Reizüberflutung zum NFL-Trainingsauftakt 2021

Der gestrige NFL-Trainingsauftakt war brillante Unterhaltung. Mir reichten knapp eine Stunde Aufmerksamkeit für reichlich Schreibmaterial.

Liebe für Lambeau

Aaron Rodgers nahm sich gestern eine halbe Stunde Zeit um mit den Journalisten über die Gefühlswelt der letzten sechs Monate zu sprechen. Rodgers gab zu an Rücktritt gedacht zu haben und über die Trennung von etlichen verdienten Packers-Spielern wie Charles Woodson, Clay Matthews oder Jordy Nelson sauer gewesen zu sein. Rodgers prahlte damit der Grund zu sein warum Spieler in die Provinz von Green Bay wechseln würden und stellte klar.

Er gab an, im Kern schlicht und einfach gehört werden zu wollen und sich nun voll auf die Aufgabe 2021 konzentrieren zu wollen.

Letztlich hätten aber auch neun Sekunden gereicht um zu wissen was los ist – diese neun Sekunden:

Spettacolo. Mal ganz ungeachtet dessen, dass fast alle Abgänge, denen Rodgers noch nachzutrauern scheint, in die Ära des vergangenen und mittlerweile verstorbenen ex-GMs Ted Thompson gefallen sind und es damit unter Achtung von Rodgers‘ vorgetragener Motivation recht wenig Grund für Groll gegen Brian Gutekunst zu geben scheint, ist es ganz gut, dass die Packers bis jetzt nicht zu sehr auf Rodgers gehört haben.

Rodgers hätte versucht, Altstars jenseits ihrer Blüte zu halten (und fädelte effektiv die Rückholung von Randall Cobb ein). So darf kein Manager ticken. Sollte Rodgers tatsächlich wie gestern gemunkelt wurde, eine Karriere als GM anstreben, riecht das nach Verkauf deiner Tickets.

Jetzt bleibt abzuwarten, ob Rodgers und die aktuelle Packers-Führung sich in den nächsten Monaten zusammenraufen können. Nur dann ist ein Verbleib über 2021 hinaus denkbar.

Zur ganzen Pressekonferenz geht es hier.

Auch Rodgers‘ Teamkollege Davante Adams meldete sich gestern zu Wort. Adams betonte vehement, dass er als teuerster Receiver der NFL bezahlt werden möchte – egal ob Rodgers über 2021 bleibt oder nicht:

Liebe für den Mammon

Adams ist nicht der einzige Spieler, der einen neuen Vertrag will: In Miami fordert All-Pro-Cornerback Xavien Howard offenbar einen neuen Vertrag bzw. einen Trade. Das kommt für Leser des hiesigen Blogs absolut nicht überraschend. Ich hatte vor fast genau zwei Jahren recht ausführlich über genau diesen Vertrag geschrieben:

Aus Team-Sicht operieren die Dolphins ähnlich wie die 49ers. PFF sagt: Eine smarte Strategie. Diese beiden Mannschaften geben keine Verträge aus, die auf lange Sicht die Franchise kastrieren. Sie zahlen früh die große Kohle, laden die hohen Cap-Hits damit in die Jahre, in denen die Teams eh nicht um Superbowls competen können, und haben dann in 1-2 Jahren, in denen die Mannschaften bereit sein für einen Angriff sollten, mehr Cap-Space zur Verfügung.

An dieser Strategie geht mir eines nicht auf: Der lange Hebel, auf dem die Spieler in solchen Fällen sitzen. Spieler, die den großen Zahltag schon hinter sich haben, hindert niemand daran, den nächsten großen Zahltag zu fordern. Denn einer der wichtigeren Hebel in der Vertragsgestaltung für Teams ist künftig anstehende Gehaltsauszahlung: Du bist jetzt still, denn nächstes Jahr kassierst du 20 Millionen. Wenn du aufmuckst, schmeißen wir dich raus und dann sieh zu, dass du annähernd sowas am Markt bekommst…

Howards Vertrag hat kaum „Signing Bonus“ und damit kaum negative Langzeiteffekte auf die Belange der Dolphins. Weil Howards Jahresgehalt für die anstehende Saison per Klausel bereits im Frühjahr in fix garantiertes Gehalt umgewandelt wurde, hat Howard in Essenz nach einem Drittel der Laufzeit (2021-2024 sind noch zu spielen) bereits 50% des Payouts gesichert (wenn auch erst ein Drittel, 25 von 75 Mio., kassiert).

Tendenziell ist der Hebel, den solche Spieler wie Howard genießen, etwas überschätzt (Aaron Rodgers lässt grüßen). Erzwingen lässt sich ein Trade nicht unbedingt. Howard liegt mit derzeit rund 15 Mio/Saison weit unterhalb des Labels des teuersten Cornerbacks der NFL (Jalen Ramsey liegt bei 20 Mio/Saison).

Jason Fitzgerald hielte einen Trade Stand jetzt für etwas überraschend. Brad Spielberger dagegen würde eher auf Trade tippen.

Liebe dich selbst

Carson Wentz stellte sich gestern mit Maske einer Meute von geimpften Journalisten und machte dabei nicht den Eindruck geimpft zu sein oder irgendwann in naher Zukunft daran zu denken sich impfen zu lassen:

Wentz hatte immerhin seine Maske korrekt auf. Ein anderer bekam noch nichtmal das hin: Cole Beasley. Der lauteste Impfgegner der NFL betonte gestern auf einer Pressekonferenz, nicht „pro oder anti-impfen“ zu sein, bloß „für die Freiheit zu entscheiden“.

Was nach Beasleys Social-Media-Kämpfen natürlich bizarr klingt, wenn jeder weiß für welche Entscheidung der Mann eintritt.

Die 2:45 Minuten Verwirrung gibt es hier zu sehen – auf dem offiziellen Kanal der Buffalo Bills:

Dass die Bills das über ihren Social-Media-Account vertreiben, hinterlässt bei mir ein schales Gefühl.

Farce in Houston

Ich hab eigentlich keine Lust über die Farce beim Auftakt-Training der Houston Texans zu schreiben. Deshaun Watson erschien wie angekündigt zur Veranstaltung, warf vier Pässe und stand danach Komparse als Defensive Back in diversen Taktik-Drills um sich bloß nicht zu verletzen:

Das ist alles sehr bitter – aber nicht so bitter wie die Art und Weise, in der ESPNs Star-Reporter Adam Schefter über die Skandale Watsons sprach:

„Crap“ ist die Vokabel zur Beschreibung von Schefter himself.

11 Kommentare zu “Reizüberflutung zum NFL-Trainingsauftakt 2021

  1. Erste Gedanken zu Niners/Howard: mit der Methode ziehen die Teams stark auf die Cap-Inflation, aber zu den Stand-Jetzt-Konditionen. Also die Verträge werden früh zu großen Konditionen rausgegeben, damit sind Spieler+Agents Medial Topverdiener. Aber wenn die Jahre der Vertragsverlängerung greifen, sind die Vertragszahlen nur noch oberer Durchschnitt und damit Händelbar. Also das Gegenteil von New Orleans.
    Und dazu das Argument, an dasdu du nicht glaubst: zumindest bei den Niners fühlen sich die Spieler gewertschätzt. Das heißt nicht,dass dass sie auf Geld verzichten, aber es heißt, dass so ein Rodgers-Drama nicht passiert, weil Ihnen zugehört wird.
    Und wenn dann jemand zu doll muckt, dann geh halt (quasi a la patriots).
    Ich hoffe, dass war nicht zu chaotisch, bin noch nicht ganz wach 😀
    In diesem Sinne: guten Morgen an alle. Ihr seid tolle Kommentatoren auf einem tollen Blog! Danke :*

  2. Ich habe die Vermutung Howards Standing ist in der Dolphins Organisation nicht so besonders hoch.Sonst hätte man, wie Adrian bei Spox geschrieben hat, ihm einfach auf ein paar Millonen entgegenkommen können.
    Leistungstechnisch gibts wenig zu meckern, aber ich könnte mir vorstellen, dass man menschlich nicht so überzeugt ist. Gab kurz nach dem Vertragsabschluss eine Anklage wegen mehrfacher häuslicher Gewalt, die von seiner Frau aber wieder zurückgenommen wurde und die Einstellung Stunk zu machen, weil man nicht mehr der bestbezahlte CB (im Team) ist, kommt wahrscheinlich auch bei einigen nicht so toll an. Vor allem wenn man sieht, dass Flores sein Personal ähnlich wie BB führt (Spieler die nicht das geforderte bringen, werden schnell entlassen, etc…). Dazu würde es auch passen Howard jetzt zu traden, nach der 2020 wird sein Wert wohl kaum noch mehr steigen.

  3. Als Packers-Fan lässt das einen sprachlos zurück.
    Randall Cobb als compensation-prize damit Herr Rodgers doch nochmal green+gold überstreift? Ein letztes Halali für 2021 und danach fällt der Laden halt auseinander?
    Oder hat man einfach keinen QB-Trade-Partner gefunden?

  4. @Euterpe: soweit ich die Infos vom Hausherren hier verstanden habe, KÖNNEN die Packers dieses Jahr Rodgers gar nicht traden, da er dann extrem viel „Dead Money“ kosten würde. Soweit ich das Vorgehen verstehe, schätzt die Packers-Spitze Rodgers als „Diva“ ein, die eher unter Aggressionen als im Wohlfühl-Modus gut spielt. Der Love-Draft wurde von MVP-Rodgers gefolgt, also eher positive Reaktion von Rodgers. Und zum „dann fällt der Laden auseinander“: sie haben Rodgers 2018 mit 35 viel Geld gegeben. Jetzt wollte Rodgers noch mehr Geld bzw. mehr Mitsprache. Wenn ihm die Packers DAS gegeben hätten, dann wäre der Laden POST-Rodgers garantiert platt gewesen. Jetzt haben sie Post-Rodgers einen QB, der 2 (?) Jahre hinter ihm lernen konnte.
    Noch zur Cap: Bin Cap-Laie, aber wenn ich Laienhaft die Übersicht bei Over the Cap richtig interpretiere, ist schon aktuell die Cap-Situation der Packers 2021 UND 2022 die schlechteste der Liga. Da ist nix mehr mit Verstärkungen oder Vertragsverbesserungen. Erst 2023 wird es besser.

  5. RE: „schlechteste Cap-Situation“

    Ja und nein. 2021 war und ist bestimmt keine schlechte Cap-Situation für die Packers, da man über den reinen Cap-Space hinaus schließlich auch die Situation der eigenen Verträge berücksichtigen muss. Wenn ich viele Leistungsträger gebunden habe, ist wenig Cap-Space kein Drama.

    2021 hatten vier Teams eine Horror-Capsituation: Atlanta, Pittsburgh, Philadelphia und natürlich New Orleans.

    Rodgers hätte 2021 bei Verkauf rekordverdächtige ca. 31 Mio. Dead-Money angeschrieben. Der Trade hätte in etwa 6 Mio Cap-Space gespart (Rodgers schreibt rund 37 Mio. Cap-Space für 2021 an). Ein Trade wäre machbar gewesen, u.a. weil man den angedachten Nachfolger Jordan Love bereits im Kader hatte und keine weiteren QB-Moves hätte machen müssen.

    2022 sieht die Situation freilich *ein bisschen* anders aus. Davante Adams (plus MVS und Lazard) z.B. sind Free Agents und man ist schon jetzt weit über der erwarteten Salary Cap.

    Doch man kann einigen Cap-Space recht einfach generieren: Rodgers-Verkauf/Verlängerung bringt locker 20 Mio, Preston Smith entlassen bringt über 12 Mio, mit Zadarius Smith kann man neu strukturieren, Randall Cobb bringt man ohne Dead-Money raus und hat weitere 8 Mio. gespart usw.

  6. Dann kann man nur hoffen das es nicht nur eine leere Drohung seitens der NFL war, sondern sie es durchzieht sollte es bei den Bills zum Ausbruch kommen.
    Das Geblubber von dem Spinner höre ich mir aber nicht an. Mir reicht schon wie er – mit ziemlich Sicherheit mit voller Absicht – die Maske falsch trägt.
    Habe keine Geduld mehr mit solchen…*tief durchatmen*…Leuten.

  7. Pingback: All-32: Buffalo Bills 2021 Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  8. Pingback: All-32: Green Bay Packers 2021 Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.