden, als Schönheitsfleck auf ihrem Gesamtkunstwerk? Ist Gutekunst einer dieser GMs, die alles auf „ihrem Weg“ machen ohne nach links oder rechts zu schauen? Die niemandem zuhören und damit die Leute um sich in Scharen verlieren?

LaFleur müsste ein atemberaubend guter Coach werden (und Love ein atemberaubend guter QB), wenn er die Lücke eines abgewanderten Aaron Rodgers ohne Leistungseinbruch schließen will. Und Brian müsste hohe Kunst des wheel’n’deal erlernen um sein Team post-Rodgers auf gleichem Level zu halten.

Das alles klingt viel zu surreal um wahr zu sein, selbst in der NFL wo auch die Egos der Manager kaum in ein einzelnes Trainingszentrum passen. Aber was ist die alternative Erklärung dafür, es sich im Zeitalter des Passspiels mit solchen Individualisten wie Rodgers zu verscherzen?

Die andere Erklärung

So schön simpel die Erklärung mit dem Rausekeln klingt: Sie könnte auch von Brüdern Grimm geschrieben worden sein. Vielleicht ist das alles auch ganz einfach und wie viele Probleme in der Welt erklärbar: Als Missverständnis, das mangels kommunikativer Fähigkeiten nie ausgeräumt wurde und sich zur Eskalation gesteigert hat.

Die Erklärung ginge so: Die Packers erlebten jahrelang sportlichen Niedergang auch bei ihrer Ikone Rodgers, der seinen Coaches um Mike McCarthy nicht mehr traute und begann, die Schuld bei anderen zu suchen. Als es auch nach dem Trainerwechsel trotz 13-3 Bilanz zum Einstand nicht so richtig „klicken“ wollte, nahmen Gutekunst und LaFleur im letztjährigen Draft das Heft des Handelns selbst in die Hand und zogen kurzerhand den Up-Trade für Jordan Love durch, als sich die Chance dazu bot. Rodgers noch rechtzeitig zu unterrichten, dafür blieb keine Zeit mehr, und so erfuhr der QB davon nur aus dem TV.

Die Packers hatten plötzlich ihr mittelfristiges „Out“ mit einem sanften Übergang auf Jungspund Love. Es sollte ein Zweijahresplan sein, denn früher konnte Rodgers kaum raus aus seinem Vertrag.

Rodgers war tief getroffen und fühlte sich in Punkto Kommunikation vonseiten der Packers-Führung wieder einmal übergangen. Die schwierige Führungsstruktur bei den Packers hatte wieder einmal zugeschlagen: Ein Team, dessen Owner sich aus Tausenden Shareholdern zusammensetzt, die ein Führungsgremium einsetzen, das sämtliche Football-relevanten Fragen aber an die sportliche Leitung um GM und Headcoach auslagert.

Diese Art von Führung geht solange gut, solange das Scouting-Netzwerk liefert. In Green Bay war das fast dreißig Jahre lang der Fall, doch diese Scouts fristen ein Autistendasein als Tapegrinder in finsteren Hinterzimmern, ausgestattet mit der Kommunikationsfähigkeit eines Dose Sardinen. Ted Thompson war schon so ein Typ. Unter Gutekunst ging die hohe Kunst der Kommunikation schließlich vollends verloren.

Und so hat Rodgers seit Jahren schon keinen echten Ansprechpartner mehr im Front-Office – ein schwieriger Zustand für den mehrfachen Liga-MVP, der die zaghafte Einkaufspolitik der Packers so oft mit großartigen Performances übertüncht hatte.

Rodgers riss sich dennoch am Riemen – und spürte trotzdem keine Abkehr vom Weg des schleichenden Übergangs. Rodgers war gleichzeitig MVP und Platzhalter für den third stringer.

Und so haben wir plötzlich keine aktive Absäge des Superstars, sondern ein gigantisches Missverständnis: Eine sportliche Leitung, die aus ursprünglich nachvollziehbaren Gründen den mittelfristigen Umbruch einleiten wollte und im Vorbeigehen von ihrem Altstar eine MVP-reife Saison „geschenkt“ bekam. Und auf der Gegenseite einen alternden Superstar, der nicht das Standing bekommt, das er glaubt zu verdienen.

Die Packers-Führung sieht Rodgers als Diva. Rodgers sieht die Packers-Führung als Verräter.

Ist der Riss noch zu kitten?

Wenn man den Beobachtern glaubt: Kaum. Es gab in den letzten Wochen bereits Gespräche, sogar Hausbesuche vom Packers-Präsidenten Murphy, doch Rodgers wich nicht mehr von seiner Position.

Beim Glauben an eine Aussöhnung war somit wohl stets mehr der Wunsch Vater des Gedankens als die Realität. Bei King liest sich das nun – man höre und staune – so:

I would expect Rodgers to not participate in any offseason work with the Packers, and to hope the Packers would change their minds about trading him. Denver would still be an option, I think, and maybe Las Vegas. (Rodgers-Mahomes twice a year for the next four years, maybe?) Or, maybe with four to six weeks to simmer, and an olive branch from Green Bay brass (Rodgers loves Packer franchise history), he’ll go back. But right now I doubt it. My gut feeling—and that’s all it is—is he’d prefer to not play football this year than to play for the Packers.

Dass Rodgers lieber zurücktreten würde als noch einmal für die Packers zu spielen, liest sich wie die extremste Auslegung eines faszinierenden Machtkampfes in der letzten Zündstufe.

Selbst Andrew Brandt ist sich nicht sicher, ob Rodgers mit ein paar Goodies wie zusätzlichem Cash-Flow für die nächste Saison als „Abschiedsgeschenk“ (eine Vertrags-Neustrukturierung ist wohl kaum denkbar, wenn die Packers bei ihrem Übergangsplan „Love 2022“ bleiben) und etwas mehr Input für die Offense zu einem Umdenken bewegt werden kann.

Ein neuer Langzeitvertrag ist quasi ausgeschlossen. Rodgers hat noch drei Jahren Vertrag, und jede Aufbesserung bedeutet das Ende für Love in Green Bay und endgültigen Gesichtsverlust der Headcoach und GM.

Der letzte Ausweg

Es bleibt der Ausweg Trade. Ein Rodgers-Verkauf ist eigentlich nur denkbar nach Ablauf der „June 1“ Periode. Dead-Money auf die aktuelle Saison würde sich von 31 Mio. auf 14 Mio. mehr als halbieren, und Interessenten sind definitiv da.

Gerade die Denver Broncos mit ihrem GM George Paton klangen in den letzten Tagen fast so als hätten sie bereits eine Art mündliche Vorvereinbarung mit den Cheeseheads schon in der Tasche.

Und wenn wir Worten nicht Glauben schenken wollen, sondern Taten, dann muss man nur dran denken, dass die Broncos mit einem QB-Gespann Lock/Bridgewater die Option Justin Fields ungenutzt verstreichen ließen. Bizarreres Draftmanagement haben wir zuletzt gesehen von… den Packers im letzten Jahr.

Mit Receivern wie Courtland Sutton, Noah Fant, Jerry Jeudy oder Albert O und einer bockstarken Defense wäre Denver auf Knopfdruck Titel-Mitfavorit und must watch TV.

Extrem wahrscheinlich ist ein Rodgers-Trade trotzdem erstmal noch nicht. Einige Experten haben ihn auf zirka 33% beziffert, und die Wettmärkte sind sich völlig uneins.

Quarterbacks sind der Anfang und das Ende

Wie der Gordische Rodgers-Knoten am Ende der Zeit gelöst wird, ist noch nicht wirklich abzusehen, denn wir haben noch nicht einmal genaue Kenntnis ob seines Ursprungs. Rodgers allein kann ich zerschlagen mit seinem Rücktritt.

Ich hoffe nicht, dass es dazu kommt. Rodgers war die Augenweide der NFL und ist auf der Höhe seines Schaffens ein QB, dessen ästhetischer Genuss am ehesten noch von Patrick Mahomes erreicht wird.

Was uns die ganze Causa einmal mehr zeigt, ist aber auch klar: Superstars verlangen nach Superstar-Behandlung, und wenn man sie missachtet oder sogar aktiv vergrault, werden sie zurückschlagen. In einer Liga, die so abhängig von starken Quarterbacks ist wie nie zuvor, wird Rodgers nicht der letzte große Streitfall bleiben.

Wir dürfen gespannt sein, ob und welche organisatorischen Änderungen es in der NFL geben wird um Quarterbacks als den zentralen Figuren am Feld wie eben vergleichbaren wichtigen Mitarbeitern in Unternehmen zumindest das „Gefühl“ zu geben, ihre eigenen Ideen mit einzubringen ohne eine komplette Verschiebung der Machtverhältnisse zu erwirken. Denn eins ist klar: Wo auch immer der Riss zwischen Packers und Rodgers begründet liegt, er ist Highway to Hell, und das kann unmöglich der Plan für eine der beiden Seiten gewesen sein.

23 Kommentare zu “Hohekunst oder Ende einer Love-Story: Green Bay Packers und Aaron Rodgers

  1. Toller Artikel, das Thema Mitsprache von Spielern ist ein heißes Eisen.

    Und jetzt Packers Shitstorm in 3, 2, 1 😂

  2. Danke Thomas, für diesen großartigen Artikel! Ich fand Aaron ja immer großartig aber in den letzten Jahren verzweifel ich etwas mit Aaron und den Packers und dem ganzen Drumherum…

    Bin gespannt was da letztendlich herauskommt. Eigentlich dachte ich ja, dass die letzte Saison eine Trendwende eingeleitet hat und er jetzt noch mehr Waffen bekommt…

  3. Wer daran glaubt, das es um Respekt, einen WR oder Jake Kumerow geht, der ist blauäugig.
    „Show me the Money“
    Fresh Money wollen die Packers ihm nicht geben, bei noch drei Jahren Laufzeit des Vertrags und in dem Jahr in dem es mit Cap schwierig ist. Wenn die Kompensation stimmt (Spieler + Picks) sehe ich kein Problem, das man getrennte Wege geht. Ziehende Leute soll man niemals aufhalten, das gilt auch für Superstars. Darf natürlich jeder anders sehen. Wo aber Menschen im Spiel sind, gelten immer die gleichen Regeln. Das ist nicht mehr zu kitten, das Gras ist woanders immer grüner :-).

  4. In dem ganzen Dilemma ist es eben auch schwierig Rodgers einzuschätzen. Nach dem Schlüsselbeinbruch 2017 folgte mit 2018 ein eher unterdurchschnittliches Jahr, dass dann in der Entlassung von McCarthy endete. Im ersten LaFleur-Jahr war dann das QB-Rating auch nicht besser.
    Nun haben im letzten Jahr Rodgers und LaFleur zumindest was die Umsetzung des Planes auf dem Spielfeld betrifft, zusammengefunden.
    Zeigt das jetzt die Fähigkeiten von Rodgers sich an ein neues System anzupassen? Sicherlich. Dann hätte er auch die Chance in einem andere Team überragend zu funktionieren.
    Dann steht aber die Frage, warum hat er diese Fähigkeiten in den Jahren davor nicht gezeigt hat?
    Braucht Rodgers einen Antriebsstachel um Leistung zu bringen?
    Dann stellt sich natürlich auch die Frage, wie das Verhältnis Front Office – Franchise-QB sein sollte. Hier sollte natürlich ein entsprechendes Vertrauensverhältnis bestehen. Andererseits kann man auch dem QB nicht alle Entscheidungen überlassen. Aber die Old School-Meinung „players play, coaches coach, GM picks players“ ist m. E. überholt. Aber jeder der Akteure sollte auch die eigenen Grenzen und Fähigkeiten einschätzen können.
    Andererseits ist es schwierig, wenn der QB bei der Spielerauswahl mitmischt (z. B. im Draft) und es dann schiefgeht. Dann könnte er dann auch schnell zum Buhmann werden.
    Und dann gibt es auch noch die andere Seite der Medaille, die ganzen Sachen die nicht in der Presse stehen. Will Rodgers z.B. eine Vertragsverlängerung, zu welchem Preis? Und ist eben diese Verlängerung für die Packers wirklich den Preis wert?
    Rodgers hat gezeigt, dass er noch immer gut spielen kann. Aber macht er das dann auch, wenn er seine Verlängerung in der Tasche hat? Oder spielt er dann wieder Mittelmaß und streicht die fetten Millionen ein.

  5. Von außen ist es schwer einzuschätzen, aber man sollte die Psyche im Kopf behalten. Wir reden von der absoluten Welt- und Belastungsspitze. Das kann kein Mensch über 15 Jahre aufrechthalten. Down-Jahre (extremform: Burnout) sind normal.
    Das fällt im Fußball weniger auf, weil durch EM und WM ein typischer up-/down-Rythmus gegeben ist.
    Aber kein Sportler spielt 15 Jahre perfekt.
    Wenn das Umfeld dann nicht supportive ist, dann werden die Ausschläge extremer.

    Deshalb bin ich da immer so anderer Meinung als du, Thomasei. Ein GM Lynch bei den Niners weiß, wie er mit Spielern umgehen muss. Die fühlen sich alle wohl. Gimmy wird abgesägt, ist aber der erste der Lance schreibt und willkommen heißt, weil er weiß, dass mit ihm fair umgegangen wird.
    Spieler-Ideen und Input ist jederzeit willkommen. Eine der wichtigsten Kriterien für Shannahan ist, dass er mit Spielern football diskutieren kann.

    Will man me Franchise langfristig erfolgreich führen, ist das mega wichtig.

    Ich finde, dass der Brady/Buccs Weg ebenso funktioniert.
    Es ist ein Grundsatz für gelungene Beteiligung/Partizipation:
    Nicht das Menschen beteiligt werden ist wichtig, sondern das die Möglichkeiten und Grenzen klar kommumiziert werden.
    Dann hat man die Möglichkeit sich dafür, dagegen zu entscheiden oder die Grenzen zu diskutieren.
    Das führt zu Bestätigungseffekten, hoher wahrgenommener Selbstwirksamkeit und schließlich zu hohem subjektivem Wohlbefinden.
    Und das wiederum ist bestes Coping für Stress/Burnout.

    Das Gegenteil: Handlungsunfähigkeit => Ohnmacht => Unzufriedenheit => Frust = Stress

  6. Danke Thomas für den Artikel!
    Als Packers Sympathisant bin ich am verzweifeln, ob des Managements von LaFleur/Gutekunst. Leider (m.M.n.) sieht das die Fanbase in Amerika anders, dort wird Rodgers mittlerweile zunehmend angegangen…

    Eine Frage (in die Runde): Ist Love wirklich als Nachfolger gesetzt? Ich hatte in Erinnerung, dass man den am 1. Tag des Draftes wohl gerne an die Patriots abgegeben hätte und Denver soll als Tradepartner für Rodgers vor allem deshalb in Frage kommen, weil sie das bieten was die Packers unbedingt möchten: einen QB mit Rookievertrag… Vertrauen in Love sieht dann ja auch irgendwie anders aus…

  7. Wenn ein Rodgers sieht wie andere Teams vieles daran setzen ihre QBs mit gutem Offensivpotenzial zu unterstützen… Man sich dann aber so einige der Gurkendrafts der Packers (2015!) ansieht… Kann ich Rodgers verstehen. Das gepaart mit einem meiner Meinung nach zu langen festhalten an McCarthy… Machte es sicher nicht besser. Ich bin Packers Fan, aber aktuell bin ich mehr Rodgers Fan.

  8. Also, dass die Packers beim Draften von Love so plötzlich die göttliche Eingabe hatten QB zu picken, dass die Zeit nicht gereicht hat um Rodgers anzurufen, das erscheint mir eher unwahrscheinlich.
    Beim Draft geht es um die Zukunft der Franchise / des eigenen Jobs, da werden Wochen vorher alle möglichen Szenarien durchexerziert.
    Wenn ein Interesse von Front Office Seite dagewesen wäre, Rodgers rechtzeitig über den Pick aufzuklären, dann wären Wege da gewesen.
    Und diese Kumerow-story? Das hat schon mit Kommunikation zu tun, aber nicht im positiven Sinne. „I have the bigger red button“ um es mit den Worten eines ähnliches Kommunikations-„genies“ auszudrücken.
    Ich hoffe, Rodgers packt möglichst bald seine Koffer.

    @AK: ich glaube nicht, dass es Rodgers um mehr Geld geht.
    a) Er soll $120mio schwer sein.
    b) Er hat einen recht frischen, fetten Vertrag, c) Er ist intelligent genug um zu wissen, dass ein noch heftigeres Gehalt seine Offense kastrieren würde.

  9. 1. Rodgers hat sich zweimal in Folge den teuersten Vertrag der gesamten NFL geben lassen.
    2. Wenn der Vertrag einen Ausstieg in 2022 anbietet. Wie kann besser einen Trade verhindern … man nimmt dem Team diese Option weg, mit einem neuen hochdotierten Vertrag.

  10. Als Zahlenfetischist mein KOmmentar: Cap Hit von Aaron Rodgers und Davante Adams zusammen etwa 53 Mio $ in 2021 bei einer Cap von etwa 183 Mio. $ (??). Also knapp 30% für 2 Spieler. Das Gerede über „Waffen für AR“ ist mMn Unfug. Es dürfte klar kommuniziert worden sein: Du bekommst Deinen Wunsch-WR (DA), danach musst Du aber auf WR2, WR3 und TE mit billigen Lösungen klarkommen. Der Rest des Kapitals (Geld UND Draft) geht in den Rest der Mannschaft (OLine und Defense). Sinnvolles Vorgehen. Ohne Defense kommt GB in den Playoffs nicht weit. Erinnerung: Brady war in NE billig und ist in TB billig.
    Quelle: https://www.spotrac.com/nfl/green-bay-packers/cap/
    PS Mit LT Bakthiari (11Mio.$) sind wir bei 3 (!!) Spielern mit 35% Cap Hit

  11. Rodgers und Adams sind aber auch beide Top 5 Spieler auf ihrer Position und Offense ist in der heutigen NFL deutlich weniger als Defense. QBs sind auch mit 35-40 Mio noch kinda unterbezahlt. Es gibt mehr als genug Cap für vernünftige WR2 und WR3 in jedem Team. Eine oder zwei Waffen in der Offensive reichen nicht mehr, siehe Chiefs. Squad depth ist viel wichtiger siehe Tampa. Rodgers braucht keine 3 Superstar WRs aber ein paar average guys die solide sind sollte nicht allzu schwer sein. Das receiving corp der Packers ist einfach mies gewesen letzte Saison bis auf Tonyan als TE. mal schauen ob amari hilft falls er noch mit aaron spielen sollte.

    More power to the players finde ich immer erstmal gut. der qb ist in der nfl einfach viel zu wichtig um ihn bei wichtigen Entscheidungen nicht wenigstens mit einzubeziehen. rodgers ist watson 2.0 (wenn wir mal von juristischen sache absehen). toller qb, miese organisation die in der zeit stecken geblieben ist. auf rodgers in denver hätte ich sehr viel bock.

  12. Da geht’s ja echt rund bei Rodgers und den Packers, siehe hier:

  13. Am Ende wird es darauf hinauslaufen, wer mit den geringsten Blessuren davonkommt. Kann das Front Office die Schuld auf Rodgers abwälzen, z. B. verbotene Vertragsverhandlungen geführt etc., können sie schnell den Schwarzen Peter Rodgers und seinem neuen Team zuschieben.
    Andererseits versucht Rodgers den Schwarzen Peter ans Front Office abzugeben, in dem diese nicht seinen Wünschen entsprechen.
    Am Ende wird wahrscheinlich Rodgers so oder so aus Green Bay weg sein. Die Frage ist dann eher, welche Folgen das für das Front Office der Packers hat.

  14. War lange Zeit eher auf Rodgers Seite, mittlerweile bin ich aber eher der Meinung das sich beide nicht viel unterscheiden.
    Sie haben ihm vielleicht nicht immer den Respekt gegeben (wobei das bei dem Vertrag eher kindisch ist), er verhält sich aber auch ziemlich sabotierend und manipulativ. So wirklich die weiße Weste hat keiner der Betroffenen.

  15. Ein grandioser Artikel! Ohne Wenn und Aber. Danke.
    Als stiller Mitleser muss man sich diesmal auc mal beteiligen.

    „“““““
    Die schwierige Führungsstruktur bei den Packers hatte wieder einmal zugeschlagen: Ein Team, dessen Owner sich aus Tausenden Shareholdern zusammensetzt, die ein Führungsgremium einsetzen, das sämtliche Football-relevanten Fragen aber an die sportliche Leitung um GM und Headcoach auslagert.
    „“““““

    Ein interessanter Teil, mit den man vielleicht in der „sauren Gurkenzeit“ ausführlicher befassen kann.

    „““““
    an olive branch from Green Bay brass
    „““““

    Kann mir das jemand erklären?

  16. Wahrscheinlich wichtige Nebeninfo bei der AR-Saga: habe interessiert festgestellt, dass laut OTC Green Bay nach aktuellem Stand 2022 über 21 Mio$ ÜBER der Cap liegt. Klar werden dann Verträge restrukturiert, aber hört sich nach enger Situation an, in der die Wunscherfüllung für den QB schwierig ist… https://overthecap.com/salary-cap-space/

  17. Shefter vermeldet den Rücktritt von Rodgers… Ich brauche ein neues Beisholz

  18. Wohl nur eine Ente. Nach den Entwicklungen der letzten Wochen könnte das aber wohl zunehmend wahrscheinlicher werden.

  19. Pingback: NFL-Receiver sind schon auf Betriebstemperatur | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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