All-32: Dallas Cowboys 2021 Vorschau

Die Dallas Cowboys gehörten zu den größten Enttäuschungen der letzten Saison. Natürlich kann man einiges daran am frühen Ausfall von QB Dak Prescott nach Woche 5 festmachen. Aber nicht alles.

Es steht außer Frage, dass die Passing-Offense nach Prescotts Ausfall einen Absturz ins Nirvana erlebte. Aber entgegen aller Erwartungen war man schon mit Prescott im Line-Up schwächer als der NFL-Durchschnitt:

  • Woche 1-5 mit Dak: +0.11 EPA/Pass, #20
  • Woche 6-17 ohne Dak: -0.06 EPA/Pass, #30

Ein wesentlicher Grund waren zahlreiche Turnovers. Sie waren irgendwo „notwendig“, nachdem Dallas schon früh in der Saison immer wieder im Catch-Up-Modus großen Rückstanden nachspielen musste. Das Gute: Turnover sind volatil.

Für Dallas wird es aber in dieser Saison sowohl einen Schritt nach vorn in der Offense, als auch in der Defense brauchen. Beides ist denkbar.

  • Bilanz 2020: 6-10
  • Pythagorean: 6.2 Siege (#24)
  • Close Games: 3-4
  • Offense EPA/Play: -0.03 (#25)
  • Defense EPA/Play: +0.07 (#21)
  • Turnovers: -3
  • Fumble Luck: 49% (#20)
  • Adjusted Games Lost: #28 (OFF #29, DEF #18)

In der Defense tauschte Headcoach Mike McCarthy den DefCoord aus. Der neue Mann ist Dan Quinn. Er soll das Scheme simplifizieren.

In der Offseason hat man mit dem fetten Vertrag für Dak Prescott auch die leidige Begleitmusik der letzten Jahre ad acta gelegt. Jetzt muss die Mannschaft liefern.

Offense

Es gibt eigentlich nicht viele Umschweife: Das Spielerpersonal der Cowboys sollte Top-5-Effizienz erwarten lassen. Das Potenzial ist einfach zu groß. Aber es gibt ein paar fette Fragezeichen.

Zum Quarterback kommen wir gleich. Schauen wir zuerst auf die Infrastruktur.


Dallas hat eines der besten Receiver-Trios in der NFL. Amari Cooper läuft sich in Single-Coverage in über 60% der Routen frei – eine der besten Quoten in der NFL. Trotzdem muss Cooper schauen, dass er das Label des WR1 behält, denn der junge Rohdiamant CeeDee Lamb ist prädestiniert für den Breakout.

Lamb hat eine starke Rookiesaison gespielt. Er hat wie Cooper 1.8 Yards/Route gemacht und wurde dabei zirka ein Yard pro Target tiefer angespielt. Lamb war dabei allerdings zu fast 95% im Slot aufgestellt, was seine Produktivität zweifellos etwas aufblies. Seine Rolle dürfte diese Saison nur größer werden.

Die #3 in dieser Aufstellung ist Michael Gallup. Der hat seinerseits fantastische Anlagen und wäre in praktisch jeder anderen Mannschaft mindestens ein WR2. Für Gallup ist 2021 ein Vertragsjahr; ich erwarte Großes.

Und auch hinter diesem Trio ist Tiefe vorhanden: Cedrick Wilson gilt als passabler WR4, und der als „5th Round DK Metcalf“ bezeichnete Rookie Simi Fehoko taugt bestimmt für einzelne tiefe Routen.

Selbst auf Tight End ist man wieder gut aufgestellt: Blake Jarwin kehrt nach nur 25 Snaps in der letzten Saison wieder in voller Montur zurück; sein Backup Dalton Schultz fing in seiner Abwesenheit 60 Bälle und geht damit als passable Vertretung durch.


Auch die letztes Jahr extrem verletzungsgeplagte O-Line ist wie gemacht für einen Sprung zurück dorthin, wo die Cowboys-Line über Jahre war: Unter den besten.

Letztes Jahr bekamen die Cowboys von beiden Startern zusammengerechnet nur 150 Snaps auf Tackle. RT La’el Collins verpasste die komplette Saison. Er hatte 2019 das Potenzial zum Elite-Tackle angedeutet. Tyron Smith an der linken Flanke ist bestimmt nicht mehr der Überflieger alter Tage, aber guten Durchschnitt repräsentiert er allemal.

Innen ist man auf beiden Guard-Positionen stark besetzt (Conner Williams & Zach Martin). Einzig Center ist eine offene Baustelle. Tyler Biadasz hat als Rookie nicht unbedingt geglänzt.

Die Line hat natürlich ein bisschen Depth-Probleme, aber der eingekaufte Swing-Tackle Ty Nsekhe sollte immerhin dafür sorgen, dass es so schnell nicht mehr extrem kritisch an den Flanken wird.

Und damit zum QB.


Prescott gilt als „Tier 2“ QB in der NFL: Nicht so gut wie die absolute NFL-Elite, aber gut genug um mit entsprechendem Support-Cast herausragend effiziente Passing-Offenses das Feld hinunterzutreiben.

Prescott ist präziser als der durchschnittliche Starting-QB. Das gilt für Spielzüge mit und ohne Druck. Er wirft tiefer als der durchschnittliche QB. Aus sauberer Pocket war er in den letzten Jahren stets im besten Dutzend der Starting-QBs geratet.

Prescott war letztes Jahr nicht unter den allerbesten QBs nach EPA/Play zu finden, doch das lag unter anderem an der schwachen Performance in 3rd Downs. Prescott war nur der 28t-erfolgreichste QB in 3rd Downs. In 1st und 2nd Down war er die #6 und sogar besser als in seiner Paradesaison 2019.

Da in Dallas die Infrastruktur passt, erwarte ich von Prescott auf jeden Fall einen Sprung zurück unter die erfolgreichsten QBs.


Soweit sollte die Passing-Offense eigentlich zünden. Es gibt nur ein Problem: Die Offense ist öde designt. Die Magie von OffCoord Kellen Moore ist nach dem kurzen Breakout Anfang 2019 längst verflogen. In den letzten eineinhalb Jahren haben erst „Coach“ Jason Garrett und dann McCarthy himself wieder einen Schritt zurück gemacht.

Dallas hatte die höchste Rate an eher statischen Routen wie Curls, Comeback-Routes oder Out-Routes. Variabilität und hohe Play-Action-Raten waren auch unter „Analytics Mike“ McCarthy nicht so der Renner. Es ist eigentlich total unverständlich, gerade nach den Passfeuerwerken von Anfang 2019, aber aus irgendeinem Grund haben sich die Cowboys seither in ihren Stall verkrochen und ihre besten Plays versteckt.

Das andere Thema, über das man in Dallas immer reden muss, ist das Laufspiel. Immer wieder tendierten die Cowboys in den letzten Jahren zu viel zu hohen Rushing-Quoten, was natürlich auch am Monstervertrag für Zeke Elliott lag. Nun ist zu starker Fokus auf Zeke doppelt schädlich: Einmal, weil man mit solchen Waffen im Passspiel per se das Laufspiel auf Mitte des Schlussviertels verlegen sollte. Und zweimal, weil Backup Tony Pollard in den letzten beiden Jahren nicht bloß der explosivere und effizientere Back war, sondern auch wesentlich weniger anfällig gegen tödliche Fumbles.

Defense

Die Cowboys-Defense war 2020 unter Mike Nolan ein echtes Sorgenkind. Die Probleme letztes Jahr waren eigentlich überall: Wenig Passrush, keine tiefe Absicherung, extreme Anfälligkeit gegen schnelles Kurzpassspiel und WR-Screens.

Unter dem neuen DefCoord Dan Quinn kehrt man nun zum „Seattle“-Scheme von 2018/2019 unter Kris Richard zurück. Auch wenn es sich bei dem Scheme mittlerweile schon wieder um eine rückwärtsgewandte Philosophie handelt, so besteht zumindest die Hoffnung, dass die wesentlich simplere Terminologie bestimmte mentale Knoten bei den Spielern lösen kann.

Die viel größere Frage ist, was Quinn überhaupt kann. Seine Zeit in Atlanta war teilweise von abstrusen Defenses mit sehr unklaren Zuständigkeiten im Trainerstab geprägt. Dass so ein Coach eine Defense mit wenig Punch im Passrush und der nach PFF-Einschätzung zweitschwächsten Secondary massiv verbessern kann, davon ist eher nicht auszugehen.

Vorne gibt es hinter EDGE Demarcus Lawrence nur wenige Optionen im Passrush – es sei denn, der 2nd-Round-Rookie Osa Odighizuwa schlägt überraschend gut ein.

Hinten sprechen wir über eine Secondary, in der mangels Alternativen Trevon Diggs den CB1 geben soll. Diggs ist kein schlechter Corner, aber mit seiner Statur und Spielweise etwas eindimensional. Es wird Matchups geben, in denen er böse verbrannt wird.

Slot-CB Jourdan Lewis hat ein übles Jahr hinter sich und wenn es dumm läuft, muss der Rookie Kelvin Joseph starten.

Und es gibt noch einen dritten Defense-Rookie, auf den man setzen wird müssen: LB Micah Parsons. Den zog Dallas an #12 im Draft – eine verblüffende Wahl. Nicht bloß ist Off-Ball-Linebacker nicht mehr die Premium-Position alter Tage (sie haben es extrem schwer, weil sie tendenziell langsamer sind als Safetys und weniger schwer als D-Liner und die Gegner es lieben, die Spielfeldmitte gezielt zu attackieren).

Vielmehr ist Parsons das x-te hohe Investment in diese Position. Leighton Vander Esch (wird Free Agent) ist ex 1st Rounder, der extrem teure Jaylon Smith ex 2nd Rounder. Parsons gilt als hervorragender Prospect, aber ob er auf der mental anspruchsvollen Position sofort den notwendigen Impact auf eine an vielen Stellen wackelig besetzten Defense haben kann?

Ich neige zu Skepsis.

Ausblick

Bei aller Skepsis um die Defense: Dallas sollte mit dem Potenzial der Passing-Offense der Favorit in der NFC East sein. Wenn sie zündet, diktiert die Offense vielleicht auch das Schicksal der Defense.

Aber es gibt eben auch diese immense Abhängigkeit von der Offense.

Und damit davon, dass die kreativer spielt als letztes Jahr. Davon, dass die O-Line so lange wie möglich heil durchkommt. Dass das Receiver-Trio möglichst gesund bleibt. Dass Prescott nach seiner Verletzung sofort wieder liefert.

Also: NFC East sollte Dallas gewinnen. Superbowl-Ambitionen gibt es nur, wenn wirklich alles nahe am Optimum läuft.

2 Kommentare zu “All-32: Dallas Cowboys 2021 Vorschau

  1. Pingback: Es geht los! Heute beginnt die NFL-Saison 2021/22 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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