Wie viel wird sich wirklich ändern im College Football?

Texas und Oklahoma werden wohl nächste Woche das Erwartete machen und sich um eine Aufnahme in der SEC bewerben. Der damit drohende Untergang der Redneck-Conference „Big 12“ beschwört mal wieder Weltuntergangsstimmung herauf.

Niemand weniger als der ESPN-Chefexperte Kirk Herbstreit lehnte sich gestern im SportCenter raus:

Wir müssen noch nichtmal über das witzige Detail unterhalten, dass im Kabelsender ESPN Herbstreits Arbeitgeber mit seinen Dutzenden, ja Hunderten Millionen Dollars die treibende Kraft hinter diesem Untergang der Alten Welt war.

Wir können es einfach aus Sicht der Big 12 Conference sehen. Die Big 12 ist eine knapp 25 Jahre junge Institution, gegründet in erster Linie aus Gründen der TV-Profitmaximierung, als Zusammenschluss der alten Big 8 mit den Überresten der zertrümmerten Southwest Conference.

Die Big 12 war selbst eine Retorten-Conference. Das lässt das Wehklagen etwas skurril erscheinen.

College Football Superleague

Fix ist: Mit der Integration der Schwergewichte Texas und Oklahoma macht die SEC einen nächsten Schritt in Richtung „Super-Conference“. Die Entwicklung ist seit langem abzusehen und schwer aufzuhalten.

Andy Staples hat in seinem jüngsten Mailbag schon einmal ein Szenario einer „College Football Superleague“ entworfen, in dem er 24 Fixstarter sieht: Je sieben aus SEC und Big Ten, Oklahoma und Texas, viermal ACC, dreimal Pac-12 und Notre Dame.

Die Aufteilung liest sich so:

SEC

  • Super League Teams: Alabama, Auburn, Florida, Georgia, LSU, Tennessee, Texas A&M, Oklahoma, Texas
  • Gang ins zweite Glied: South Carolina, Mizzou, Vanderbilt, Ole Miss, Mississippi State, Arkansas, Kentucky

Big Ten

  • Super League Teams: Iowa, Michigan, Michigan State, Nebraska, Ohio State, Penn State, Wisconsin
  • Gang ins zweite Glied: Rutgers, Maryland, Minnesota, Purdue, Indiana, Illinois, Northwestern

ACC

  • Super League Teams: Clemson, Florida State, Miami/FL, Virginia Tech
  • Gang ins zweite Glied: UNC, NC State, Boston College, Virginia, Duke, Wake Forest, Pitt, Georgia Tech, Syracuse, Louisville

Pac-12

  • Super League Teams: Oregon, USC, Washington
  • Gang ins zweite Glied: Stanford, Cal, Washington State, Oregon State, Arizona, Arizona State, Utah, Colorado, UCLA

Big 12

  • Gang ins zweite Glied: TCU, Baylor, WVU, Kansas, K-State, Iowa State, Texas Tech, Oklahoma State

Plus Notre Dame.

Es liest sich wie ein denkbares „First Tier“ unter den Topteams. Oregon, Iowa oder Virginia Tech wären in so einer Aufstellung wohl die Wackelkandidaten und Teams wie UCLA oder Colorado hätten ein Argument um eine Aufnahme ihrerseits – ansonsten aber klingt das wie die Creme de la Creme der reichweitenstarken Universitäten.

Und es klingt danach, als ob es dann innerhalb weniger Jahre ein Leistungsgefälle innerhalb dieser Superleague geben wird. Je ungezügelter der Kapitalismus, desto mehr konzentriert sich alles auf die Spitze.

College Football Conferences

Aber noch sind wir nicht so weit. Wir haben zwar bald keine „Power 5“ mehr – aber Big Ten, ACC und Pac-12 haben noch Asse im Ärmel um der wachsenden Dominanz der SEC Einhalt zu gebieten.

Ein denkbares Szenario ist eine Art „Scheduling-Joint-Venture“: Big Ten und ACC geben jeweils das eine oder andere Non-Conference-Spiel an die Pac-12 ab. Die kann ihrerseits ihren Spielplan aufbolstern um einigermaßen den Anschluss zu halten.

College Football würde sich in eine Richtung „Viererliga“ entwickeln:

  • Die SEC als „Southern Conference”
  • Big Ten als “Northern Conference”
  • ACC als “Eastern Conference”
  • Pac 12 als “Western Conference”

Doch ohne Regulierung bleibt ein Gefälle. Durch den „Sherman Antitrust Act“ ist eine Art „Salary Cap“ wie in der NFL absolut unmöglich und kriegt von Experten auch keine Chance, jemals vor den US-Gerichten durchgewunken zu werden. Das Treiben wird also auch hier immer wieder auf die Spitze getrieben – Viererplayoff hin, Zwölferplayoff her.

Ein Schedule-Zusammenschluss großer Conferences führt immer auch automatisch zu einer weiteren Abspaltung der Power-Conferences von den Mid-Majors, für die dann immer weniger Matches übrig bleiben.

Wie lange wird sich Notre Dame noch als Independent halten können? Die Katholiken-Uni musste schon vor Jahren alte Rivalitäten z.B. mit Michigan unterbrechen und fixe Slots für ACC-Gegner in den Schedule aufnehmen um ihren Spielplan voll zu kriegen.

Vielleicht geht das alles aber auch langsamer

Stewart Mandel sieht allerdings noch keinen Grund zur Panik. Vor allem die durch die Modernisierung der letzten zehn Jahre gut aufgestellte Big Ten brauche nicht zu überreagieren. Ohnehin gäbe es kaum Anreize und Möglichkeiten, für die bestehenden Mitglieder profitabel neue TV-Märkte zu erschließen, wie es vor ein paar Jahren mit Rutgers und Maryland passiert ist.

Das TV sei nicht mehr der Treiber für ESPN. Viel interessanter sei für ESPN der Streaming-Markt. Doch der sei wiederum für eine Uni wie USC (Los Angeles) nicht attraktiv.

Insofern gebe es für die Big Ten nur zwei Optionen, den Gesamtumsatz in die Höhe zu treiben ohne den Payout für die einzelnen Unis zu verringern:

  • Oregon/UCLA aus der Pac-12…
  • … oder Clemson/FSU aus der ACC

Beide Optionen sind momentan in weiter Ferne. Selbst die gebeutelte ACC, die sportlich schon lange abseits der Powerhouses wie Clemson und FSU nicht mehr viel anzubieten hat, habe nicht viele Incentives, sich für Big-12-Ramschware zu interessieren.

West Virginia sei der einzige interessante Player, auch vor dem Hintergrund der alten Rivalität mit Pitt („Backyard Brawl“), doch WVU ist kein nationaler Brand mit Strahlkraft um den sich jeder reißt. Die einzige Option aus den Mid-Major-Regionen sei Cincinnati, das aber trotz guter sportlicher Entwicklung noch nichtmal sein Stadion vollkriegt.

Die Reste der Big 12 werden dagegen den Haien zum Fraß vorgeworfen. Die besseren der Mid Major Conferences werden sich durchaus attraktiver Teams wie TCU, Baylor oder Oklahoma State bedienen. Aber selbst eine AAC (American Athletic Conference), die noch als beste Mid-Major-Conference gilt, wird dadurch nicht annähernd Anschluss an die Power-Four herstellen können.

So ist nicht ganz klar ob wir schon am Scheideweg des College Football sind, oder ob wir schon drüber sind, oder ob wir mittendrin sind in einer den Umständen entsprechend völlig logischen Entwicklung.

Sicher ist: Die Playofferweiterung wird kommen. Die SEC wird ihren Vorsprung auf den Rest der College-Football-Welt erstmal vergrößern. Die Dominanz wird sich zunehmend auf eine Elite konzentrieren, die immer reicher wird und immer bessere Ressourcen zur Verfügung haben wird.

Ob College Football dadurch besser oder schlechter wird, weiß ich nicht. Ich bin mir noch nichtmal sicher ob er so viel „anders“ wird als in den letzten Jahren. Denn wie ich schon oft schrieb: Schon in den letzten Jahren ist der sportliche und ideelle Wert der Conference als Institution marginalisiert worden, weil sich oben fast alles auf das National-Title-Rennen fokussiert, während die mittelgroßen Fische im Treibwasser mitschwimmen und die kleinen Fische (Mid Majors) verzweifelt um Anschluss kämpfen.

Das wird wahrscheinlich alles so bleiben. Die Schere wird halt ein weiteres kleines Stück auseinander gehen.

Ein Kommentar zu “Wie viel wird sich wirklich ändern im College Football?

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