All-32: Carolina Panthers 2021 Preview

Ist es zu früh, den mehrjährigen Umbruch der Carolina Panthers schon nach 18 Monaten sanft zu hinterfragen zu beginnen?

Fix ist: Carolina war letztes Jahr eine über weite Strecken überraschend gute Mannschaft, die erfrischende Offense spielte. Erst zum Saisonende schwächelte der Angriff und die Panthers stürzten auf 5-11 ab. Der Kollaps führte zu einem erstaunlich schnellen Quarterback-Wechsel.

Teddy Bridgewater wurde an Denver verkauft und Carolina war wochenlang in jedem Quarterback-Gerücht an vorderster Front involviert. Doch bei all den gehandelten Namen – Deshaun Watson, Draft Trade, Justin Fields, Mac Jones – fühlt sich der letztlich eingekaufte Name wie ein echter Downer an: Sam Darnold.

  • Bilanz 2020: 5-11
  • Pythagorean: 6.6 Siege (#23)
  • Close Games: 3-6
  • Offense EPA/Play: +0.02 (#19)
  • Defense EPA/Play: +0.09 (#24)
  • Turnovers: +1
  • Fumble Luck: 68% (#1)
  • Adjusted Games Lost: #14 (OFF #14, DEF #16)

Carolina bindet sich mit dem Trade für zwei Jahre finanziell an Darnold. Die Wette ist, dass der ambitionierte OffCoord Joe Brady mit Darnold die gleiche Transformation hinlegen kann wie die Tennessee Titans zuletzt mit dem anderen von Adam Gase verhexten QB: Ryan Tannehill.

Offense

Die Sache hat einen Haken: Gemessen an den meisten Performance-Metriken von PFF war Darnold nie annähernd so gut wie Tannehill. Der war in Miami vor der Ankunft vom verhassten Gase ein zumindest durchschnittlicher Starting-QB gewesen. Darnold in New York? Not so much.

Darnolds Platzierung in EPA/Play in seinen drei Jahren als Starter:

  • 2018: #30
  • 2019: #32
  • 2020: #38

Da ist der trend not your friend… In der gewöhnlich stabilen Clean Pocket Performance rangierte Darnold in seinen drei Profijahren wie folgt:

  • 2018: #27
  • 2019: #15
  • 2020: #32

Eine durchschnittliche Saison im Sandwich zwischen zwei horrenden Jahren. Es mag teilweise an Gase gelegen haben, und teilweise am schwach besetzten Kader. Doch Punkt bleibt: Der Weg nach ganz oben ist für Darnold ein sehr weiter – denn bloßes Mittelmaß auf QB wäre für Carolina der sicherste Weg für langfristige Irrelevanz!

Es wäre auch nicht so, dass Darnold zu diesem Zeitpunkt abseits seines dicken Wurfarms ein besonders guter Prospect ist. Greg Cosell hat das schon ausgeführt, was Darnold in seinen Jahren in der NFL an Entwicklung verschlafen hat: Unterirdisches Footwork führt zu Schrotflintenpräzision, dazu Pocketmanagement aus Nachbars Hennenstall.

Die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Horror-QB Darnold im „System Joe Brady“ plötzlich der nächste Star-Quarterback geboren wird, ist nicht groß.


Zumal es auch um Darnold herum viele Fragezeichen gibt. Da wäre einmal der bei mir seit LSU-Zeiten so hoch gehandelte Posterboy Brady. Seine Offense zu Beginn von 2020 war durchaus bemerkenswert, aber der Kollege Moo hat schon Recht, wenn er auf die Gefahren von allzu euphorischer rosa Brille in Richtung Brady hinweist:

Brady führte die Panthers-Offense in seiner ersten Saison vom 28ten Platz nach EPA/Play (2019) auf den 19ten Platz. Aber wenn wir den Fokus nur auf die letzten Wochen der letzten Saison legen, war Carolina in diesem kurzen Zeitraum nur die #28 – wenn auch gegen knackige Defenses von Woche 14-17: Broncos, Packers, Washington und New Orleans.

Fazit: Ganz *sicher* können wir uns noch nicht sein, dass wir da den nächsten großen NFL-Schemer vor der Pupille haben. Aber selbst wenn Bradys Scheme rockt: Was machen wir dann mit Darnold? System-QB oder 35 Mio/Jahr QB?


Die Waffen sind immerhin ganz gut: DJ Moore und Robby Anderson bilden ein super Deep-Threat Pärchen, doch der letztjährige famose WR3 Curtis Samuel wird in Terrace Marshall von einem Rookie und in David Moore von einem langjährigen Ergänzungsspieler aus Seattle ersetzt. Samuel hatte unter Brady eine durchaus spezielle Rolle mit niedrigem aDOT und vielen YAC-Plays. So einfach wird sie nicht zu ersetzen sein.

Die Rückkehr vom teuren RB Christian McCaffrey lässt verstärkten Fokus auf Laufspiel und ineffizientes Kurzpassgewichse befürchten, und die neuen Tight Ends Dan Arnold und Tommy Tremble haben ihre Stärken auch eher im Kurzpassspiel oder als H-Backs.


Dazu die Patchwork-O-Line. In RT Taylor Moton gibt es nur einen gesattelten Starter (Moton hat jüngst die ersehnte mehrjährige Vertragsverlängerung bekommen).

An der linken Flanke kriegen wir den neunten verschiedenen Starter in den letzten neun Jahren (wohl Cam Erving). Auf Left Guard kommt ein anderer Neuzugang ins Line-Up, der Vikings-Fans den Schauer über den Buckel runterjagt: Pat Elflein. Prinzipiell diskutiert man, ob der 25-jährige Rookie Brady Christensen in dieser O-Line schon heuer Starter werden sollte – ein Jahr, nachdem er 18jährige Teenage-Passrusher aus der Sunbelt Conference wegräumen durfte.

PFF sieht diese O-Line als zweitschwächste in der NFL – keine allzu gute Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Einführung eines neuen QBs.

Defense

Die Defense ist durchaus interessanter. Schematisch spielt sie einen auffällig hohen Anteil an „3 man passrushes“ – einem aufkommenden Trend im College Football.

Die Defense war 2020 extrem jung – welch Wunder, nachdem man im Draft nur Verteidiger gezogen hatte. Die Front ist eine Stärke: Brian Burns hat sich zu einem Star und vielleicht Außenseiterkandidaten auf die DPOY entwickelt, und der Support wird nur besser: DT Derrick Brown geht nach einer vielversprechenden Rookiesaison in das wichtige zweite Jahr. EDGE Haasan Reddick kommt aus Arizona, und selbst wenn er nach seinem Ausreißer-Jahr mit 12.5 Sacks prädestiniert für einen Rückschritt ist, so bringt er doch Tiefe. EDGE Yetur Gross-Matos geht ins zweite Jahr, wie auch DT Bravvion Roy.

Auf Linebacker ist man nach den Rücktritten der Ankermänner Kuechly (2020) und Thomas Davis (2021) suspekt besetzt, aber dafür fügt sich das Puzzle in der Secondary so langsam. CB Jaycee Horn war der 1st Round Pick. Wie er als Man-Corner in diese bislang Zone-lastige Defense passt, wird eine der spannenderen Entwicklungen. Er schiebt den durchaus interessanten Donte Jackson auf CB2. Dazu kommt hinten dran Tiefe in AJ Buoye und Rashaan Melvin via Free Agency.

Ausblick

Wie einleitend geschrieben: Komischer Zustand der Panthers. Eigentlich fühlt sich das Projekt Matt Rhule noch nicht bereit an, um schon heuer oben mitzuspielen. Doch die umtriebige Suche nach einer besseren Quarterback-Lösung deutet darauf hin, dass Rhule hier womöglich anders denkt.

In der Art, wie Rhule das QB-Problem effektiv löste, sehe ich allerdings hohes Katastrophenpotenzial. Waren die Panthers sich wirklich sicher, im Draft an #8 keinen QB mehr zu bekommen, und trauten sich mit einem Darnold auf zwei Jahre im Kader nicht, Justin Fields zu holen? Oder sieht man wirklich mehr Potenzial in Darnold, einem Prospect, der am College nie die Klasse von Fields hatte, und hintendran drei Jahre Nichts als Profi dranhängte?

Sehr wahrscheinlich werden die Panthers eine bessere Saison spielen als 2020, aber selbst ein „Best Case“ könnte bitter werden, wenn Brady dann als Headcoach abgeworben wird und einen Darnold ohne sein Scheme zurücklässt. Alles viel zu negativ? Dann bitte Panthers: Überzeugt mich!

5 Kommentare zu “All-32: Carolina Panthers 2021 Preview

  1. Darnold hat sicher den Arm, aber mental ist er nicht NFL tauglich.

    Gute Waffen hatte er ja auch schon bei den Jets. Da die Panthers im Draft nicht mehr viel gemacht haben außer Marshall, ist die Situation für Darnold jetzt vergleichbar mit NYJ (plus besserem OC).

    So gut ich verstehe wieso die Panther Darnold und nicht einen Minshew geholt haben, so bitter kann sich das rächen.

    Mein Tipp: 6-11

  2. Man hatte im Draft alle Optionen, selbst mit Darnold im Kader. Glaube auch das die Nummer schiefgeht. Darnold ist nicht NFL tauglich.

  3. Terrible von den Panthers mit Darnold zu gehen.

    1. Keinen QB gedraftet deswegen
    2. Wenn Darnold gut ist, dann sehr sicher wegen des Schemes
    3. Wenn Darnold schlecht ist, dann ein Jahr mit dem OC verschenkt
    4. Kaum Upside

    Brauchst du ein Argument gegen ’sie wissen es als Zuständige besser‘ dann kannst du Panthers sagen.

  4. Pingback: All-32: Chicago Bears 2021 Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  5. Pingback: Es geht los! Heute beginnt die NFL-Saison 2021/22 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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