Es geht los! Heute beginnt die NFL-Saison 2021/22

Guten Morgen Sonnenschein!

Heute Nacht beginnt die 102te NFL-Saison mit dem Eröffnungsspiel Tampa Bay Buccaneers – Dallas Cowboys (Kickoff 02h20). Es ist gleichzeitig auch der offizielle Beginn des Herbsts.

Es wird sogar der bislang längste Herbst aller Zeiten, denn die NFL hat zur anstehenden Saison bekanntlich die Saison um ein 17tes Regular-Season-Spiel verlängert. Freunde der Total-Stats werden sich wohl bald von vielen Rekorden verabschieden müssen, während ich vor allem der bildhübschen NFL-Symmetrie nachweine:

256 Spiele
32 Mannschaften
16 Spiele pro Team
8 Divisionen
4 Divisionen pro Conference
2 Conferences
1 Champion

Weil es keine zweite Bye-Week gibt, wird die Saison um nur eine Woche verlängert. Die Regular Season wird in genau vier Monaten am 9. Jänner enden. Playoffstart wird Mitte Jänner (15.01.) sein. Superbowl Mitte Februar in der Nacht vom 13. auf 14. Februar. Mehr Spiele in der Regular Season klingt auch wie höhere Gefahr, dass wir in den Playoffs zerrupftere Teams sehen werden. Wir müssen abwarten, ob sich diese Befürchtung bewahrheiten wird.

Ich habe in den letzten fünf Wochen alle bis auf ein Teams durch den Preview-Äther gejagt (morgen folgt noch Washington als #32) und damit erstmals seit mehreren Jahren auf meine „Furchtlose Vorschau“-Serie verzichtet.

Wer es genau wissen will, dem verlinke ich nachfolgend alle Vorschautexte. Ich gebe hier nur noch einen kurzen Überblick pro Division.

AFC East

Die Bills sind klarer Favorit. Sie wären wahrscheinlich sogar dann Favorit, wenn QB Josh Allen nach seinem sensationellen Breakout von 2020 einen Schritt zurück macht, denn Buffalo hat den insgesamt am breitesten aufgestellten Kader und das progressivste Coaching.

Platz 2 bekommt das Team mit einem Ex-Alabama-QB: New England oder Miami. Bei den Pats hat sich QB Mac Jones nicht völlig überraschend gegen Cameron Newton durchgesetzt, und man kann Argumente aufbringen, Jones allein deshalb als besser als Tua zu erwarten, weil wir von ihm bislang kaum NFL-Snaps gesehen haben.

Für Tua spricht: Er geht ins zweite Jahr. Viele QBs machen dort einen Schritt nach vorn. Tua hat in der Preseason wesentlich „selbstverständlicher“ ausgeschaut als letztes Jahr und Miami hat ihm entsprechende neue Waffen wie WR Will Fuller oder Jaylen Waddle gegeben.

Im restlichen Kader schenken sich beide Teams nicht viel. Beide haben ihre Offenses personell ordentlich aufgebolstert – Miami im Receiver-Corps, New England auf Tight End und Right Tackle – und leben in der Defense von stark besetzten Secondarys. Bill Belichicks Defense wird deutlich besser, weil viel tiefer besetzt, sein als 2020. Bei den Dolphins muss man vertrauen, dass besserer Passrush den wahrscheinlichen Rückgang an Turnovers (meiste der NFL mit 29) kompensieren können.

Welcher der beiden QBs wird also besser sein? Tendenziell würde ich sagen Tua, aber im Gesamtpaket traue ich den Patriots etwas mehr. Miami spielte 2020 schon deutlich über seinen Verhältnissen, während die Pats zahlreiche Verstärkungen kriegen.

Die Jets sind mit neuem Chefcoach Robert Saleh und neuem QB gewiss nicht mehr so hoffnungslos wie noch die letzten Jahre, aber der Kader hat an einigen wichtigen Stellen (rechte Seite Offense Line, Edge-Rush, Cornerbacks) noch zu viele Lücken, als dass ich ein Team mit einem Rookie-QB (Zachary Wilson) schon in die Playoffs tippen möchte.

Tipp:

  1. Bills
  2. Patriots
  3. Dolphins
  4. Jets

AFC North

Eine wohl weiterhin hochklassige Division mit zwei recht sicheren Playofftüten (Browns und Ravens), einem alternden Team mit Rebound-Potenzial (Steelers) und einem von vielen negativen Preseason-Vibes umwehten Bengals-Team, bei dem der noch kürzlich hoch gehandelte QB Joe Burrow in sein zweites Jahr geht.

Ich halte die Ravens für leicht favorisiert. Der Ausfall von RB J.K. Dobbins ist aufgrund der allgemeinen Runningback-Freundlichkeit in einer von QB Lamar Jackson dominierten Offense kein Deal-Breaker, und gleichzeitig besteht die Hoffnung, dass Jackson mit besserem Receiver-Personal (Rookie Bateman sollte ab Oktober an Bord sein) und einer gefixten O-Line wieder Elite-Effizienz auflegt.

Auch die Browns sollten offensiv stark sein, aber sie haben in Baker Mayfield ein etwas größeres Fragezeichen auf QB, und im Zweifelsfall nehme ich die seit langem fantastische Ravens-Defense über der personell stark aufgebolsterten der Browns, in der zwei Rookies (JOK und CB Newsome) sofort performen müssen um das maximale Potenzial abzurufen. Coaching ist bei beiden Mannschaften über die meisten Zweifel erhaben.

Pittsburgh hat genau dann eine Chance, wenn die neu designte Offense von OC Matt Canada zu einer Art letzten Revitalisierung bei QB Ben Roethlisberger führt. Dessen Wurfarm sah in der Preseason deutlich „saftiger“ aus als 2020. Defense und Receiver-Corps wären präsent. Leider ist auch die Gefahr von viel zu viel Laufspiel hinter einer schwachen O-Line präsent.

Die Bengals hätten eigentlich mit verbessertem Receiving-Corps und Burrows Comeback durchstarten sollen, aber der neu gedraftete Rookie-WR Ja’Marr Chase soll nach einer üblen Preseason voller Drops völlig verunsichert sein – und die Offense Line weiterhin einem Sieb gleichen. Da ist mir zu viel Negativität drin.

Tipp:

  1. Ravens
  2. Browns
  3. Steelers
  4. Bengals

AFC South

Die Division im Dornröschenschlaf. Die Houston Texans sind als Lachnummer der NFL in 2021 nicht konkurrenzfähig. Ihr Superbowl wäre es, drei 1st Rounder plus X für Deshaun Watson zu kassieren – aber das erst dann passieren, wenn Watson Knast oder längere NFL-Suspendierung offiziell vermeidet.

Die Jacksonville Jaguars kommen aus einer sportlich hoffnungslos abgeschlagenen 1-15 Saison. Einer ihrer 1st Round Picks sitzt schon auf IR. Die 1st Rounder der letzten Saison haben entweder grottenschlechte Rookiesaisons hinter sich (K’lavon Chaisson) oder standen in der Preseason zum Verkauf (CB C.J. Henderson). Headcoach Urban Meyer machte bislang nicht den Eindruck, für eine moderne NFL-Offense zu stehen – und entsprechend „rocky“ könnte Trevor Lawrences Debüt werden.

Aber gleichzeitig sind die Jags ein potenzielles dark horse – nämlich dann, wenn Lawrence schneller als gedacht seinem Status als Top-Pick gerecht werden kann.

Bei den Indianapolis Colts drohen mit vielen ungeimpften Schlüsselspielern (u.a. bei QB Carson Wentz oder LB Darius Leonard) ständig negative (bzw. positive?) Covid-Implikationen. Außerdem gibt es Verletzungssorgen im Receiving-Corps – und so sind die Colts mittlerweile ein sneaky Kandidat vielleicht sogar für eine Losing-Season.

Die Tennessee Titans sind damit wohl Favorit „per default“. Und das, obwohl es die Titans mit neuem OffCoord, einem zuletzt extrem beanspruchten RB Derrick Henry und dem System-QB Ryan Tannehill schwer haben werden, ihre Offense so grandios am Punkten zu halten wie in den letzten eineinhalb Jahren. Da helfen wohl auch das fantastische WR-Duo A.J. Brown/Julio Jones und eine wohl etwas verbesserte Defense nur gerade, die Division klar zu machen (Brown soll erschwerend sogar mehrere Operationen hinter sich haben). AFC-Spitze halte ich für recht weit entfernt.

Tipp:

  1. Titans
  2. Colts
  3. Jaguars
  4. Texans

AFC West

Sofern sich Patrick Mahomes nicht verletzt, werden die Kansas City Chiefs die AFC West gewinnen. Ohnehin geht es für die Chiefs heuer nur darum, die Scharte der klaren Superbowl-Pleite letztes Jahr wettzumachen. Es war in der auch schon dreijährigen Mahomes-Ära die erste Chiefs-Niederlage mit mehr als 8 Punkten.

KC hat im Angriff alles auf die Trumpfkarte „Offensive Line“ gesetzt und im Prinzip alle fünf Starter ausgetauscht. Die so lautstark geforderte dritte Receiving-Waffe hinter Tyreek Hill und Travis Kelce muss allerdings von einem in-House Talent kommen, was Bust-Potenzial hat – es sei denn, man bekommt wie es aktuell gerüchtelt doch noch eine Chance einen Receiver wie Brandin Cooks per Trade zu holen. Das wäre dann Jackpot. In der Defense bleibt fast alles unverändert – das Schicksal der Chiefs hängt wie immer an der Potenz des Angriffs. Die ist da, solange Mahomes spielt.

Platz 2 sollte an die Chargers gehen. Deren neuer Headcoach Brandon Staley wird sich mit etwas dünner Personaldecke zwar schwer tun, „seine“ two high lastige Defense so schnell zu implementieren wie bei den Rams, aber schematisch sollte es trotzdem ein Hingucker sein. Offensiv hat man alles gemacht, um dem letztes Jahr starken QB Justin Herbert das Leben zu erleichtern.

Herbert ist zwar nicht gefeit vor der berüchtigten Regression (als Rookie dominierte er vor allem in volatilen Aspekten), aber ein guter Receiving-Corps und eine mit drei neuen Startern bestückte Offensive Line plus der „2nd year leap“ sollten eigentlich helfen.

Denver hätte theoretisch einen starken Kader, aber dass man ernsthaft mit einem Wandervogel wie Teddy Bridgewater auf QB in die Saison geht, ist eigentlich eine Bankrotterklärung für den neuen GM George Paton. Receiving-Corps wäre mit angehenden Stars wie Courtland Sutton, Noah Fant oder Jerry Jeudy super besetzt, und die Broncos-Defense gehört sowohl personell als auch schematisch zu den besseren in der NFL.

Doch mit Teddy ist man höchstens zum Knuddeln. Für Mahomes reicht das niemals.

Bei den Raiders sehe ich einen deutlichen Rückschritt. QB Derek Carr spielte letztes Jahr die Saison seines Lebens, weil er im siebten Profijahr seine Affinität für den gepflegten tiefen Ball entdeckte. Doch jetzt ist sowohl sein Go-To-Guy Agholor weg, als auch die Starting-OL. Wir wissen wie Carr hinter schwacher Protection aussieht: Not so nice.

Defense ist in Las Vegas eh optional, weswegen es für Jon Gruden schon ab Mitte Oktober darum gehen wird, eine ausgefeilte Strategie für die Eliminierung seines nächsten Bauernopfers auszuhecken.

Tipp:

  1. Chiefs
  2. Chargers
  3. Broncos
  4. Raiders

NFC East

Die Division der großen Namen war in den letzten Jahren häufig die Division der miesen Mannschaften. 2020 qualifizierte sich mit Washington sogar eine Truppe mit negativer Saisonbilanz als Divisionssieger. Jenes Washington wird vielfach als möglicher Breakout-Kandidat für 2021 gesehen, weil die starke Defensive-Front nun um einen CB1 in William Jackson ergänzt wird – und weil die zuletzt horrende QB-Situation mit Ryan Fitzpatrick auf elektrisierende Weise behoben wurde.

Aber genau darin befürchte ich eine Illusion. Eine so tolle Geschichte Fitzpatrick ist, so konnte man sich auch in den besten Fitzmagic-Zeiten nie darauf verlassen, dass „The Beard“ Konstanz in seine Leistungen bringt. Ich fürchte eine herbe Enttäuschung…

…und glaube ehrlicherweise noch nicht einmal daran, dass Washington die beste Defense der Division haben wird. Die Ehre sollte den Giants gebühren, die DefCoord Patrick Graham eine echt gute Secondary zusammengestellt haben. Problem in New York ist der Angriff, der hinter einer desaströsen (und nicht behobenen) Offensive Line auf reines Kurzpassgewichse ausgerichtet ist – etwas, das dem etwas unpräzisen QB Daniel Jones eigentlich gar nicht so liegt.

Philadelphia befindet sich allem Anschein nach im Umbruch und verfolgt nur zwei Ziele – entweder Jalen Hurts als künftigen Franchise-QB explodieren zu sehen, oder mit ihm abzustinken und nächstes Jahr mit einem Top-Pick den Umbruch einzuleiten.

Und so haben wir auch in dieser Division einen „default“ Favoriten: Dallas. Die Cowboys haben das mit Abstand beste Offense-Potenzial der NFC East, mit einem Dak Prescott zurück von Verletzung (wenn wir auch seine Mobilität abwarten müssen) und hinter einer guten O-Line, einen fantastischen Receiving-Coprs um Amari Cooper, Michael Gallup und den Breakout-Kandidaten CeeDee Lamb anwerfend.

Das allein sollte für die Division reichen. Für die Conference eher nicht. Dafür ist die Dallas-Defense zu suspekt. Sie weder im Passrush (abseits von EDGE Demarcus Lawrence) noch in der Secondary genug Punch um die besten Offenses einzubremsen, und dann müssen wir natürlich noch abwarten, wie gut der Angriff denn zündet. Statisches Coaching und noch nicht ausgeräumte Verletzungssorgen zum Saisonstart (Prescott, RT La’el Collins) sind Euphoriebremsen.

Tipp:

  1. Cowboys
  2. Washington
  3. Giants
  4. Eagles

NFC North

Hätte Aaron Rodgers wider Erwarten seine Bocklosigkeit mit Rücktritt durchgezogen, wäre die NFC North eine offene Division geworden. Doch jetzt, wo Rodgers auf ein vielleicht letztes Jahr nach Green Bay zurückkehrt, können wir die Packers eigentlich fix als Divisionssieger einplanen.

Sie haben den mit großem Abstand besten Quarterback der Division, der Supporting-Cast in der Offense bleibt einigermaßen okay, und die auf Dime-Personnel getrimmte Defense ist besser als ihr Ruf. Die entscheidendere Frage bei den Packers ist, wie sie im Vergleich zur NFC-Spitze stehen. Man muss annehmen: Sie sind im Konzert der Großen dabei.

Die Lions sind das andere Ende. Für sie ist 2021 nicht das Jahr, in dem man um Playoffs spielt, sondern um den #1 Pick – und um den Titel der besten Sprücheklopfer.

Theoretisch sollte Minnesota die besten Karten auf Platz 2 haben, denn die Vikings werden eine sehr viel bessere Defense aufbieten als letztes Jahr und damit die fast unvermeidliche Regression der Offense einigermaßen auffangen, während die Bears mit einem brutal dünnen Kader und zu vielen Eigeninteressen von Headcoach und GM antreten.

Aber Chicago könnte doch ein sneaky Contender für Platz 2 und die Wildcards sein – nämlich dann, wenn Matt Nagy doch schneller als gedacht auf QB Justin Fields wechselt und der Rookie trotz widriger Umstände einschlägt, während Kirk Cousins in Minnesota weiter querdenkt und seinem Team damit unnötig Einsätze und Siege kostet.

Tipp:

  1. Packers
  2. Bears
  3. Vikings
  4. Lions

NFC South

Auch hier haben wir einen klaren Favoriten: Tampa Bay. Die Buccaneers haben einen für NFL-Verhältnisse fast schon undenkbar tiefen Kader, weil sie alle Leistuntgsträger der letzten Saison halten konnten und sogar der als perspektivisch gedachte Rookie EDGE Joe Tryon schneller einzuschlagen verspricht als gedacht.

Und die Buccs haben Tom Brady – diesmal im zweiten Jahr in der Offense, und diesmal wieder mit geheiltem Knie. Sie sind auf den wichtigsten Positionen in Qualität und Tiefe top besetzt (Receiving-Corps, Passrush, Defensive Backfield), haben einen exzellenten Defensive Coordinator und keine offensichtliche Schwachstelle im Kader.

Prinzipiell kann mit diesem Personal nur die Titelverteidigung als Ziel ausgerufen werden. Aber dass es totale Dominanz wird, glaube ich trotzdem nicht, weil ich das Gefühl nicht loswerde, dass wir die Buccs leicht überschätzen. Schließlich waren sie gegen Ende der letzten Saison, also während des letzten Eindrucks, außergewöhnlich verletzungsfrei und profitierten im Endspiel von einem in der O-Line kritisch kaputten Gegner.

Die Divisionskonkurrenz ist wahrscheinlich nicht komplett genug um Tampa über 17 Saisonspiele das Wasser zu reichen, aber Nadelstiche sind durchaus vorstellbar.

Die Saints gehen erstmals seit 15 Jahren ohne QB Drew Brees ins Rennen. Der für seinen aggressiven Spielstil berühmt-berüchtigte QB Jameis Winston wird die Offense übernehmen und tieferes Passspiel als zuletzt aufziehen.

Aber die Saints haben nach dem langen Ausfall von WR Michael Thomas (kommt frühestens im November zurück) kaum klare Antworten im Receiving-Corps, und auch wenn man trotz Cap-Hölle das Gros des Mannschaftskerns zusammenhalten konnte, so ist doch gerade in der Defense sehr viel Kadertiefe abgewandert.

Atlanta ist mit dem neuen Headcoach Arthur Smith eine Wundertüte. Das neue Offense-System wird grob dem gleichen, in dem Matt Ryan 2016 NFL MVP wurde. Julio Jones wurde zwar verkauft. Wenn der 2-man Punch mit WR Calvin Ridley und TE Kyle Pitts zündet, kann das aber dennoch eine explosive Offense werden.

Carolina ist im Jahr 2 von Matt Rhule zwar an vielen Stellen talentiert, aber noch etwas jung besetzt. OffCoord Joe Brady genießt den Ruf eines Wunderknaben, aber sowohl die Offensive Line als auch der von den Jets geholte QB-Bust Sam Darnold könnten den ganzen Offense-Plan in die Scheiße reiten. Aber so mies Darnold bei den Jets war: Als „streaky“ QB könnte es durchaus Spiele geben, in denen die Offense zündet.

Tipp:

  1. Buccaneers
  2. Saints
  3. Falcons
  4. Panthers

NFC West

Die offenste Division der NFL. Keine Mannschaft fühlt sich wirklich „Elite“ an, aber es gibt auch keinen offensichtlichen Stinker.

Mit der größten Skepsis sind die Arizona Cardinals zu betrachten. Headcoach Kliff Kingsbury gehen nach zwei schwachen Jahren die Ausreden aus. Seine Auslegung der „Air Raid“ ist schematisch zu simpel für die NFL und meidet die effizientesten Zonen am Feld: Spielfeldmitte und downfield. Wie viel dabei an Kingsbury liegt, wie viel am noch nicht ganz überzeugenden QB Kyler Murray und wie viel am ständig kritisierten Support-Cast, muss sich heuer zeigen.

O-Line wurde mit neuem Center bestückt, die Receiver sehen etwas Frischblut. In der Defense wurde die Passrush-Legende J.J. Watt geholt, aber die Secondary gleich einem offenen Scheunentor. Meine Extremitäten sind in den letzten zwei Jahren zu oft verbrannt worden – ich lege für Kingsbury und Co. keinen Finger mehr ins Feuer.

In den Wettbüros sind die Rams die Lieblinge, weil alle Welt von einem erneuten Breakout der Sean-McVay-Offense mit dem teuer von den Lions erkauften QB Matthew Stafford ausgeht. Ich bin nicht nur dort skeptisch, ob das zu Top-5 Effizienz gereicht, sondern auch relativ sicher, dass die Defense einen großen Schritt zurück machen wird.

Der abgewanderte DefCoord Staley fühlte sich einfach zu wichtig an und wird durch Raheem Morris nicht annähernd adäquat ersetzt, und wo sind hinter dem Superstar-Duo DT Aaron Donald und CB Jalen Ramsey die Einzelspieler, denen man richtig vertrauen kann?

Die San Francisco 49ers wären mir mit Blick Superbowl der attraktivere Tipp, aber auch dort muss vieles gut laufen. Auch hier bekommt die Defense einen neuen Coordinator, auch hier gibt es eine nur dünne Personaldecke in der Secondary und nur einen richtigen Top-Passrusher (Nick Bosa).

Aber dafür haben die Niners in Kyle Shanahan den besten Offense-Playcaller in der NFL. Sie haben Jimmy Garoppolo auf QB zurück, in dessen Windschatten man den ultra-talentierten Rookie Trey Lance peu a peu einbauen kann. Wir sprechen zwar noch immer über einen QB-Glasknochen und einen QB-Rookie, und über einen gefährlich dünnen Receiver-Corps, doch die Chance ist hoch, dass die Offense schnurren wird.

Dennoch: Sind die Leistungsunterschiede zwischen Mannschaften gering, kann ich nicht am QB vorbeischauen, und deswegen bleibt für mich Seattle dank Russell Wilsons Präsenz der Favorit im Westen. Einwände dagegen sind bei einem erzkonservativen Coach wie Pete Carroll mit einem Laufspiel-Fetisch immer erlaubt und die Hawks-Defense hat hohes Bust-Potenzial, doch eine Play-Action-Offense mit Wilsons-deep shots auf die WRs Metcalf und Lockett ist der sicherste Erfolgsfaktor in der ganzen Division.

Allzu hohes Vertrauen in die Prognose hab ich nicht, da die Teams eng beisammen liegen. Aber im Zweifel muss ich mit dem besten QB gehen.

Tipp:

  1. Seahawks
  2. 49ers
  3. Rams
  4. Cardinals

Meine Prognose für den Fall wäre dann auch, dass Arizona in einem Jahr von einem anderen Headcoach geführt wird, dass Sean McVay auf dem Hot-Seat landet, während Kyle Shanahan zuhause den COTY abstaubt.

Team Tiers und Prognosen

Ein richtiges Preseason-Power-Ranking bringt uns nicht weiter, daher versuche ich mich einer kurzen Einordnung über sechs „Tiers“, in die ich die 32 Mannschaften grob einteilen würde:

  • Tier 1 – Topfavorit: Chiefs
  • Tier 2 – erweiterter Favoritenkreis: Buccaneers, Bills, Packers, Ravens, Browns
  • Tier 3 – zu viele Flauseln für absolute Elite: Seahawks, 49ers, Rams, Saints
  • Tier 4 – Das breite Mittelfeld: Steelers, Titans, Patriots, Dolphins, Cowboys, Vikings, Bears, Chargers, Colts, Broncos, Falcons, Washington, Cardinals
  • Tier 5 – Potenzial, aber zu viele Fragezeichen: Jets, Jaguars, Bengals, Giants, Eagles, Panthers, Raiders
  • Tier 6 – Top Pick ist der Superbowl: Texans, Lions

Mein Playoff-Feld tippe ich so:

  • AFC: Bills, Ravens, Titans, Chiefs // Browns, Chargers, Patriots
  • NFC: Cowboys, Packers, Buccaneers, Seahawks // 49ers, Saints, Rams

Mein Superbowl-Tipp ist eher langweilig: Packers – Chiefs. Kansas City holt den zweiten Titel mit Mahomes. Ich erwarte, dass Mahomes nach dem Superbowl-Fiasko „lights out“ aufspielt und den MVP gewinnt. Ich weiß: Es geht origineller. Aber für Originalität war ich noch nie berühmt.

Wen’s interessiert: Gestern Abend ist auch noch die Season-Preview der Sofa-QBs online gehen, die ich gestern mit zwei sehr vernünftigen Gesprächspartnern in Nicolas Martin und Andreas Renner aufgenommen habe.

Worüber gibt es sonst noch zu schreiben?

NFL-Covid-Politik haben wir lang und breit diskutiert. In allen Städten soll es wieder volle Stadien geben – ob man es gut oder schlecht findet.

Sonstige Regeländerungen gibt es nicht viele. Die Verschärfung der „Taunting“-Regel wurde während der Preseason kurzzeitig hitzig diskutiert, aber normalerweise pendeln sich solche Dinge in der Regular Season schnell ein und werden zu einem Nicht-Thema.

Die sichtbarste Änderung am Feld dürften somit die freigegebenen Rückennummern werden. Die NFL hat das Überfällige gemacht und aufgrund der Knappheit bestimmter Nummernkreise auch einstellige Nummern für Skill-Player, Linebacker und Defensive Backs freigegeben.

Ein Jalen Ramsey wird künftig mit #5 übers Feld laufen. Ein Will Fuller trägt ab sofort die #3. Big-Guy Matt Judon die #9. Könnte das gerade zu Saisonbeginn für Verwirrung bei den Quarterbacks führen? Eher nein. Aber bei mir wird es für Verwirrung sorgen.

Übertragungen

Top-Quelle ist wie immer der NFL Gamepass. Wer ihn noch nicht gekauft hat: Über einen Kurztrip nach Brasilien ist das Jahresabo für unter 90 EUR zu haben. Es gerüchtelt, dass *möglicherweise* für einige Spiele heuer auch eine deutsche Tonspur zu kriegen ist.

Schon bestätigt ist die deutsche Tonspur bei DAZN – und zwar nicht mehr bloß wie in Vergangenheit bei Einzelspielen (DAZN hat v.a. die Nachtspiele an Donnerstagen, Sonntagen und Montagen), sondern auch in einer in Eigenregie produzierten NFL-Konferenz. Vorbild soll nach Informationen von Andreas Renner die SKY-Bundesligakonferenz sein.

Kommentieren werden dort viele gewohnte Stimmen – Renner, aber auch Martin Pfanner, Adrian Franke, Günter Zapf, Florian Büchner – und in der Konferenz künftig auch der auf diesem Blog schon des Öfteren zu lesende Christian Schimmel. Da ist der Autor dieser Zeilen glatt traurig, dass NFL in Italien nicht über DAZN zu kriegen ist.

Season Opener, Playoffs und Sonntagabendspiele (19h und 22h25) gibt es natürlich auch wie gewohnt bei ProSieben/ran. Großer Freund von deren Übertragungen werde ich nicht mehr werden, aber als Einstieg oder zur netten Abendunterhaltung bei Chips und ein paar Bier gereicht es allemal.

In Österreich bleibt PULS4 mit starken Kommentatoren am Start.

Geht’s schauen 🙂

9 Kommentare zu “Es geht los! Heute beginnt die NFL-Saison 2021/22

  1. Manchmal befürchte ich, auf Support-Seiten wird man gelegentlich auch einfach angelogen… 😉

    Zur Gamepass-App für Smart-TV Baujahr 2020 schreibt man auf der offiziellen Seite „…We are working hard…“. Und das seit einem Jahr.

  2. Gamepass ist für mich immer noch nicht machbar weil die nur Kreditcarde und PayPal anbieten. Dazn ist nicht schlecht nur ihre Bildqualität ist verbesserungswürdig.
    Mein Superbowl Tipp ravens vs Packers

  3. „Defense ist in Las Vegas eh optional, weswegen es für Jon Gruden schon ab Mitte Oktober darum gehen wird, eine ausgefeilte Strategie für die Eliminierung seines nächsten Bauernopfers auszuhecken.“

    Naja, denke das dürfte ja schon jetzt feststehen 😉

    „Wir wissen wie Carr hinter schwacher Protection aussieht: Not so nice.“

  4. Haha, Carr ist aber ein Überlebenskünstler, wenn er schon DREI Jahre Gruden geschafft hat ohne in die Kritik zu geraten 😀

    Meine Tipps:
    AFC East: Bills
    AFC North: Browns
    AFC South: Jaguars (einer muss ja gewinnen, warum nicht der Außenseiter)
    AFC West: Chiefs
    Wildcards AFC: Patriots, Fins, Ravens

    NFC East: Washington
    NFC North: Packers
    NFC South: Bucs
    NFC West: 49ers
    Wildcards NFC: Falcons, Vikings, Seahawks

    SB: Lamar legt seinen Playofffluch ab, Ravens over Bucs

    Allen eine spannende Saison!

  5. @FloJo: „Allen eine spannende Saison!“
    Allen schaut gut aus. Sollte also klappen mit guter Saison! 😀 *scnr*

  6. Schade hätte gerne das Cowboys Spiel gesehen aber 2.20 Uhr ist einfach zu spät. Würde mir gerne live ansehen wie Brady eine Abreibung bekommt.

  7. @Dizzy: Haha, ja! Allen ist von allein spannend 😀

    @Jogi: Dann gut dass du heute Nacht nicht aufbleibst. Das wird deutlich befürchte ich, aber nicht FÜR die Cowboys.

  8. LFG!

    Danke für die mega Preview Serie, das war großes Kino. Die Vikings sehe ich zwar vor den Bears, aber ich hab auch ein bisschen Angst vor einem Fields Breakout 😉

    Finde übrigens, dass die Dallas Defense vielfach fast schon zu negativ gesehen wird, die Front ist ganz okay und die LB sollten vieles wegräumen. Wenn die Offense produced, dann kann man eindimensional auf Passing Defence umstellen und das sollte doch helfen.

    Ich hoffe einfach mal dass das heute Nacht kein Blowout wird. Wenn die Bucs alle Starter zurückbringen, dann sind auch alle ein Jahr älter und nur Tom Brady ist vor dem Altern gefeit 😀

  9. Ja, riesen Kudos an Korsakoff. Geniale Previews! Klasse, dass Du es gepackt hast.
    Bzgl. Cowboys/Buccs:
    Ich bin mir auch nicht so sicher, dass die Cowboys die Buccs abschießen… Die Cowboys-secondary scheint mir nicht unbedingt TB12-Niveau zu haben.
    (Wobei ich auch nie gedacht hätte, dass die Saints letztes Jahr die Buccs schlagen. Ich stochere jedes Jahr aufs Neue im Nebel.) 😀

    Auf eine schöne Saison mit wenigen Ausfällen!

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