Dallas Cowboys Draft-Recap 2021: Da war mehr drin!

Draft-Recap der Dallas Cowboys.

Ich habe den Cowboys für ihren Draft die Note = C gegeben und geschrieben:

Dallas. Die nach Cornerback lechzenden Cowboys wurden von der Dynamik der Top-10 überrascht, als keiner der beiden Top-Corner an #10 mehr verfügbar war. Jerry Jones fädelte den Down-Trade mit einem Divisionskonkurrenten Philly ein und staubte einen 3rd Rounder ab. Ein Gewinn.

Aber dann zog Jones LB Micah Parsons. Individuell sicher ein Top-Prospect, aber wie viele hoch bezahlte Linebacker willst du in der NFL 2021 haben? Dallas hat jetzt drei. Danach fokussierte sich Jones auf Run-Defender wie DE Golson oder DT Osa Odighizuwa. Ich weiß nicht…

Die einzelnen Picks mit der Valorisierung der Spieler am Public-Board liste ich mal vorab hier und versuche mich danach mal einer Interpretation dieser Draftklasse:

RdPickPos.NameCollegePublicBoard
112LB Micah ParsonsPenn State 11
244CB Kelvin JosephKentucky 66
375DI Osa OdighizuwaUCLA 112
384EDGE Chauncey GolstonIowa 180
399CB Nahshon WrightOregon State N/A
4115LB Jabril CoxLSU 58
4138OT Josh BallMarshall 201
5179WR Simi FehokoStanford 145
6192DI Quinton BohannaKentucky 299
6227CB Israel MukuamuSouth Carolina 139
7238OG Matt FarniokNebraska N/A

Der Schlüsselmoment

Der prägende Moment für Dallas in diesem Draft kam gleich in Runde 1, als den Cornerback-geilen Cowboys direkt vor der Nase die beiden perfekten Optionen weggedraftet wurden:

  • An #8 zog Carolina Jaycee Horn
  • An #9 nahm Denver Patrick Surtain

Bäm. Zwei Teams, die fett im QB-Rennen zu sein schienen und die in nur wenigen Mock-Drafts Cornerbacks zugelost bekamen, schnappten Dallas die beiden einzigen „logischen“ Pick vor der Nase weg.

Dallas reagierte mit einem Trade-Down und holte sich von den Eagles für nur zwei Spots runter einen 3rd Rounder ins Haus. Dieser Trade-Down war ein Gewinn für Dallas – und war unter zwei Gesichtspunkten dennoch verblüffend.

Einmal: Dallas tradete in den Eagles mit einem Divisionskonkurrenten, bei dem Quarterback (mit Justin Fields am Board) eine durchaus denkbare Option gewesen wäre. War sich Dallas nach dem Trade-Down der Eagles Ende März so sicher, dass Philly keinen QB nehmen würde? Oder war es den Cowboys wurscht, weil mit den an #11 stehenden Giants auch noch ein anderer NFC-East-Kandidat theoretisch QB hätte draften können?

Es war auf alle Fälle ein Trade, der hätte ins Auge gehen können, wenn die Iggles aus diesem Draft mit einem Quarterback rauskommen, der einigen Experten zur Folge durchaus Potenzial zu QB2 gehabt hätte (Philly nahm dann WR Devonta Smith).

Und zum Zweiten: Direkt nach den Cowboys tradeten die Bears mit den Giants. New York staubte gar einen zweiten 1st Rounder ab. Es ist schwer vorstellbar, dass das nur einen Platz vor #11 Giants am Board befindliche Dallas kein Angebot der Bears bekommen hat. Jerry Jones meinte nach dem Draft, man habe nicht zu weit nach unten gehen wollen um noch einen der „Blue-Chipper“ (Parsons) zu bekommen.

Das lässt den Cowboys-Trade mit den Eagles in einem nicht ganz so hellen Licht erstrahlen. Einmal ist das „Blue Chipper“ Konzept suspekt. Und Dallas der 3rd Rounder, den Dallas holte, verblasst im Lichte des 1st Rounders, den New York abstaubte – mit dem einen kleinen Nachteil, dass man mehrere Draft-Plätze verloren hätte als von #10 auf #12 zu gehen (Chicago gab den #20 Pick an die Giants ab).

Doch gerade Dallas, das erst vor wenigen Wochen mehr oder weniger gezwungen war, einen extrem teuren Vertrag mit QB Dak Prescott auszuhandeln, ist eines der Teams, das in den nächsten Jahre vor allem eines im Kader braucht: Einen möglichst billigen ersten und zweiten Anzug und möglichst viel Kadertiefe. Unter diesem Gesichtspunkt hätte ein zweiter 1st Rounder im nächsten Draft diesem Team hervorragend zu Gesicht gestanden.

Ich kann den kleinen Trade-Down also loben – aber nicht lieben, denn es wäre noch einiges mehr drin gewesen.

Die Cowboys-Picks

Die Strategie der Cowboys war dann eindeutig: Möglichst viel Tiefe für die Defense und etwas Offensive Line.

Die ersten sechs Picks gingen in die Defense – bis hinein in die vierte Runde. In den späten Runden zog man dann nochmal zweimal Defense. Das ist für eine der schwächeren NFL-Verteidigungen der letzten Saison natürlich ein guter Mix an Need-Spielern, aber ich hab ein bisschen Probleme mit den anvisierten Positionen.

Micah Parsons galt als einer der besten Prospects im ganzen Draft – schnell, athletisch superb, gigantisches Tape schon als 20-jähriger. Doch Parsons spielt als Off-Ball-Linebacker eine Position, die in Dallas a) schon teuer/mehrfach besetzt ist und b) in der NFL nicht mehr die zentrale Rolle alter Tage spielt.

Dallas hat bereits den ex-1st Rounder Leighton Vander Esch und den längst teuer verlängerten Jaylon Smith im Kader. Vander Esch hat Verletzungsprobleme und nach der abgelehnten 5th-Year-Option auslaufenden Vertrag in 2022. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Einberufung von Parsons vertretbar. Aber auch nur dann.

Du wirfst nun ein: Wie viele bessere Alternativen hatte Dallas an #12? Dann sag‘ ich: Nicht an #12, sondern an #10. Dallas hätte – siehe oben – einfach weiter runtergehen müssen, mehr Value abstauben um nicht beim Parsons-Pick too cute zu werden und sich die bereits stark und teuer besetzte Linebacker-Position einzuheimsen.

Und dann?

Zwei Corner, ein Defensive Tackle und ein Edge-Rusher an Tag 2. Die Prospects waren zwar alle vier gemessen am Big-Board deutlich „overdraftet“:

  • CB Kelvin Joseph ging als #66 am Big Boad an #44
  • DT Osa Odighizuwa war die #112 am Board und ging an #75
  • EDGE Chauncey Golston ging an #84 und war nur die #180 am Board
  • CB Nahshon Wright war gar nicht am Public-Board gerankt, wurde aber an #99 gezogen

Über Odighizuwa heißt es im PFF-Draftguide:

Odighizuwa can be a plus run defender from a number of different alignments and is coming along as a pass rusher.

Über Golston:

Golston can be an early-down run defender on the edge, but he likely lacks the juice to be an impact rusher there

Thema verstanden? Prospects, die erstmal eher als Run-Defender projecten, denn als starke Passrusher. Nicht zwingend das, was man in der heutigen NFL sucht.

Auch Joseph ist einer der besseren Run-Defender für Cornerback-Verhältnisse, bietet aber immerhin „Top-10“ Upside in Deckung. Die Probleme bei Joseph gibt es wohl vor allem abseits des Feldes, wo er am College ein bissl zu sehr das machte was ihm passte, und nicht das was den Coaches passte. Daher wurde er u.a. suspendiert.

Wright ist ein bissl ein Freak. Er ist mit 6‘4 geradezu ein Hüne für einen Cornerback, wiegt aber nur 183 Pfund. In Man-Coverage war er am College Horror, dafür ein guter Zone-Corner. Hat die Beweglichkeit eines Stockfisches auf engstem Raum, ist aber schnell genug um gegen tiefere Routen mitzuhalten und eine permanente Interception-Gefahr mit seiner „Range.“ In kurz: Ein Corner für bestimmte spezielle Matchups. Aber erstmal keiner, den man auf vielen Routen einsetzen kann, denn dann wird er von schlauen OffCoords brutal attackiert.

Character Concerns

Wenn man den GMs in den Pressekonferenzen zuhört, scheinen praktisch alle großen Wert auf „sauberen Charakter“ zu legen. Alle außer Jerry Jones, der in den letzten Jahren keine Probleme hatte Problemfälle wie Greg Hardy, Aldon Smith oder Randy Gregory zu supporten und mit Verträgen auszustatten.

Unter diesem Gesichtspunkt ist die Kombination von Odighizuwa, Parsons, Joseph und OT Josh Ball in einer einzigen Draftklasse interessant.

Über Odighizuwas Familie und ihren Kampf gegen Depressionen gibt es bei NFL.com ein bewegendes Profil. Mit einem Dak Prescott als Team-Leader dürfte Odighizuwa einen lauten Fürsprecher in seinem Vorhaben für offenen Locker-Room-Talk haben.

Aber Parsons, den Rädelsführer von Mobbing-Aktionen am College (inklusive angedrohter Vergewaltigung auf dem Campus, auf dem Jerry Sandusky einst wütete), Joseph mit seinem exponierten Charakter und Ball, der sogar bei FSU rausflog weil er x-fach seine Ex verprügelte, haben die Cowboys in dem Jahrgang ein paar geradlinige Typen geholt, an denen du dir am ersten Tag bestimmt die Zähne ausbeißen wirst.

Also in Summe?

Unter Value-Gesichtspunkten hätte Dallas mehr aus dem Draft machen müssen. In der Passing-Liga NFL hat der Kader doch etwas viele Ressourcen in Linebacker und Rushing-Defense gesteckt und riskiert in Passrush und Coverage weiter etwas dünn aufgestellt zu sein. Joseph, der Freak Wright und auch der letztjährige 2nd Rounder Trevon Diggs sind alles junge und wenig erprobte Corner, werden aber wohl oder übel schnell größere Rollen spielen müssen. Der neue DefCoord Dan Quinn kommt gerade von einer verunfallten Anstellung in Atlanta, wo die Defense unter seiner Schirmherrschaft als „underachiever“ berüchtigt war.

Es wird also weiter an der Offense liegen, die Gegner an die Wand zu spielen. Dann bleibt die Hoffnung, dass die junge Defense den Schaden soweit limitiert, dass es diesmal zum tiefen Playoff-Run gereicht.

Ein Kommentar zu “Dallas Cowboys Draft-Recap 2021: Da war mehr drin!

  1. Danke für deine Analyse @korsakoff. Die Sache mit dem Down-Trade ist schon ein interessanter Aspekt. Ich habe mich auch schon gefragt, ob man nicht auch die Chance auf einen Down-Trade mit den Bears gehabt hätte. An 20 hättest du auch noch Spieler wie Farley, Newsome oder Darrisaw auf dem Board gehabt. Deswegen definitiv eine verpasste Chance.
    Wie ich schonmal schrieb, sehe ich es nicht ganz so kritisch, dass man sich auch Richtung Rushing-Defense verstärkt hat. Diese war letztes Jahr einfach horrend. Klar, Passing-Defense >> Rushing-Defense, aber ein gewisser Einklang muss trotzdem gegeben sein. Bleibt nur zu hoffen, dass Quinn in der Lage ist eine solide Unit zu formen. Die Erwartungen sind eher niedrig, aber das muss ich dir als Lions-Anhänger nicht erklären.

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