Nachklapp NFL Woche 1 – Patriots vs. Dolphins, Mac vs. Tua

Es war ein Defense-Slugfest. Aber eins, das schon vieles offenbarte.

Miami gewann 17:16 bei den Pats, aber der Spielverlauf war durchaus weird und könnte sogar den Pats mehr Grund für Optimismus geben als dem Sieger Miami. Miami führte dank langer Touchdown-Drives zu Beginn jeder Halbzeit schnell jeweils 7-0 und 17-10, aber während die Patriots im zweiten Viertel noch ausgleichen konnten, schafften sie nach der Pause nur mehr zwei Fieldgoals. Und verloren damit mit einem Punkt.

Die Patriots waren eigentlich effizienter in Offense und Defense. Aber Miami holte den einen Turnover mehr. New England hatte ganz einfach den einen Fumble zu viel – und er kam ausgerechnet von RB Damien Harris, der ansonsten eine starke Partie machte. Es war gleichzeitig ein Fumble mit Ansage, denn es war der vierte (!) gewesen. Und der zweite, den sie verloren. Belichick, der berüchtigt dafür ist, Fumbler auf die Bank zu setzen, muss verrückt geworden sein. Wen soll er nächste Woche überhaupt noch aufstellen?

Miamis Defense hatte schon 2020 durchschnittliche Down-to-Down Effizienz mit satten 29 Turnovers zugedeckt zu einer insgesamt sauguten Performance (waren #7 in Defensive EPA/Play). Dieser eigentlich nicht so stabile Trend setzte sich in dem Spiel zu einem gewissen Grad fort.

Die Quarterbacks

Die wichtigsten Takes zu diesem Spiel betreffen natürlich die Quarterbacks. Wir sehen schon am Effizienz-Sheet von rbsdm.com: Mac Jones war der effizientere von beiden.

QB-Effizienz, Quelle: rbsdm.com

Mac Jones

Für einen Debütanten hat mir Jones sehr gut gefallen. Jones hatte am Anfang sichtlich Schmetterlinge im Bauch – sein allererster Passversuch im dritten Spielzug der Partie war ein bizarrer Aaron-Banks-Gedächtnisrückpass für TE Jonnu Smith. Der erste Fumble des Spiels – und nur mit Glück kein Turnover.

Aber Jones erfing sich danach. Obwohl er Hits einstecken musste, blieb er ruhig. Seine Pässe waren fast alle präzise (83% fangbar), wenn auch mit aDOT von 6.1 Yards sehr kurz. Jones ist ein harter Knochen. Er strahlt eine Selbstverständlichkeit aus, die Zuversicht geben würde, wäre ich Patriots-Fan. Denn Verunsicherung war bei Jones ab dem zweiten Drive nicht mehr zu spüren.

Ja, es waren nur 16 Punkte. Ja, vieles war kurzes Gedaddel. Aber fürs erste Spiel war das in meiner Weltsicht mehr als okay. Die Pats können auf diesem Einstand viel Positives aufbauen.

Tua Tagovailoa

Bei Tua bin ich mir nicht so sicher. Miamis Offense ist sehr „streaky“. Sie hat etwas Sprunghaftes. Sie hat Phasen, in denen „es läuft“ und Phasen, in denen lange gar nix geht. Dass beide „guten“ Phasen jeweils gleich zu Beginn jeder Halbzeit kam, lässt den Verdacht aufkommen, dass die guten Momente vielleicht geskriptet waren.

Wenn wir uns die Drives mal anschauen, offenbart sich bereits Licht und Schatten:

  • 10 Plays, 80 Yards, TD
  • 3 Plays, -11 Yards
  • 5 Plays, 23 Yards
  • 8 Plays, 45 Yards, Fieldgoal
  • 9 Plays, 75 Yards, TD
  • 3 Plays, -5 Yards
  • 4 Plays, 18 Yards (Interception)
  • 8 Plays, 20 Yards

In den „guten“ Momenten verteilt Tua schön den Ball, bringt ihn mit schnellem Release raus, bevor der Passrush da ist. Aber schon Tuas dreiminütiges Highlight-Reel offenbart brutales Übergewicht von kurzen Dingern. Nur zwei erfolgreiche Pässe gingen wirklich tief (einmal für Waddle, einmal für Parker, und beide machten fantastische Catches). Mehrere kurze Pässe wirkten gefährlich hoch angeworfen.

Vor allem aber: Tua hatte null Erfolg in der Intermediate-Range. Von neun Pässen, die er zwischen 10 und 19 Yards downfield warf, wurde nur eine gefangen. EINE. Und nach Charting von PFF wäre nur eine weitere fangbar gewesen. Ze Rest? Nada.

In dieser Range hatte Tua auch seine beiden Interception-würdigen Würfe. Ein Pass wurde ja auch abgefangen – und der war ein wirklich brutaler Stinker. Das war so ein Pass, den kannst du einfach nicht bringen, wenn du dein Spiel wie Tua auf Effizienz anstatt auf Explosivität ausgelegt hast:

Es mag sein, dass Tua den Ball wegwerfen wollte – aber wenn der Arm dann gegen die Laufrichtung zu schwach ist, hilft auch die beste Intention nicht. Es mag auch sein, dass der Ball doppelt abgefälscht war: Den kannst du so nicht werfen.

Tua wirkte insgesamt stabiler als noch letzten Herbst, aber solche Momente torpedieren den ansonsten passablen Eindruck. Die Hoffnung kann einzig sein, dass er diese üblen Momente abstellen kann. Elite-QBs schaffen ein Verhältnis zwischen Big-Time-Throws (BTT) und Turnover-würdigen Würfen (TWP) von 3:1 und mehr. Gute QBs schaffen ein Verhältnis von 2:1.

Tua hatte letztes Jahr ein Verhältnis von 7:13. Am Sonntag wiederholte sich das: Ein Big Time Throw. Zwei Turnover-würdige Würfe. Not very good. Mac Jones ging übrigens 4:1.


Und so waren die Patriots eigentlich offensiv besser, aber haben das Spiel mit dem einen Fumble zu viel verloren. Manchmal ist Football runtergebrochen auf die Essenz ein verdammt einfacher Sport. Nach vorne schauend wäre ich mit der Performance des Pats-QBs allerdings glücklicher als mit jener der Dolphins-QBs.

4 Kommentare zu “Nachklapp NFL Woche 1 – Patriots vs. Dolphins, Mac vs. Tua

  1. Ist es nicht auch ein kleiner Coaching Fehler gewesen die Timeouts am Ende VOR dem 2min warning zu nehmen? Das hat mich jedenfalls sehr verwundert und ich dachte mir „na der Belichick wird wohl schon wissen was er macht“… hatte aber irgendwie das Gefühl, dass das eher unglücklich war.

  2. Danke für den Artikel! 🙂 Gibt meine Gefühlslage als Patriots-Fan, was Mac Jones angeht, ganz gut wieder. Fand seine Pocket Awareness auch klasse und dass er sich durch den Druck der Dolphins kaum hat beunruhigen lassen. War insgesamt auch schön zu sehen, dass wieder mehr mit 12-Personnel gespielt wurde und die TEs im Passing Game wieder involvierter waren als im letzten Jahr. Dass Mac mit den Pässen in short und medium range ganz gut klarkam, macht Hoffnung, dass er ins System der Patriots ganz gut passt.
    Mir fiel beim Schauen des All 22-Films nur auf, dass er bei durchaus 3 oder 4 Plays offene Receiver auf tieferen Dig-Routes nicht angeworfen hat – da wären evtl. noch Big Plays drin gewesen, z.B. einmal auf Henry, glaube ich. Bin mir aber nicht sicher, wie das zu bewerten ist – ob er sich tatsächlich nicht „getraut“ hat die Bälle zu werfen oder ob sie einfach nicht Teil der Progression waren. Wobei ich meine mich zu erinnern, dass auch J.T. O’Sullivan in seinem Review des College-Tapes von Mac ähnliches mal angesprochen hatte.
    Ich hoffe auch sehr, dass Trent Brown schnell wieder fit ist – die rechte Seite der O-Line mit Herron als Backup sah stellenweise nicht gut aus. Gegen Ende war ja scheinbar mit Durant nochmal ein anderer Backup drin. Bin gespannt, wie es am Sonntag gegen die Jets läuft!

  3. Insikt +1. Gut auf den Punkt gebracht.

    Ich hatte dazu das Gefühl, dass McCorkle die Kurzpässe von der Defense angeboten bekommen hat. Wenn ich der DC des nächsten Gegners wäre, ich würde konsequent alle kurzen Routen zumachen und Mac zwingen tief zu gehen.
    Wobei ich fairerweise sagen muss, dass Mac auf seinen wenigen tiefen Bällen sowohl „touch“ als auch „zipp“ bewiesen hat. Das Werkzeug hat er also. Wenn sie den ordentlich entwickeln, könnte NE da den richtigen QB-typ für sich gezogen haben.

  4. Pingback: NFL Sonntagsvorschauer 2021 – Woche 2 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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